Kolpitis: Wenn die Scheide entzündet ist

Veröffentlicht von: Wiebke Raue

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Fast jede Frau leidet irgendwann im Leben einmal an einer Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis). Typisches Symptom ist der vermehrte Ausfluss, der je nach Erreger unterschiedlich beschaffen sein kann.

Was ist eine Scheidenentzündung?

Bei einer Scheidenentzündung lösen Krankheitserreger eine Entzündung in der Vagina aus. Eine Scheidenentzündung nennen Mediziner auch Kolpitis oder Vaginitis. Die Bezeichnung Kolpitis leitet sich vom griechischen Wort Kolpium für Scheide ab, die Bezeichnung Vaginitis vom lateinischen Wort Vagina, was ebenfalls Scheide bedeutet. Die Endung itis weist darauf hin, dass es sich um eine Entzündung handelt.

Mediziner unterscheiden verschiedene Formen der Scheidenentzündung:

Gesundes Scheidenmilieu: Natürlicher Schutz vor Erregern

Normalerweise können Krankheitserreger der Scheide nicht so leicht schaden. Allein der Scheideneingang ist durch die Schamhaare und durch die kleinen und großen Schamlippen vor äußeren Einflüssen weitgehend geschützt.

Die Scheide ist von einem mehrschichtigen Gewebe, dem sogenannten Epithel, ausgekleidet. Es schützt unter anderem vor mechanischen Reizen, wie sie beispielsweise beim Geschlechtsverkehr entstehen. Das Scheideninnere ist von verschiedenen Arten von Milchsäurebakterien (Döderleinbakterien, Laktobakterien) besiedelt. Sie bilden aus dem Glykogen (einem Zucker) von abgestoßenen Ephitelzellen Milchsäure. Dies führt dazu, dass im Scheideninneren ein saures Milieu mit einem niedrigen pH-Wert herrscht, in dem sich Krankheitserreger nicht so leicht ansiedeln können. Dieser Schutz vor Keimen besteht meist sogar, wenn relativ viele Erreger von außen in die Scheide gelangen.

Wachstum und Regeneration des schützenden Epithels sind vom Hormon Östrogen abhängig. Da dieses Hormon bei Mädchen vor der Pubertät noch nicht ausreichend gebildet wird, ist das Scheidenmilieu eines Mädchens nicht so sauer, sodass sich Bakterien leichter vermehren können und die Scheide schneller entzündet ist. Das Gleiche gilt für Frauen während oder nach den Wechseljahren. Sie bilden ebenfalls weniger Östrogen als geschlechtsreife Frauen.

Der Schutzmechanismus der Scheide kann aus verschiedenen Gründen gestört sein – Östrogenmangel ist nur eine mögliche Ursache. Erreger haben dann leichtes Spiel und können eine Kolpitis verursachen.

Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis): Typische Symptome

Eine Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis) ist meist (zunächst) auf die Scheide begrenzt. Nicht immer haben die betroffenen Frauen Beschwerden: In vielen Fällen bleibt eine Scheidenentzündung symptomlos.

Wichtigstes Anzeichen einer Vaginitis ist Ausfluss aus der Scheide (sog. Fluor vaginalis): Bei einer Scheidenentzündung sondert die Scheide vermehrt Flüssigkeit ab, die häufig übel riecht. Je nach Zusammensetzung kann diese Flüssigkeit wässrig, schleimig, eitrig, schaumig, krümelig oder blutig sein.

Wie der Ausfluss beschaffen ist, hängt vom jeweiligen Erreger ab:

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Typisches Symptom einer Scheidenentzündung ist Ausfluss.

Je nach Erreger können weitere Symptome auftreten. Dazu zählen

Die Vaginitis kann sich vom Scheideneingang auf die äußeren primären Geschlechtsorgane ausbreiten. Gerade bei Mädchen ist dies oft der Fall. Ärzte sprechen dann von einer Vulvovaginitis.

Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis): Ursachen

Eine Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis) kann relativ leicht entstehen. Wenn die normale Scheidenflora gestört ist, kann der natürliche Schutzmechanismus der Scheide angegriffen sein. Die Folge: Krankheitserreger können sich leichter ansiedeln.

