Thomas Hunt Morgan

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* 25. September 1866 in Lexington/Kentucky (USA)
† 4. Dezember 1945 in Pasadena/Kalifornien (USA)

1903 stellte der US-amerikanische Biologe Walter S. Sutton (1877-1916) die Theorie auf, dass paarweise auftretende Chromosomen Träger des Erbmaterials sind. Diesen Ansatz verfolgte die Forschergruppe um Thomas H. Morgan ab 1907 an der Taufliegenart Drosophila melanogaster und baute sie aus.

In jahrelanger Arbeit gelang es Morgan, die Träger der geschlechtsgebundenen Erbanlagen, die Gene, an bestimmten Stellen der Taufliegen-Chromosomen zu lokalisieren und nachzuweisen, wie Gene durch die Aktivität von Chromosomen weitergegeben werden. Er erhielt "für seine Entdeckungen über die Bedeutung der Chromosomen als Träger der Vererbung" im Jahre 1933 den "Nobelpreis für Medizin oder Physiologie" und gilt seitdem als "Vater der Genforschung". Erst mit Morgans Arbeiten begann die moderne experimentelle genetische Diagnostik und damit die Etablierung der wissenschaftlichen Chromosomenforschung, die ihren Ursprung bereits in den 1866 aufgestellten Vererbungsregeln des Augustiner-Paters Gregor J. Mendel (1822-1884) fand.

Thomas Morgan, ältester Sohn des Farmers Charleton Hunt Morgan, interessierte sich schon als Kind für die Tiere in seiner Umgebung und deren Lebensweisen und legte damit das Fundament seines künftigen Lebensweges. Morgan schloss im Jahre 1886 sein Studium der Zoologie an der University of Kentucky ab und spezialisierte sich dann an der John Hopkins University auf die Fächer Morphologie und Physiologie. 1890 beendete Morgan dort sein Promotion. Anschließend unternahm er mehrere Forschungsreisen nach Europa, wo er unter anderem am Meereslaboratorium in Neapel arbeitete. 1901 erhielt Morgan eine außerplanmäßige Professur an der Biologischen Abteilung des Bryn Mawr College für Frauen. 1904 wurde er Professor für Experimentelle Zoologie an der Columbia University in New York.

In den 24 Jahren seiner Forschertätigkeit an der Columbia University befasste sich Thomas Morgan vor allem mit genetischen Untersuchungen zur chromosomalen Geschlechtsbestimmung. Anfangs stand er den Auffassungen Gregor Mendels kritisch gegenüber. 1907 begannen er und einige Mitarbeiter beziehungsweise Studenten (u.a. Alfred H. Sturtevant, Calvin B. Bridges, Hermann J. Muller) mit Untersuchungen an den Riesenchromosomen der Taufliegenart Drosophila melanogaster und verbanden damit Züchtungsexperimente. Systematisch studierten sie den Erbgang und die Feinstruktur der Chromosomen und verglichen sie mit den bei den Nachkommen auftretenden Merkmalen.

Auf diese Weise konnten sie die Lage der Gene auf den Chromosomen erschließen und zeigen, dass es mehr Merkmalspaare als Chromosomen gibt und somit die Chromosomen nicht die letzten Elemente der Vererbung darstellen konnten. So beobachten sie unter anderem die Kopplung von Genen und erkannten die Überkreuzung von Chromosomen bei der Reifeteilung mit Abbruch und Austausch von Chromosomenstückchen als Quelle neuer Kombinationen bei der Nachkommenschaft. Die genetischen Experimente und zytologischen Analysen bestätigten, dass Chromosomen sich weitgehend so verhalten, wie Mendel es für die Aufspaltung und zufällige Neuzusammensetzung von Genen angenommen hatte.

Damit bestätigte sich die Vorstellung vom Gen als einem winzigen Teil des Chromosomenfadens (die Gesamtheit aller Gene eines Organismus wird als Genom bezeichnet). 1910 beschrieb Morgan in der Arbeit "Sex-linked Inheritance in Drosophila" erste Ergebnisse der geschlechtsgebundenen Vererbung. Bereits die ersten Lokalisationsergebnisse gelangten so exakt, dass er 1911 erstmals eine Chromosomenkarte aufstellen konnte. 1913 folgte die Veröffentlichung "Heredity and Sex" und 1919 fasste Morgan in dem Buch "The Physical Basis of Heredity" (1921 in Deutschland unter "Die stofflichen Grundlagen der Vererbung" veröffentlicht) die Ergebnisse seiner bisherigen Chromosomenforschung zusammen. 1924 folgte "Embryology and Genetics", 1925 "Evolution and Genetics" und 1926 war Morgan mit seiner Arbeit "The Theory of the Gene" in der Lage, eine Gentheorie zu formulieren, welche eine streng mathematische Betrachtung von Vererbungsphänomenen erlaubte.

1928 wurde Thomas Morgan Professor und Direktor der G. Kerckhoff Laboratories am California Institute of Technology in Pasadena, wo er bis zu seinem Tode tätig war. Hier und in seinem privaten Laboratorium im kalifornischen Corona del Mar forschten er und seine Schüler weiter und wiesen an der Taufliege unter anderem nach, dass man Erbmerkmale auf den Chromosomen lokalisieren kann. Wie es jedoch zu Genveränderungen kommt, blieb noch lange ungelöst. Dies konnte erst 1953 durch die Beschreibung der Desoxyribonukleinsäure (DNS) durch Francis H. Crick (* 1916), James D. Watson (* 1928) und M. H. Frederick Wilkins (* 1916) gelöst werden.

Neben dem Nobelpreis wurden Thomas Morgan zahlreiche weitere Ehrungen zuteil, wie etwa durch die Royal Society in London 1919. Außerdem erhielt er unter anderem die Darwin-Medaille (1924) und die Copley-Medaille (1939).

Im Jahre 1904 heiratete Morgan die Wissenschaftlerin Lilian Vaughan Sampson, eine Studentin des Bryn Mawr College, die ihm auch bei seinen späteren Forschungsarbeiten zur Seite stand. Aus der Ehe gingen ein Sohn und drei Töchter hervor.

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