Rheumafaktor

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel

Jupiterimages/iStockphoto
Anzeige

Unter dem sogenannten Rheumafaktor (RF) versteht man einen speziellen Autoantikörper, den Ärzte für die Diagnose von rheumatischen Erkrankungen nutzen. Umgangssprachlich nutzen viele den Begriff in der Mehrzahl und sprechen von "Rheumafaktoren".

Das Immunsystem bildet Antikörper normalerweise, um körperfremde Strukturen und dadurch mögliche Eindringlinge zu erkennen und diese zu bekämpfen. Der Rheumafaktor ist jedoch ein Autoantikörper. Das heißt, er richtet sich fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen – in diesem Fall gegen den Abschnitt eines anderen körpereigenen Antikörpers, gegen das sogenannte Fc-Fragment des Immunglobulins G (IgG). Bei etwa jedem zweiten Patienten mit rheumatoider Arthritis ist der Wert für den Rheumafaktor (RF-Wert) erhöht.

Dabei ist zu beachten: Ein erhöhter Rheumafaktor bedeutet nicht automatisch, dass auch tatsächlich Rheuma als Erkrankung vorliegt. Zum einen gibt es Rheuma-Patienten, bei denen dieser Wert nicht erhöht, sondern ganz normal ist. Zum anderen ist der Wert bei circa 5 bis 10 von 100 gesunden Menschen ohnehin leicht erhöht und hat hier medizinisch gesehen keine Bedeutung.

Um sicherzugehen, sollte der Arzt deshalb weitere Laborwerte zu Rate ziehen, wie Blutsenkungsgeschwindigkeit, C-reaktives Protein (CRP) und Antikörper gegen ein bestimmtes Eiweiß, das zyklisch citrullinierte Peptid (CCP).

Der Arzt bestimmt den Rheumafaktor im Rahmen einer Blutabnahme. Bis zu einer Obergrenze von 20 IU/ml (Internationale Einheiten pro Milliliter) gilt der Wert als normal. Ist der Wert erhöht, kann dies ein Hinweis auf Rheuma oder andere Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises sein, wie zum Beispiel:

Die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung mit rheumatischem Hintergrund steigt dabei, je höher der Wert ist.

Der Rheumafaktor kann aber auch bei entzündlichen Erkrankungen erhöht sein, die keinen rheumatischen Hintergrund haben und dadurch zu falsch-positiven Werten führen. Dies ist unter anderem bei folgenden Erkrankungen möglich:

Ein erhöhter Rheumafaktor liegt zum Teil auch vor, wenn ...

Der Arzt bewertet den Laborwert beim Betroffenen daher stets im Zusammenhang mit den Symptomen und weiteren Befunden, um zu einer Diagnose zu kommen.

Anzeige