Begünstigende Faktoren

Es gibt viele Faktoren, welche die Scheidenflora aus der Balance bringen können. Dazu zählen etwa:

Krankheitserreger

Eine gestörte Scheidenflora oder Scheidenschleimhaut alleine bedeutet noch keine entzündete Scheide. Die eigentlichen Auslöser der Kolpitis sind bestimmte Erreger. Dazu zählen vor allem:

Auch Viren wie zum Beispiel Herpesviren oder Würmer können zu einer Scheidenentzündung führen.

Zu den häufigsten Ursachen der Scheidenentzündung zählt die bakterielle Vaginose. Dabei ist das natürliche bakterielle Gleichgewicht der Scheidenflora aus der Balance geraten. Dadurch siedeln sich Bakterien an, die dort normalerweise nicht vorkommen, vor allem die Bakterienart Gardnerella vaginalis.

Einige der möglichen Erreger gehören zur normalen Scheidenflora, andere gelangen von außen in die Scheide, meist beim Geschlechtsverkehr. Die Scheidenentzündung ist also eine sexuell übertragbare Krankheit. Aber nicht nur durch Geschlechtsverkehr kann man sich anstecken. Auch gemeinsam genutzte Bade-, Unterwäsche oder Handtücher können zur Scheidenentzündung führen, ebenso wie mangelhafte Hygiene.

Scheidenentzündung bei Mädchen

Bei noch nicht geschlechtsreifen Mädchen ist der natürliche Schutzmechanismus der Scheide noch nicht ausgeprägt. Vor der Pubertät ist das Scheidenmilieu weniger sauer als im Erwachsenenalter, da noch nicht genug Östrogen produziert wird. Im nicht-sauren Milieu können sich manche Bakterien in der Scheide leichter vermehren und so eine Scheidenentzündung auslösen. Meist sind dann auch die äußeren primären Geschlechtsorgane betroffen (sog. Vulvovaginitis). Ärzte bezeichnen die Scheidenentzündung bei Mädchen auch als Vulvovaginitis infantum.

Häufige Ursachen für eine bakterielle Scheidenentzündung bei Kindern sind Schmierinfektionen (z.B. durch Escherichia coliaus dem Analbereich), Harnwegsinfekte oder Fremdkörper in der Scheide.

Scheidenentzündung bei älteren Frauen

Frauen können den natürlichen Schutzmechanismus wieder verlieren, wenn der Körper weniger Hormone bildet, so zum Beispiel in oder nach den Wechseljahren. Dadurch steigt das Risiko für eine Scheidenentzündung. Die durch Östrogenmangel bedingte Kolpitis bei älteren Frauen nennen Mediziner atrophische Kolpitis oder Kolpitis senilis. Durch den Mangel an Östrogen wird die Gewebsschicht in der Scheide dünner und verletzlicher. Außerdem können sich die Milchsäurebakterien in der Scheide nicht mehr ausreichend vermehren, sodass sich andere Bakterien (v.a. aus der Darmflora) leichter ausbreiten.

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Bildet der Körper weniger Östrogen, steigt das Risiko für eine Scheidenentzündung.

Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis): Diagnose

Eine Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis) kann der Frauenarzt im Rahmen einer Untersuchung der Scheide feststellen. Das Scheideninnere ist geschwollen und gerötet. Gelegentlich sind Bläschen auf der Schleimhaut zu sehen. Zudem hat die Frau meist Ausfluss. Farbe, Geruch und Konsistenz des Ausflusses können Hinweise darauf geben, welcher Erreger für die Kolpitis verantwortlich ist.

Um zu klären, welcher Erreger die Scheidenentzündung hervorgerufen hat, nimmt der Arzt Abstriche aus der Scheide und vom Gebärmutterhals. Anschließend untersucht er die Proben unter dem Mikroskop. Außerdem ermittelt er den pH-Wert des Scheidenmilieus.

Gegebenenfalls schickt der Arzt Proben der Abstriche an ein mikrobiologisches Labor, um noch genauere Informationen über den Erreger zu bekommen. So kann er die Behandlung optimal auf den Erreger abstimmen.

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Ein Abstrich hilft, um dem Erreger der Scheidenentzündung auf die Spur zu kommen.

Bei einer Scheidenentzündung ist es nicht nur wichtig, den verursachenden Erreger zu bestimmen. Im Rahmen der Diagnose muss der Arzt auch herausfinden, welche Faktoren die Entzündung begünstigt haben könnten. Dazu zählen zum Beispiel übertriebene Hygiene, ein krankhafter Östrogenmangel oder eine vorangegangene Therapie mit Antibiotika. Um zu verhindern, dass sich die Scheide später erneut entzündet, sollten äußere Einflüsse, die den Schutzmechanismus der Scheidenschleimhaut schädigen können, möglichst ausgeschaltet werden.

Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis): Therapie

Bei einer Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis) hängt die Therapie vor allem davon ab, welcher Erreger für die Erkrankung verantwortlich ist:

Alternativ stehen zur lokalen Therapie Antiseptika zur Verfügung, die sowohl Bakterien und Pilze als auch mikroskopisch kleine einzellige Lebewesen (Protozoen) abtöten.

Je nachdem, welcher Erreger die Scheidenentzündung verursacht hat, erhalten Sie zur Behandlung Scheidenzäpfchen, Cremes oder Medikamente in Form von Tabletten oder Spritzen. Da die Erreger sexuell übertragbar sind, kann es sinnvoll sein, dass sich auch Ihr Partner behandeln lässt.

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Die Behandlung einer Scheidenentzündung hängt davon ab, wodurch die Entzündung hervorgerufen wurde.

Natürliches Scheidenmilieu wiederherstellen

Zur Therapie einer Scheidenentzündung gehört nicht nur, den Erreger gezielt zu bekämpfen. Der Arzt wird auch versuchen, Einflüsse, die das Milieu der Scheide beeinträchtigen könnten, zu beseitigen – etwa einen Östrogenmangel.

Um das natürliche Scheidenmilieu wiederherzustellen, wird der Arzt zum Beispiel Produkte mit Laktobakterien oder Östrogenen empfehlen, die direkt in die Scheide eingebracht werden.

Ergänzend können Sie auf ein Hausmittel zurückgreifen: Wenn Sie wiederholt einen mit Joghurt getränkten Tampon in die Scheide einführen, kann sich das Scheidenmilieu unter Umständen verbessern.

Während der Therapie ist es ratsam, dass Sie auf Geschlechtsverkehr verzichten. Solange die Scheidenentzündung durch die Behandlung noch nicht ganz verschwunden ist, verwenden Sie besser auch keine Tampons oder Scheidenspülungen.

Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis): Verlauf

Wird eine Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis) konsequent behandelt, heilt sie meist problemlos ab.

Komplikationen können sich ergeben, wenn sich die Scheidenentzündung auf den Gebärmutterhals ausbreitet. Zu möglichen Folgen zählen eine Gebärmutterentzündung oder eine Entzündung der Eileiter und Eierstöcke (sog. Adnexitis).

Scheidenentzündung in der Schwangerschaft

Eine Vaginitis in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für vorzeitige Wehen und einen vorzeitigen Blasensprung und somit auch für eine Frühgeburt. Zudem kann es passieren, dass die Mutter ihr Baby während der Geburt mit den Erregern infiziert. Eine solche Infektion ist besonders dann von Bedeutung, wenn es sich um Herpesviren, Gonokokken oder das Bakterium Chlamydia trachomatis handelt. Diese Erreger können beim Neugeborenen unter anderem Entzündungen auslösen, zum Beispiel eine Bindehautentzündung. Daher kann in diesen Fällen eine Entbindung durch Kaiserschnitt sinnvoll sein.

Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis): Vorbeugen

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es zwar nicht, aber Sie können einer Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis) ein Stück weit vorbeugen:

Auf Toilettenhygiene achten

Wischen Sie sich nach dem Stuhlgang das Gesäß immer nur von vorne nach hinten ab. So verhindern Sie, dass Bakterien aus dem Stuhl in die Scheide gelangen.

Scheidenentzündung (Kolpitis, Vaginitis): Weitere Informationen


Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Kolpitis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 3.7.2017)

Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie Geburtshilfe. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2013

Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Kaufmann, M., Costa, S.D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2012

Petersen, E.E.: Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2010

Thomas, C. (Hrsg.): Atlas der Infektionskrankheiten: Pathologie – Mikrobiologie – Klinik – Therapie. Schattauer, Stuttgart 2010

Schwangerschaft und Stillzeit: Antibiotika nur gezielt einsetzen. Online-Informationen der Pharmazeutischen Zeitung (Stand: 2010)

Online-Informationen der Infekt-Liga e.V.: www.infekt-liga.de (Stand: 2010)

Aktualisiert am: 26. Oktober 2017

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