Schwangerschafts­diabetes (Gestations­diabetes)

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen

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In Deutschland entwickeln 4 von 100 Schwangeren einen Schwangerschaftsdiabetes, Tendenz steigend. Der Gestationsdiabetes kann sich etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche entwickeln und verschwindet meist nach der Geburt von selbst. Dennoch muss er behandelt werden.

Was ist ein Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)?

Der Begriff Schwangerschaftsdiabetes bezeichnet einen erhöhten Blutzuckerspiegel der werdenden Mutter während der Schwangerschaft. Er wird in der Fachsprache als Gestationsdiabetes bezeichnet (Gestation = Schwangerschaft).

Ein Schwangerschaftsdiabetes bereitet keine direkten Beschwerden, sodass grundsätzlich die Gefahr besteht, dass er nicht oder zu spät therapiert wird. Eine Therapie ist aber nötig, denn der Diabetes kann sich negativ auf das ungeborene Kind auswirken. Darum wird bei allen Schwangeren im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge der Blutzucker kontrolliert. Bei erhöhtem Risiko wird der Frauenarzt einen oralen Glukosetoleranztest empfehlen, damit ein Gestationsdiabetes rechtzeitig erkannt und zum Schutz von Mutter und Kind behandelt werden kann.

Schwangerschaftsdiabetes: Ursachen & Risikofaktoren

Ein Schwangerschaftsdiabetes kann durch einen gesteigerten Insulinbedarf oder eine zunehmende Insulinresistenz der Schwangeren entstehen:

Mit fortschreitender Schwangerschaft benötigt die werdende Mutter mehr Energie. Um diese zur Verfügung zu stellen, wird im Körper vermehrt Glukose freigesetzt. Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) muss mehr Insulin produzieren, um die Glukose den Zellen zuzuführen und so die Konzentration des Zuckers im Blut (Blutzuckerspiegel) zu senken.

Bei einigen schwangeren Frauen kann die Bauchspeicheldrüse diese Mehrarbeit nicht leisten und dem gesteigerten Insulinbedarf nicht gerecht werden, sodass es zu einem Insulinmangel kommt. In diesem Fall spricht man von einem echten Insulinmangel.

Im ersten Drittel der Schwangerschaft (1. Trimester) werden außerdem bestimmte Hormone vermehrt ausgeschüttet (unter anderem HCG), die dafür sorgen, dass die Zellen auf den Insulinreiz sensibler reagieren. Im zweiten und besonders im dritten Abschnitt der Schwangerschaft (2. und 3. Trimester) ändert sich jedoch die Zusammensetzung der ausgeschütteten Hormone und die Zellen entwickeln eine zunehmende Insulinresistenz. Der Blutzuckerspiegel kann dann trotz ausreichend vorhandenem Insulins nicht gesenkt werden. Man spricht dann von einem relativen Insulinmangel.

In den meisten Fällen kommt der weibliche Körper mit den veränderten Anforderungen während der Schwangerschaft zurecht. Es gibt aber einige Faktoren, die das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes erhöhen.

Risikofaktoren für einen Schwangerschaftsdiabetes:

  • Übergewicht (Adipositas) mit einem BMI > 30
  • falsche Ernährung
  • Diabetes mellitus in der Familie
  • eine oder mehrere Fehlgeburten
  • ein früheres Kind wog bei der Geburt über 4.500 Gramm
  • das Geburtsgewicht der werdenden Mutter lag über 4.500 Gramm
  • Alter der Schwangeren über 35 Jahre
  • erhöhte Fruchtwassermenge
  • Einnahme von Kortisonpräparaten in der Schwangerschaft

Schwangerschaftsdiabetes: Symptome

Ein Schwangerschaftsdiabetes verursacht meist keine auffälligen Symptome. Er äußert sich aber durch einen zu hohen Blutzuckerspiegel bei der werdenden Mutter, der im Rahmen eines Zuckerbelastungstests festgestellt werden kann.

