Craig Venter

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* 14. Oktober 1946 in Salt Lake City (US-Bundesstaat Utah)

Während seines dreijährigen Dienstes im US Navy Medical Corps verbrachte Craig Venter ein Jahr in Vietnam. Die unmittelbare Auseinandersetzung mit Gewalt, Verstümmelung und Tod bestärkten Venter, Medizin zu studieren. 1967 nahm er an der University of California in San Diego (Kalifornien) das Medizinstudium auf, wobei er sich jedoch bald der Fachrichtung Biomedizin zuwandte. Später belegte Venter auch die Fächer Pharmakologie und Therapeutik mit den Forschungsschwerpunkten Gene und Genome. 1975 schloss er sein Studium mit Auszeichnung und dem Doktorgrad ab.

1976 begann Craig Venter an der State University of New York in Buffalo (New York) seine Assistenten- und bald auch Lehrtätigkeit in den Disziplinen Pharmakologie und Therapeutik, in denen er später die Berufung zum Ordentlichen Professor erhielt. Außerdem arbeitete er am Roswell Park Memorial Institute, wo er sich hauptsächlich der Erforschung der Struktur und der Funktionen von Rezeptoren widmete. 1984 wurde Craig Venter Abteilungsleiter am National Institute of Neurological Disorders and Stroke des National Institutes of Health in Bethesda (Maryland). Hier erforschte er zunächst Signale zwischen den Nervenzellen und isolierte hierfür verantwortliche Gene.

1990 begann mit dem Human Genome Project ein weltweites Forschungsprogramm zur Entschlüsselung des gesamten menschlichen Genom aus drei Milliarden DNA-Basen und den bis dahin schätzungsweise 40.000 bis 100.000 Genen. In den hiermit befassten 16 Forschungsinstituten mit rund 1.000 Wissenschaftlern war auch die Bundesrepublik Deutschland vertreten. In den USA begannen die entsprechenden Institute unter Federführung des National Institutes of Health, unterstützt mit öffentlichen Fördergeldern. Die Wissenschaftler des Human Genome Project entschieden sich, an den Chromosomen entlang Stück für Stück zu sequenzieren.

Craig Venter propagierte und praktizierte eine andere Methode, die sogenannte "random shotgun" Methode, die jedoch von führenden Forschern des Human Genome Project abgelehnt wurde. Da Venter keine weiteren Forschungsmittel bewilligt wurden, machte er sich 1992 selbstständig und gründete mit einigen wissenschaftlichen Mitarbeitern seines National Institutes of Health und anderen Instituten sowie Geldgebern aus der Privatwirtschaft das Institute for Genomic Research.

Schon 1995 war das Institute for Genomic Research bei der ersten Entzifferung eines vollständigen Genoms des Bakteriums Haemophilus influenzae erfolgreich. Dies war der erste komplett entschlüsselte frei lebende Organismus. Bis 1998 wurden am Institute for Genomic Research die Genome von sechs verschiedenen Mikroben entschlüsselt.

1997 löste Craig Venter die Verbindungen mit der Pharmaindustrie, brach mit den Forschern des Human Genome Project und vereinbarte eine Kooperation mit dem Unternehmen Perkin-Elmer, das in der Herstellung von automatischen DNA-Sequenzierautomaten führend war. Venter verlegte sich darauf, das menschliche Genom binnen einer Drei-Jahres-Frist und ausschließlich auf privater Basis zu entschlüsseln. Hierfür gründete er im Mai 1998 in Rockville (Maryland) die Firma Celera Genomics Corp., deren Leitung er als Präsident übernahm. Seine Frau trat an die Spitze des Institute for Genomic Research.

Craig Venter war nun im Grenzgebiet zwischen Forschung, Medizin und Geschäft tätig. Im September 1999 begann er mit 257 Sequenzierungsmaschinen als Lese-Systeme das menschliche Genom zu entziffern. Anders als seine Kollegen vom Human Genome Project untersuchte Venter von Anfang an das Genom mehrerer Menschen. Venter zerlegte den Chromosomensatz jeder einzelnen Person in zufällige, sich überschneidende Fragmente, die Maschinen lasen diese dann von beiden Enden aus, und die Hochleistungsrechner speicherten die jeweils bis zu 500 Basenbuchstaben.

Im März 2000 veröffentlichte Craig Venter die Genomsequenz der Drosophila melanogaster (eine Taufliegenart), was die Exaktheit seiner "random shotgun"-Methode bewies. Im April 2000 kündigte er an, die Sequenzierphase des Genoms eines Menschen sei abgeschlossen, und er werde die sequenzierten Fragmente in der korrekten Reihenfolge zusammensetzen, sodass bis Ende 2000 das menschliche Genom für alle überprüfbar vorliegen werde. Am 26. Juni 2000 legte Venter eine Arbeitsversion des ersten vollständig entschlüsselten menschlichen Genoms vor. Bis Ende 2000 hatte er die Hälfte aller bisher bekannten Gene entschlüsselt, allerdings in unsortierter Form.

Craig Venter hat neben seiner Forschungstätigkeit in zahlreichen Fachbeiträgen, Vorträgen und als Herausgeber der Zeitschrift Genome Science ans Technology über die Rezeptorenbiochemie und -methodologie berichtet. Er ist Mitglied mehrerer Organisatoren und hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

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