(K)eine Welt ohne Masern – Masernfälle nehmen weiter zu

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen

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Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Sie können zahlreiche Komplikationen mit sich bringen, sowohl während der Erkrankung wie auch nach Jahren als Spätfolgen. Experten sind sich aber einig: Es ist möglich, die Masern weltweit auszurotten.

Es gibt nur einen Wirt für Masern: den Menschen! Wenn mehr als 95 Prozent der Bevölkerung gegen die Masern geimpft wären, würde das bedeuten, dass die Krankheit nicht mehr auftreten könnte.

Die Pockenimpfung beispielsweise ist heute in Deutschland keine Pflichtimpfung mehr, da es keine Pocken mehr gibt. Dank der konsequenten Durchimpfung der Bevölkerung gelang die weltweite Ausrottung der Pocken.

Mit den Masern sind wir noch nicht so weit. Im Gegenteil: In Europa liegt Deutschland bei der Ausrottung der Masern ganz hinten. Von Januar bis August 2017 gab es bereits 860 gemeldete Masernfälle in Deutschland – das sind vier Mal so viele Fälle wie im Jahr zuvor im gleichen Zeitraum. Zum Vergleich: Das Ziel sind höchstens 80 Fälle pro Jahr, um die Krankheit endlich in den Griff zu bekommen.

Zwar erhalten durchschnittlich 90 Prozent der Kinder die erste Masernimpfung. Um den vollständigen Impfschutz zu gewähren, ist aber eine zweite Impfung notwendig. Diese wird nur noch von durchschnittlich 77 Prozent wahrgenommen – wobei diese Zahlen je nach Bundesland variieren. In einigen Bundesländern wird die nötige Impfquote bereits erreicht. Andere hingegen weisen extrem niedrige Zahlen auf.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert daher eine Impfpflicht für die Masern, so wie es seinerzeit eine Impfpflicht für Pocken gab. Leider seien nicht alle Eltern mit sachlichen Argumenten zu überzeugen, dass eine Impfung bzw. eine Auffrischimpfung nötig sei, sagt Thomas Fischbach, Vorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Was macht Masern so gefährlich?

Zum einen wird quasi jeder, der ungeschützt mit Masern in Berührung kommt, auch krank. Masern sind hochansteckend.

Außerdem beeinträchtigt eine Masern-Infektion das Immunsystem erheblich – so sehr, dass sogenannte Superinfektionen nicht selten sind. Das bedeutet, dass Erkrankungen, die der gesunde Körper normalerweise abwehren könnte, aufgrund des schwachen Immunsystems leichtes Spiel haben. Bei Masern gehören dazu beispielsweise:

Eine schwere mögliche Superinfektion ist die postinfektiöse Enzephalitis: Diese kann Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma mit sich bringen. In 10 bis 20 Prozent der Fälle endet sie tödlich, in 20 bis 30 Prozent der Fälle bleiben Spätschäden am zentralen Nervensystem zurück.

Nicht zuletzt können Masern noch nach Jahren Spätfolgen nach sich ziehen, etwa die subakute sklerosierende Panenzephalitis, eine infektiöse Erkrankung des Gehirns, die vielfältige Probleme mit sich bringen und bis zur Erblindung führen kann.

Fazit: Masern sind keine harmlose Erkrankung – mit dem vermeintlich positiven Nebeneffekt, das Immunsystem des Kindes zu stärken. Dazu reichen Erkältungen und Magen-Darm-Infektionen aus, die das Kind im Laufe des Kindergarten- und Schulalltags immer wieder aufschnappt.

Nur wenn alle gemeinsam daran arbeiten, diese schwere Krankheit zu bekämpfen, kann sie weltweit ausgerottet werden.

Linktipps:

Masern-Impfempfehlungen für Kinder

Quellen:

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA): www.impfen-info.de (Abrufdatum: 7.9.2017)

Aktuelle Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten. Epidemiologisches Bulletin 35/17. Robert Koch-Insititut (RKI) (Stand: 31.8.2017)

Online-Informationen des Ärzteblatts: www.aerzteblatt.de (Stand: 5.1.2017)

Kinder- und Jugendärzte: "Masernproblem muss endlich gelöst werden! Wir brauchen die Impfpflicht!" Online-Informationen des Berufsverbands der Kinder- und Jugenärzte e.V.: www.kinderaerzte-im-netz.de (Stand: 22.11.2016)

Aktualisiert am: 7. September 2017

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