Rosalind Elsie Franklin

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* 25. Juli 1920 in London
† 16. April 1958 in London

Rosalind Elsie Franklin gilt für viele als die eigentliche Entdeckerin der wahren Struktur der DNA (Abk. für engl. desoxyribonucleic acid = Desoxyribonukleinsäure), ihre brillante Forschungsarbeit fand jedoch erst nach ihrem Tod Würdigung.

Rosalind Franklin wurde als zweites von insgesamt fünf Kindern einer wohlsituierten Bankiersfamilie geboren. Sie verfügte zeit ihres Lebens über ein ausreichendes Privateinkommen, durch das sie finanziell unabhängig war und eigentlich das Erlernen eines Berufs nicht notwendig machte. Franklin genoss eine Schulausbildung an der St. Paul's School for Girls in London, die junge Mädchen auch auf ein Berufsleben und nicht nur – wie damals gemeinhin üblich – auf die Ehe vorbereitete. 1938 verließ sie St. Paul’s und schrieb sich am Newnham College ein, das eines der beiden Frauen-Colleges der Cambridge-Universität war. Dort begann Franklin ein naturwissenschaftliches Studium mit Schwerpunkt auf physikalische Chemie und machte 1941 ihren Abschluss als Chemikerin.

Franklin entschied nach ihrem Studium für die British Coal Utilisation Research Association (BCURA) zu arbeiten, einer Organisation, welche die physikalisch-chemischen Eigenschaften von Kohle erforschte. In den nächsten vier Jahren untersuchte Franklin die Mikrostrukturen verschiedener Kohlen und Kohlenstoffe. Die Ergebnisse dieser Studien verhalfen ihr 1945 zu ihrem Doktortitel. Nach dem Krieg beschloss sie, ihre Arbeiten in Paris am Laboratoire Central des Services Chimique de l'Etat fortzusetzen, wo sie den ersten Kontakt zur Röntgen-Kristallographie hatte. Mit dieser Technik erforschte sie die Kristallstrukturen verschiedener Kohlenstoffe und entwickelte eine große Perfektion in dieser Methode. 1949 zog es Rosalind Franklin wieder nach England, wo sie 1950 aufgrund eines Forschungsstipendiums am Londoner King‘s College begann große biologische Moleküle mithilfe der Röntgenkristallographie zu analysieren. Ihre eigentliche Aufgabe sollte der Aufbau einer Kristallographie-Abteilung sein, die Proteine untersuchen sollte. Stattdessen bekam sie rasch den Auftrag erteilt, die bis dahin wenig beleuchteten DNA-Moleküle zu erforschen. Zusammen mit Raymond Gosling, einem Studenten von Wilikins am King’s College, gelangen ihr gestochen scharfe Aufnahmen des DNA-Moleküls. Schnell wurde klar, dass diese in zwei Strukturzuständen auftrat, je nachdem, ob es sich um eine kristalline DNA handelte oder ein DNA, der Wasser zugesetzt wurde. Anfang 1953 erkannte Franklin schließlich, dass die zwei verschiedenen Formen der DNA beide eine spiralförmige, helikale Struktur besaßen, veröffentlichte ihre Forschungsergebnisse jedoch noch nicht.

Zur gleichen Zeit arbeiteten in Cambridge Francis Crick und James Watson an einem theoretischen Modell der DNA. Obwohl sie nicht in engem Kontakt mit Franklin standen, gelang es ihnen 1953 tiefgehende Einblicke in die DNA-Struktur zu bekommen, nachdem sie eines der röntgenkristallographischen Fotos von Franklins Projektleiter Maurice Wilkins gezeigt bekamen und zudem die bis dahin unveröffentlichte Zusammenfassung von Franklins Forschungsarbeit lesen konnten. Beide verschwiegen Franklin, dass sie Teile ihrer Arbeit gesehen hatten und veröffentlichten später ihre eigenen Ergebnisse in Nature, ohne die Anregungen durch Franklins Arbeit anzuerkennen. Crick gab später zu, dass Rosalind im Frühjahr 1953 nur wenige Schritte davon entfernt war, die tatsächliche DNA-Struktur zu erkennen.

Zu dieser Zeit arbeitete Franklin bereits an der Struktur eines Pflanzenviruses, dem Tabak-Mosaikvirus (TMV). Im Rahmen dieser Forschungsarbeiten hatte sie zwischen 1954 und 1956 zwei längere Aufenthalte in den USA. Die Ergebnisse dieser Studien brachten bahnbrechende Erkenntnisse über den Aufbau von Viren und verhalfen ihr 1956 zu dem Auftrag Modelle für zylinder- und kugelförmige Viren zu erstellen. Diese sollten 1958 im Rahmen der Weltausstellung in Brüssel präsentiert werden.

Im Herbst 1956 stellte sich jedoch heraus, dass Franklin an Eierstockkrebs litt. Während der folgenden 18 Monate musste sie mehrfache Operationen und Behandlungen über sich ergehen lassen. In den Abschnitten, in denen der Krebs zurückging, setzte sie ihre Arbeit im Labor fort und versuchte, Finanzierungsmöglichkeiten für ihr Forschungsteam zu finden. Am 16. April 1958 starb Rosalind Franklin mit 38 Jahren in London.

Rosalind Franklin veröffentlichte während der 16 Jahre ihrer beruflichen Laufbahn 19 Texte über Kohlen und Kohlenstoffe, fünf Texte über DNA und 21 über Viren. In ihren letzten Jahren wurde sie zunehmend als Sprecherin auf Konferenzen in der ganzen Welt eingeladen. Sehr wahrscheinlich hätte sie mit ihrer Arbeit über Viren Auszeichnungen und internationale Anerkennung gewonnen, wäre sie nicht so früh gestorben. Allerdings zog sie vor allem durch ihre Entdeckung der DNA-Struktur öffentliche Aufmerksamkeit auf sich.

Die Forscher Crick, Watson und Wilkins gewannen 1962 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie für ihre Arbeit an der DNA-Struktur ("for their discoveries concerning the molecular structure of nucleic acids and its significance for information transfer in living material") ohne jedoch den Beitrag von Franklins Arbeit zu ihren eigenen Ergebnissen anzuerkennen.

Rosalind Elsie Franklin, 1920-1958

  • 1920: Geburt in London
  • 1938-1941: Naturwissenschaftliches Studium mit Schwerpunkt auf physikalische Chemie an der Cambridge-Universität
  • 1941-1945: Untersuchungen an Kohle (British Coal Utilisation Research Association)
  • 1945: Doktortitel an der Cambridge-Universität
  • 1947-1949: Spezialistin für die Röntgen-Kristallographie
  • 1950-1952: Untersuchungen zum Aufbau der DNA-Moleküle am King’s College in London
  • 1953-1956: Untersuchungen zum Aufbau von Viren
  • 1956: Rosalind Elsie Franklin erkrankt an Eierstockkrebs
  • 1958: Rosalind Elsie Franklin verstirbt am 16. April in London
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