Leistenbruch (Leistenhernie)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Der Leistenbruch (Leistenhernie) ist der häufigste Eingeweidebruch (Hernie) überhaupt: Drei von vier Hernien treten in der Leistengegend auf. Typisches Anzeichen hierfür ist eine Schwellung in der Leistengegend, die meist gut zu erkennen und zu ertasten ist.

Was ist ein Leistenbruch?

Ein Leistenbruch ist eine Hernie – also ein Eingeweidebruch – im Bereich der Leiste: Eine echte Leistenhernie bezeichnet einen Zustand,

Leistenbruch (Leistenhernie): Symptome

Für einen Leistenbruch (Leistenhernie) sind folgende Symptome bei Mann und Frau kennzeichnend:

Die durch einen Leistenbruch entstehenden Schmerzen in der Leiste können beim Mann bis in den Hodensack und bei der Frau bis in die Schamlippen ausstrahlen.

Typischerweise verstärken sich die mit dem Leistenbruch verbundenen Symptome, wenn der Druck im Bauchraum (z.B. durch Husten, Niesen oder Pressen) erhöht ist. Die sonstige körperliche Leistungsfähigkeit ist bei einer Leistenhernie jedoch meist nicht eingeschränkt. Oft verursacht eine Hernie im Leistenbereich auch gar keine Beschwerden.

Bei einem Leistenbruch treten ausgeprägte Symptome erst dann auf, wenn die ausgetretenen Eingeweide (z.B. Teile des Darms) eingeklemmt sind (sog. Inkarzeration): Dann entstehen massive Schmerzen – häufig verbunden mit Übelkeit und Erbrechen. Diese Komplikation der Leistenhernie ist ein chirurgischer Notfall, der sofortiges Handeln nötig macht – sonst sind schwerwiegende Komplikationen wie zum Beispiel Entzündungen der Bauchorgane möglich.

Leistenbruch (Leistenhernie): Ursachen

Anatomie der Leistengegend

Um zu verstehen, wie ein Leistenbruch (Leistenhernie) entsteht, sind Kenntnisse in der Anatomie der Leistengegend hilfreich. Schräg durch die Schichten der vorderen Bauchwand zieht sich der Leistenkanal: In ihm verlaufen wichtige Nervenbahnen sowie Blutgefäße und Lymphgefäße. Der Leistenkanal umschließt

Der Leistenkanal selbst ist von einem System aus Muskeln, Bändern und unelastischem Bindegewebe umgeben. Dieser "Schutzwall" schützt die empfindlichen Gefäße und Bahnen, die den Leistenkanal durchziehen, in der Regel vor Verletzungen.

Allerdings weisen die Strukturen der Bauchwand im Bereich des Leistenkanals natürliche Schwachstellen auf. Bei starkem Druck – wie er zum Beispiel beim Heben, Tragen oder während einer Schwangerschaft entsteht – kann sich an einer solchen Stelle eine Lücke bilden. Bei einem Leistenbruch wölbt sich dann – aufgrund des starken Drucks im Bauchraum – durch diese Bruchpforte der Bruchinhalt vor.

Die Leistengegend bildet eine natürliche Schwachstelle des Körpers.

Wie kommt es zum Leistenbruch?

Ursache für den Leistenbruch ist immer eine Schwachstelle in der Bauchwand im Bereich des Leistenkanals, die aus unterschiedlichen Gründen bestehen kann. Dabei kann die Leistenhernie angeboren oder erworben sein.

Je nachdem, wie und wo es zum Leistenbruch kommt, unterscheidet man außerdem die direkte und indirekte Leistenhernie:

Bei einem angeborenen Leistenbruch hat das Baby bereits bei der Geburt eine Bruchpforte. Ursache ist ein unvollständiger innerer Verschluss der Bauchwand während der Entwicklung des Fötus. Je nachdem, ob Jungen oder Mädchen betroffen sind, kann sich die angeborene Leistenhernie wie folgt auswirken:

Die erworbene Leistenhernie hingegen ist die Folge einer erst im Laufe des Lebens entstandenen Schwäche in der Bauchwand. Meist tritt ein erworbener Leistenbruch erst in höherem Alter auf: Betroffene Männer sind meist 50 bis 69 Jahre alt, Frauen 60 bis 79 Jahre. Als Ursachen kommen unterschiedliche Faktoren infrage, die die Bauchwand schwächen:

