Selektiver Mutismus

Veröffentlicht von: Wiebke Raue

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Sie sind körperlich in der Lage, zu sprechen – aber sie tun es nicht: Wenn Kinder sich trotz eines normal entwickelten Sprachvermögens und intakter Sprachorgane nicht verbal äußern, bezeichnen Ärzte das als Mutismus. Meist liegt ein sogenannter selektiver Mutismus vor: Das Kind spricht nur mit bestimmten Personen, so etwa mit den Eltern. Bei Kontakt mit anderen Menschen hingegen bleibt es stumm.

Ein typisches Beispiel für selektiven Mutismus: Zu Hause plaudert der Sprössling munter drauflos, im Kindergarten aber gibt er schon seit Monaten keinen Mucks von sich. Selektiver Mutismus ist eine emotional bedingte Störung, die über eine bloße Schüchternheit hinausgeht. Während das Kind beispielsweise im Elternhaus frei sprechen kann, verstummt es unter bestimmten Bedingungen, etwa in Anwesenheit fremder Personen.

Selektiver Mutismus beginnt in der Kindheit und Jugend. Oft zeigt er sich erstmals im Vorschulalter, kann aber in seltenen Fällen auch später noch in Erscheinung treten. Häufig tritt selektiver Mutismus gepaart mit sozialen Ängsten und weiteren Auffälligkeiten auf, so etwa Bettnässen oder der Angst, allein zu schlafen.

Selektiver Mutismus ist auch unter der Bezeichnung elektiver Mutismus bekannt. Mit selektiv bzw. elektiv ist so viel wie "auswählend" gemeint. Beide Begriffe machen deutlich, dass das Kind nur in bestimmten Situationen nicht spricht, zum Beispiel, wenn bestimmte Personen im Raum sind. Das Wort mutus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "stumm".

Wesentlich seltener als ein selektiver Mutismus ist der sogenannte totale Mutismus – in diesem Fall spricht das Kind gar nicht mehr, auch nicht mit den Eltern.

Verschiedene Faktoren begünstigen Mutismus, so etwa genetische Einflüsse, eine ängstliche Persönlichkeit oder sprachliche Defizite. Bei der Behandlung von selektivem Mutismus können verschiedene Therapieverfahren zum Einsatz kommen, die auch miteinander kombiniert werden. So etwa eine Verhaltenstherapie: In den Sitzungen lernt das Kind, schrittweise seine Ängste abzulegen und mit anderen Menschen zu kommunizieren.

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