Regelschmerzen (Dysmenorrhö)

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen

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Fast jede Frau hat während ihrer Periode schon einmal unter Regelschmerzen gelitten – oder hat gar regelmäßig damit zu kämpfen. Die Schmerzen können zwar sehr unangenehm sein, medizinisch sind sie jedoch meist nicht besorgniserregend.

Was sind Regelschmerzen (Dysmenorrhö)?

Regelschmerzen (Dysmenorrhoe oder Dysmenorrhö) sind Schmerzen während der Menstruation. Sie sind eines der häufigsten gynäkologischen Probleme. Die Beschwerden beginnen meist kurz bevor die Blutung einsetzt und sind an den ersten beiden Tagen der Periode am stärksten.

Es gibt zwei verschiedene Arten von Regelschmerzen:

Häufigkeit

Viele Frauen haben bereits ab der ersten Regelblutung Regelschmerzen. Von dieser primären Dysmenorrhö sind insbesondere sehr junge sowie sehr schlanke Mädchen und Frauen betroffen. Auch im Zeitraum zwischen der Pubertät und der ersten Schwangerschaft kommen Regelschmerzen sehr häufig vor.

Insgesamt haben 50 bis 90 von 100 Mädchen und jungen Frauen Regelschmerzen. Bei vielen Frauen nehmen die primären Regelschmerzen mit zunehmendem Alter ab. 

Von sekundären Regelschmerzen sind dagegen vor allem Frauen zwischen 30 und 40 Jahren betroffen.

Regelschmerzen (Dysmenorrhoe): Ursachen

Je nach Ursache gibt es zwei Formen von Regelschmerzen:

Primäre Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhö)

Primäre Regelschmerzen treten meist bereits mit der ersten Regelblutung auf. Eine primäre Dysmenorrhö hat meist keine körperlichen Erkrankungen als Ursache. 

Während der Menstruation werden in der Gebärmutterschleimhaut vermehrt körpereigene Botenstoffe (Prostaglandine) gebildet. Diese sorgen dafür, dass sich die Muskulatur der Gebärmutter zusammenzieht und die Schleimhaut dabei abstößt. Durch das Zusammenziehen ist das Gewebe weniger durchblutet und daher schlechter mit Sauerstoff versorgt. Dadurch entstehen bei einigen Frauen die typischen primären Regelschmerzen.

Primäre Regelschmerzen treten vor allem dann auf, wenn im Zyklus der Frau ein Eisprung stattgefunden hat. Denn in diesem Fall ist die Gebärmutterschleimhaut eine dicke, gut durchblutete Schicht, in der sich die befruchtete Eizelle besonders gut einnisten kann. Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, werden in der dicken Gebärmutterschleimhaut besonders viele Prostaglandine produziert.

Hat hingegen kein Eisprung stattgefunden, zum Beispiel weil die Frau mit der Antibabypille verhütet, ist die Gebärmutterschleimhaut schwächer ausgebildet. Dementsprechend schwächer fällt die Menstruation aus – und meist auch die damit verbundenen Beschwerden.

Weitere mögliche, wenn auch seltene Ursachen für primäre Regelschmerzen sind:

Auch psychische Faktoren können bei primären Regelschmerzen eine Rolle spielen. So können beispielsweise die Probleme junger Frauen, sich in die weibliche Rolle und das Erwachsensein einzufinden, unangenehme Gefühle während der Menstruation fördern oder verstärken.

Weitere begünstigende Faktoren für primäre Regelschmerzen sind unter anderem:

Sekundäre Regelschmerzen (sekundäre Dysmenorrhö)

Sekundäre Regelschmerzen treten meist erst später im Leben auf. Sie werden auch erworbene Regelschmerzen genannt. Denn anders als primäre Regelschmerzen haben sekundäre Regelschmerzen meist eine Erkrankung als Ursache: Sie können bei krankhaften Veränderungen im Becken auftreten, etwa bei einer Gebärmutterentzündung oder bei Myomen (Gebärmuttergeschwulsten).

Eine häufige Ursache einer sekundären Dysmenorrhö ist die Endometriose. Diese gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut betrifft etwa 10 von 100 Frauen im gebärfähigen Alter. In vielen Fällen bleibt die Erkrankung als mögliche Ursache der Regelschmerzen unerkannt.

Wenn Sie häufig oder regelmäßig an Menstruationsbeschwerden und -störungen leiden, sollten Sie Ihren Frauenarzt darüber informieren. Dieser kann feststellen, ob Ihre Beschwerden möglicherweise durch eine Endometriose oder eine andere gynäkologische Erkrankung hervorgerufen werden.

