Alois Alzheimer

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* 14. Juni 1864 in Marktbreit (Bayern)
† 19. Dezember 1915 in Breslau

Der bekannte Psychiater Emil Kraepelin (1856-1926) benannte die Alzheimer-Krankheit nach dem Namen seines früh verstorbenen Schülers Alois Alzheimer. Über Alzheimers Leben ist nur wenig bekannt. Mitunter wird er in die konservativen Verfechter der so genannten Rassenhygiene eingestuft, die später in Deutschland zur Staatsdoktrien erhoben wurde. Doch das widerspricht seinem Lebenslauf, denn er war mit einer wohlhabenden Jüdin verheiratet, die früh starb. Seine drei Kinder überlebten das Dritte Reich, weil sie keine so genannten Volljuden waren. Mit dem Vermögen, das seine Frau ihm hinterließ, war es Alzheimer möglich, seine tiefgreifenden Forschungen zu finanzieren, die mit der Berufung an den Lehrstuhl für Psychiatrie in Breslau honoriert wurden. Alzheimer mit 51 Jahren an einer Infektion, die ein Vierteljahrhundert später mit Penicillin hätte behandelt werden können.

Alzheimer behandelte in der Städtischen Irrenanstalt Frankfurt/Main eine 51-jährige Patientin namens Auguste Deter, die dort am 25. November 1901 eingeliefert wurde, und der nur wenig mehr als die Erinnerung an ihren Vornamen geblieben war. "Wie heißen Sie?", fragte er. "Auguste" kam nach längerem Zögern die Antwort. "Familienname?" "Auguste." "Wie heißt Ihr Mann?" "Ich glaube Auguste." Wort für Wort seiner verwirrten Patientin hielt Alzheimer in der folgenden mehrtägigen Befragung fest. Er prüfte die intellektuellen und sprachlichen Fähigkeiten der Kranken, ihre Reflexe, die Organfunktionen. Eine Diagnose stellte er nicht – wie seine Kollegen, die er hinzuzog, war er ratlos. Fünf Jahre später starb die Kranke, und Alzheimer notierte: "allgemein verblödet" und "völlig stumpf". Er sezierte ihr Gehirn und entdeckte einen "eigenartigen Krankheitsprozess": Beträchtliche Teile der Hirnrinde, die Gedächtnis, Orientierung und das Gefühlsleben ermöglichen, waren stark verändert. Zudem fand er Eiweißablagerungen (Jahrzehnte später diagnostizierte man diese als ein anomales Protein, das Amyloid), verfilzte Faserbündel, tote Nervenzellen – nur einige Fortsätze der Nervenzellen hatten den Verfall überdauert. Die Besonderheit aber lag darin, dass es sich um eine Demenz handelte, bei der keine Arteriosklerose im Gehirn vorlag. 1906 veröffentlichte Alzheimer seine Fallstudie "Eine eigenartige Krankheit der Hirnrinde". Sie wurde archiviert und zunächst vergessen. Noch ein dreiviertel Jahrhundert später galt die Krankheit als eine exotische, selten auftretende Altersdemenz (Altersschwachsinn), die in den Lehrbüchern mit wenigen Zeilen abgetan wurde, obschon allein in Deutschland zu dieser Zeit Hunderttausende von ihr betroffen waren. Erst durch die steigende allgemeine Lebenserwartung und eine hierdurch bedingte erhöhte Zahl an Neuerkrankungen gewinnt die Erkrankung Alzheimer nach und nach mehr Aufmerksamkeit.

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