Wenn Schwachstellen in der Bauchwand bestehen, kann ein erhöhter Druck im Bauchraum dazu führen, dass ein Leistenbruch entsteht. Mögliche Ursachen für einen erhöhten Druck im Bauchraum sind:

Häufigkeit

Der Leistenbruch kommt bei Frauen deutlich seltener vor als bei Männern: 90 Prozent aller Leistenbrüche entfallen auf Männer. Zudem sind betroffene Männer durchschnittlich jünger als betroffene Frauen: Bei Männern kommt es am häufigsten im Alter von 50 bis 69 Jahren zur Leistenhernie, bei Frauen im Alter von 60 bis 79 Jahren.

Zwar tritt ein Leistenbruch in den die allermeisten Fällen im Erwachsenenalter auf. Doch auch bis zu 3 Prozent aller Kinder haben eine (angeborene) Leistenhernie – bei Frühgeborenen sind es sogar bis zu 25 Prozent. Dabei ist meistens die rechte Seite betroffen: 25 Prozent der angeborenen Leistenbrüche treten nur links und 15 Prozent beidseitig auf.

Leistenbruch (Leistenhernie): Diagnose

Einen Leistenbruch (Leistenhernie) zu erkennen ist in der Regel leicht: Die Diagnose gelingt meist über eine körperliche Untersuchung – wenn die Betroffenen stehen oder liegen, zeigt sich typischerweise eine Schwellung in der Leistengegend. Spätestens wenn die Betroffenen husten oder pressen, ist die Bruchstelle im Bereich der Leiste gut zu sehen beziehungsweise tastbar.

Manchmal ist zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) nötig, um die Diagnose zu sichern – zum Beispiel bei einem kleineren Leistenbruch, der auf den ersten Blick nicht gut zu erkennen ist. Auch bei Menschen mit einer straffen Bauchdecke sowie bei stark übergewichtigen Menschen fällt eine Leistenhernie nicht sofort ins Auge, sodass die Sonographie hilfreich ist.

Kinder haben meist eine angeborene indirekte Leistenhernie. Ein erworbener direkter Leistenbruch ist bei Kindern äußerst selten. Er zeigt sich meist als kleine Schwellung direkt über dem Schambein. Bei Jungen ist es in dem Fall allerdings erforderlich, eine sogenannte Hydrozele (= Flüssigkeitsansammlung im Hodensack) auszuschließen (sog. Differenzialdiagnose).

Einordnung des Leistenbruchs

Beim Leistenbruch ist dessen Einordnung für das weitere Vorgehen nach der Diagnose entscheidend. Um die Leistenhernie einordnen und so ihre geeignete Behandlung zu bestimmen, ist die folgende Frage zu beantworten: Lässt sich der Bruchinhalt in den Bauchraum zurückdrängen?

Wenn der Arzt bei der körperlichen Untersuchung den Bruchinhalt mit der Hand wieder in die normale Lage zurückbringen (reponieren) kann, liegt eine sogenannte reponible Leistenhernie vor. Reponible Leistenbrüche sind die häufigste Bruchform und bereiten nur wenige Beschwerden – eine unmittelbare Operation ist in der Regel nicht notwendig.

Kann der Arzt den Bruchinhalt mit der Hand nicht in den Bauchraum zurückschieben, ist der Leistenbruch sofort zu operieren. Denn eine solche irreponible Leistenhernie ist meist mit Verwachsungen und dem Risiko verbunden, dass sich Teile der Bauchorgane einklemmen (sog. Inkarzeration). Eingeklemmte Bauchorgane stellen einen medizinischen Notfall dar, den man dringend innerhalb weniger Stunden operativ behandeln muss – andernfalls kann es zu schweren Komplikationen kommen.

Leistenbruch (Leistenhernie): Therapie

Bei einem Leistenbruch (Leistenhernie) besteht die Therapie in einer Operation – dies gilt grundsätzlich für jede Form in jedem Alter. Allerdings können angeborene beziehungsweise kindliche Hernien in der Leistengegend in seltenen Fällen auch von selbst (spontan) heilen.

