Rotaviren

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel

Jupiterimages/iStockphoto
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Rotaviren gehören zur Familie der Reoviren und besitzen wie alle Viren dieser Familie kein Erbmaterial aus DNA, sondern aus RNA (RNA-Viren). Sie besitzen vor allem als Erreger von Durchfallerkrankungen (Rotavirus-Gastroenteritis) bei Kindern bis drei Jahren Bedeutung. Rotaviren führen häufig zu nosokomialen, also im Krankenhaus erworbenen, Infektionen auf Säuglingsstationen, wo diese epidemisch auftreten können.

Rotaviren kommen weltweit vor und werden vor allem über fäkal-orale Schmierinfektionen sowie auch über verunreinigtes Wasser oder kontaminierte Lebensmittel übertragen. Eine Ansteckung durch Tröpfcheninfektion ist nicht auszuschließen. Die Ansteckungsgefahr ist bei diesen Viren sehr hoch – über den Stuhl scheiden Erkrankte sehr große Viruszahlen von mehr als eine Milliarde Viren pro Gramm Stuhl aus – bereits zehn Viruspartikel reichen für eine Infektion bei einem Kind aus.

Nachdem die Rotaviren den Magen passiert haben, gelangen sie in den Dünndarm, wo sie sich in speziellen Zellen der Dünndarmzotten vermehren und diese dadurch schädigen können. Etwa ein bis drei Tage nach der Aufnahme der Rotaviren zeigen sich die Folgen dieser Zellschädigungen in Form von Symptomen wie wässrig-schleimigen, farblos bis gelbbraunen Durchfällen, Erbrechen und Fieber bis 39 Grad Celsius. Bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren können Rotavirus-Infektionen einen sehr schweren, lebensbedrohlichen Verlauf nehmen, da die Gefahr einer Austrocknung (Dehydrierung) durch den hohen Wasserverlust sehr hoch ist.

Nach etwa sechs bis acht Tagen heilt die Infektion im Allgemeinen von selbst aus. Währenddessen werden große Virusmengen mit dem Stuhl ausgeschieden, wodurch die Ansteckungsgefahr sehr hoch ist. Bei älteren Kindern ab drei Jahren oder Erwachsenen verlaufen Infektionen mit Rotaviren eher unauffällig – etwa in Form von Reisedurchfall – oder sogar unbemerkt. Es ist möglich, sich erneut mit Rotaviren anzustecken.

Vor allem in Ländern mit schlechten wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen führen Infektionen mit Rotaviren zu einer erhöhten Kindersterblichkeit, da mit der Durchfallerkrankung durch den hohen Wasserverlust eine lebensbedrohliche Austrocknung des Körpers einhergehen kann. In Afrika, Asien und Lateinamerika kommt es Schätzungen zufolge pro Jahr zu mehr als einer Million Rotavirus-Infektionen bei Kindern – etwa 600.000 davon nehmen einen tödlichen Verlauf.

Um einer Infektion durch Rotaviren vorzubeugen, sind besonders in Kinderkliniken, Säuglingsstationen, Alten- und Pflegeheimen sowie Einrichtungen mit immungeschwächten Patienten strenge Hygienemaßnahmen wichtig. Für Säuglinge im ersten Lebensjahr gibt es einen Impfstoff, der im Allgemeinen in zwei bis drei Dosen oral (über den Mund, als Schluckimpfung) verabreicht wird.

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