Myom der Gebärmutter (Uterusmyom)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Ein Myom der Gebärmutter (Uterusmyom) kann sich bei jeder geschlechtsreifen Frau entwickeln – teils, ohne dass die Betroffene etwas davon ahnt: Oft verursachen Myome keinerlei Symptome.

Was ist ein Myom?

Ein Myom der Gebärmutter ist eine gutartige Geschwulst, die sich aus Muskelzellen der Gebärmutter entwickelt. Fachsprachlich heißt die Muskelschicht der Gebärmutter Myometrium und die Gebärmutter Uterus. Entsprechend bezeichnen Mediziner die Gebärmuttergeschwulst auch als Myoma uteri. Haben sich in der Gebärmutter mehrere Myome gebildet, liegt ein sogenannter Uterus myomatosus vor.

Ein Myom besteht aus einem mehr oder weniger stark entwickelten bindegewebigen Anteil und kann mehrere Zentimeter groß sein. In weit fortgeschrittenem Wachstum kann ein Uterusmyom sogar den Umfang einer hochschwangeren Gebärmutter annehmen und den Bauchraum fast vollständig ausfüllen.

Häufigkeit

Das Myom der Gebärmutter ist die häufigste gutartige Geschwulst der weiblichen Geschlechtsorgane überhaupt. Etwa 20 bis 50 Prozent aller Frauen über 30 Jahre haben ein oder mehrere Uterusmyome.

Vor dem 25. Lebensjahr treten Myome sehr selten auf. Die meisten Uterusmyome entwickeln sich zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr. Wenn ein Myom Beschwerden bereitet, sodass eine Behandlung sinnvoll ist, sind die betroffenen Frauen meist über 45 Jahre alt.

Myom der Gebärmutter (Uterusmyom): Ursachen

Worin ein Myom der Gebärmutter (Uterusmyom) seine Ursachen hat, ist nicht genau bekannt. Die Gebärmuttergeschwulst entwickelt sich aus normalen Muskelzellen der Gebärmutter, die ohne erkennbaren Grund an einer bestimmten Stelle eine erhöhte Wachstumsneigung zeigen. Dabei könnte es sich um ein Freiwerden von Wachstumsenergie handeln, die der Körper normalerweise nur für die Schwangerschaft bereitstellt.

Fest steht, dass das Myom der Gebärmutter hormonabhängig ist: Östrogene regen sein Wachstum an. Diese weiblichen Geschlechtshormone werden erst ab Beginn der Pubertät in den Eierstöcken (Ovarien) gebildet. Das Wachstum von Myomen ist also an die Eierstockfunktion gebunden. Das bedeutet: Ein Uterusmyom wächst nur während der Geschlechtsreife.

Auch genetische Faktoren (d.h. Veränderungen am Erbgut) scheinen bei der Entstehung von Myomen der Gebärmutter eine Rolle zu spielen. Dafür spricht zum Beispiel, dass Frauen, deren Mütter schon Uterusmyome hatten, deutlich häufiger betroffen sind als Frauen, deren Mütter nie ein Myom hatten.

Ein erhöhtes Risiko, ein Myom der Gebärmutter zu entwickeln, haben:

Myom der Gebärmutter (Uterusmyom): Symptome

Oft verursacht ein Myom der Gebärmutter (Uterusmyom) keinerlei Symptome: Etwa ein Viertel der betroffenen Frauen ist beschwerdefrei. Nur ab einer bestimmten Größe oder bei ungünstiger Lage ist die gutartige Gebärmuttergeschwulst mit Beschwerden verbunden. Diese können recht unterschiedlich sein.

Wenn ein Myom Symptome auslöst, handelt es sich häufig um Zyklusstörungen – wie:

  • eine zu lange und / oder verstärkte Regelblutung oder auch
  • Schmerzen, deren Intensität von einem leichten Druck- oder Fremdkörpergefühl bis zu krampfartigen schmerzhaften Regelblutungen reichen kann.

