Ambroise Paré

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* um 1510 in Laval in Frankreich

† 22. Dezember 1590 in Paris

Ambroise Paré gilt in seinem Heimatland als "Vater der französischen Chirurgie" und darüber hinaus als "Erneuerer" und "Pionier der Chirurgie". Er erregte gewaltiges Aufsehen, als er nach Amputationen die Arterie unterband (Ligatur) und damit die alleinige Anwendung des Glüheisens bei der Blutstillung ablöste. Aufgrund seiner Erfahrungen als Feldscher – also als Wundarzt im militärischen Dienst – in verschiedenen Feldzügen erkannte Ambroise Paré, dass Schusswunden keineswegs vergiftet sind, wie man bislang annahm, und dass sie folglich nicht mit siedendem Öl ausgegossen werden müssen, sondern dass diese Behandlung in höchstem Maße schädlich ist. Paré war es auch, der Schädelöffnungen durch Anbohren (Trepanationen) mit einer für die damalige Zeit guten Überlebenschance der Betroffenen ausführte. Er entwickelte unzählige noch heute gebräuchliche chirurgische Instrumente und Zahnarztbestecke und erstellte grundlegende Konstruktionen zur Herstellung prothetischer Apparate.

Erst im 12. Jahrhundert hatte sich die Chirurgie von der Medizin getrennt. Während letztere zu einem akademischen Fach aufstieg, blieb die Chirurgie "nur" ein Handwerk, und so wurde zur Zeit Ambroise Parés die chirurgische Arbeit nicht von akademisch ausgebildeten Ärzten geleitet, sondern blieb vorwiegend handwerklich geschulten Heilgehilfen wie Badern oder Barbieren überlassen, die sich wie Handwerker in Zünften zusammenschlossen. Um Mitglied einer solchen Chirurgen-Innung zu werden, musste man eine entsprechende Lehrzeit absolvieren und diese mit einem Examen unter der Aufsicht akademisch geschulter Heilkundiger abschließen.

So hatte auch Ambroise Paré eine Lehre bei einem Barbier, der sich auch chirurgisch betätigte, durchlaufen und anschließend – entsprechend der Gewohnheit seiner Zeit – ambulant gearbeitet. Anschließend erhielt Paré eine feste Anstellung im Hôtel-Dieu in Paris, der damals modernsten Krankenanstalt in Europa, in der es vor Schmutz und Eiter stank, und wo sich in der Regel mehrere Patienten ein Strohlager teilen mussten. Danach diente Ambroise Paré dem französischen König Franz I. (1494–1547), der mehrere Kriege um Italien und die europäische Vorherrschaft gegen den spanischen Kaiser Karl V. (1500–1558) führte, als Feldscher. 1552 wurde Ambroise Paré zum "Chirugien du Roi" ernannt, eine Stellung, die er auch unter den Nachfolgern des Königs bekleidete. Sein Ansehen als Wundarzt war so groß, dass er 1554 gegen den Widerstand der mächtigen Pariser Medizinischen Fakultät, die den "einfachen Barbier" ablehnte, in das Chirurgen-Kollegium aufgenommen wurde. Ambroise Paré praktizierte, konstruierte und publizierte bis ins hohe Alter und starb allseits geehrt mit 80 Jahren.

Neben zahlreichen Neuerungen in der Chirurgie, insbesondere der Kriegschirurgie, beschrieb Ambroise Paré erstmals in zwei Schriften (1561 und 1575) ausführlich Prothesen und orthopädische Apparate. Besonders bekannt sind Parés Darstellungen von künstlichen Händen, Armen und Beinen, die er von einem befreundeten Pariser Schlosser anfertigen ließ, und die sich wesentlich von den herkömmlichen hölzernen Notbehelfen unterschieden. Ambroise Paré veröffentlichte diese Darstellungen, damit auch andere Schlosser und Uhrmacher die Apparate nachbauen konnten. Neben künstlichen Augen empfahl Paré die künstliche Nase aus Metall sowie einen falschen Schnurrbart oder deckende Masken zur Kaschierung von Gesichtsverletzungen. Er entwickelte künstliche Vorderzähne aus Knochen, Elfenbein oder Haifischzähnen, die mit Gold- oder Silberdraht an den Nachbarzähnen befestigt wurden, Obturatoren zum Verdecken von Gaumendefekten infolge von Schussverletzungen, eiserne Korsetts gegen Rückgratverkrümmungen und zur Korrektur des Klumpfußes bei Kindern spezielle Stiefelchen. Um Männern, die ihren Penis bis zur Wurzel verloren hatten, das Urinieren im Stehen zu ermöglichen, pflanzte er künstliche Harnröhren aus Elfenbein oder Holz ein. Parés Schriften – über 20 Bücher, die er in seiner französischen Muttersprache verfasste, da er als Barbier des Lateinischen unkundig war – geben einen tiefen Einblick in die "Wundarznei" seiner Zeit, in der sich Überliefertes mit Neuem mischt. Viele seiner Verfahren und technischen Apparate, aber auch Parés Schriften, führten regelmäßig zu heftigen Streit mit der Medizinischen Fakultät, welche die Chirurgen zwar als Helfer akzeptierte, sich jedoch von ihnen ihre Autorität nicht schmälern lassen wollte.

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