Otto Johann Leonhard Heubner

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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*21. Januar 1843 in Mühltroff (Sachsen)

† 17. Oktober 1926 in Loschwitz (bei Dresden)

Otto Johann Leonhard Heubner war im ausgehenden 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Deutschlands berühmtester Kinderarzt und zählt zu den Pionieren der Kinderheilkunde. Viele Krankheiten tragen seinen Namen: Heubnerscher Sternenhimmel (Windpockenausschlag), Heubner-Herter-Krankheit (Zöliakie; zusammen mit Christian A. Herter [1865-1910]), Heubner-Schilder-Syndrom (Leukoenzephalitis; zusammen mit Paul F. Schilder [1886-1940]), Heubner-Krankheit (Endarteriitis obliterans der Hirngefäße bei Syphilis).

Otto Heubner, Sohn eines Justitiars, verlebte seine Kindheit im sächsischen Freiberg, besuchte die Gymnasialschule in Grimma und begann 1861 das Studium der Medizin in Leipzig. 1866 schloss Heubner das Medizinstudium mit dem Examen ab. und wurde im gleichen Jahr im Leipziger Jakop-Spital Assistent des Internisten Karl August Wunderlich (1815-1877). 1868 habilitierte sich Heubner und wurde Privatdozent für Innere Medizin. 1871 übernahm er im Deutsch-französischen Krieg neben seiner Arbeit die Leitung eines Leipziger Reservelazaretts. 1873 wurde Heubner auf Vorschlag von Wunderlich außerordentlicher Professor für Innere Medizin an der Leipziger Universität und erhielt 1876 die Leitung der Leipziger Distriktpoliklinik.

1886 erhielt Otto Johann Leonhard Heubner einen Ruf auf die Lehrkanzel für Kinderheilkunde in Prag, der aber an Fragen der personellen Besetzung scheiterte. Dieser Ruf lenkte jedoch die Aufmerksamkeit der Leipziger Fakultät auf Heubner, der dadurch einen Lehrauftrag für Pädiatrie erhielt und die Zusage zum Bau einer Kinderklinik und -poliklinik. Die finanziellen Mittel zum Bau erhielt er aus einem privaten Verein. 1891 wurde die Kinderklinik mit 50 Betten mit einer kinderchirurgischen Abteilung eröffnet und Heubner deren Leiter. In den ersten Jahren seines Wirkens in seiner Leipziger Kinderklinik hat Otto Heubner vor allem die stark ansteckende Infektionskrankheit Diphtherie beeindruckt, gegen die es kein Mittel gab. 1892 kam Otto Heubner mit Emil Adolph von Behring (1854-1917) in Kontakt und war wahrscheinlich einer der ersten, der Anfang 1893 das von Behring entwickelte Diphtherie-Heilserum an kranken Kindern ausprobieren konnte.

1894 übernahm Otto Heubner die Kinderklinik der Charité, die zuvor der Kinderarzt Eduard Heinrich Henoch (1820-1910) geleitet hatte. Wie in den anderen Kinderabteilungen deutscher Krankenanstalten hatte man auch hier mit hoher Säuglings- und Kindersterblichkeit zu kämpfen, deren Ursachen nicht nur Infektionskrankheiten, sondern auch schlechte Krankenhaushygiene, fehlende Kenntnisse der Säuglingspflege sowie schlechte oder falsche Ernährung bildeten. Ein Satz in Heubners Erinnerungen verdeutlicht die Zustände der damaligen Charité-Kinderklinik: "Bei einer meiner ersten Visiten putzte die Oberin einem Säugling die Nase mit dessen beschmutzter Windel.".

Mit der Unterstützung des Bakteriologen Robert Koch (1843-1910) gelang es Otto Heubner, in kurzer Zeit die Missstände in Pflege, Ernährung und Infektionsverhütung zu beseitigen, sodass schon ein Jahr später die Säuglingssterblichkeit in der Kinderklinik der Charité von fast 80 auf weniger als zehn Prozent gesunken war. Daneben betrieb Heubner die Errichtung eines neuen Kinderkrankenhauses, das 1903 eingeweiht wurde.

Neben seinen "normalen" Aufgaben widmete er sich wissenschaftlichen Untersuchungen. An erster Stelle standen dabei Krankheiten des Gehirns und der Hirnhäute, Nierenerkrankungen des Kindesalters, Säuglingstuberkulose und die Tuberkulinbehandlung. Schon 1874 hatte er eine diesbezügliche Arbeit über Die luetische Erkrankung der Hirnarterien verfasst, die wegweisend, jedoch lange umstritten war. In seiner Berliner Zeit entdeckte Heubner, dass die epidemische Hirnhautentzündung bei Kindern durch Meningokokken hervorgerufen wird. Als Erster nahm Otto Heubner 1902 Herzstrom-Aufzeichnungen bei Kindern vor. Desweiteren beschäftigten ihn hygienische Fragestellungen und pathologisch-anatomische Auswirkungen von Infektionskrankheiten. Ein weiteres Arbeitsgebiet Heubners waren die Säuglingspathologie und Ernährung, deren physiologische Grundlagen bis dahin unbekannt waren. Dabei führte er grundlegende Messungen zum Gesamtstoffwechsel und zur Energiebilanz durch und führte den Begriff des (Heubner-)Energiequotienten ein. Otto Heubner betonte zudem schon damals den Wert des Stillens. Heubner hat außerdem wesentlichen Anteil an der neuen Prüfungsordnung für Ärzte, die 1918 verabschiedet, und in der die Kinderheilkunde erstmals zu einem selbstständigen Prüfungsfach erhoben wurde.

1913 schied Otto Heubner aus seinem Amt. Sein Nachfolger von 1913 bis 1935 wurde Adalbert Czerny (1863-1941), zuvor Pädiater in Breslau und Straßburg. Heubner starb im Alter von 83 Jahren, wenige Tage nach einem Schlaganfall.

Otto Johann Leonhard Heubner, 1843-1926

  • 1843: Otto Johann Leonhard Heubner wird am 21. Januar in Mühltroff (Sachsen) geboren
  • 1861-1866: Medizinstudium in Leipzig
  • 1868: Habilitation
  • 1873: Außerordentlicher Professor für Innere Medizin an der Leipziger Universität
  • 1876: Leitung der Leipziger Distriktpoliklinik
  • 1891: Eröffnung einer eigenen Kinderklinik in Leipzig
  • 1894: Otto Heubner übernimmt die Kinderklinik der Berliner Charité
  • 1926: Otto Heubner verstirbt am 17. Oktober 1926 in Loschwitz (bei Dresden)
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