Rückenschmerzen – wenn der Rücken Ärger macht

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel

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Rückenschmerzen zählen mit zu den häufigsten Beschwerden: Abgesehen von Infekten sind sie in Deutschland der zweithäufigste Grund, einen Arzt aufzusuchen.

Meist sind Rückenschmerzen harmlos und verschwinden oft nach wenigen Tagen spontan und ohne Behandlung – deshalb suchen viele bei kurzen Rückenschmerz-Episoden auch keinen Arzt auf. Während manche Betroffene jedoch nur gelegentlich unter Rückenschmerzen leiden, treten sie bei anderen immer wieder oder länger auf. Von chronischen Rückenschmerzen spricht man, wenn die Symptome länger als zwölf Wochen anhalten.

Was sind Rückenschmerzen?
Unter Rückenschmerzen versteht man im Grunde alle Schmerzen im unteren oder oberen Rücken.

Häufigkeit

Gelegentliche Rückenschmerzen kennt fast jeder. Aber auch chronischer Rückenschmerz ist für viele kein Unbekannter: In Deutschland sind 22 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männern davon betroffen – das sind etwa jede fünfte Frau und jeder siebte Mann. Die Häufigkeit von Rückenschmerzen nimmt dabei mit steigendem Alter zu, wobei Frauen insgesamt öfter von Rückenschmerzen berichten als Männer. Akute Rückenschmerzen treten weitaus häufiger auf als chronische Rückenschmerzen.

Manche Statistiken lassen annehmen, dass Rückenschmerzen in Deutschland häufiger als früher auftreten. Das lässt sich bislang jedoch nicht mit Sicherheit sagen, da die Ergebnisse der verschiedenen Studien und Statistiken nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar sind.

Rückenschmerzen: Was sind die Ursachen?

Für Rückenschmerzen gibt es viele mögliche Ursachen – nicht immer lässt sich die eigentliche Ursache der Schmerzen feststellen.

Rückenschmerzen können sowohl körperliche als auch psychische Ursachen (z.B. Stress) haben – oft beeinflussen sich diese Komponenten gegenseitig. In vielen Fällen ist jedoch einfach zu wenig Bewegung beziehungsweise eine schwache Rücken- und Bauchmuskulatur die Ursache der Rückenschmerzen. Einseitige Haltungen, zum Beispiel am Arbeitsplatz, können Rückenschmerzen fördern. Eine mögliche Folge sind Muskelverspannungen im Rückenbereich, die früher oder später zu den eigentlichen Rückenschmerzen führen – denn verspannte, harte Muskeln können benachbart liegende Nerven reizen, was sich schließlich als Schmerz äußert.

Muskelverspannungen sind eine der häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen und führen oft zu akuten Schmerzen. Meist verschwinden diese jedoch nach wenigen Tagen von selbst und gelten als harmlos.

Rückenschmerzen lassen sich nach dem Schmerztyp unterscheiden:

Etwa 62 Prozent aller Rückenschmerzen entstehen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), also im unteren Rücken. Die Lendenwirbelsäule besteht aus fünf Wirbelkörpern, an die sich Kreuz- und Steißbein anschließen. Ist das Gelenk zwischen dem Kreuzbein und einem Teil des Beckenknochens (Darmbein) betroffen, spricht man auch von Kreuzschmerzen beziehungsweise von sogenannten "iliosakralen Beschwerden". Denn das betroffene Gelenk heißt Kreuzbein-Darmbeingelenk oder Iliosakralgelenk, der Schmerz auch Iliosakralsyndrom. Rückenschmerzen können jedoch, wenn auch statistisch gesehen seltener, im mittleren oder oberen Rücken entstehen, also im Bereich der Brustwirbelsäule (2 Prozent) oder Halswirbelsäule (36 Prozent).

Mögliche Ursachen für Rückenschmerzen sind unter anderem:

Nicht immer haben Rückenschmerzen ihre Ursachen in der Wirbelsäule oder der Rückenmuskulatur. Manche Erkrankungen oder körperlichen Veränderungen können zu Schmerzen führen, die in den Rücken ausstrahlen und deshalb für Rückenschmerzen gehalten werden, wie zum Beispiel:

Fehlhaltungen und Fehlbelastungen

Fehlhaltungen und Fehlbelastungen der Wirbelsäule können zu Rückenschmerzen führen. Treten Rückenschmerzen auf, neigen Betroffene dazu, die auftretenden Schmerzen unbewusst zu kompensieren: Sie versuchen die Fehlhaltung dadurch auszugleichen, dass sie andere Muskeln anspannen und auf Dauer verspannen. Dies verursacht weitere Fehlhaltungen, die zu erneuten Rückenschmerzen führen können.

