Rita Levi-Montalcini

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* 22. April 1909 in Turin (Italien)

Rita Levi-Montalcini entdeckte im Jahre 1952 die Substanz, die für das Wachstum bestimmter Nervenzellen verantwortlich ist. Dieser Stoff ist ein hormonähnlicher Steuerungsmechanismus (Signal-Hormon), der das Wachstum von Zellen des peripheren Nervensystems steuert – inzwischen unter der Bezeichnung Nervenwachstumsfaktor bekannt. Für ihre Forschungen und die Aufschlüsselung zum Verständnis der Rolle dieses Wachstumsfaktors erhielt Rita Levi-Montalcini – fast 35 Jahre nach ihrer Entdeckung – zusammen mit dem US-amerikanischen Biochemiker Stanley Cohen (*1922) von der Vanderbilt-University in Nashville (einem ihrer Schüler) 1986 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.

Rita Levi-Montalcini ist das fünfte Kind des Elektroingenieurs Adamo Levi und seiner Ehefrau Adele Montalcini, einer angesehenen Malerin. Auch Ritas Zwillingsschwester Paola (1909-2000) wurde später eine bekannte Künstlerin. An medizinisch-wissenschaftlichen Fragestellungen interessiert, entschied sich Rita Levi-Montalcini für eine wissenschaftliche Laufbahn. Daher belegte sie ab 1928 vorbereitende Kurse in Latein, Griechisch und Mathematik und begann an der Turiner Universität mit dem Studium der Medizin. Einer ihrer Lehrer war der italienische Histologe Giuseppe Levi, der ihre späteren Forschungen umfassend begleitete. 1936 legte Rita Levi-Montalcini die Doktorprüfung in Medizin und Chirurgie mit summa cum laude ab.

In den folgenden Jahren spezialisierte sich Rita Levi-Montalcini in den Fächern Neurologie und Psychiatrie, und 1939/1940 war sie als Gastmedizinerin am neurologischen Institut in Brüssel tätig. Wieder in Turin, begann sie mit Experimenten zur Krebsforschung mit Hühnerembryonen, auf die sie durch einen Beitrag des Krebsforschers Viktor Hamburger im Jahr 1934 gestoßen war. Sie gewann hierzu die Unterstützung ihres früheren Lehrers Levi, der ihr erster und einziger Assistent wurde, wie sie in ihrer Autobiographie schreibt. Um ständig bei ihren Experimenten präsent sein zu können, richtete sie sich in ihrem Schlafzimmer ein kleines Laboratorium ein. Aufgrund der Bombardements Turins im Jahr 1941 forschte Rita Levi-Montalcini mit Levi unter notdürftigen Umständen in Piemont und ab 1943 in Florenz weiter. Ab Ende 1944 bis zum Kriegsende war Rita Levi-Montalcini als Krankenschwester und Ärztin in anglo-amerikanischen Lazaretten tätig. Mitte 1945 war sie wieder in Turin, erhielt an der Universität eine Dozentenstelle und führte ihre Forschungen weiter.

1947 kam Rita Levi-Montalcini das erste Mal in die USA, wo sie Hamburger traf und ihm von ihren Arbeiten berichtete. Auf seine Einladung hin führte sie ihre Experimente in St. Louis weiter und begann mit der Verpflanzung von Krebszellen aus Mäusen in Hühnerembryonen. Wie erwartet begannen diese in den Ebryonen zu wachsen. Aus der Art und Weise, wie dies geschah, schloss Rita Levi-Montalcini, dass der Tumor eine hormonähnliche Substanz absondert, der über das Blut zu den Nervenzellen im Embryo gelangte und hier sein Wachstum bestimmte. Ab 1952 führte Rita Levi-Montalcini die weiteren Experimente nicht mehr mit Hühnerembryonen, sondern mit einfacheren Gewebekulturen durch.

Ab 1958 arbeitete Rita Levi-Montalcini als Professorin an der Washington Universität. Ab 1962 pendelte sie regelmäßig zwischen Italien und den USA. 1969 wurde sie Direktorin des vom nationalen Forschungsrat eingerichteten Instituts für Zellbiologie in Rom, in dem sie ab 1977 auch hauptberuflich arbeitete. Die meiste Zeit verbrachte Rita Levi-Montalcini jedoch in den USA, dessen Staatsbürgerschaft sie 1956 erhalten hatte.

Im Jahre 1999 schrieb Rita Levi-Montalcini – bereits 89 Jahre alt – ein Buch über das Alter als Chance: Ich bin ein Baum mit vielen Ästen. Hierin erklärt sie unter anderem, warum das menschliche Gehirn bis ins hohe Alter leistungsfähig sein kann und rät allen alten Menschen, intensiv zu leben, das Gehirn zu trainieren, und nach Möglichkeit auch das zu tun, was ihnen Spaß macht.

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