Können Spermien riechen?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Stimmt’s oder stimmt’s nicht? "Können Spermien riechen?"

Spermien? Riechen? Die Vorstellung verlangt eine Menge Phantasie ab: Wo soll ein solcher Winzling eine Nase oder sonstiges Riechorgan haben? Und welchem Zweck soll das Riechvermögen dienen? Tasten sich Spermien etwa schnüffelnd wie ein Hund voran und schnuppern sich zu ihrem Ziel im Eileiter: der weiblichen Eizelle?

So absurd es klingt: Tatsächlich haben Forscher schon vor einigen Jahren entdeckt, dass Spermien gewissermaßen riechen können – aber nicht mit einer Nase, sondern mithilfe spezieller Eiweiße, die sich in der Zellmembran des Spermiums befinden. Diese Rezeptoren dienen als Andockstellen für Duftstoffe der weiblichen Eizelle. In Experimenten stellte sich heraus, dass vor allem ein an den Duft von Maiglöckchen erinnernder Geruch die männlichen Samenzellen anzieht. Trifft nun ein passendes Duftmolekül auf einen "Riechrezeptor", verändert dieser seine Struktur und setzt eine Kette mehrerer Reaktionen im Spermium in Gang. Letztlich führt das dazu, dass bestimmte geladene Teilchen (Kalziumionen) in das Spermium strömen und dieses in der Folge seine Geißel schneller bewegt und in Richtung des Duftreizes schwimmt. Es macht sich zielgerichtet auf seinen Weg.

Im Idealfall steuert diese chemische Verständigung ein Spermium exakt zur weiblichen Eizelle und durchdringt deren Wand, sodass die genetischen Informationen beider verschmelzen können. Das Spermium befruchtet die Eizelle. Kurz gefasst hat sich die Natur dieses komplexe Zusammenspiel aus einem einfachen Grund einfallen lassen: um die Fortpflanzung und Arterhaltung sicherzustellen. Das Prinzip, wie sich Zellen über bestimmte Botenstoffe anziehen, findet sich auch bei vielen anderen biologischen Prozessen, etwa Reaktionen des Immunsystems. Wissenschaftler nennen es Chemotaxis.

Für die Forschung sind die Rezeptoren – die es übrigens in derselben Form auch im Bereich des "echten" Riechsystems, der Nase, gibt – aus verschiedenen Gründen interessant. Einer davon betrifft die Verhütung: Gelänge es, die Andockstellen auf den Samenzellen für den besonderen Duft zu blocken, verlören die Spermien ihr Ziel und würden durch die Gegend irren. Eine Befruchtung bliebe aus. Eine solche Methode der Empfängnisverhütung gibt es aber derzeit noch nicht: Wissenschaftler müssen noch viele weitere Details klären, bevor ein passendes Medikament reif für den Markt wäre.

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