Lipödem

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel

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Beim Lipödem nimmt das Fettgewebe der Unterhaut an beiden Beinen symmetrisch zu und lagert Wasser ein. Im Verlauf reagiert es schmerzhaft auf Druck. Die Erkrankung tritt fast ausschließlich bei Frauen auf.

Meist beginnt die Erkrankung bereits kurz nach der Pubertät oder nach einer Schwangerschaft – ein Lipödem entwickelt sich jedoch meist langsam, über viele Jahre hinweg. In 70 Prozent der Fälle betrifft es die Beine, in etwa 30 Prozent sind auch die Arme betroffen.

Anfangs fallen die Veränderungen an den Gliedmaßen kaum auf oder werden für eine normale Gewichtszunahme gehalten. Auf Sport oder Diätversuche reagiert das Fettgewebe an den Beinen (oder Armen) allerdings nicht. Das Abnehmen wirkt sich höchstens auf den Körperrumpf aus.

Wenn das Fettgewebe mit der Zeit anwächst und sich vermehrt Wasser ins Gewebe einlagert, verschieben sich die Körperproportionen immer mehr und wirken ungleichmäßig. Im Verhältnis zu den Beinen scheint der Oberkörper oft ungewöhnlich schmal zu sein. Die anfangs noch glatte Haut wird allmählich unebener und fühlt sich zunehmend unangenehm an. Manche Betroffene berichten von Symptomen wie einem unangenehmen Spannungs- oder Druckgefühl. Schließlich reagiert die Haut auch schmerzhaft auf Druck oder schmerzt fortwährend. Die Beschwerden verstärken sich häufig bei Wärme, langem Stehen oder Sitzen sowie zum Abend hin. Es entstehen rasch blaue Flecken (Blutergüsse).

Wie sich das Fettgewebe in den Beinen (oder Armen) verteilt, kann individuell unterschiedlich sein. Immer tritt der Fettzuwachs jedoch symmetrisch an beiden Gliedmaßen auf. Füße (oder Hände) bleiben dabei ausgespart von der Fettzunahme. Bei manchen Betroffenen verteilt sich Fett gleichmäßig über das ganze Bein (den ganzen Arm). Bei anderen sammelt es sich vorwiegend jeweils an den Ober- oder Unterschenkeln (Ober- oder Unterarmen).

Das Fettgewebe wird dabei über die Jahre delliger und wulstiger. Hat das Lipödem bereits stärkere Ausmaße angenommen, bilden sich oberhalb der Knie oder an den Sprunggelenken in manchen Fällen überhängende Fettlappen/-wülste. Besteht die Erkrankung bereits über Jahre, gerät zudem das Lymphsystem an seine Grenzen, sodass sich möglicherweise zusätzlich zum Lipödem auch ein Lymphödem entwickelt. Ein Lymphödem entsteht, wenn Flüssigkeit aus den Lymphbahnen in das umliegende Gewebe dringt. Es zeigt sich ebenfalls durch Schwellungen.

Der Umfangzuwachs der Beine (oder Arme) verändert das Aussehen der Betroffenen und führt so nicht nur durch die Schmerzen oft zu großem Leidensdruck.

Obwohl das Lipödem gar nicht so selten vorkommt, haben viele Betroffene eine längere Ärzte-Odyssee und damit auch einen langen Leidensweg hinter sich. Zwar ist das Krankheitsbild im Grunde bereits seit mehr als 70 Jahren bekannt und lässt sich im Prinzip bereits früh erkennen – dennoch scheint das Lipödem vielen Ärzten kaum geläufig zu sein. So geschieht es immer wieder, dass Betroffene erst nach Jahrzehnten eine korrekte Diagnose und damit auch eine passende Behandlung erhalten. Oft vermuten Ärzte beispielsweise einfach starkes Übergewicht (Adipositas) als Ursache und empfehlen den Betroffenen als Therapiemaßnahmen eine gewichtsreduzierende Diät und Sport. Diese Maßnahmen haben jedoch keinen Effekt auf das Lipödem.

Welcher Arzt kann helfen?
Der beste Ansprechpartner, um ein mögliches Lipödem abzuklären, ist ein Phlebologe, Lymphologe oder Gefäßspezialist.

Ist die Diagnose Lipödem erst einmal gestellt, kann auch eine sinnvolle Behandlung erfolgen. In frühen Stadien können Kompressionsverbände oder -strümpfe oft schon verhindern, dass sich das Lipödem verschlimmert beziehungsweise sich weiter Wasser einlagert.

In späteren Stadien nimmt die sogenannte komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) eine zentrale Stellung ein. Mit ihr soll das Lipödem entwässert werden. Die KPE ist eine Kombination aus manueller Lymphdrainage, Kompressionsverbänden, Krankengymnastik und Hautpflege. Die KPE sollten Betroffene möglichst lebenslang fortführen, da sich andernfalls erneut Wasser im Gewebe einlagern wird.

Nach der Entwässerung kann das Fettgewebe mithilfe einer Fettabsaugung (Liposuktion) auf ein normales Maß gebracht werden.

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