Heinrich Ernst Albers-Schönberg

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* 21. Januar 1865 in Hamburg

† 4. Juni 1921 in Hamburg

Heinrich Ernst Albers-Schönberg ist der Nestor der deutschen Röntgenologie. Er war einer der ersten Wissenschaftler, der die Möglichkeiten der von Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) im November 1895 entdeckten X-Strahlen erforschte, bearbeitete und zum Wohle und Nutzen der Kranken einsetzte. Albers-Schönberg war nach Max Levy-Dorn (1863-1929) der zweite Facharzt für Röntgenologie und der erste Hochschullehrer des Fachs Röntgenologie in Deutschland. Er war außerdem Mitbegründer der heute noch bestehenden Fachzeitschrift "Fortschritte auf dem Gebiete der Röntgenstrahlen" im Jahre 1897 und der Initiator der heute ebenfalls bestehenden renommierten Deutschen Röntgengesellschaft im Jahre 1905.

Heinrich Albers-Schönberg, Sohn des Hamburger Kaufmanns August Heinrich Albers-Schönberg und dessen Ehefrau Amélie, geborene des Arts, erhielt seine Schulausbildung auf der Gelehrtenschule des Hamburger Johanneums. Unterbrochen von Militäreinberufungen, studierte er ab Herbst 1885 in Tübingen und Leipzig Medizin, wo er Februar 1891 approbiert wurde. Nach seiner Promotion bei dem bedeutenden Kliniker Heinrich Curschmann (1846-1910) im März 1891 mit der Schrift "Einige mit Kochschen Tuberkulin behandelte Fälle" arbeitete Albers-Schönberg als Volontär an der Frauen-Privatklinik von Prof. Sänger in Leipzig und anschließend als Assistent der Frauen- und Kinderabteilung am Eppendorfer Krankenhaus in Hamburg. Als Anerkennung für seine aufopfernde Tätigkeit während der Cholera-Epidemie erhielt er eine Studienreise nach Berlin und Wien. Ende 1895 ließ sich Albers-Schönberg als praktischer Arzt in Hamburg nieder. Im September 1896 heiratete er eine Tochter des Senators Schroeder in Hamburg.

Die epochemachende Entdeckung Röntgens sollte für Heinrich Albers-Schönbergs weitere berufliche und persönliche Entwicklung maßgebend sein:

Er erkannte sofort die Tragweite dieser Entdeckung und gründete Anfang Februar 1897 zusammen mit seinem Kollegen Gustav Georg Deycke (1865-1940) ein privates Röntgeninstitut. 1903 erhielt Albers-Schönberg eine Berufung an das St. Georg-Krankenhaus in Hamburg und richtete hier eine große Röntgenabteilung ein, die er bis zu seinem Tode leitete.

1904 erhielt Albers-Schönberg den großen Preis der Weltausstellung von St. Louis. Seine diagnostischen Röntgenaufnahmen übertrafen an Feinheit und Klarheit alle Konkurrenzarbeiten. 1907 ehrte ihn das preußische Kultusministerium mit dem Professorentitel. In den Jahren 1907, 1909 und 1913 war Albers-Schönberg Mitglied des deutschen Ausschusses des Internationalen Physiotherapeutenkongresses in Rom, Paris und Berlin. Bei der Gründung der Universität Hamburg wurde seine überragende Stellung auf dem Gebiet der Röntgenologie dadurch gewürdigt, dass 1919 ein Ordinariat für Röntgenologie für ihn errichtet wurde – das erste und einzige seiner Art zu dieser Zeit, das er bis zu seinem Tode inne hatte.

In zahlreichen Untersuchungen hat Heinrich Albers-Schönberg Verfahren zur Erkennung von Tuberkulose, Nierensteinen und Knochenerkrankungen im Röntgenbild sowie röntgentherapeutische Verfahren bei Frauenleiden in die Internistik eingeführt. Im Jahre 1903 gelang ihm als Ergebnis wissenschaftlicher Studien die wichtige Entdeckung des keimdrüsenschädigenden Einflusses der (ionisierenden) Röntgenstrahlen und damit der Bestätigung ihrer biologischen Wirkung. In Kooperation mit Physikern und Technikern entwickelte Albers-Schönberg zahlreiche Instrumente, medizinische Geräte und diagnostisch-therapeutische Verfahren.

Zu den technischen Entwicklungen Albers-Schönbergs gehören unter anderem die 1902 von ihm eingeführte Kompressionsblende, das Kompressions-Stereoskoprohr, der Orthoröntgenograph, Verfahren und Geräte zur Strahlungs- und Dosisbestimmung sowie Strahlenschutzvorrichtungen, wie das von ihm 1905 vorgestellte "Schutzhaus". Ganz besonders lag ihm die Ausbildung von Assistenzpersonal und Ärzten in der Anwendung und Handhabung der damals noch jungen Röntgenologie am Herzen. Mit der von ihm 1905 am St. Georg-Krankenhaus aufgebauten Röntgenabteilung hatte er das erste Röntgen-Zentralinstitut in Deutschland errichtet, das aufgrund seiner baulich-technischen Konzeption Vorbild für Institute im In- und Ausland wurde, und das 1914 nach seinen Plänen in einem eigenen Gebäude erweitet wurde; heute befindet sich hier das renommierte Hermann-Holthusen-Institut. Der Radiologe Hermann G. Holthusen (1886-1971) führte als Nachfolger Albers-Schönbergs das Röntgeninstitut erfolgreich weiter.

Im September 1897 begründete Heinrich Albers-Schönberg zusammen mit Deycke die Röntgenfachzeitschrift "Fortschritte auf dem Gebiete der Röntgenstrahlen", die er nach dem Auswandern des Freunds in die Türkei ab 1898 alleine weiterführte, und die rasch auch ein international anerkanntes Fachorgan wurde und noch heute unter erweitertem Titel fortbesteht. Insgesamt arbeitete Albers-Schönberg 150 wissenschaftliche Veröffentlichungen aus. Das von ihm erstmals 1903 herausgegebene Lehrbuch "Die Röntgentechnik – Lehrbuch für Ärzte und Studierende" galt viele Jahre als ein Standardwerk (die Erstausgabe wird heute im Antiquariat mit mehr als 1.000 Euro gehandelt). Im Mai 1905 gründete Albers-Schönberg anlässlich des 1. Deutschen Röntgenkongresses in Berlin mit Fachkollegen die heute noch bestehende, national wie international hoch geachtete Deutsche Röntgengesellschaft, deren 1. Vorsitzender er wurde, deren Ehrenmitglied er war, und in deren Ausschüssen er bis zu seinem Tode vertreten war.

Heinrich Ernst Albers-Schönberg wurde Opfer des leichtfertigen Umgangs mit den Röntgenstrahlen zu einer Zeit, als deren schädigende Wirkung noch nicht genügend bekannt war. Aus den im Jahre 1908 zuerst an seinen Händen sichtbaren Röntgengeschwüren entstand ein Röntgenkarzinom, das in der Folge zu wiederholten Operationen und Amputationen der Finger zwang, bis 1910 der gesamte linke Arm abgenommen werden musste. Trotz Strahlenbehandlung bildeten sich Metastasen, die auch den rechten Arm und den Oberkörper zerstörten. Albers-Schönberg verstarb schließlich an den Folgen seiner Erkrankung.

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