Mögliche Anzeichen für einen Gestationsdiabetes

Auf den Ultraschallaufnahmen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge kann möglicherweise ein übermäßiges Wachstum beziehungsweise zu hohes Gewicht des Fötus festgestellt werden – dies kann ein Anzeichen eines Schwangerschaftsdiabetes sein.

Bleibt ein Schwangerschaftsdiabetes unbehandelt, kann er im Verlauf zu einer Ketoazidose führen, die ihrerseits Beschwerden verursachen kann.

Schwangerschaftsdiabetes und Ketone

Wenn, beispielsweise aufgrund eines Diabetes, zu wenig Kohlenhydrate als Energielieferanten zur Verfügung stehen, beginnt der Körper, die Fettreserven abzubauen. Beim Fettabbau werden sogenannte Ketone oder Ketonkörper frei – unter normalen Umständen in geringem Maße und unbedenklich. Wird aber aufgrund fehlender Glukose in kurzer Zeit viel Energie aus Fettreserven benötigt, werden zu viele Ketone freigesetzt.

Es gibt drei unterschiedliche Ketonkörper:

Überschüssiges Azeton wird abgeatmet. Der Atem riecht dann scharf, ähnlich wie Nagellackentferner. Azetoazetat und Beta-Hydroxybutyrat aber lagern sich im Körper an und verschieben den pH-Wert in den sauren Bereich (Azidose), was sich wiederum auf die Stoffwechselprozesse im Körper auswirkt. Unbehandelt kann diese sogenannte Ketoazidose, also eine Übersäuerung aufgrund von Ketonkörpern, zu einem diabetischen Koma führen.

Anzeichen für eine Ketoazidose können sein:

Im Verlauf eines Schwangerschaftsdiabetes sollten Sie daher sowohl den Blutzuckerspiegel als auch die Ketone regelmäßig überprüfen. Über spezielle Teststreifen können die Ketone im Urin nachgewiesen werden.

Erhöhte Ketonkörper-Werte sollten Sie unbedingt mit dem behandelnden Arzt abklären. Er wird mit Ihnen einen Plan erstellen, wie Sie erhöhte Werte korrigieren können.

Schwangerschaftsdiabetes: Diagnose

Um einen Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig erkennen zu können, hat jede Schwangeren, die noch keinen diagnostizierten Diabetes hat, zwischen der 25. Schwangerschaftswoche und der 28. Schwangerschaftswoche Anspruch auf ein sogenanntes Screening und bei Bedarf auf einen Glukosetoleranztest.

Beide Tests werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Schwangerschaftsdiabetes: Therapie

Wurde ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt, kann es bereits ausreichen, wenn die werdende Mutter ihre Ernährung in der Schwangerschaft umstellt und sich mehr bewegt, zum Beispiel durch häufige Spaziergänge an der frischen Luft, Schwangerschaftsgymnastik, Aquagymnastik für Schwangere und Ähnliches.

Seltener ist es nötig, bis zum Ende der Schwangerschaft Insulin zu verabreichen. Die Schwangere kann in diesem Fall selber den Blutzuckerwert bestimmen und sich Insulin injizieren. Dabei ist besondere Vorsicht im 3. Trimester geboten: In dieser Zeit ist bei allen Schwangeren die Insulinwirkung erhöht. Spritzt sich die Schwangere jetzt zu viel Insulin, kann sie damit eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) bewirken. Die Insulingabe sowie das Messen des Blutzuckerspiegels sollte daher immer in enger Absprache mit dem Frauenarzt erfolgen. Schwangere sollten außerdem immer etwas dabei haben, um den Blutzuckerspiegel schnell steigern zu können (z.B. Traubenzucker).