Sekundäre Regelschmerzen können außerdem durch mechanische Verhütungsmittel im Bereich des Gebärmutterhalses hervorgerufen werden (z.B. durch eine Spirale). Auch psychische Belastungen wie beispielsweise ...

können bei manchen Frauen der Grund dafür sein, dass sie ihre Menstruationsblutung als unangenehm und schmerzhaft empfinden.

Regelschmerzen (Dysmenorrhoe): Symptome

Auch wenn sich primäre und sekundäre Regelschmerzen in ihren Ursachen unterscheiden, rufen sie dennoch zum Teil ähnliche Symptome hervor.

Primäre Regelschmerzen

Regelschmerzen ohne krankhafte Ursache (primäre Dysmenorrhö) verursachen typische Symptome wie ziehende, krampfartige Unterleibs- und Rückenschmerzen

Da die Prostaglandine – also die Gewebshormone, die für das Zusammenziehen der Gebärmutter verantwortlich sind – auch an anderen Organen wirken, können begleitende Symptome entstehen, wie:

Häufig sinkt die Leistungsfähigkeit.

In einigen Fällen sind die Beschwerden so stark, dass betroffene Frauen in ihrem Alltag erheblich eingeschränkt sind, zum Beispiel nicht zur Arbeit gehen können.

Wann treten Regelschmerzen auf?

Primäre Regelschmerzen treten vor allem auf, wenn ein Eisprung stattgefunden hat. Die krampfartigen Schmerzen beginnen meist kurz bevor die Blutung einsetzt und sind an den ersten beiden Tagen der Periode am stärksten. 

Sekundäre Regelschmerzen

Bei den sekundären Regelschmerzen (sekundäre Dysmenorrhö) können ähnliche Symptome wie bei primären Regelschmerzen auftreten. Je nachdem, welche Grunderkrankung für die Beschwerden verantwortlich ist, sind diese jedoch variabel. Häufig berichten betroffene Frauen zusätzlich über sehr starke und lang anhaltende Regelblutungen (z.B. bei Myomen oder einer Endometriose).

Regelschmerzen werden je nach Schweregrad und Art der Einschränkungen eingeteilt:

Schweregrad Arbeitsfähigkeit weitere Symptome Schmerzmittel
Grad 0: Menstruation ist nicht schmerzhaft unbeeinträchtigt keine nicht notwendig
Grad 1: Menstruation ist leicht schmerzhaft selten beeinträchtigt keine selten nötig
Grad 2: Menstruation schmerzhaft mäßig beeinträchtigt möglich benötigt
Grad 3: Menstruation stark schmerzhaft stark beeinträchtigt Kopfschmerz, Müdigkeit, Erbrechen, Durchfall benötigt, aber meist wenig wirksam

Regelschmerzen (Dysmenorrhoe): Diagnose

Regelschmerzen erfordern eine genaue Diagnose durch den Frauenarzt. Er muss herausfinden, ob es sich um eine medizinisch meist unbedenkliche primäre Dysmenorrhö handelt oder um eine sekundäre, die auf eine gynäkologische Erkrankung zurückgeht. In einem ausführlichen Gespräch stellt der Arzt daher zum Beispiel Fragen zur Art und zum Verlauf der Regelschmerzen. Außerdem führt er eine gynäkologische Untersuchung durch, bei der er Scheide, Gebärmutter und Eierstöcke abtastet.

Damit der Frauenarzt die Ursache der Regelbeschwerden besser erkennen kann, sollten Sie vor dem Arztbesuch in einem Zykluskalender alle Beschwerden wie Schmerzen, Erkältungen oder die Einnahme von Medikamenten vermerken.

Bei Verdacht auf mögliche organische Ursachen der Regelschmerzen – also eine sekundäre Dysmenorrhö – führt der Arzt weitere Untersuchungen durch, um die Diagnose zu sichern. Dies können zum Beispiel sein:

Regelschmerzen (Dysmenorrhoe): Therapie

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Regelschmerzen zu behandeln. Bei einer primären Dysmenorrhö beschränkt sich die Therapie meist darauf, die Beschwerden zu lindern. Bei sekundären Regelschmerzen richtet sich die Behandlung hingegen nach der jeweiligen Grunderkrankung, durch die sie verursacht werden.

Primäre Regelschmerzen

Primäre Regelschmerzen können mit einer Therapie zwar vorrübergehend beseitigt werden, nicht aber ihre Ursachen. Eine Heilung im eigentlichen Sinne ist deshalb nicht möglich. Bei primären Regelschmerzen beschränkt sich die Therapie deshalb darauf, die auftretenden Beschwerden zu lindern.

Medikamente können bei immer wiederkehrenden Regelschmerzen helfen. An erster Stelle stehen dabei Schmerzmittel (nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR) und – sofern aktuell kein Kinderwunsch besteht – hormonelle Verhütungsmittel (z.B. Antibabypille, Hormonspirale).

