Vertrauliche Geburt – anonym entbinden

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Nicht für jede Frau ist ein positiver Schwangerschaftstest ein Grund zur Freude, den sie am liebsten mit der ganzen Welt teilen möchte. Es gibt verschiedenste Gründe, warum eine Frau ihre Schwangerschaft geheim halten möchte – zum Beispiel aus Angst, für das Kind nicht sorgen zu können.

Wenn bestimmte Lebensumstände dagegen sprechen, ein Kind zu bekommen, wissen viele Frauen nicht mehr weiter. Für eine Abtreibung ist es möglicherweise zu spät und das Baby nach der Entbindung in eine Babyklappe zu bringen, können sich viele Schwangere nicht vorstellen. In solchen Fällen kommt eine vertrauliche Geburt infrage, bei der die werdende Mutter ihre Identität nicht preisgeben muss.

Anonyme Schwangerschaft – gesetzliche Regelung

Um eine medizinische Betreuung vor und während der Geburt zu gewährleisten und trotzdem anonym zu bleiben, gibt es das „Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt“. Mit dem Gesetz werden Frauen unterstützt, die ihre Schwanger- und Mutterschaft geheim halten möchten.

Das heißt: Die Schwangere kann sich an eine Schwangerschaftsberatung wenden, die der Schweigepflicht unterliegt. Die Beraterin nimmt einmalig ihre persönlichen Daten auf, die zur Erstellung eines Herkunftsnachweises dienen. Im weiteren Prozess bleibt die Identität unter Verschluss – die Schwangere wählt stattdessen ein Pseudonym, unter dem sie fortan medizinisch begleitet wird. Auch nach der Geburt wird ihre Identität geschützt. Die Beratungsstelle vermittelt die werdende Mutter unter Wahrung ihrer Anonymität an ein Krankenhaus oder eine Hebamme. Dort kann sie sich untersuchen lassen und auch entbinden.

Wenn sich eine Schwangere zur vertraulichen Geburt entschließt, stehen ihr die Mitarbeiter der Beratungsstelle vor und auch nach der Geburt beratend zur Seite. Sie helfen ihr dabei, einen Weg zu finden und eine Perspektive zu entwickeln. Die Berater unterliegen während des gesamten Verfahrens der Schweigepflicht. Alle anderen Einrichtungen, Behörden und Personen erfahren die Identität der Schwangeren nicht.

Darüber hinaus gewährleistet die vertrauliche Geburt eine rechtssichere Grundlage. Das heißt, die Schwangere kann ihre Identität verbergen, während gleichzeitig die Rechte von Kind und Vater gewahrt werden.

Nach der Geburt

Wenn Ihr Baby auf der Welt ist, informieren Klinik oder Hebamme das Standesamt und Ihre Beraterin. Beim Standesamt wird Ihr Kind registriert – von Ihnen wird lediglich Ihr Pseudonym hinterlegt. Nach der Geburt kümmert sich das Jugendamt um das Baby – es erhält einen vom Familiengericht bestellten Vormund. Wenn Sie möchten, dürfen Sie dem Kind einen Namen aussuchen. Mit diesem Namen wird es ins Geburtsregister eingetragen.

Nach einer vertraulichen Geburt ruht laut Gesetz Ihre elterliche Pflicht, für das Kind zu sorgen. Entsprechend wird ein Adoptionsverfahren eingeleitet, wenn Sie das Kind nach der Geburt abgeben möchten. Solange das Adoptionsverfahren läuft (meistens über einen Zeitraum von ca. einem Jahr) können Sie sich immer noch dazu entscheiden, das Kind selbst großzuziehen. In diesem Fall können Sie jedoch nicht anonym bleiben. Ein Familiengericht prüft, ob Sie zweifelsfrei die Mutter des Kindes sind und entscheidet zum Wohl des Kindes.

Sollten Sie sich für ein Leben mit dem Kind entscheiden, können Sie üner die Geburt hinaus weitere Hilfe in Anspruch nehmen, zum Beispiel von einer Familienhebamme, die Ihnen hilft, sich in Ihre Aufgaben als Mutter einzufinden.

Wenn das Kind 16 Jahre alt wird, hat es das Recht, die hinterlegten Daten seiner Mutter einzusehen. In besonderen Fällen kann die Mutter der Einsicht ihrer Daten ab dem 15. Lebensjahr des Kindes widersprechen.

Für die Schwangere entstehen für Beratung, Geburt, Vor- und Nachsorge keine Kosten.

Wo finden Schwangere Hilfe?

Die vertrauliche Geburt ist per Gesetz für ganz Deutschland festgelegt. Das heißt, die Regelungen gelten für alle Geburtskliniken, Krankenhäuser und Hebammen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend informiert im Internet, wie Sie eine Beraterin per Telefon, online oder in einer Beratungsstelle in Ihrer Nähe kontaktieren können:
Informationen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur vertraulichen Geburt

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Ratgeber Schwangerschaft

Quellen:

Online-Informationen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: www.geburt-vertraulich.de (Abrufdatum: 8.3.2017)

Fragen und Antworten zum Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt. Online-Publikation des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Rostock, September 2015

Stand: 8. März 2017

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