Der Geruchssinn: Wie Düfte uns beeinflussen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Der Geruchssinn gehört zu den Sinnen des Menschen, dem in der Regel wenig Beachtung geschenkt wird. Was viele jedoch nicht wissen: Der Mensch wird unbewusst von Gerüchen gesteuert.

Gerüche beeinflussen unser Wohlbefinden und können entscheidend für Sympathie oder Antipathie sein. Sie können Auswirkungen auf unsere Stimmung und das Sozial- und Sexualverhalten haben. Auch körperliche Funktionen können über Gerüche gesteuert werden. Riecht etwas angenehm, wird die Speichelproduktion angeregt. Schlechte Gerüche hingegen lösen Übelkeit und Brechreiz aus.

Verantwortlich für die Wahrnehmung von Gerüchen ist im Wesentlichen die Riechschleimhaut, die sich im oberen Teil der Nase befindet. Hier sind etwa 10 Millionen Sinneszellen (Riechzellen) verortet, deren oberes Ende in einer kleinen Verdickung, dem Riechkolben (Bulbus olfactorius), mündet. Der Riechkolben ist mit zahlreichen Riechhärchen ausgestattet, auf denen die Geruchsrezeptoren sitzen. Diese binden die Duftmoleküle und tragen die Geruchsinformationen entlang der Nervenbahnen Richtung Gehirn weiter, wo die Sinneseindrücke entstehen.

Duft ist nicht gleich Duft

Was sind eigentlich Düfte? Chemisch betrachtet ist ein Duft ist eine chemische Substanz – eine Duft besteht also aus Molekülen. Die Riechzellen der Riechschleimhaut sind mit etwa 350 verschiedenen Rezeptortypen (Anknüpfungspunkte für eintreffende Duftmoleküle) ausgestattet, die beliebig über die gesamte Schleimhaut verstreut sind. Jeder Rezeptortyp kann nur einen ganz bestimmten Typ von Duftmolekülen binden.

Die Bindung von Duftmolekülen löst in der sich anschließenden Riechzelle die Weiterleitung der entsprechenden Geruchsinformation aus. Diese wird entlang der Nervenbahnen zum primären Riechzentrum im Riechkolben transportiert. Hier werden die Informationen der Sinneszellen, die die gleiche Art von Duftmolekülen gebunden haben, an dieselben Zellen weitergegeben und auf diese Weise "vorsortiert". In einer Zelle bündeln sich somit nur Fortsätze von Riechzellen mit dem gleichen Rezeptortyp.

Von hier aus werden die vorsortieren und gebündelten Duftsignale zur Riechrinde des Großhirns übertragen, wo sie zu einem bestimmten Geruch zusammengesetzt werden. Weitere Verbindungen münden in Bereiche des Zwischenhirns (Thalamus und Hypothalamus), wo Geruchsempfindungen emotionale Reaktionen, Speichelsekretion, Übelkeit oder Brechreiz auslösen.

Anders ausgedrückt: Beim Riechen wird ein chemisches Signal über die Riechzellen in ein elektrisches Signal umgewandelt und an das Gehirn weitergeleitet.

Düfte wirken im Gehirn direkt auf das limbische System, das zuständig für Emotionen wie Angst oder Glücksgefühle ist. Der Geruch von Feuer löst zum Beispiel bei vielen automatisch ein Gefühl der Angst aus, der Geruch von Vanille hingegen soll sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken.

Zudem ist die menschliche Erinnerung eng mit Düften und Gerüchen verknüpft. Sobald ein bestimmter Geruch wahrgenommen wird – etwa der Duft frisch gebackener Weihnachtsplätzchen – wecken diese die Erinnerungen aus der Kindheit. 

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Gegenfurtner, K.F.: Gehirn und Wahrnehmung. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011

Faller, A., Schünke, M.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2008

Stand: 18. Mai 2016

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