Niedriger Blutdruck (Hypotonie): Alles über Symptome, Ursachen und Hausmittel

Veröffentlicht von: Till von Bracht

iStock
Anzeige

Von einem niedrigen Blutdruck spricht man, wenn die Blutdruckwerte unter 100-110 zu 60 mmHg liegen. Ein niedriger Blutdruck – fachsprachlich Hypotonie – ist keine Krankheit und an sich nicht gefährlich. Im Gegenteil: Ein geringer Druck in den Blutgefäßen schont Herz und Kreislauf. Menschen mit einem niedrigen Blutdruck sind deshalb seltener herzkrank und haben eine längere Lebenserwartung.

Manchmal kommt es allerdings vor, dass ein zu niedriger Blutdruck zu verschiedenen Beschwerden führt. Typische Symptome sind 

Das liegt daran, dass durch den niedrigen Blutdruck weniger Blut in das Gehirn gelangt, sodass es weniger Sauerstoff erhält. Auch das ist an sich nicht gefährlich: Erst wenn man durch einen plötzlichen Blutdruckabfall kurzzeitig das Bewusstsein verliert und hinfällt, besteht die Gefahr, sich zu verletzen. 

Um den Blutdruck wieder in Schwung zu bringen, gibt es einige Hausmittel – zum Beispiel Wechselduschen, Bürstenmassagen und regelmäßige Bewegung.

Was ist niedriger Blutdruck?

Ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) liegt vor, wenn der Blutdruck unter einen bestimmten Messwert fällt. Bei Frauen spricht man von einem niedrigen Blutdruck, wenn die Blutdruckwerte unter 100 zu 60 mmHg liegen. Bei Männern gilt der Blutdruck als niedrig, wenn der erste Wert in der Blutdruckmessung kleiner als 110 mmHg und der zweite kleiner als 60 mmHg ist.

Wer ist besonders oft betroffen?

Meist geschieht die Entdeckung einer Hypotonie zufällig bei einer Blutdruckmessung. Daher ist es unmöglich abzuschätzen, bei wie vielen Menschen der Blutdruck zu niedrig ist.

Sicher ist jedoch, dass ein zu niedriger Blutdruck nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen betrifft. Die Häufigkeit der Hypotonie ist besonders groß

Warum gibt es überhaupt zwei Blutdruckwerte?

Jedes Mal, wenn sich das Herz zusammenzieht und dabei Blut aus der linken Hauptkammer in den Körper presst, entsteht in den Blutgefäßen ein Druck. Der dabei erreichte maximale Druck heißt systolischer Blutdruck. Die Durchblutung der einzelnen Organe, vor allem die Durchblutung des Gehirns, hängt vom systolischen Blutdruck ab. Der systolische Blutdruck wird durch den ersten Wert in der Blutdruckmessung bezeichnet. Wenn der Arzt zum Beispiel sagt: "Ihr Blutdruck ist 125 zu 85", steht 125 für den systolischen Wert.

Nachdem das Herz das Blut in den Körper gepresst hat, erschlafft es, um sich für den nächsten Pumpstoß erneut mit Blut zu füllen. In dieser Phase fällt der Druck in den Blutgefäßen langsam ab. Der niedrigte Druck, der dabei erreicht wird, heißt diastolischer Blutdruck – er spiegelt sich im zweiten Wert der Blutdruckmessung wider (z.B. 125 zu 85). Ein niedriger diastolischer Blutdruck spielt für die Durchblutung von Organen nur eine untergeordnete Rolle.

Blutdruckwerte, systolisch (mmHg) Blutdruckwerte, diastolisch (mmHg)
Niedriger Blutdruck (Hypotonie) kleiner als 110 bzw. 100 kleiner als 60
Normaler Blutdruck 110/100-129 60-84
Hoch-normaler Blutdruck 130-139 85-89
Hoher Blutdruck (Hypertonie) größer oder gleich 140 größer oder gleich 90

Niedriger Blutdruck und hoher Puls? So hängen die Werte zusammen!

Blutdruck und Puls sind zwei unterschiedliche Parameter, die unabhängig voneinander hoch- oder runterreguliert werden. Ein niedriger Blutdruck geht also nicht automatisch mit einem niedrigen Puls einher oder umgekehrt. 

Der Körper passt den Blutdruck und die Herzfrequenz immer so an den Bedarf an, dass alle Zellen stets ausreichend mit Blut versorgt werden. Ein Beispiel. Bei sportlicher Belastung benötigen die Muskeln mehr Sauerstoff, wodurch entsprechend mehr Blut in die Muskelzellen gepumpt werden muss. Um dies zu erreichen, schlägt das Herz schneller – der Puls steigt. 