Eine primäre Dysmenorrhö tritt vor allem in Zyklen auf, in denen ein Eisprung stattfindet. Daher können Hormonpräparate wie die Antibabypille, die den Eisprung unterdrücken (sog. Ovulationshemmer), bei diesen Menstruationsbeschwerden helfen.

Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR mit Wirkstoffen wie Ibuprofen, ParacetamolAcetylsalicylsäure und Naproxen sind teilweise rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Sie vermindern unter anderem die Bildung des Gewebehormons Prostaglandin, das für die starken Kontraktionen der Gebärmutter verantwortlich ist. NSAR sollten jedoch aufgrund ihrer Nebenwirkungen ohne ärztliche Anweisung nicht oft und nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Auch krampflösende Wirkstoffe wie Butylscopolamin können bei Unterleibskrämpfen helfen.

Werden die Regelschmerzen durch psychische Probleme hervorgerufen oder verstärkt, können psychotherapeutische Verfahren wie beispielsweise eine Verhaltenstherapie oder autogenes Training die Behandlung unterstützen.

Liegt neben den Regelbeschwerden keine zusätzliche Erkrankung vor, können einige schnelle Maßnahmen dabei helfen, wieder leistungsfähig und fit für den Alltag zu sein:

Was sollte man bei Regelschmerzen essen?

Das eigene Wohlbefinden hängt auch von einer gesunden Ernährung ab, die Krankheiten und Schmerzen vorbeugen kann. Ernähren Sie sich daher ausgewogen und ballaststoffreich. Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, schwarzer Tee oder Cola-Getränke sollten Sie nur in Maßen genießen. Wenn Sie in der zweiten Zyklushälfte an Gewicht zunehmen, kann dies auf größere Wasseransammlungen (Ödeme) hindeuten. In diesem Fall kann nach Rücksprache mit Ihrem Arzt manchmal eine salzarme Ernährung sinnvoll sein.

Eine spezielle Ernährung während der Regelschmerzen ist nicht nötig.

Sekundäre Regelschmerzen

Bei sekundären Regelschmerzen richtet sich die Therapie nach der Grunderkrankung

Zur Therapie einer Endometriose beispielsweise bieten sich grundsätzlich medikamentöse oder chirurgische Maßnahmen an. Welche davon angemessen sind, hängt von der Größe und dem Ausmaß der in den Bauchraum verschleppten "Schleimhautinseln" ab. In vielen Fällen kommt auch eine Kombination aus medikamentöser und chirurgischer Behandlung zum Einsatz.

Regelschmerzen (Dysmenorrhoe): Verlauf

Bei den meisten Frauen bessern sich die Beschwerden der primären Regelschmerzen im Verlauf des Lebens von allein. Vorübergehend können schmerzstillende und krampflösende Mittel helfen. Manche Frauen sind jedoch durch starke Regelschmerzen erheblich in ihrem Alltag eingeschränkt und können während der Menstruation kaum das Haus verlassen.

Bei einer sekundären Dysmenorrhö hängt der Verlauf von der ursächlichen Erkrankung ab und kann daher variieren. Wird die Grunderkrankung erfolgreich behandelt, gehen die Menstruationsbeschwerden gewöhnlich zurück.

Regelschmerzen (Dysmenorrhoe): Vorbeugen

Regelschmerzen können Sie nur bedingt vorbeugen. Achten Sie auf eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung, da dies den Verlauf von Menstruationsbeschwerden positiv beeinflussen kann.

Auch Hormone wie die Antibabypille können eine primäre Dysmenorrhö oftmals reduzieren, da sie den Eisprung unterdrücken. Wenn andere Frauen in Ihrer Familie unter Regelschmerzen leiden, Sie selbst auch schon davon betroffen waren und Sie außerdem derzeit keinen Kinderwunsch haben, sollten Sie diese Möglichkeit mit Ihrem Frauenarzt besprechen.

Regelschmerzen (Dysmenorrhoe): Weitere Informationen


Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

www.bvf.de
Webseite des Berufsverbands für Frauenärzte e.V. Unter Frauen-Info können Interessierte nach Dysmenorrhö und anderen gynäkologischen Erkrankungen suchen.

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 21.9.2017)

Online-Informationen der U.S. National Library of Medicine, National Institutes of Health: www.nlm.nih.gov (Abrufdatum: 22.9.2017)

Smith, R.P., Kaunitz, A.M.: Painful menstrual periods (dysmenorrhea). Up to Date, Online-Publikation (Abrufdatum: 22.9.2017)

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Aktualisiert am: 22. September 2017

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