Käte Frankenthal

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* 30. Januar 1889 in Kiel
† 21. April 1976 in New York

Die Jüdin Käte Frankenthal war eine der bedeutendsten Stadtärztinnen Berlins. Die Probleme und die Bestimmung ihres Lebens hat sie im Titel ihrer 1981 erschienenen Autobiographie so bezeichnet: "Der dreifache Fluch - Jüdin, Ärztin und Sozialistin".

Nach ihrem Abitur im Jahre 1909 begann Käte Frankenthal in ihrer Heimatstadt mit dem Medizinstudium, das sie 1914 nach Zwischenstationen in Erlangen, München und Wien mit der Promotion in Freiburg abschloss. Nach kurzer Krankenhaustätigkeit in Berlin trat sie als Militärärztin in die österreichische Armee ein, nachdem ihr der Zutritt als Sanitätsärztin in der deutschen Armee verwehrt wurde. 1918 erhielt sie eine Anstellung als Assistenzärztin an der Berliner Charité. Nebenher betrieb sie eine Privatpraxis, in der sie als Ehe- und Sexualberaterin tätig war und als engagierte Gegnerin des Paragraphen 218 kostenlos Verhütungsmittel verteilte. Zudem war sie bei der Beschaffung von Wohnraum, Nahrung und Kleidung ihrer vorwiegend armen Klientel behilflich.

Daneben war Käte Frankenthal seit 1918 in der SPD (Sozialdemokratischen Partei Deutschlands) politisch engagiert und Mitglied in der Stadtverordnetenversammlung von Berlin. 1928 wurde Käte Frankenthal zur stellvertretenden Stadtärztin und Schulärztin für den Stadtbezirk Neukölln gewählt, wo sie die kommunale Eheberatungsstelle leitete und als Vertrauensstelle für Verlobte und Eheleute fungierte.

Die Bedeutung der Fürsorge für die ärmeren Bevölkerungsgruppen führte im Berlin der Weimarer Republik zum Ausbau eines umfangreichen städtischen Gesundheitssystems, das sich insbesondere um die Säuglingsfürsorge, Schulgesundheitspflege, Behinderten- und Tuberkulosehilfe und die Betreuung der Geschlechtskranken kümmerte. Diese Fürsorgeeinrichtungen waren in 21 kommunalen Gesundheitsämtern organisiert, der die so genannten Stadtärzte vorstanden. Diese waren stark sozialdemokratisch bis sozialistisch ausgerichtet, und viele waren jüdischer Herkunft wie Käte Frankenthal.

In ihrer Amtszeit versuchte Käte Frankenthal eine sozialistische Gesundheitspolitik gegen Kommunisten auf der einen und Konservativen auf der anderen Seite durchzusetzen, was infolge der unruhigen politischen Lage in der Reichshauptstadt mit ihren zunehmenden tätlichen Auseinandersetzungen mit Nationalsozialisten und Kommunisten schwierig war. Hinzu kam, dass die männlichen Kollegen zwar die Kompetenz der Ärztinnen durchaus anerkannten, doch ihrer Tätigkeit in der Sexual- und Geburtenregelungsberatung vielfach entschlossen entgegenstanden. Täglich plädierten verzweifelte Frauen um Beistand, und gerade von Ärztinnen erwarteten sie Verständnis und Hilfe. In ihren Lebenserinnerungen schreibt Käte Frankenthal: "Fast alle meine Patienten, aus welchem Grunde sie auch zuerst kamen, fragten früher oder später nach Mitteln zur Geburtenregelung ... Es verging fast kein Tag, an dem nicht weinende Frauen und Mädchen in meinem Sprechzimmer saßen und mich anklagten: Wenn Sie nicht helfen - Sie haben doch gesagt und geschrieben, dass das Gesetz schlecht ist ..."

Nach der Machtergreifung wurde Käte Frankenthal wegen ihrer "nichtarischen" Herkunft entlassen. In richtiger Einschätzung der kommenden Verhältnisse verließ sie 1933 fluchtartig Deutschland und emigrierte über Prag, Zürich und Paris nach New York. Hier machte sie eine Ausbildung in Psychotherapie und Psychoanalyse bei Harry Stack Sullivan. Anschließend eröffnete sie eine psychoanalytische Praxis und war bis ins hohe Alter tätig war.

Käte Frankenthal, 1889-1976

  • 1889: Geburt in Kiel
  • 1909: Abitur in Kiel
  • 1909-1914: Medizinstudium an den Universitäten Kiel, Heidelberg, Erlangen und München
  • 1914: Promotion in Freiburg
  • ab 1918: Politisches Engagement in der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands)
  • 1918-1924: Anstellung als Assistenzärztin an der Berliner Charité
  • ab 1928: Stellvertretende Stadtärztin für den Bezirk Neukölln (Vertrauensstelle für Verlobte und Eheleute)
  • 1932: Beitritt zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP)
  • 1933: Flucht über Prag, Zürich und Paris nach New York
  • ab 1947: Familientherapeutin und Psychoanalytikerin beim Jewish Family Service in New York
  • 1976: Käte Frankenthal verstirbt am 21. April in New York
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