Pneumothorax: Luft im Pleuraraum

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

iStock
Anzeige

Ein Pneumothorax zeigt sich typischerweise durch Symptome wie Atemnot und Schmerzen in der Brust. Er kann jedoch auch mit weniger starken Beschwerden einhergehen. In den meisten Fällen heilt ein Pneumothorax problemlos aus.

Was ist ein Pneumothorax?

Bei einem Pneumothorax sammelt sich Luft zwischen den beiden Schichten der Pleura an: im sogenannten Pleuraspalt. Wortwörtlich bedeutet der Begriff Pneumothorax so viel wie "Luft im Brustkorb". Er entstammt dem Griechischen, wobei pneuma für Luft und thorax für Brustkorb steht.

Pleura – was ist das eigentlich?

Die Pleura, auch Brustfell genannt, ist eine feine Haut, welche Lunge und Innenseite des Brustkorbs überzieht. Sie besteht aus zwei Blättern:

Ist die Lunge normal ausgedehnt, liegen beide Blätter der Pleura aufeinander. Dazwischen befindet sich der Pleuraspalt (auch Pleuraraum oder Pleurahöhle genannt), der mit einem gleitenden Flüssigkeitsfilm gefüllt ist. Durch diesen Flüssigkeitsfilm haftet die Lunge am Brustfell, sodass die Lunge dem Brustkorb eng anliegt und dessen Atembewegungen folgen kann. Unter normalen Umständen ist der Pleuraspalt luftleer. Bei einem Pneumothorax dringt Luft in den Pleuraspalt – dadurch fällt der betroffene Lungenflügel teilweise oder vollständig zusammen.

Ein Pneumothorax kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein:

© iStock
Dringt bei einem Pneumothorax Luft in den Pleuraspalt, fällt die Lunge zum Teil oder gänzlich zusammen.

Pneumothorax: Mögliche Ursachen

Ein Pneumothorax kann verschiedene Ursachen haben. Je nachdem, wodurch die Luftansammlung im Pleuraspalt (d.h. zwischen den beiden Schichten von Pleura bzw. Brustfell) entsteht, unterscheidet man zwei Hauptformen:

  1. Spontanpneumothorax:
    • idiopathischer Spontanpneumothorax (Spontanpneumothorax unbekannter Ursache)
    • sekundärer Spontanpneumothorax (symptomatischer Spontanpneumothorax)
  2. traumatischer Pneumothorax:
    • offener Pneumothorax
    • geschlossener Pneumothorax

Spontanpneumothorax

Einen Pneumothorax, der ohne äußere Einwirkungen und scheinbar zufällig auftritt, bezeichnet man als Spontanpneumothorax. Hierbei entsteht die Luftansammlung dadurch, dass in der Lunge kleine Lungenbläschen (Alveolen) geplatzt sind.

Idiopathischer Spontanpneumothorax

Die weitaus häufigste Form von Pneumothorax ist der ohne erkennbare Ursachen auftretende beziehungsweise idiopathische Spontanpneumothorax. Obwohl seine genauen Ursachen unbekannt sind, ist Rauchen nachweislich ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung. Entsprechend sind Nichtraucher selten von einem Spontanpneumothorax betroffen.

Ein idiopathischer Spontanpneumothorax betrifft meist schlanke, hochgewachsene Menschen unter 40 Jahren.

Sekundärer Spontanpneumothorax

Der sekundäre Spontanpneumothorax ist eine eher seltene Form des Pneumothorax. Die Ursachen für einen sekundären Spontanpneumothorax sind bereits bestehende Lungenerkrankungen, bei denen ein Pneumothorax nachträglich hinzukommen kann. Ein Grund hierfür ist, dass bei vielen Lungenerkrankungen das Lungengewebe dauerhaft aufgebläht sein kann, also ein sogenanntes Lungenemphysem vorliegt. Die anhaltend überdehnten Lungenbläschen können dann plötzlich zerreißen. Wenn sie außen in der Lunge – also direkt unterhalb der Pleura – liegen, können sie in den Pleuraspalt hineinplatzen. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen dem Lungensystem und der Pleura, über die Luft in den Spalt eintritt – es kommt zum Pneumothorax.