Wenn mehr Blut durch den Körper gepumpt wird, steigt auch der Blutdruck an – allerdings nur leicht. Denn gleichzeitig sorgt körperliche Aktivität dafür, dass sich die Blutgefäße erweitern, wodurch der Gefäßwiderstand sinkt. Medizinier nennen diesen Vorgang im Körper "Vasodilatation". Anders als der Puls hängt der Blutdruck im hohen Maße vom Durchmesser der Arterien ab. Mithilfe der glatten Gefäßmuskulatur kann der Körper den Durchmesser der Arterien verändern und so den Blutdruck beeinflussen: Werden die Blutgefäße enger, steigt der Blutdruck.

Ein niedriger Blutdruck in Kombination mit einem hohen Puls muss nicht zwangsläufig auf eine Krankheit hindeuten – vor allem in den ersten Schwangerschaftswochen kommt dies zum Beispiel aufgrund der Hormonumstellung häufig vor. 

Niedriger Blutdruck: Symptome

Oft ruft ein niedriger Blutdruck gar keine Symptome hervor. Wenn ein zu ein niedriger Blutdruck mit Beschwerden verbunden ist, sind diese auf die verminderte Durchblutung des Gehirns zurückzuführen: Bis zu 600 Milliliter Blut können in die untere Körperhälfte versacken. Dies kann zusätzlich verstärkt sein durch Krampfadern sowie durch eine mangelhafte Funktion der Beinmuskulatur, da diese normalerweise als Muskelpumpe den Rücktransport des Bluts aus den Beinen zum Herzen fördert.

Dabei löst ein zu niedriger Blutdruck eher unbestimmte Symptome aus: Im Vordergrund stehen bei einer Hypotonie

Häufig klagen Betroffene auch über Müdigkeit, Antriebsarmut, Ohrensausen, kalte Hände und Füße sowie Schlaflosigkeit.

All diese Symptome sind an sich nicht gefährlich. Wenn allerdings bei den Betroffenen die Gefahr besteht, dass sie durch Schwindel und Ohnmacht stürzen und sich dabei verletzen, sollte man etwas gegen den niedrigen Blutdruck tun!

Ein niedriger Blutdruck kann auch in einer Sonderform auftreten: als sogenannte orthostatische Dysregulation (auch Orthostase-Syndrom bzw. orthostatische Hypotonie genannt). Die Symptome hierfür zeigen sich, wenn der Körper plötzlich in die aufrechte Lage wechselt: Dann versackt das Blut in die Beine und steht in diesem Moment nicht zur Gehirndurchblutung zur Verfügung. Neben dem Absacken des Blutdrucks kommt es in dieser Situation typischerweise zu Schwindel, Bewusstseinsstörungen und Ohrensausen.

Niedriger Blutdruck: Ursachen

Grundsätzlich kann ein niedriger Blutdruck verschiedene Ursachen haben – in den meisten Fällen ist er jedoch angeboren. Bei einem dauerhaft niedrigem Blutdruck ohne erkennbare Ursachen sprechen Mediziner auch von einer primären beziehungsweise essenziellen Hypotonie

In selteneren Fällen kann hinter dem niedrigen Blutdruck auch eine andere Grunderkrankung stecken – zum Beispiel eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eine Schilddrüsenunterfunktion. Hier sprechen Ärzte von einer sogenannten symptomatischen (sekundären) Hypotonie.

Sehr häufig besteht ein niedriger Blutdruck auch nur vorübergehend – etwa wenn man aus dem Liegen sehr schnell aufsteht. Diese sogenannte orthostatische Hypotonie tritt zum Beispiel oft in Stresssituationen oder in stark aufgeheizten Räumen auf.

Primäre Hypotonie

Am häufigsten entsteht ein niedriger Blutdruck aus unbekannten Ursachen: Diese sogenannte primäre Hypotonie (auch essenzielle Hypotonie genannt) ist dadurch gekennzeichnet, dass der Blutdruck dauerhaft zu niedrig ist. Auffällig ist, dass überwiegend junge, schlanke Menschen und vor allem Frauen niedrige Blutdruckwerte aufweisen. Daher verwendet man in dem Zusammenhang auch den Begriff konstitutionelle Hypotonie (d.h. mit körperlicher Verfassung bzw. Körperbau zusammenhängender niedriger Blutdruck). Vermutlich spielen erbliche Faktoren, aber auch Umwelteinflüsse und Infekte bei der Entstehung einer primären Hypotonie eine Rolle. Wenn der Blutdruck sehr schnell absinkt, kommt es zum sogenannten Kollaps.

