Zöliakie (einheimische Sprue)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Zöliakie (einheimische Sprue) ist weltweit verbreitet und kann unangenehme Symptome wie Durchfall, Übelkeit und einen aufgeblähten Bauch verursachen. Besonders bei Kindern kann die gestörte Dünndarmfunktion zu Mangelernährung und damit zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen führen.

Die Begriffe

bezeichnen alle die gleiche Erkrankung. Früher wurde auch zwischen Sprue im Erwachsenenalter und Zöliakie im Kindesalter unterschieden.

Was ist Zöliakie (einheimische Sprue)?

Die Zöliakie, im Volksmund häufig auch einheimische Sprue genannt, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, verursacht durch eine Glutenunverträglichkeit. Gluten ist ein Getreideeiweiß, das in Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Grünkern und Dinkel enthalten ist.

Die Zöliakie im Kindesalter war bereits im zweiten Jahrhundert vor Christus als bauchige Krankheit bekannt. Der Begriff Sprue kommt dagegen vom niederländischen Sprouw für Bläschen.

Neben der einheimischen Sprue gibt es außerdem die tropische Sprue, deren Ursachen bisher unklar sind. Man nimmt an, dass bestimmte Erreger die Dünndarmschleimhaut in gleicher Weise schädigen wie bei der Glutenunverträglichkeit und damit die gleichen Symptome hervorrufen. Die Therapie unterscheidet sich dagegen von der einheimischen Sprue: Da eine Infektion als Ursache angenommen wird, werden bis zu sechs Monate Antibiotika (Tetrazykline) Antibiotika sowie Folsäure und Vitamin B12 verabreicht. Eine lebenslange spezielle Diät ist bei der tropischen Sprue nicht nötig.

Häufigkeit

In Europa erkrankt schätzungsweise 1 von 70-200 Personen an Zöliakie. Screening-Untersuchungen in Deutschland haben ergeben, dass zwar ungefähr jede 3. bis 4. Person spezifische Risikogene für Zöliakie aufweist, doch nur weniger als 5 Prozent der Betroffenen entwickeln das Vollbild der Erkrankung. Im Erwachsenenalter sind Frauen etwas häufiger betroffen als Männer.

Aufgrund der genetischen Komponente gibt es eine familiäre Häufung, eineiige Zwillinge erkranken mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent gemeinsam an Zöliakie.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Zöliakie:

Zöliakie: Symptome

Die einheimische Sprue ruft typische Symptome hervor. Dazu gehören:

Weitere Beschwerden können sein:

Im Kindes- beziehungsweise Säuglingsalter kann die Zöliakie zu einer Mangelernährung führen. Diese wiederum verursacht:

Das Vollbild der Zöliakie und die entsprechenden Symptome treten aber nur bei etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen auf. 8 bis 9 von 10 Betroffenen haben dagegen keine oder nur sehr unspezifische Beschwerden und wissen daher gar nicht, dass sie Zöliakie haben.

Zöliakie: Diagnose

Bei Zöliakie ist mithilfe der Endoskopie eine eindeutige Diagnose möglich: Die Dünndarmschleimhaut wird dabei mit einem Endoskop auf Veränderungen untersucht. Bei der einheimischen Sprue sind spezielle Strukturen des Dünndarms, die der besseren Aufnahme von Nährstoffen dienen – die sogenannten Zotten – stark reduziert beziehungsweise gar nicht mehr vorhanden, sodass die Aufnahme bestimmter Nährstoffe nicht mehr oder nur noch eingeschränkt erfolgen kann. Dies kann der Arzt mit dem Endoskop, einem schlauchförmigen Instrument mit einer kleinen Kamera am Ende, feststellen und durch Gewebeproben (Biopsie) sichern.

Zusätzlich kann ein Nachweis von Antikörpern im Blut die Diagnose sichern. Je höher der gemessene Wert bestimmter Antikörper ist, desto stärker ist die Dünndarmschleimhaut geschädigt. Daher zeigt der Antikörper-Wert das Ausmaß der Erkrankung an und hilft, den Verlauf der einheimischen Sprue beziehungsweise Zöliakie zu beobachten.

Bei der Untersuchung von Blutparametern zeigen sich bei Zöliakie häufig bestimmte Veränderungen:

Diese Blutwerte können im Zusammenhang mit entsprechenden Beschwerden einen Hinweis auf eine mögliche einheimische Sprue geben; allein reicht das aber für eine sichere Diagnose nicht aus, da diese Veränderungen des Blutbildes auch bei anderen Erkrankungen auftreten können.

Für eine genaue Diagnose sind bestimmte Funktionstests notwendig, welche die Fähigkeit des Dünndarms zur Aufnahme beziehungsweise Verwertung der Nährstoffe überprüfen:

Zöliakie: Therapie

Zöliakie kann nicht mit Mediakamenten behandelt oder geheilt werden. Wer Zöliakie hat, muss lebenslang glutenhaltige Nahrungsmittel meiden. Dazu gehören Roggen, Weizen, Gerste und Dinkel sowie daraus hergestellte Produkte wie Brot, Kuchen, Nudeln, Paniermehl, Müsli, Bier und vieles mehr. Besondere Vorsicht ist bei Fertigprodukten (Soßen, Suppen, Konserven, Wurstwaren etc.) geboten, die häufig verstecktes Gluten enthalten.