Insgesamt ist bei der Hälfte aller Frauen mit einem Myom der Gebärmutter mit Menstruationsstörungen zu rechnen.

Nach lang anhaltenden und starken Blutungen können bei einem Myom auch Symptome einer Eisenmangelanämie auftreten, zu denen teils auch Herz-Kreislauf-Beschwerden gehören: Die Haut ist dann infolge der Anämie blass und es kann zu Herzklopfen, Schwindel und Kopfschmerzen kommen.

Durch Myome kann die Gebärmutter deutlich vergrößert sein. Ein Uterusmyom kann je nach Größe, Lage und Wachstum auch benachbarte Organe beeinträchtigen (z.B. die Harnblase oder den Enddarm). So kann das Myom zum Beispiel folgende Symptome auslösen:

Wenn ein Myom gestielt ist – also nur über einen dünnen Stiel mit der Gebärmutter verbunden ist –, kann es sich durch plötzliche, starke Schmerzen bemerkbar machen: Denn wenn sich die betroffene Frau ruckartig bewegt, kann sich das Uterusmyom dadurch um seine eigene Achse drehen. Dann sind seine versorgenden Blutgefäße abgeschnürt, was sehr weh tut.

Myom der Gebärmutter (Uterusmyom): Diagnose

Da ein Myom der Gebärmutter (Uterusmyom) oft keine Beschwerden bereitet, geschieht die Diagnose nicht selten zufällig im Rahmen der frauenärztlichen Untersuchung.

Manche Betroffenen suchen auch aufgrund von Schmerzen ärztliche Hilfe. In dem Fall erfolgt zunächst eine gynäkologische Untersuchung: Hierbei kann der Frauenarzt ein Myom, das sich am Gebärmuttermund befindet, sehen und größere Myome ertasten. Oft entziehen sich Uterusmyome jedoch dieser einfachen Diagnostik.

Mit einer Ultraschalluntersuchung der Scheide ist ein Myom der Gebärmutter jedoch gut zu erkennen. Per Ultraschall kann man zudem gut kontrollieren, wie sich das Uterusmyom entwickelt. Je nachdem, wie weit es sich ausgebreitet hat beziehungsweise welche Beschwerden es verursacht, können im Einzelfall weitere diagnostische Untersuchungen erforderlich sein:

Myom der Gebärmutter (Uterusmyom): Therapie

Ein Myom der Gebärmutter (Uterusmyom) macht eine Therapie meist nur dann nötig, wenn es tatsächlich Beschwerden verursacht. Früher standen zur Behandlung nur eine Operation und eine Hormontherapie durch Antiöstrogene zur Verfügung. Inzwischen haben sich die Behandlungsmöglichkeiten erweitert: Neben der Ausschälung (Enukleation) einzelner Myome stehen mit der Myomembolisation und dem MRT-gelenkten fokussierten Ultraschall auch nicht-operative Verfahren bereit, um Myome zu entfernen.

Bei jüngeren Frauen mit behandlungsbedürftigem Myom versucht man stets, die Gebärmutter zu erhalten, damit eine Schwangerschaft weiterhin möglich ist und sich somit ein zukünftiger Kinderwunsch erfüllen lässt.

Myomenukleation

Ein einzelnes Myom der Gebärmutter kann man entfernen, indem man es in einer OP ausschält: Dieses Therapie-Verfahren heißt Myomenukleation (Enukleation = operative Myomentfernung). Die Gebärmutter bleibt dabei erhalten. Wie der Arzt bei der OP genau vorgeht, hängt von der Lage des Uterusmyoms ab:

In den meisten Fällen bringt diese Myom-OP einen dauerhaften Erfolg. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Uterusmyom nach der Myomenukleation erneut auftritt (rezidiviert), beträgt etwa 15 Prozent.

Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)

Bei einem Myom der Gebärmutter kann die Therapie auch in einer Gebärmutterentfernung (sog. Hysterektomie) bestehen. Diese radikale Gebärmutter-OP kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn:

Die Hysterektomie kann auf verschiedene Weise erfolgen:

Bei Frauen unter 50 belässt der Operateur die Eierstöcke in der Regel als Hormonproduzenten, wenn sie unverändert sind. Dann kommt es nach der Hysterektomie zwar weiterhin zu zyklischen Hormonschwankungen, die monatliche Regelblutung bleibt aber aus.

Hormontherapie

In manchen Fällen können bei einem Myom der Gebärmutter bestimmte Hormone zur Behandlung zum Einsatz kommen. Für die Hormontherapie geeignet sind:

Für Frauen, bei denen sich ein Myom vor allem durch starke Regelblutungen bemerkbar macht, kommt eventuell die Hormonspirale, die Minipille oder die klassische Antibabypille zur Hormontherapie infrage: Denn die darin enthaltenen Gestagene hemmen den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Dadurch können sie die Regelblutung abschwächen und einer Blutarmut vorbeugen.

Manchmal reicht es aber nicht aus, nur die Regelblutungen abzuschwächen. Dann bieten sich zur Hormontherapie GnRH-Analoga oder der Wirkstoff Ulipristal an. In beiden Fällen macht man sich die Tatsache zunutze, dass ein Myom der Gebärmutter hormonabhängig wächst: Sowohl GnRH-Analoga als auch Ulipristal hemmen die Bildung der wachstumsfördernden Hormone. Das führt dazu, dass das Uterusmyom nicht weiterwächst oder sogar schrumpft.

In der Regel sollte eine Behandlung mit GnRH-Analoga höchstens sechs Monate dauern. Ihr Zweck besteht oft darin, ein Myom vor einer geplanten OP zu verkleinern und so das Operationsrisiko zu verringern. Ulipristal ist hingegen sowohl zur längerfristigen Hormontherapie als auch zur Vorbereitung einer Operation geeignet.

Allgemein kommt eine Hormontherapie bei einem Myom der Gebärmutter vor allem in folgenden Fällen infrage:

  • für Frauen, die kurz vor der Menopause stehen (d.h. bei denen zu erwarten ist, dass die Menstruationsblutung altersbedingt bald ausbleibt),
  • für Frauen, die nicht operiert werden können, oder auch
  • zur Verkleinerung der Myome als OP-Vorbereitung.

Myomembolisation

Bei einem Myom der Gebärmutter kommen zur Therapie zunehmend nicht-operative Verfahren zum Einsatz. Eins davon ist die sogenannte Myomembolisation, ein minimal-invasiver Eingriff, der eine erfolgreiche Alternative zur Operation darstellt. Die Behandlung kann entweder ambulant oder stationär, das heißt mit einem Krankenhausaufenthalt von wenigen Tagen, durchgeführt werden. Sie läuft wie folgt ab:

Während des Eingriffs sind die Betroffenen etwas schläfrig, aber bei Bewusstsein. Etwa drei bis sechs Monaten nach der Myomembolisation erreicht das Myom die maximale Schrumpfung. Die Symptome verbessern sich allerdings schon im ersten Monat nach der Therapie.

Mit der Myomembolisation ist es bei fast allen Frauen möglich, die durch das Myom verursachten Beschwerden erfolgreich zu behandeln. Die Behandlung kann allerdings unerwünschte Folgen haben:

MRT-gelenkter fokussierter Ultraschall

Ein weiteres neues Verfahren, das bei einem Myom der Gebärmutter zur Verfügung steht, ist der sogenannte MRT-gelenkte fokussierte Ultraschall. Auch hier handelt es sich um eine nicht-invasive Methode, die eine Alternative zur Operation darstellt. Doch nicht jedes Uterusmyom und nur Myome mit einem Umfang unter acht Zentimetern kann man mit fokussiertem Ultraschall behandeln.