Auch hier spielt Tabakkonsum eine Rolle, denn häufigste Ursache für ein chronisches Lungenemphysem ist das Rauchen. Bei manchen Lungenerkrankungen bilden sich auch Hohlräume in der Lunge (sog. Kavernen), die – ebenso wie die Alveolen – in den Pleuraspalt einbrechen können.

Von einem sekundären Spontanpneumothorax infolge einer Lungenerkrankung sind meist Menschen im mittleren bis höheren Lebensalter betroffen.

Zu den Krankheiten, die einen sekundären Spontanpneumothorax verursachen können, gehören zum Beispiel:

Traumatischer Pneumothorax

Ein Pneumothorax kann auch im Rahmen von Verletzungen entstehen (Trauma = durch äußere Gewalteinwirkung entstandene Wunde), zum Beispiel durch Unfälle oder auch durch medizinische Eingriffe. In letzterem Fall spricht man von einem sogenannten iatrogenen Pneumothorax. Bei einem traumatischen Pneumothorax kann Luft auf unterschiedlichen Wegen in den Pleuraspalt eindringen, etwa über eine verletzte Brustwand oder über eine Lungenverletzung.

Offener Pneumothorax

Hat ein traumatischer Pneumothorax seine Ursachen in einer Lungenverletzung, bei der nur Luft aus der verletzten Lunge in den Pleuraspalt gelangt, liegt ein geschlossener Pneumothorax vor. Auch wenn sich eine vorübergehende Verbindung zwischen Pleuraspalt und Außenluft wieder verschließt, kann ein geschlossener Pneumothorax entstehen. Ursachen für solch eine kurzfristige Verbindung mit der Außenluft können zum Beispiel Stichverletzungen, aber auch bestimmte medizinische Maßnahmen (z.B. Pleurapunktion, Legen eines zentralen Venenkatheters) sein. Auch eine gebrochene Rippe kann die Lunge verletzen.

Ein geschlossener Pneumothorax kann ebenfalls entstehen, wenn durch einen zerrissenen Bronchialast oder eine Verletzung der Speiseröhre Luft in den Pleuraspalt gelangt. In diesem Fall dringt die Luft in den Mittelteil des Brustkorbinnenraums (Mittelfell oder Mediastinum) und von dort in den Pleuraspalt. Darüber hinaus kann ein geschlossener Pneumothorax seine Ursachen in einem sogenannten Barotrauma haben, das bei künstlicher Beatmung durch einen zu hohen Beatmungsdruck entsteht. Am häufigsten tritt ein geschlossener Pneumothorax als Beatmungskomplikation bei Menschen mit einem akuten Atemnotsyndrom auf.

Komplikation Spannungspneumothorax

Als Spannungspneumothorax oder Ventilpneumothorax bezeichnet man eine Sonderform des Pneumothorax, die als Komplikation auftreten kann. Ein Spannungspneumothorax entsteht, wenn durch ein geplatztes Lungenbläschen Luft in den Pleuraspalt gelangt, sich die Öffnung beim Ausatmen aber wieder verschließt: Dadurch dringt bei jedem Atemzug – ähnlich wie bei einem Ventil – Luft in den Pleuraspalt ein, die aber nicht mehr entweichen kann. Der Druck im Pleuraspalt steigt dadurch immer weiter an. Der betroffene Lungenflügel ist in dieser Situation bereits zusammengefallen und somit für die Atmung unbrauchbar. Der steigende Druck drängt das Mittelfell (Mediastinum) und das Herz zur gegenüberliegenden Seite, wodurch auch der gegenüberliegende Lungenflügel eingeengt wird. Diese Form eines Pneumothorax ist ein akut lebensbedrohlicher Vorfall.

Häufigkeit

Ein Pneumothorax tritt in Deutschland jährlich bei etwa 9 von 100.000 Menschen auf, bei Männern 7-mal häufiger als bei Frauen. Wenn sich einmal spontan ein Pneumothorax entwickelt hat, entsteht er in etwa 30 Prozent der Fälle erneut.

Pneumothorax: Typische Symptome

Bei einem Pneumothorax können die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Ist die Luftansammlung im Pleuraspalt gering, bereitet der Pneumothorax kaum Beschwerden. In schweren Fällen kann jedoch die Lunge in sich zusammenfallen (sog. Lungenkollaps), wobei nur einer oder auch beide Lungenflügel betroffen sein können.

