Karl Schroeder

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* 11. September 1838 in Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern)

† 7. Februar 1887 in Berlin

Der Arzt und Forscher Karl Schroeder gilt als Wegbereiter der deutschen Gynäkologie und Geburtshilfe und war einer der Hauptförderer der Frauenheilkunde. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten und als Operateur führte Karl Schroeder eine Reihe grundlegender Verfahren und Methoden ein, die bis in die Gegenwart Bestand haben.

Karl Schroeder, Sohn des Rektors der Mädchenschule seines Heimatorts Neustrelitz, besuchte hier das Gymnasium und nahm anschließend im Jahr 1858 an der Universität Würzburg das Studium der Medizin auf. Später setzte er es an der Universität Rostock fort und promovierte hier 1864 zum Thema Untersuchungen über den Gehalt der exspirierten Luft an Kohlensäure bei Tuberkulose und Emphysem. Ursprünglich wollte sich Karl Schroeder als Praktischer Arzt auf dem Land niederlassen. Doch er entschied sich anders und folgte einem Ruf aus Bonn als Assistent des Gynäkologen Gustav Veit (1824–1903), was sein zukünftiges Berufsleben bestimmen sollte. Neben dem Studium über das Temperaturverhalten bei Wöchnerinnen veröffentlichte er hier eine Abhandlung über Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, die erstmals auf ihn aufmerksam machte. 1866 habilitierte sich Karl Schroeder und heiratete im gleichen Jahr Anna Busch, mit der er zehn Kinder hatte.

1868 erhielt Karl Schroeder einen Ruf an die Universität Erlangen, wo er das Extraordinariat und 1869 die ordentliche Professur und Leitung der Universitäts-Frauenklinik erhielt. Während seiner Erlanger Jahre entstanden die zwei Lehrbücher Lehrbuch der Geburtshilfe (1870) und das Handbuch der Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane (1874), die Schroeder weit außerhalb seines Wirkungskreises bekannt machten.

1876 folgte Karl Schroeder einem Ruf als Direktor der Berliner Universitäts-Frauenklinik an der Charité. Im gleichen Jahr bewirkte er den Zusammenschluss der Berliner Gesellschaft für Gynäkologie und der Gesellschaft für Geburtshilfe zu einer einheitlichen Ärztevereinigung. Auf Karl Schroeders Initiative hin entstand auch die Allgemeine deutsche Hebammenzeitung. 1877 initiierte er die Gründung einer Puerperalfieber-Kommission (Puerperium = Zeitraum vom Ende der Entbindung bis zum Verschwinden der Schwangerschafts- und Geburtsveränderungen). Entsprechend den Entdeckungen von Ignaz Ph. Semmelweis (1818–1865) setzte Karl Schroeder in seiner Klinik strenge Vorschriften für eine sorgfältige Hygiene sowie für die Desinfektion und Überwachung des Kreißsaalinstrumentariums und des Hebammenpersonals durch. Daneben hatte Schroeder maßgeblichen Anteil an der landesweiten Bekämpfung des Kindbettfiebers durch die Einführung der Meldepflicht dieser Erkrankung.

Karl Schroeders Berliner Jahre sind weiterhin gekennzeichnet durch die allgemeine Entwicklung und Förderung der Geburtshilfe sowie von einer intensiven wissenschaftlichen Tätigkeit. Dabei fanden vor allem seine Veröffentlichungen über Entzündungen und Neubildungen des Endometriums, über die Anästhesie Kreißender, über die Behandlung der Placenta praevia, der Nephritis gravidarum, der Graviditas extrauterina, über die Mastitisätiologie oder über die Nachgeburtsperiode breite Anerkennung. Auch in der gynäkologischen Operationsmethodik erreichte Karl Schroeder unter anderem durch die strikte Anwendung der Antiseptik und Vereinfachung des Instrumentariums große Erfolge. 1880 führte er die erste Totalexstirpation des karzinomatösen Uterus über die Scheide durch, und 1883 die erste Totalexstirpation der karzinomatösen Vagina. 1885 berichtete Karl Schroeder erstmals über die fortlaufende Naht bei plastischen Operationen und 1886 über die nicht infektiöse Peritonitis.

Als Direktor der Universitäts-Frauenklinik engagierte sich Karl Schroeder für den Bau einer neuen Frauenklinik, in der Gynäkologie und Geburtshilfe in einem Gebäude vereint sein sollten. So entstand in den Jahren 1880 bis 1882 die erste Universitäts-Frauenklinik Berlins nach modernsten Gesichtspunkten, in der auch eine räumliche Isolierung septischer und aseptischer Bereiche stattfinden konnte. 1882 führte Schroeder hier die Hauspraktikantentätigkeit für Studenten ein, die einen dreimonatigen internatsmäßigen Klinikaufenthalt vorsah – bis dahin einmalig in der Medizinerausbildung. Durch die Errichtung einer Pathologie mit Lehrsaal im Jahr 1886 konnten erstmals auch bakteriologische, anatomische und klinische Untersuchungen "an Ort und Stelle" erfolgen.

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