Das genaue Vorgehen bei einem Gestationsdiabetes hängt von seiner Schwere ab und wird mit einem diabetologisch geschulten Arzt besprochen und von diesem überwacht. Je nach Gewicht der Schwangeren beziehungsweise Gewichtszunahme während der Schwangerschaft kann es nötig sein, eine gezielte Diät einzuhalten.

Nach der Geburt des Kindes wird erneut ein Zuckertest durchgeführt um sicherzustellen, dass der Schwangerschaftsdiabetes nicht weiter besteht.

Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes

Meist reicht es aus, bei zu hohen Glukosewerten gezielt auf die Ernährung zu achten. Dies geschieht in enger Absprache mit dem Frauenarzt und gegebenenfalls einer Ernährungsberatung. Denn Schwangere sollten keine klassische Diät einhalten – das kann sich ungünstig auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Meist wird keine Gewichtsreduktion angestrebt. Es geht lediglich darum, eine gesunde Ernährung einzuhalten und eine zu schnelle Gewichtszunahme zu verhindern.

Bei der Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes sollten Sie – neben den Regeln für eine gesunde Ernährung in der Schwangerschaft – auf Folgendes achten:

Schwangerschaftsdiabetes: Verlauf

In den meisten Fällen beschränkt sich der Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) auf die Schwangerschaft. Nur äußerst selten besteht er über die Geburt hinaus fort. Jedoch ist das Risiko für die Schwangere erhöht, in späteren Jahren einen Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln.

Mit der entsprechenden Insulin-Therapie oder mithilfe einer Ernährungsumstellung kann ein Schwangerschaftsdiabetes meist gut behandelt werden. Wird er jedoch nicht oder zu spät erkannt, kann es zu einer Reihe von Komplikationen, besonders für das Baby, kommen.

Besteht ein Schwangerschaftsdiabetes, führt der Arzt im letzten Schwangerschaftsdrittel vermehrt Ultraschalluntersuchungen durch, um ein übermäßiges Wachstum des Babys zu erkennen und wenn nötig die Geburt verfrüht einleiten oder einen Kaiserschnitt vornehmen zu können.

Mit der entsprechenden Insulin-Therapie oder mithilfe einer Ernährungsumstellung kann ein Schwangerschaftsdiabetes in der Regel gut behandelt werden. In den meisten Fällen hat der Schwangerschaftsdiabetes keine weiteren Auswirkungen auf die Schwangerschaft, die Geburt oder das Baby!

Auch ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes hat nicht zwingend negative Auswirkungen. Jedoch steigt das Risiko für eine Reihe von Komplikationen.

Komplikationen

Komplikationen für die Schwangere im Verlauf eines unbehandelten Gestationsdiabetes können sein:

Ein unbehandelter oder zu spät behandelter Schwangerschaftsdiabetes kann aber auch Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben:

So beugen Sie Schwangerschaftsdiabetes vor

Einem Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) können Sie vorbeugen, indem Sie Risikofaktoren wie Übergewicht und falsche Ernährung bereits bei Kinderwunsch, spätestens aber in der Schwangerschaft vermeiden.

Die richtige Ernährung in der Schwangerschaft senkt das Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes!

Nehmen Sie außerdem den Zuckertest zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche bei Ihrem Frauenarzt in Anspruch.

Schwangerschaftsdiabetes: Weitere Informationen


Onmeda-Lesetipps:

Forum Schwangerschaft und Geburt

Nutzen Sie dieses Forum als Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und Erfahrungen zu sammeln.

Linktipps:

Merkblatt des Gemeinsamen Bundesausschusses
Warum wird allen schwangeren Frauen ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes angeboten? (PDF, 86,9 kB)

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 11.5.2017)

Mutterschaftsrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses: www.g-ba.de (Stand: 20.7.2016)

Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Evidenzbasierte Leitlinie zu Diagnostik, Therapie u. Nachsorge der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Gestationsdiabetes mellitus (GDM). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 057/008 (Stand: 31.8.2011)

Aktualisiert am: 6. September 2017

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