Je nach Ausmaß des Pneumothorax kann es daher zu folgenden Beschwerden kommen:

Kommt es beim Pneumothorax zu einem Lungenkollaps verursacht das als typische Symptome

Der Schmerz kann in die Schulter der betroffenen Seite oder in den Bauch ausstrahlen, sodass man ihn mit einem Herzinfarkt oder mit akuten Bauchschmerzen verwechseln kann.

Ist der Pneumothorax durch eine Verletzung bedingt, kann sich außerdem an der Verletzungsstelle beziehungsweise der Einstichstelle Luft in der Haut sammeln (sog. Hautemphysem).

Bei jedem Pneumothorax besteht die Möglichkeit, dass sich als Komplikation ein sogenannter Spannungspneumothorax (Ventilpneumothorax) bildet. Dieser ist eine Sonderform des Pneumothorax, die schwerwiegende Symptome verursacht. Es kann dabei zu einer lebensbedrohlichen Einschränkung der Lungen- und Herz-Kreislauf-Funktion kommen:

  • Beim Spannungspneumothorax dringt mit jedem Atemzug mehr Luft in den Pleuraspalt, kann aber nicht mehr entweichen, sodass sich die Atemnot sehr schnell verschlimmert.
  • Der Herzschlag beginnt zu rasen (Tachykardie).
  • Durch die behinderte Blutzirkulation fällt der Blutdruck.
  • Das Blut staut sich in die Venen zurück, was zu lebensbedrohlichem Lungenversagen und zu Schock führen kann.
  • Der Spannungspneumothorax ist ein medizinischer Notfall.

Pneumothorax: Diagnose

Bei einem Pneumothorax gelingt die Diagnose häufig schon anhand der Symptome oder durch die Befragung der Betroffenen (sog. Anamnese) sowie anhand der Untersuchungsergebnisse.

Bei der körperlichen Untersuchung hört der Arzt die Lunge ab und klopft den Brustkorb ab. Das Atemgeräusch kann bei einem Pneumothorax abgeschwächt sein oder ganz fehlen. Der Klopfschall klingt auf der betroffenen Seite dunkler. Durch einen Pneumothorax ist außerdem die Bewegung des Brustkorbs während der Atmung über der betroffenen Lungenhälfte vermindert. Wenn die Herztöne verlagert sind und der Klopfschall über dem Herzen gedämpft ist, besteht vermutlich ein Spannungspneumothorax (Ventilpneumothorax).

Außerdem kann beim Pneumothorax der im Blut gemessene Sauerstoffgehalt zur Diagnose beitragen – Gleiches gilt für den Kohlendioxidgehalt. Dabei können bei gesunder Lunge beide Werte normal oder aber der Sauerstoffanteil erniedrigt sein. Ist die Lunge geschädigt, enthält das Blut meist zu wenig Sauerstoff und eventuell zu viel Kohlendioxid.

Um die Diagnose zu sichern, kann der Arzt die Lunge röntgen: Die durch den Pneumothorax kollabierte Lunge ist auf einem Röntgenbild des Brustkorbs meist gut zu erkennen. Beim Spannungspneumothorax ist das verlagerte Herz beziehungsweise Mittelfell (Mediastinum) deutlich sichtbar. Weniger deutliche Verlagerungen kommen auch beim einfachen Pneumothorax vor.

Pneumothorax: Therapie

Ob und welche Maßnahmen ein Pneumothorax als Therapie erfordert, hängt von Ursache und Ausmaß der Beschwerden ab.

Bei einem eher kleinen Spontanpneumothorax ist außer Bettruhe meist keine weitere Therapie nötig. Der Körper nimmt die Luft im Pleuraspalt meist innerhalb weniger Tage wieder auf (resorbiert sie) und der Pneumothorax heilt von selbst aus. Unterstützend kann Sauerstoff verabreicht werden, das beschleunigt die Resorption.

Hat sich beim Pneumothorax dagegen

legt der Arzt eine sogenannte Thorax-Drainage, um die Luft beziehungsweise die Flüssigkeit zu entfernen. Dabei führt der Arzt einen kleinen Schlauch zwischen zwei Rippen bis in den Pleuraspalt ein, um Luft und/oder Flüssigkeit durch einen minimalen Unterdruck abzusaugen.

