Clarissa (Clara) Harlowe Barton

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* 25. Dezember 1821 in North Oxford/Massachusetts (USA)
† 12. April 1912 in Glen Echo/Maryland (USA)

Clara Barton wurde 1821 in North Oxford (Massachusetts) geboren und besuchte niemals eine Schule. Sie wurde von ihren zwei Brüdern und zwei Schwestern zu Hause unterrichtet und konnte bereits mit vier Jahren dreisilbige Worte buchstabieren. Mit 18 Jahren stand sie als Lehrerin erstmals vor einer Schulklasse. Pädagogisch begabt, gründete Clara Barton 1853 die erste freie Schule in New Jersey. Aus anfänglich sechs Schülern wurden in wenigen Monaten 600. Doch die Leitung der Schule wurde einem Mann anvertraut. Resigniert gab sie schließlich die pädagogische Laufbahn auf, ging 1854 nach Washington, nahm im Patentamt der Regierung eine Stelle an und wurde die erste weibliche Regierungsangestellte der USA.

Ihre Lebensaufgabe fand Clara Barton in der Hilfe für in Not geratene Menschen. Nach dem Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs 1861 meldete sie sich als Freiwillige, um verwundete Soldaten zu versorgen und erwarb sich durch ihren unermüdlichen Einsatz die Ehrentitel "Engel des Schlachtfeldes" und "Florence Nightingale Amerikas".

Erschüttert von der Grausamkeit der Schlachtfelder und der seelischen Not der Angehörigen um das unbekannte Schicksal der vermissten Soldaten, rief Clara Barton nach Kriegsende 1865 in den USA den weltweit ersten Vermisstensuchdienst ins Leben. Anschließend ging sie nach Europa, wo sie Bekanntschaft mit dem Konzept des von Henry Dunant (1828-1910) initiierten und 1865 gegründeten "Internationalen Komitee vom Roten Kreuz" machte. Während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/1871 half sie bei der Einrichtung von Hospitälern, kümmerte sich um die Zivilbevölkerung und richtete Werkstätten für Frauen ein. Dafür wurde ihr in Deutschland das Eiserne Kreuz verliehen.

In die USA zurückgekehrt, kämpfte Clara Barton über fünf Jahre lang um den Beitritt der USA zum Internationalen Roten Kreuz. Dank ihren Anstrengungen wurde schließlich 1881 das Amerikanische Rote Kreuz gegründet. Sie erhielt den Vorsitz und vertrat 1884 die USA auf der Rot-Kreuz-Konferenz und auf der Internationalen Friedenskonferenz in Genf. Aufgrund ihrer Kenntnisse aus praktischen Tätigkeiten hatte großen Einfluss auf das dort verabschiedeten American Amendment. In diesem Zusatz wurde festgelegt, dass das Internationale Rote Kreuz sowohl Katastrophenopfern in Friedenszeiten als auch Kriegsopfern Hilfe zu leisten hat.

Clara Barton verabscheute bürokratische Arbeit und legte ihren Schwerpunkt auf praktische Tätigkeiten. Sie überwachte selbst verschiedene nationale und internationale Hilfseinsätze an vorderster Front, wie zum Beispiel 1887 bei der Gelbfieber-Epidemie in Florida, 1889 bei der Flutkatastrophe von Johnstown (Pennsylvania), 1891 bei der Hungersnot in Russland, 1896 in Armenien, 1900 bei der Flutkatastrophe in Galveston (Texas), im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 sowie im Zweiten Burenkrieg 1899-1902. Die Vergabe von Nahrungsmitteln und Hilfsgütern koppelte sie dabei an Aufbauarbeit und die Abnahme von Saatgut und lieferte damit Möglichkeiten zur Selbsthilfe. 1904 gab Clara Barton schließlich nach 20 Jahren den Vorsitz des Amerikanischen Roten Kreuzes auf, die andauernden Auseinandersetzungen innerhalb der Organisation hatten sie ermüdet.

Neben ihrer bis ins hohe Alter selbstlosen Tätigkeit für das Wohlergehen anderer und trotz vieler schwerer Krankheiten und Depressionen fand Clara Barton Zeit für eine umfangreiche Korrespondenz, ihre Tagebücher und zum Verfassen mehrerer Bücher über das amerikanische und Internationale Rote Kreuz. Sie baute bis wenige Jahre vor ihrem Tod 1912 eine landesweit operierende Erste-Hilfe-Vereinigung auf.

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