Psychosomatische Ursachen

Der Begriff "psychosomatisch" umfasst die Wörter psyche (Seele) und soma (Körper). Psychosomatische Erkrankungen sind Ausdruck psychischer Belastungen (z.B. Stress) oder Krankheiten (z.B. Depressionen), die sich in Form von körperlichen Beschwerden zeigen. Körperliche Beschwerden können allerdings auch ihrerseits psychische Probleme verursachen – auf lange Sicht erhöhen chronische Schmerzen bei Betroffenen das Risiko für Depressionen.

Wie kann es dazu kommen? Ein Teil des Nervensystems bildet eine Brücke zwischen Psyche und Körper. Angst- oder Stresssituationen erhöhen zum Beispiel den Herzschlag und steigern die Durchblutung. Dauert die Stressphase zu lange an, können psychosomatische Störungen auftreten. Äußern sich diese in dauerhaften Schmerzen, so wird wiederum eine Stresssituation geschaffen und eine Schmerzspirale kann entstehen. Schmerzen bedeuten für den Körper Stress – umgekehrt löst Stress bei Rückenschmerzpatienten wiederum oft Schmerzen aus.

Rückenschmerzen, die psychosomatische Ursachen haben, treten vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule auf.

Rückenschmerzen: Mögliche Symptome

Rückenschmerzen betreffen zu etwa 62 Prozent den unteren Rücken, können sich aber auch im mittleren Rücken oder im oberen Rücken im Bereich der Brust- und Halswirbelsäule bemerkbar machen. Neben den Schmerzen im Rücken treten begleitend manchmal auch andere Symptome auf, wie zum Beispiel:

Häufig gibt es Vorboten für Rückenschmerzen, die viele Betroffene aber nicht unmittelbar als solche wahrnehmen. Hierzu zählen Symptome wie:

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Rückenschmerzen verschwinden oft von selbst.

Rückenschmerzen kann man anhand verschiedener Kriterien einteilen. Ein wichtiges Kriterium ist die Dauer, also wie lange die Rückenschmerzen bei Betroffenen schon bestehen:

Rückenschmerzen können plötzlich auftreten, etwa nach einer ungünstigen Bewegung, oder sich allmählich entwickeln. In vielen Fällen sind Rückenschmerzen harmlos. Meist werden sie einfach durch verspannte Muskeln ausgelöst. Solche Rückenschmerzen verschwinden in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst. Dauern die Rückenschmerzen länger als zwei Wochen an, sollten Sie diese ärztlich abklären lassen.

Das gilt insbesondere, wenn Sie zusätzlich zu den Rückenschmerzen auch eines oder mehrere der folgenden Symptome verspüren:

  • Schwächegefühl
  • Taubheitsgefühle in den Beinen oder Armen
  • Kribbeln
  • Lähmungserscheinungen in den Beinen oder Armen
  • Schmerzen in den Beinen oder im Genitalbereich
  • Stuhl oder Urin kann nicht gehalten werden
  • Schmerz verstärkt sich bei Bewegungen, beim Niesen oder Husten
  • Schmerz lässt nicht nach, wenn Sie sich hinlegen

Diese Symptome gelten als Warnhinweise – suchen Sie bei solchen Symptomen einen Arzt auf.

Rückenschmerzen: Diagnose

Bei Rückenschmerzen stehen dem Arzt verschiedene Methoden zur Verfügung, um eine genaue Diagnose zu stellen und die Ursachen der Beschwerden zu ermitteln, wie etwa:

Anamnese und körperliche Untersuchung

Bei der Diagnose von Rückenschmerzen erhebt der Arzt die Krankengeschichte (Anamnese) des Betroffenen. Der Arzt erfasst Vor- oder Begleiterkrankungen wie Arthrose (Gelenkverschleiß) oder Osteoporose (Knochenschwund), die als Auslöser infrage kommen. Des Weiteren berücksichtigt er, ob möglicherweise psychosomatische Gründe die Rückenschmerzen verursachen. Hierzu gehören zum Beispiel dauerhafter Stress oder psychische Erkrankungen wie eine Depression.