Leistenbruch-OP – das Mittel der Wahl

In der Regel bildet sich ein Leistenbruch nicht von selbst zurück. Aus diesem Grund ist die Leistenbruch-OP das Mittel der Wahl: Ärzte operieren eine Leistenhernie fast immer – diese Behandlung verhindert eine Einklemmung ausgetretener Bauchorgane (sog. Inkarzeration).

Die Leistenbruch-OP ist eine sichere Methode – ihre Erfolgsquote liegt bei über 95 Prozent. Üblicherweise erfolgt der Eingriff unter Vollnarkose; bei einer kleineren Leistenhernie kann aber auch eine örtliche Schmerzbetäubung ausreichen. Bei ansonsten gesunden Menschen ist die Operation auch ambulant möglich.

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Die Leistenbruch-OP: das Mittel der Wahl

OP-Methoden

Alle bei einem Leistenbruch zur Therapie verfügbaren OP-Methoden haben dasselbe Ziel: die Bruchstelle schließen und – bei Erwachsenen – die Bauchwand hinter dem Leistenkanal verstärken (bei Kindern ist in der Regel keine Verstärkung der Leistenkanalhinterwand nötig). Die Operation der Leistenhernie kann offen oder minimal-invasiv erfolgen:

Auswahl der Verfahren

Grundsätzlich kommt bei jedem Leistenbruch jede OP-Technik infrage. Die Auswahl der zur Operation Ihrer Leistenhernie am besten geeigneten Verfahren hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Minimal-invasive Verfahren sind technisch anspruchsvoller und teurer als eine offene Leistenbruch-OP. Eine minimal-invasive Therapie ist für Sie aber von Vorteil: Bereits einige Tage nach dem Eingriff können Sie sich wieder voll belasten. Empfehlenswert ist die Auswahl minimal-invasiven Verfahren vor allem bei einem erneuten Bruch (sog. Rezidiv) und für ältere Menschen, bei denen eine beidseitige Leistenhernie vorliegt.

Bei der Auswahl der offenen Verfahren gilt die Regel: Bei einer kleinen Bruchpforte ist in der Regel die Leistenbruch-OP nach Shouldice geeignet, bei einer größeren Bruchpforte hingegen ist die Lichtenstein-Methode empfehlenswert. Chirurgen wenden offene Verfahren bei einer Leistenhernie allgemein häufiger an als eine minimal-invasive Behandlung. Nach einer offenen OP dauert es allerdings einige Wochen, bis Sie sich wieder voll belasten dürfen.

Wenn Sie einen Leistenbruch haben, sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt über Vor- und Nachteile der einzelnen Therapie-Methoden. Er kann Sie zur Auswahl der Verfahren beraten und Ihnen erklären, welche Behandlung für Sie persönlich geeignet ist ist.

Bruchband

Bei einem Leistenbruch kann kurzfristig auch ein sogenanntes Bruchband zur Therapie zum Einsatz kommen, wenn es nicht möglich ist, den Bruch in einer Operation zu beheben – zum Beispiel bei Menschen, deren Operationsrisiko wegen ihres schlechten Allgemeinzustands zu hoch wäre.

Die Operation bleibt bei einem Leistenbruch aber die Therapie der Wahl: Das Bruchband gilt als veraltete Behandlungsmethode, weil das Risiko einer Einklemmung der herausgetretenen Eingeweide besteht. Bei Kindern oder bei einer Leistenhernie, die sich nicht mehr zurückschieben lässt, kommt ein Bruchband grundsätzlich nicht infrage.

Bei einem Leistenbruch, bei dem sich der Bruchinhalt mit der Hand wieder in die normale Lage zurückbringen lässt, legt man das Bruchband wie eine Art Gürtel von außen auf die Bruchstelle: Dies soll verhindern, dass der Bruchinhalt austritt. Einklemmungen kann ein Bruchband aber nicht sicher vermeiden – und auch eine Heilung der Leistenhernie ist auf diese Weise nicht möglich.