Wie kann ich glutenfrei essen?

Glutenfrei sind beispielsweise Mais und Maismehl, Hirse, Soja, Reis, Amaranth, Quinoa sowie reine Stärke. Mittlerweile gibt es auch viele glutenfreie Produkte in Reformhäusern und Supermärkten, etwa glutenfreie Nudeln oder glutenfreies Brot. In der Regel sind diese Nahrungsmittel speziell gekennzeichnet.

Schon kleine Ausnahmen von der glutenfreien Diät lösen schnell erneut Symptome aus und können auf Dauer die Häufigkeit von Darmkrebs und anderen Krebserkrankungen, insbesondere von bösartigen Lypmhknotenvergrößerungen (malignen Lymphomen) erhöhen. Bei Zöliakie ist das Krebsrisiko aber nur gering erhöht, wenn die glutenfreie Ernährung konsequent eingehalten wird.

Oft ist es sinnvoll, zu Beginn der Therapie nicht nur auf eine glutenfreie Ernährung zu achten, sondern auch auf Milch und Milchprodukte zu verzichten, da die geschädigte Darmschleimhaut häufig das milchzuckerabbauende Enzym Laktase nicht oder nicht in ausreichenden Mengen herstellen kann. Hat ein Laktosetest ergeben, dass der Betroffene keinen Milchzucker (Laktose) verträgt, sollte er Milchprodukte vermeiden, bis die Darmfunktion wiederhergestellt ist. Dann produziert der Darm oft auch wieder ausreichend Laktase. Wurde kein Laktasemangel nachgewiesen, ist es nicht notwendig, auf Milch zu verzichten.

Zöliakie: Ursachen

Bei Zöliakie kommen als Ursachen genetische Veranlagungen infrage, die zu einer Autoimmunreaktion führen. Gluten löst eine Antigen-Antikörper-Reaktion aus (ähnlich einer Allergie). Die Zellen der Dünndarmschleimhaut nehmen das Gluten auf. Dort aktiviert es das Immunsystem, welches das Gluten bekämpft. Die Immunantwort ruft eine Entzündung in den Zellen der Dünndarmschleimhaut hervor, die dazu führt, dass diese absterben.

Als weitere mögliche Ursachen für Zöliakie diskutieren Experten Enzymdefekte in der Dünndarmschleimhaut.

Zöliakie: Verlauf

Zöliakie verläuft bei konsequenter glutenfreier Ernährung gut. Betroffene Kinder entwickeln sich bei entsprechender Therapie körperlich und geistig völlig normal.

Ohne Behandlung führt die Zöliakie im Kindesalter im weiteren Verlauf zu

Weitere Folgen der einheimischen Sprue können sein:

Im Erwachsenenalter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an Krebs oder Osteoporose zu erkranken. Neuere Studien deuten aber darauf hin, dass sich das Krebsrisiko normalisiert, wenn sich die Betroffenen konsequent glutenfrei ernähren.

Zöliakie: Vorbeugen

Einer Zöliakie kann man nicht vorbeugen. Screeningtests bei Neugeborenen sind nicht vorgeschrieben. Beim Auftreten erster Symptome sollte jedoch frühzeitig eine Diagnostik erfolgen, um schwere Mangelzustände zu vermeiden.

Sie können Zöliakie auch nicht vorbeugen, indem Sie sich grundsätzlich glutenfrei ernähren. Wer keine einheimische Sprue hat, kann glutenhaltige Lebensmittel zu sich nehmen, ohne damit das Risiko einer Erkrankung zu erhöhen.

Den Spätfolgen der einheimischen Sprue kann man allerdings vorbeugen, indem man sich ab der Diagnose konsequent glutenfrei ernährt. Außerdem gibt es ein paar Empfehlungen, mit denen man bereits bei Säuglingen möglicherweise schweren Verläufen der Zöliakie vorbeugen kann, zum Beispiel:

Zöliakie: Weitere Informationen

Linktipps:

Umfassende Informationen über Zöliakie bei der Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V.

www.zoeliakie-treff.de Umfangreiche Seite mit vielen Hintergrundinformationen über Zöliakie und einem Forum.

Buchtipps:

Quellen:

Online-Information der Deutsche Zöliakiegesellschaft (DZG): www.dzg-online.de (Abrufdatum: 24.7.2017)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 14.6.2017)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie et al.: S2k-Leitlinie Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/021 (Stand: 30.4.2014)

Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Ledochowski, M.: Klinische Ernährungsmedizin. Springer, Wien 2010

Michels, G., Schneider, T.: Klinikmanual Innere Medizin. Springer, Heidelberg 2010

Aktualisiert am: 24. Juli 2017

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