Auch berufliche Aspekte spielen bei der Beurteilung der Rückenschmerzen eine Rolle: Arbeitet der Betroffene beispielsweise überwiegend im Sitzen oder im Stehen, kann dies seine Beschwerden verursachen beziehungsweise verstärken.

Eine Hilfe bei der Diagnose sind außerdem sogenannte Schmerztagebücher. Der Betroffene dokumentiert dabei mithilfe einer Skala, wie er die Rückenschmerzen im Verlauf des Tages empfindet. Schmerztagebücher helfen, die Rückenschmerzen besser zu beurteilen und spätere Therapiemaßnahmen zu kontrollieren.

Der Arzt untersucht den Betroffenen zudem körperlich. Er beurteilt dabei Veränderungen, die er von außen erkennen kann. Dazu zählen beispielsweise die Stellung des Beckens und der Schultern, Verkrümmungen der Wirbelsäule sowie die gesamte Körperhaltung. Außerdem prüft er Muskelkraft, Reflexe, Berührungsempfinden und die Beweglichkeit der Gelenke und der Wirbelsäule. In vielen Fällen gibt dies Aufschluss über die mögliche Ursache der Rückenschmerzen. Weitere Untersuchungen sind oft nicht nötig.

Besteht der Verdacht auf eine Nervenschädigung, empfiehlt sich eine weitere Abklärung durch einen Neurologen.

Röntgenaufnahme

Um die Ursache der Rückenschmerzen abzuklären, kann eine Röntgenaufnahme nötig sein. Häufig kommt der Arzt bei der Diagnose jedoch auch ohne Röntgen aus.

Eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule wird in zwei Ebenen durchgeführt: von vorne und von der Seite. Die Röntgenbilder geben einen Eindruck von der Beschaffenheit der Wirbelknochen, der Haltung und Krümmung der Wirbelsäule sowie dem Zustand der Wirbelgelenke.

Bei bestimmten Fragestellungen kann man die Wirbelsäule auch in Vor- und Rückwärtsbeugung röntgen. Diese sogenannten Funktionsaufnahmen geben Aufschluss über die Beweglichkeit der Wirbelsäule und lassen Rückschlüsse über die Rückenschmerzen zu.

Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT)

Je nach Situation kann im Rahmen der Diagnose auch eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspin) sinnvoll sein. Diese sogenannten Schnittbildverfahren dienen dazu, bestimmte Abschnitte der Wirbelsäule gezielt zu untersuchen. Sie erzeugen Schnittbilder von Muskeln, Wirbelkörpern, Bandscheiben und Gelenken, die dem Arzt helfen, sich ein genaueres Bild über eventuelle Ursachen der Rückenschmerzen zu verschaffen. Gewöhnlich reicht eine Untersuchung ohne Kontrastmittel aus. Wird jedoch eine Entzündung oder ein Tumor als Ursache der Rückenschmerzen vermutet, kann auf die Gabe eines Kontrastmittels nicht verzichtet werden.

Myelographie

Ein besonderes Verfahren ist die Myelographie. Sie kann den Rückenmarkskanal und die Rückenmarksnerven (Spinalnerven) darstellen. Bei der Myelographie spritzt der Untersucher ein Kontrastmittel in den Bindegewebsschlauch, der das Rückenmark umgibt (sog. Duralsack). Mithilfe des Kontrastmittels kann der Arzt neben den Knochen der Wirbelsäule auf dem Röntgenbild auch das Rückenmark und die Nervenwurzeln sehen. Durch eine Computertomographie (CT) im Anschluss an eine Myelographie lässt sich das Rückenmark bei besonderen Fragestellungen bezüglich der Rückenschmerzen genauer beurteilen.

Rückenschmerzen: Therapie – was tun?

Bei Rückenschmerzen richtet sich die Therapie nach den Ursachen und dem Ausmaß der Beschwerden. Ziel der Therapie ist es vor allem, die Symptome zu lindern und Betroffenen möglichst rasch einen schmerzfreien Alltag mit gewohnten Bewegungsabläufen zu ermöglichen. Eine rechtzeitige Therapie soll außerdem verhindern, dass die Rückenschmerzen chronisch werden und sich ein Schmerzgedächtnis ausbildet.