Während dieser Behandlung liegt man in Bauchlage in einem Magnetresonanztomographen (MRT), der genaue Aufnahmen des Myoms erzeugt. Dann richtet der Arzt die Ultraschallwellen gezielt auf das Myom, wodurch es gewissermaßen abschmilzt. Zwischen einzelnen Ultraschallphasen liegen Zeiten der Abkühlung. Ein MRT-gelenkter fokussierter Ultraschall dauert insgesamt etwa drei bis vier Stunden. Währenddessen können als Nebenwirkungen beispielsweise leichte Schmerzen oder milde Verbrennungen auftreten.

Myom der Gebärmutter (Uterusmyom): Verlauf

Beim Myom der Gebärmutter (Uterusmyom) hängt die Prognose vor allem davon ab, welche Größe diese gutartige Geschwulst hat und wo sie liegt. Kleine Myome sind meist beschwerdefrei. Erst ab einer bestimmten Größe oder bei ungünstiger Lage machen sie sich bemerkbar. Darum sind die meisten Frauen, die sich wegen einer Gebärmuttergeschwulst in Behandlung begeben, über 45 Jahre alt.

Wenn ein Myom deutlich und schnell wächst, empfiehlt es sich jedoch, es operativ zu entfernen oder anderweitig zu behandeln.

Denn ein Myom kann im weiteren Verlauf so wachsen, dass es andere Organe wie Blase, Darm oder Niere in ihrer Funktion beeinträchtigt. Mögliche Folgen der Gebärmuttergeschwulst sind Harnwegsinfektionen, Nierenerkrankungen oder Probleme beim Wasserlassen und beim Stuhlgang. Wächst ein Myom innerhalb der Gebärmutter, können Zyklusstörungen und eine Blutarmut auftreten.

Ein Myom in der Schwangerschaft muss nicht unbedingt stören. Insgesamt sind Myome in der Schwangerschaft allerdings mit einem höheren Risiko für eine Fehlgeburt oder Frühgeburt verbunden. Außerdem kann ein tief sitzendes Uterusmyom ein Geburtshindernis darstellen.

Es ist nicht auszuschließen, dass ein Myom der Gebärmutter bösartig entarten kann. Dies geschieht jedoch sehr selten (in bis zu 0,8% der Fälle). Dennoch ist es für alle Frauen, die nachweislich ein Uterusmyom haben, ratsam, den Verlauf in viertel- bis halbjährlichen Abständen kontrollieren zu lassen.

Myom der Gebärmutter (Uterusmyom): Vorbeugen

Einem Myom (Gebärmuttergeschwulst) können Sie nicht vorbeugen. Allerdings sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Frauenarzt sinnvoll, um Myome frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Myom der Gebärmutter (Uterusmyom): Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Arzneimittelinformationen zu Myomen der Gebärmutter

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

FrauenGesundheitsZentrum Heidelberg e.V.
Alte Eppelheimer Straße 38
69115 Heidelberg
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+49 (0)62 21 / 16 07 06
info@fgz-heidelberg.de
www.fgz-heidelberg.de

Quellen:

Myoma uteri. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.3.2017)

Online-Information des Berufsverbands der Frauenärzte: www.frauenaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 10.5.2017)

Myome der Gebärmutter. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 22.10.2014)

Haag, P., Hanhart, N., Müller, M.: Gynäkologie und Urologie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014

Goerke, K., Steller, J., Valet, A. (Hrsg.): Klinikleitfaden Gynäkologie, Geburtshilfe. Urban & Fischer, München 2013

Kaufmann, M., Costa, S.D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2012

Maass, N., Schiessl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe ... in 5 Tagen. Springer, Berlin 2012

Müller, A., Thiel, F.C., Renner, S.P., Winkler, M., Häberle, L., Beckmann, M.W.: Hysterektomie – ein Vergleich verschiedener Operationsverfahren. Deutsches Ärzteblatt International 2010, Jg. 107, Heft 20, S. 353–359 (21.5.2010)

Aktualisiert am: 10. Mai 2017

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