Ein Bruchband muss Ihr Arzt individuell anpassen. Es kann die Leistenhernie nicht dauerhaft beheben und ist darum keine Alternative zur Operation. Gehen Sie bei Anzeichen für einen Leistenbruch also auf jeden Fall bald zum Arzt und versuchen Sie keinesfallls, die Therapie mithilfe eines Bruchbands selbst in die Hand zu nehmen! Kommt es dabei zu einer Einklemmung, ist dies ein medizinischer Notfall, der nur operativ in den Griff zu bekommen ist.

Leistenbruch (Leistenhernie): Verlauf

Ein operativ behandelter Leistenbruch (Leistenhernie) verläuft in der Regel günstig und heilt ohne Komplikationen aus.

Komplikationen

Wenn ein Leistenbruch mit einer Einklemmung der Eingeweide (sog. Inkarzeration) einhergeht, können im weiteren Verlauf Komplikationen auftreten. Der Grund: Ein eingeklemmter Darmabschnitt kann sich entzünden und absterben.

Eine schwer verlaufende Entzündung greift möglicherweise auf den ganzen Bauchraum über, wodurch sich das Operationsrisiko deutlich erhöht. Dennoch ist eine Operation bei einem Leistenbruch die einzige Möglichkeit, diese Komplikation in den Griff zu bekommen.

Daneben besteht auch bei einem erfolgreich behobenen Leistenbruch ein Risiko von fünf bis zehn Prozent, dass sich nachfolgend ein Rezidiv bildet (also erneut ein Bruch auftritt). Bei Betroffenen mit einer angeborenen Schwäche des Bindegewebes kann auch in der gegenüberliegenden Leiste eine Leistenhernie auftreten.

Tipp: Um zu verhindern, dass es erneut zum Leistenbruch kommt, ist es wichtig, nach der Operation:

  • mindestens drei bis sechs Monate lang keine schweren Lasten zu heben und
  • die Ernährung so zu gestalten, dass der Stuhl möglichst weich ist.

In seltenen Fällen können bei einem Leistenbruch – neben einer Einklemmung oder einem Rezidiv – weitere Komplikationen in folgender Form auftreten:

Leistenbruch (Leistenhernie): Vorbeugen

Einem Leistenbruch (Leistenhernie) können Sie bis zu einem gewissen Grad vorbeugen, indem Sie Übergewicht vermeiden und Ihre Bauchmuskeln trainieren.

Zudem ist es zur Leistenbruch-Prophylaxe grundsätzlich empfehlenswert, dass Sie keine schweren Lasten heben. Dies gilt vor allem, wenn Sie eine angeborene Schwäche des Bindegewebes haben, denn schweres Tragen erhöht den Druck auf die Schwachstellen der Bauchwand und damit das Risiko eines Leistenhernie.

Auch wenn Sie sich gerade einer Operation einer Leistenhernie unterzogen haben, ist es wichtig, mindesten drei bis sechs Monate keine schweren Lasten zu heben: So können Sie einem erneuten Leistenbruch (sog. Rezidiv) vorbeugen. Daneben ist es ratsam, sich so zu ernähren, dass Ihr Stuhl möglichst weich ist (damit der Stuhlgang klappt, ohne stark zu pressen).

Leistenbruch (Leistenhernie): Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Pommer, A., Schumacher, G. (Hrsg.): Klinikleitfaden Chirurgie. Urban & Fischer, München 2015

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie: Leistenhernie, Hydrozele. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 006/030 (Stand: September 2014)

Largiader, F., Saeger, D., Trentz, O.: Checkliste Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2012

Emminger, H., Kia, T. (Hrsg.): Exaplan – Das Kompendium der klinischen Medizin. Urban & Fischer, München 2010

Schumpelick, V., Bleese, N., Mommsen, U.: Kurzlehrbuch Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2010

O'Dwyer, P.J., et al.: Observation or operation for patients with an asymptomatic inguinal hernia: A randomized clinical trial. Annals of Surgery, Vol. 244, pp. 167-73 (2006)

Fitzgibbons, R.J., et al.: Watchful waiting vs repair of inguinal hernia in minimally symptomatic men: A randomized clinical trial. The Journal of the American Medical Association (JAMA), Vol. 295, pp. 285–92 (2006)

Stand: 25. Oktober 2016

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