Bei leichten Rückenschmerzen genügt häufig schon ein wenig Wärme, um die Beschwerden zu lindern. Aber auch Schmerzmittel können bei Rückenschmerzen sinnvoll sein, um den Schmerz zu unterbrechen und eine normale Bewegung zu ermöglichen. So lässt sich verhindern, dass ein Kreislauf entsteht, bei dem der Betroffene durch die Schmerzen unbewusst eine Schonhaltung zu Schmerzvermeidung einnimmt. Denn solche Schonhaltungen können auf Dauer wiederum selbst zu Schmerzen führen.

Im Allgemeinen lassen sich Rückenschmerzen mit einer der folgenden Methoden (einzeln oder kombiniert) behandeln:

Bettruhe ist bei Rückenschmerzen in der Regel nicht notwendig und sollte nicht länger als zwei Tage dauern, da sie ansonsten eher schadet: Eine zu lange Bettruhe schwächt die Muskulatur und kann Rückenprobleme dadurch sogar verschlimmern.

Besser ist es, so bald wie möglich wieder den gewohnten Tätigkeiten nachzugehen und aktiv zu werden. Eine Ausnahme sind hierbei körperlich stark belastende Tätigkeiten, die zum Beispiel mit schwerem Heben verbunden sind.

Physiotherapie

Physiotherapie soll bei Rückenschmerzen vor allem die Rücken- und Bauchmuskulatur stärken. Kräftige Rücken- und Bauchmuskeln helfen, den Halteapparat der Wirbelsäule zu entlasten. So kann man Verspannungen – und damit Rückenschmerzen – entgegenwirken.

In der Regel erhält der Betroffene auf ihn abgestimmte Übungen, die auch zuhause durchgeführt werden sollen. Die physiotherapeutischen Übungen zeigen auf lange Sicht vor allem dann Wirkung, wenn der Betroffene aktiv mitmacht und auch nach Beendigung der Physiotherapie weiter aktiv bleibt.

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Bewegung stärkt den Rücken.

Medikamente

Als Medikamente kommen bei Rückenschmerzen häufig auch Schmerzmittel zum Einsatz, wie zum Beispiel die kortisonfreien nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR, z.B. die Wirkstoffe Paracetamol, Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen). Sie lindern die Rückenschmerzen und hemmen entzündliche Prozesse.

Gerade zu Anfang einer Rückenschmerz-Therapie können Schmerzmittel sinnvoll sein, um den Schmerz für eine Weile zu unterbrechen und dem Körper zu ermöglichen, sich schmerzfrei zu bewegen. Durch den Schmerz möglicherweise ausgelöste Schonhaltungen werden so vermieden und Betroffene erlangen rasch ihre alte Mobilität wieder.

Bei manchen akuten oder chronischen Rückenschmerzen kann es sinnvoll sein, mithilfe computertomographischer Überwachung Schmerzmittel an den Ursprung der Rückenschmerzen zu spritzen. Die Schmerzmittel wirken direkt an der Einspritzstelle und lassen sich mit sogenannten Kortikoiden kombinieren, welche stark entzündungshemmend sind. Abhängig vom Ausgangsort der Rückenschmerzen bringt der Arzt das Schmerzmittel in den Bereich der Nervenwurzeln der Wirbelgelenke oder dem Spaltraum im Bereich der Rückenmarkshäute (Periduralraum) mit Schmerzmitteln.

Schmerzmittel und Kortikoide sollten möglichst nur über eine begrenzte Zeit verabreicht werden.

Wärmeanwendungen

Wärme lindert in vielen Fällen die Rückenschmerzen – insbesondere bei leichten Rückenschmerzen. Für Wärmeanwendungen gibt es neben Wärmflasche oder Körnerkissen noch viele weitere Möglichkeiten, hier ein paar Beispiele:

Bei Rückenschmerzen, die durch akute Entzündungen verursacht werden, können Kälteanwendungen sinnvoller sein.

Sport und Entspannungsverfahren

Sport und Bewegung sind ein wichtiger Teil der Behandlung von Rückenschmerzen – und helfen gleichermaßen beim Vorbeugen von neuen Rückenschmerzen, wenn sie die Rücken- und Bauchmuskulatur stärken. Experten empfehlen bei der Therapie von Rückenschmerzen deswegen meist sportliche Betätigung, oft in Abwechslung mit Entspannungsverfahren (z.B. autogenes Training, progressive Muskelentspannung). Um Rückenschmerzen zu lindern oder ihnen vorzubeugen, sind vor allem Sportarten günstig, die die Wirbelsäule entlasten und den Kreislauf gleichmäßig anregen. Hierzu zählen Rückenschwimmen, sanftes Joggen und Walking oder längere Spaziergänge. Besser als Bettruhe und Wärme hilft auf Dauer regelmäßige, individuell angepasste Bewegung.

