William Thomas Green Morton

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* 9. August 1819 in Charlton (Massachusetts, USA)
† 15. Juli 1868 in New York (USA)

Seit den Anfängen der Heilkunde haben Patienten und Ärzte den Tag herbeigesehnt, an dem es möglich sein würde, schmerzfrei operieren zu können. Viele, immer wieder vergebliche Versuche waren dazu unternommen worden. Im Jahre 1846 geschah das Unerwartete: Der bis dahin unbekannte 27-jährige Zahnarzt William Thomas Green Morton eröffnete das Zeitalter der modernen Anästhesie. Die Eingriffe konnten jetzt in Ruhe und längere Zeit ohne Abwehr, Verkrampfung und Schmerzensschreie der Patienten durchgeführt werden.

Morton hatte Zahnheilkunde noch bei einem "Zahnchirurgen" gelernt – erst um 1720 hatte die Zahnheilkunde begonnen, sich als eigenständiges Spezialfach von der Chirurgie zu lösen. William Thomas Green Morton praktizierte zunächst in Baltimore (Maryland), ging dann nach Boston (Massachusetts) und eröffnete hier eine Zahnarztpraxis. Angeregt durch die Versuche, Zahnextraktionen unter Lachgas-Betäubung vorzunehmen, mit denen sein Freund, der Zahnarzt Horace Wells (1815-1848), im Dezember 1844 begonnen hatte, forschte Morton nach einem wirksameren Narkosemittel. Er fand es schließlich im Schwefeläther, auf den ihn der Chemiker Charles T. Jackson (1860-1913), den Morton in Boston kennengelernt hatte, aufmerksam gemacht hatte. Nach Selbstversuchen mit äthergetränkten Tüchern gelang es Morton schließlich am 30. September 1846 in seiner Praxis, schmerzlos den Backenzahn eines unter Äthereinfluss stehenden Patienten zu entfernen.

Zwei Wochen später, am 16. Oktober 1846, demonstrierte William Thomas Green Morton im Massachusetts General Hospital zu Boston die Möglichkeit des neuen Anästhesieverfahrens bei einem chirurgischen Eingriff. Dies war die erste öffentliche Demonstration einer Operation während einer Inhalationsnarkose mit Äther. Der Patient war der 20-jährige tuberkulosekranke Buchdrucker Gilbert Abbott, der an einem noch relativ kleinen, oberflächlich liegenden Tumor unterhalb des linken Unterkiefers litt. Morton benutzte eine Glaskugel mit zwei Öffnungsstutzen, in der einige Schwammstückchen steckten, die er mit Äther und einer wohlriechenden Essenz getränkt hatte. Der Tumor konnte durch den Chefarzt des Hospitals, John Collins Warren (1778-1856), innerhalb weniger Minuten entfernt werden. Als der Patient wieder bei Bewusstsein war, rief Warren – das blutige Messer noch in der Hand und sichtlich überrascht, dass der Patient bei seinem Eingriff keinen Laut von sich gegeben hatte – dem erstaunten Publikum zu: "Meine Herren, das ist kein Humbug!" Abbott gab an, dass er keine Schmerzen empfunden hatte, nur ein unbestimmtes Gefühl beim Schaben des Messers.

Damit begann das Zeitalter der modernen Anästhesie. William Thomas Green Morton übernahm auch bei weiteren Operationen, die alle ohne Zwischenfälle verliefen, die Narkose. Die für den Durchbruch der Äthernarkose entscheidende Operation, bei der einer 20-jährigen Patientin ein Oberschenkel abgenommen wurde, fand am 7. November 1846 statt. Allerdings durfte Morton die Narkose erst nach Fürsprache des Chirurgen Henry Jacob Bigelow (1818-1890) durchführen, da er sich beharrlich geweigert hatte, die Zusammensetzung seines Narkosemittels bekanntzugeben.

Die Nachricht über die gelungenen Äthernarkosen ging um die Welt. Es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis die "schmerzlose Operation" auch von führenden Ärzten akzeptiert worden war, und häufig kam es – auch unter dem später eingeführten Chloroform sowie mit Lachgas – zu Misserfolgen. Aufwendige Technik und Handhabungsverfahren wie die Tampon-Trachealkanüle (1869), den Narkosetubus (1890), die Infiltrationsanästhesie (1894) sowie die Spinalanästhesie (1899) verringerten schließlich die Zahl von Narkosezwischen- und Todesfällen.

Morton ging als Entdecker der Äthernarkose in die Geschichte der Medizin ein. Infolge eines langjährigen Streites mit Jackson um die Urheberrechte an dem Narkoseverfahren starb William Thomas Green Morton verarmt in den Slums von New York. 1847 führte der amerikanische Anatom Oliver Wendell Holmes (1809-1894) den Begriff der Anästhesie ein.

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