Reaktive Arthritis, Reiter-Syndrom

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel

Jupiterimages/Hemera
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Der Begriff reaktive Arthritis bezeichnet eine Gelenkentzündung, die im Anschluss an eine bakteriellen Infektion auftreten kann. Meist ist sie die Folge eines Darminfekts oder eines Infekts der Harnwege und Geschlechtsorgane. Kommen neben der Gelenkentzündung noch eine Augenentzündung und eine Harnröhrenentzündung hinzu, spricht man vom "Reiter-Syndrom" – einer Sonderform der reaktiven Arthritis.

Sofern nach einer bakteriellen Infektion eine reaktive Arthritis auftritt, zeigt sich diese meist einige Tagen bis Wochen danach. Nicht immer ist im Nachhinein festzustellen, was genau eine reaktive Arthritis ausgelöst hat. Vor allem eine Infektion mit Darmbakterien (wie Salmonellen, Yersinien oder Shigellen), aber auch Geschlechtskrankheiten (wie eine Chlamydien-Infektion oder Gonorrhoe) lösen häufiger eine reaktive Arthritis aus.

Es ist nicht vollständig geklärt, warum es nach einer bakteriellen Infektion manchmal zu einer reaktiven Arthritis kommt. Man nimmt an, dass das Immunsystem bei den Betroffenen auf im Gelenk verbliebene "Bakterienreste" reagiert. Gleichzeitig scheinen sich bei ihnen Abwehrzellen des Immunsystems auch gegen körpereigene Strukturen zu richten, die in ihrem Aufbau den Bakterienbestandteilen ähneln (sog. molekulare Mimikry).

Auf diese Weise kann es im Gelenk wahrscheinlich zu einer Entzündung kommen, obwohl sich dort nicht immer Krankheitserreger nachweisen lassen. Mediziner sprechen in solchen Fällen auch von einer "nicht-septischen Arthritis" (aseptischen Arthritis). Von einer reaktiven Arthritis sind häufig Personen betroffen, die ein bestimmtes Zellmerkmal besitzen, die Antigen-Variante HLA-B27 (Human Leukocyte Antigen-B, Variante 27). HLA-B27 zählt zu den sogenannten Haupthistokompatibilitätskomplexen (MHC), die eine Rolle für die immunologische Individualität der Menschen spielen.

Typische Beschwerden einer reaktiven Arthritis sind

Bei einer reaktiven Arthritis sind entzündliche Reaktionen jedoch auch in gelenkfernen Körperbereichen möglich.

Eine reaktive Arthritis kann sehr unterschiedlich verlaufen. Etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle heilen innerhalb eines Jahres aus, circa 10 bis 20 Prozent der Fälle nehmen einen chronischen Verlauf.

Sonderform Reiter-Syndrom
Eine Sonderform der reaktiven Arthritis ist das sogenannte Reiter-Syndrom (auch: Reiter-Krankheit, Morbus Reiter). Es liegt vor, wenn beim Erkrankten

Diese typische Kombination bezeichnen Mediziner auch als Reiter-Trias.

Zur Behandlung verschreibt der Arzt bei einer reaktiven Arthritis in der Regel schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR, z.B. Diclofenac oder Ibuprofen). Meist ordnet er außerdem Krankengymnastik und bei akuten Entzündungen eventuell eine Kältetherapie an. Falls beim Betroffenen die ursächliche bakterielle Infektion (z.B. Chlamydien-Infektion) noch aktiv ist, erfolgt auch eine Behandlung mit Antibiotika.

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