Rückenschule

Unter dem Begriff "Rückenschule" versteht man vor allem Gesundheitskurse, die Betroffene über die richtige Körperhaltung und rückenfreundliche Bewegungsabläufe aufklären. Der Kursinhalt kann je nach Anbieter etwas variieren. Wie hilfreich die Rückenschule ist, um Rückenschmerzen zu behandeln, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Studien hierzu zeigen sehr unterschiedliche Ergebnisse, was auch daran liegt, dass die Kursinhalte nicht einheitlich festgelegt sind.

Bisherige Erkenntnisse lassen mittlerweile darauf schließen, dass die Rückenschule vor allem dabei helfen kann, Rückenschmerzen vorzubeugen. Als Therapiemaßnahme bei akuten Beschwerden ist sie dagegen nicht so wirksam, wie lange gedacht. Bei unspezifischen Rückenschmerzen, die länger als sechs Wochen dauern, kann sie sich jedoch günstig auswirken.

Massage

Eine Massage kann sehr entspannend für die Muskulatur sein und Rückenschmerzen lindern. Studien zeigen, dass eine Massage weniger bei akuten Rückenschmerzen Sinn macht, aber chronische Rückenschmerzen kurzfristig lindern kann, insbesondere wenn sie mit Physiotherapie oder speziellem Rückentraining kombiniert wird.

Nach Beendigung der Massagetermine sollte der Betroffene jedoch in puncto Bewegung und Entspannungsverfahren selbst aktiv werden, um erneute Rückenschmerzen zu vermeiden.

Akupunktur

Akupunktur kann bei chronischen Rückenschmerzen unter Umständen Linderung bringen. Viele Krankenkassen bieten Akupunktur bei Rückenschmerzen inzwischen auch als Kassenleistung an.

Einige Experten zweifeln jedoch trotz teils positiver Studienergebnisse den Nutzen an. Denn insgesamt sind die Studien zum Thema Akupunktur sehr unterschiedlich aufgebaut und deshalb schwer zu vergleichen. Ob Akupunktur bei Rückenschmerzen in Einzelfällen möglicherweise Sinn macht, muss jeder Betroffene für sich entscheiden.

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Ob Akupunktur bei Rückenschmerzen helfen kann, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt.

Verhaltenstherapie

Wer chronische Rückenschmerzen hat, läuft Gefahr, in eine Schmerzspirale zu geraten: Aufgrund der Rückenschmerzen vermeiden manche Betroffene zum Beispiel bestimmte Bewegungen oder unterlassen Aktivitäten aus Angst, die Rückenschmerzen könnten schlimmer werden. Sie erreichen dadurch aber genau das Gegenteil – sie verstärken die Schmerzen durch ihre Schonhaltung. Werden die Rückenschmerzen dann schlimmer, meinen viele, sich noch mehr schonen zu müssen. Sie sind in einem Teufelskreis "gefangen". In diesen Fällen kann eine Verhaltenstherapie hilfreich sein.

Solch eine Verhaltenstherapie verläuft im Allgemeinen in drei Phasen:

  1. Informationsphase: Der Betroffene erfährt, wie die Rückenschmerzen entstehen und wodurch er sie möglicherweise selbst aufrechterhält. Er lernt, dass er den Schmerzen nicht ausgeliefert ist und selbst aktiv etwas dagegen tun kann.
  2. Übungsphase: Der Betroffene versucht, aktiv Einfluss auf äußere und innere Schmerzauslöser zu nehmen. Zu den äußeren Auslösern zählt z.B. ein hektischer Alltag. Innere Stressoren sind z.B. Ängste, Sorgen oder Erinnerungen. Hier können Schmerztagebücher helfen, die Auslöser zu finden.
  3. Praxisphase: Entspannungstechniken unterstützen den Betroffenen dabei, die Rückenschmerzen zu bewältigen. Wirkungsvoll sind z.B. progressive Muskelentspannung oder autogenes Training. Der Betroffene soll außerdem die körperliche Aktivität nach und nach steigern.

Operation

Rückenschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Eine Operation ist jedoch nur in wenigen Fällen notwendig.

