Amöben

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Amöben zählen zu den Protozoen (Urtierchen) und hier zur Gruppe der Rhizopoda (Wurzelfüßer). Sie sind Einzeller, die keine feste Zellwand besitzen und dadurch ihre Form verändern können. Während manche Amöben harmlos sind, können andere Erkrankungen hervorrufen.

Um sich fortzubewegen, bilden Amöben wurzelähnliche Ausstülpungen aus dem Zellkörper heraus: sogenannte Scheinfüßchen oder Pseudopodien. Der Zellkörper folgt dann den Scheinfüßchen nach. Mithilfe der Zellausläufer können Amöben auch Nahrung aufnehmen – indem sie diese mit den Scheinfüßchen umfließen und dann in kleine Bläschen (sog. Nahrungsvakuolen) in ihrem Körper einschließen. Innerhalb dieser Bläschen wird die Nahrung verdaut.

Süßwasser-Amöben besitzen außerdem eine Art pulsierendes Bläschen in ihrem Innern, die sogenannte kontraktile Vakuole. Diese kann sich an unterschiedlichen Stellen im Zellinnern befinden und dient dazu, überflüssiges Wasser aus der Zelle herauszubefördern. Da der Salzgehalt innerhalb der Amöben höher ist, als das sie umgebende Süßwasser, fließt durch Osmose ständig Wasser in die Zelle rein. Mithilfe der kontraktilen Vakuole können Amöben diesen Einstrom ausgleich und so verhindern, dass sie bersten.

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Schematischer Aufbau einer Amöbe: Im Unterschied zu Bakterien besitzen Amöben einen echten Zellkern.

Von dem beweglichen Stadium können Amöben in ein Dauerstadium übergehen und rundliche, unbewegliche Zysten ausbilden. Als Zysten sind Amöben relativ widerstandfähig, solange die Umweltbedingungen günstig sind und es nicht zu trocken oder zu warm wird. Trocknen die Zysten aus, sterben die Einzeller ab, ebenso bei einem Erhitzen auf über 55 Grad Celsius.

Der Begriff Amöben geht auf das griechische Wort amoibe zurück und bedeutet so viel wie "Wechsel" oder "Veränderung".

Vor allem drei Amöben-Gruppen sind für den Menschen von Bedeutung:

  1. krankheitserregende (pathogene) Darmamöben
  2. krankheitserregende (pathogene) Amöben, die in der Natur vorkommen
  3. nicht krankmachende (apathogene) Amöben, die auf Schleimhäuten (z.B. im Darm oder im Mundraum) vorkommen

Krankheitserregende (pathogene) Darmamöben

Zur dieser Gruppe zählt ausschließlich der Krankheitserreger Entamoeba histolytica. Er kommt weltweit vor und kann zur sogenannten Amöbenruhr führen, die meist mit starken Durchfällen einhergeht. Erkrankungen durch Entamoeba histolytica treten vor allem in tropischen und subtropischen Ländern auf. Den größten Teil seines Lebenszyklus verbringt dieser parasitisch lebende Organismus im Darm des Menschen. Die Zysten von Entamoeba histolytica werden mit dem Stuhl ausgeschieden und können über fäkale Verunreinigen von Wasser oder Nahrung andere Menschen infizieren.

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Zyste der Amöbenart Entamoeba histolytica

Krankheitserregende (pathogene) frei lebende Amöben

Zu den in Süßwasser und im Boden frei lebenden Amöben zählen die Gattungen Acanthamoeba, Balamuthia und Naegleria, die beim Menschen gelegentlich Infektionen verursachen. Zum Beispiel können mit diesen Amöben verunreinigte Kontaktlinsenflüssigkeit oder Speichel zu einer Hornhautentzündung des Auges (Keratitis) führen. In seltenen Fällen gelangen sie auch beim Baden in stehenden Gewässern in den menschlichen Körper. Über die Nasenschleimhaut können die Amöben entlang der Nerven in das zentrale Nervensystem wandern und dort nach wenigen Tagen eine Entzündung der Hirnhaut und des Gehirns (Meningoenzephalitis) bewirken.

Amöben dieser Gattungen nehmen manchmal andere Krankheitserreger in sich auf, wie etwa Bakterien, die zur Legionärskrankheit führen, und tragen so zur Verbreitung solcher Erreger bei.

Nicht krankmachende (apathogene) Amöben

Zu den nicht krankmachenden Amöben gehören zum Beispiel die Amöben-Arten Entamoeba coli, Entamoeba dispar, Entamoeba hartmannii oder Endolimax nana. Diese Amöben kommen bei vielen Menschen im Darm vor. Entamoeba gingivalis findet man dagegen im Mundraum in den Zahnzwischenräumen und Zahnfleischtaschen.

Vorbeugen

Bisher gibt es keine Impfungen oder vorbeugenden Medikamente, um einer Erkrankung durch Amöben vorzubeugen. Daher ist Hygiene der beste Schutz vor einer Infektion, vor allem bei Reisen in Risikogebiete. Wenn Sie sich also in den Tropen oder in Regionen mit schlechten hygienischen Verhältnissen aufhalten, beherzigen Sie einige Hygienemaßnahmen, wie:

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