Entsteht bei einem Pneumothorax eine bakterielle Infektion, kann eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich sein.

Der Spannungspneumothorax (Ventilpneumothorax) ist eine akut lebensbedrohliche Sonderform des Pneumothorax, da hierbei Lungen- und Herz-Kreislauf-Funktion drastisch beeinträchtigt sein können. Die meist lebensrettende Therapie besteht darin, die Luft so schnell wie möglich aus dem Pleuraspalt zu entfernen – in der Regel durch eine größere Kanüle, die über den Zwischenrippenraum bis zum Pleuraspalt vorgeschoben wird, oder auch durch eine Thorax-Drainage.

Operation

Unter Umständen kann bei einem Pneumothorax zur Therapie auch eine Operation notwendig sein. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Pneumothorax zweimal hintereinander auf der gleichen Seite aufgetreten ist oder keine Besserung eintritt. Bei der Operation übernäht der Operateur Lungenbläschen, die infolge der Überblähung (sog. Lungenemphysem) geplatzt sind, und entfernt – wenn nötig – Lungenanteile. Außerdem kann der Operateur die Lungenblätter verkleben, indem er Tetrazyklin oder Fibrin in den Pleuraspalt spritzt.

Pneumothorax: Verlauf

Ein Pneumothorax nimmt überwiegend einen guten Verlauf. Die häufigste Form – der offenbar zufällig und ohne äußere Einwirkung auftretende Spontanpneumothorax – hat in der Regel eine gute Prognose und heilt meist problemlos. In etwa 30 Prozent der Fälle tritt er allerdings erneut auf.

Bei einem durch eine Operation behobenen Spontanpneumothorax beträgt die Therapie-Erfolgsrate bis zu 95 Prozent. Dass sich auf der operierten Seite noch einmal ein Spontanpneumothorax bildet, ist also recht unwahrscheinlich.

Beim verletzungsbedingten, traumatischen Pneumothorax hängt die Prognose davon ab, wie schwer die ursächlichen Verletzungen sind.

Grundsätzlich können jedoch alle Formen von Pneumothorax einen schweren Verlauf nehmen und zu akuter Lebensgefahr führen. Eine bei jedem Pneumothorax mögliche und lebensbedrohliche Komplikation ist der Spannungspneumothorax (Ventilpneumothorax).

Wie lange dauert die Heilung?

Wie rasch ein Pneumothorax ausheilt, hängt davon ab, wie schwer er ausgeprägt ist. Je nach Einzelfall kann die Heilung nach wenigen Tagen bis mehreren Wochen abgeschlossen sein.

Nach dem Pneumothorax

Ist der Pneumothorax ausgeheilt, sind im weiteren Verlauf keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Auch die Ausübung von Sport ist dann wieder bedenkenlos möglich.

Pneumothorax: Vorbeugen

Wer einem Pneumothorax vorbeugen möchte, sollte unbedingt aufs Rauchen verzichten. Tabakkonsum ist ein großer Risikofaktor für die Entstehung eines Pneumothorax.

Das Risiko für einen Pneumothorax ist dabei umso größer, je mehr man raucht:

Bei Nichtrauchern ist ein Pneumothorax dagegen selten.

Einem sekundären Pneumothorax können Sie indirekt vorbeugen, indem Sie Lungenerkrankungen rechtzeitig behandeln lassen.

Pneumothorax: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Lungenemphysem: Wenn die Lunge aufgebläht ist
Atemnot: Symptom mit vielen Ursachen

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln (2018)

Pneumothorax. Online-Informationen des Universitätsklinikums Freiburg: www.uniklinik-freiburg.de (Abrufdatum: 15.1.2018)

Pneumothorax. Online-Informationen des Bundesverbands der Pneumologen: www.lungenaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 15.1.2018)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie: Polytrauma/ Schwerverletzten-Behandlung. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 012/019 (Stand: Juli 2016)

Pneumothorax. Online-Informationen des Helmholtzzentrum München: www.lungeninformationsdienst.de (Stand: 13.5.2014)

Leuwer, M., et al.: Checkliste Intensivmedizin. Thieme, Stuttgart 2014

Schäfer, S., et al.: Fachpflege Beatmung. Urban & Fischer, München 2011

Greten, H., et al. (Hg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010

Aktualisiert am: 15. Januar 2018

Anzeige