Neben offenen Operationen wendet man auch Verfahren an, die einen kleineren Eingriff erlauben (sog. minimalinvasive Verfahren) – vor allem bei weniger schwerwiegenden Fällen und bei speziellen Ursachen der Rückenschmerzen. Beispiele für minimalinvasive Verfahren sind:

Korsett (Orthese)

Ein Korsett (Orthese) soll den Rücken stützen und so die Rückenschmerzen lindern. Auf Dauer hat diese Methode jedoch eher nachteilige Effekte. Denn durch die Ruhigstellung wird die Muskulatur in diesem Bereich schwächer und kann die Beschwerden auf lange Sicht unter Umständen sogar verstärken. Ein Korsett sollte deshalb möglichst immer nur für kurze Zeit zum Einsatz kommen.

Was können Sie selbst tun?

Wie schnell Sie wieder einsatzfähig sind, hängt auch davon ab, wie aktiv Sie sich an der Therapie der Rückenschmerzen beteiligen. Je mehr der Betroffene mitarbeitet, desto positiver wirkt sich das auf die Heilung aus – bei Rückenschmerzen gibt es einige Dinge, die Sie selbst tun können!

Folgende Tipps können Ihnen dabei helfen, rasch wieder mobil zu werden:

  • Schonen Sie sich nicht zu lange. Bettruhe sollte, sofern nicht anders verordnet, nicht länger als zwei Tage dauern.
  • Versuchen Sie, Ihren gewohnten Alltag wieder aufzunehmen, aber schonen Sie sich noch etwas bei Aktivitäten wie dem Tragen von schweren Gegenständen oder einseitig belastenden Bewegungen.
  • Tragen Sie Gegenstände mit geradem Rücken.
  • Gehen Sie beim Heben mit geradem Rücken in die Knie und stehen Sie auch wieder so auf.
  • Einseitige Belastungen oder Haltungen sind ungünstig. Achten Sie vermehrt auf gleichmäßige Belastungen und bleiben Sie nicht länger als 30 Minuten in ein und derselben Position.
  • Büroangestellte sollten darauf achten, dass Bürostuhl, Schreibtisch, Bildschirm und Tastatur so optimal wie möglich eingestellt sind.
  • Übergewicht kann den Rücken belasten. Überflüssige Pfunde loszuwerden kann Rückenschmerzen lindern. Entspannungsmethoden wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können bei der Therapie von Rückenschmerzen helfen.
  • Werden Sie aktiv und verschaffen Sie sich mehr Bewegung. Wer mit Sport seinen Rücken stärkt, kann Rückenschmerzen lindern und neuen Schmerzen vorbeugen.

Rückenschmerzen: Verlauf & Vorbeugen

Verlauf

Der Verlauf von Rückenschmerzen hängt in erster Linie von deren Ursache ab. Die meisten Rückenschmerzen sind harmlos. Erste Beschwerden verschwinden in der Regel spontan und ohne Behandlung. In vielen Fällen können die Rückenschmerzen jedoch erneut auftreten.

Vorbeugen

Wer ein paar Verhaltensweisen beherzigt, kann Rückenschmerzen oft langfristig vorbeugen. Hierzu zählen:

Rückenschmerzen: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Themeninsel: RückenproblemeKreuzschmerzenIschialgieMuskelverspannungen

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Bundesverband der deutschen Rückenschulen (BdR) e.V.
Bleekstr. 22, LBZB – Haus L
30559 Hannover
Tel. 0511 / 350 27 30
Fax. 0511 / 350 58 66
info@bdr-ev.de
bdr-ev.de

Forum Gesunder Rücken – besser leben e.V.
Postfach 3564
65025 Wiesbaden
Tel. 0611 / 589 38 36
Fax. 0611 / 589 38 32
post@forum-ruecken.de
www.forum-ruecken.de

Aktion Gesunder Rücken e.V.
27446 Selsingen
Tel. 04761 / 92 63 580
Fax. 04761 / 92 63 58 810
info@agr-ev.de
www.agr-ev.de

Buchtipps:

Quellen:

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Auf und nieder – immer wieder. Mehr Gesundheit im Büro durch Sitz-Steh-Dynamik: Online-Informationen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: www.baua.de (Stand: Juni 2013)

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Breusch, S., Mau, H., Sabo, D.: Klinikleitfaden Orthopädie. Urban & Fischer, München 2002

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Stand: 21. April 2017

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