Sekundäre Hypotonie

Wenn ein niedriger Blutdruck auf bestimmte Ursachen zurückzuführen ist, liegt eine sekundäre Hypotonie vor. Ein sekundär verursachter niedriger Blutdruck kann ein Symptom einer bereits bestehenden Grunderkrankung sein: So können beispielsweise eine Herz-Kreislauf-Erkrankung (z.B. Herzinsuffizienz) oder eine endokrine Störung (z.B. Schilddrüsenunterfunktion) eine sekundäre Hypotonie verursachen. Ein niedriger Blutdruck kann als Ursachen aber auch bestimmte Medikamente oder schwere Blutungen und Flüssigkeitsverluste haben.

Orthostatische Hypotonie

Zu niedriger Blutdruck kann auch in einer Sonderform namens orthostatische Hypotonie auftreten. Der Grund für die Hypotonie ist eine Störung der Blutdruckregulation bei längerem Stehen oder bei einem plötzlichen Übergang vom Liegen zum Stehen (sog. orthostatische Dysregulation): Diese Sonderform tritt zum Beispiel oft in Stresssituationen oder in stark aufgeheizten Räumen auf. Dabei sackt das Blut in die unteren Körperabschnitte, sodass das Gehirn weniger Sauerstoff erhält. Durch diesen plötzlichen Blutdruckabfall kann es bei den Betroffenen zu Sehstörungen (Schwarzwerden vor den Augen), Ohrensausen oder Ohnmacht kommen. Im Liegen erholen sie sich aber meist von selbst wieder – und die Blutdruckwerte normalisieren sich. 

Niedriger Blutdruck: Diagnose

Ob Ihr Blutdruck zu niedrig ist, kann der Arzt anhand einer Blutdruckmessung feststellen. Zur genauen Diagnose der Hypotonie können zusätzlich Informationen darüber wichtig sein – zum Beispiel

Der zeitliche Zusammenhang zwischen einer plötzlichen Änderung der Körperlage und auftretenden Beschwerden ist typisch für Menschen, deren Blutdruckwerte zu niedrig sind.

Um herauszufinden, wodurch ein zu niedriger Blutdruck bedingt ist, bietet sich für die Diagnose der sogenannte Schellong-Test an: Hierbei erfolgen mehrere Messungen von Blutdruck und Puls im Liegen und im Stehen. Das Verhältnis von Puls und Blutdruckwerten zueinander ermöglicht es, die Regulationsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems besser zu beurteilen.

Während des Tests liegen die Betroffenen zuerst zehn Minuten in Ruhe, ehe sie aufstehen und weitere zehn Minuten stillstehen. Fällt der Blutdruck im Stehen um mehr als 20 Millimeter-Quecksilbersäule (mmHg) systolisch und 10 mmHg diastolisch und treten Bewusstseinsstörungen oder Schwindel auf, sprechen diese Anzeichen für eine orthostatische Hypotonie (bzw. orthostatische Dysregulation): Hier ist ein niedriger Blutdruck die Folge eines plötzlichen Wechsels in die aufrechte Körperlage, durch den das Blut in die Beine versackt und so vorübergehend nicht zur Gehirndurchblutung zur Verfügung steht.

Zu niedriger Blutdruck: Was tun bei Hypotonie?

Grundsätzlich gilt: Ein (zu) niedriger Blutdruck muss nur dann behandelt werden, wenn dieser zu Beschwerden führt. Wer schon seit der Geburt einen niedrigen Blutdruck hat und nie Probleme hatte, muss nichts tun. Denn Hypotonie ohne erkennbare Ursache ist nicht gefährlich! 

Wer durch den niedrigen Blutdruck jedoch häufiger unter Kreislaufproblemen wie Schwindel oder Müdigkeit leidet, sollte versuchen, seinen Blutdruck mithilfe verschiedener Hausmittel wieder in Schwung zu bringen. Es gibt zwar auch Medikamente zur Steigerung des Blutdrucks, diese sind aber nur selten notwendig.

Hausmittel gegen niedrigen Blutdruck: Was kann man selbst tun?

Wenn bei Ihnen ein zu niedriger Blutdruck Beschwerden auslöst, ist zur Therapie vieles hilfreich, was Sie selbst tun können. Diese allgemeinen Maßnahmen zielen darauf ab, die Regulationsfähigkeit der Blutgefäße zu stabilisieren und das Versacken einer größeren Blutmenge in die untere Körperhälfte zu vermeiden. Die Allgemeinmaßnahmen gegen Hypotonie dienen also nicht nur allein dazu, bereits bestehende niedrige Blutdruckwerte zu behandeln, sondern sollen auch einem plötzlichen Blutdruckabfall vorbeugen. Was sinnvoll ist, um etwas gegen zu niedrigen Blutdruck zu tun, ist zum Beispiel:

Medikamente

Wenn ein dauerhaft zu niedriger Blutdruck (bzw. eine primäre Hypotonie) vorliegt, sind zur Therapie Medikamente meist weniger hilfreich als eigene Maßnahmen. Wenn Sie diese Allgemeinmaßnahmen konsequent befolgen, können Sie auch ohne medikamentöse Behandlung mit einer Besserung Ihrer Beschwerden rechnen.

Nur wenn Ihr niedriger Blutdruck und die entsprechenden Beschwerden trotzdem fortbestehen, sind zur Therapie Medikamente notwendig. Bei der medikamentösen Hypotonie-Therapie kommen am häufigsten Mineralkortikoide (Fludrokortison) oder Sympathomimetika (Etilefrin) zum Einsatz. Welches Medikament Sie verordnet bekommen, hängt unter anderem davon ab, wodurch Ihr niedriger Blutdruck entstanden ist.

Wenn Ihr zu niedriger Blutdruck beispielsweise durch eine bestehende Grunderkrankung (z.B. Unterfunktion der Schilddrüse oder Herz-Kreislauf-Erkrankung), die Einnahme bestimmter Medikamente, schwere Blutungen oder Flüssigkeitsverlust bedingt ist (wenn Sie also eine sekundäre Hypotonie haben), sind zur Therapie entsprechende auf die Ursachen abzielende Maßnahmen sinnvoll.

Achtung: Für Menschen, bei denen vor allem bei plötzlichem Wechsel in die aufrechte Lage ein niedriger Blutdruck auftritt (sog. orthostatische Hypotonie), stand zur Therapie auch der Wirkstoff Dihydroergotamin zur Verfügung. Seit Anfang 2014 sind dihydroergotaminhaltige Medikamente jedoch nicht mehr zur Behandlung der orthostatischen Hypotonie zugelassen, weil ihr Nutzen nicht höher ist als das Risiko ihrer Nebenwirkungen. Wenn Sie bislang dihydroergotaminhaltige Mittel gegen Ihren niedrigen Blutdruck eingenommen haben, sprechen Sie das Thema bei Ihrem nächsten Arztbesuch an.

So beugen Sie einem zu niedrigen Blutdruck vor!

Ein niedriger Blutdruck muss nicht sein: Vorbeugen können Sie einem niedrigem Blutdruck mithilfe allgemeiner Maßnahmen, die dazu beitragen, die Regulationsfähigkeit der Blutgefäße zu stabilisieren. So ist beispielsweise regelmäßiger Sport geeignet, um zu verhindern, dass der Blutdruck zu niedrig ist. Damit kein akuter niedriger Blutdruck entsteht, können Sie Ihre Ernährung ausgewogen und eher salzreich gestalten (im Gegensatz zur Empfehlung einer salzarmen Ernährung bei Bluthochdruck).

Außerdem ist es vorbeugend empfehlenswert, dass Sie:

Wenn ein zu niedriger Blutdruck besteht, können Sie außerdem möglichen Folgeschäden durch Stürze vorbeugen, indem Sie entsprechende Verhaltensweisen beachten:

Niedriger Blutdruck: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Online-Informationen der Deutschen Herzstiftung e.V.: www.herzstiftung.de (Abrufdatum: 22.7.2016)

Online-Informationen der Deutschen Hochdruckliga e.V. (DHL) Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention: www.hochdruckliga.de (Abrufdatum: 22.7.2016)

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2016

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Rote-Hand-Brief zu Anwendungseinschränkungen von dihydroergotaminhaltigen Arzneimitteln. Online-Informationen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): www. bfarm.de (Stand: 6.1.2014)

Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Erdmann, E.: Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens, des Kreislaufs und der herznahen Gefäße. Springer, Berlin 2011

Emminger, H., Kia, T.: Exaplan – Das Kompendium der klinischen Medizin. Urban & Fischer, München 2010

Aktualisiert am: 28. Juni 2017

Anzeige