Kretinismus

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Kretinismus ist eine Entwicklungsstörung bei Kindern, die in Deutschland und anderen medizinisch versorgten Regionen praktisch gar nicht mehr vorkommt, denn: Der Grund für die Störung ist ein angeborener Mangel an Schilddrüsenhormonen. Dieser Hormonmangel ist jedoch leicht zu beheben.

Der für den Kretinismus verantwortliche Schilddrüsenhormonmangel kann vielerlei Ursachen haben:

In der Vergangenheit trat die angeborene Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) mit Kretinismus in sogenannten Jodmangelgebieten gehäuft auf – in diesem Fall spricht man von endemischem Kretinismus (endemisch = örtlich begrenzt auftretend). Ein solcher Jodmangel ist jedoch dank der mit Jod angereicherten Lebensmittel in Deutschland selten.

Direkt nach der Geburt sind bei Babys mit angeborener Schilddrüsenunterfunktion häufig keine besonderen Symptome für einen Kretinismus zu beobachten. Die kindliche Entwicklungsstörung zeigt sich erst im Laufe der ersten Lebenswochen: Betroffene Säuglinge trinken häufig schlechter, wirken apathisch oder haben eine auffallend kühle, trockene Haut. Oft fallen auch ein verlangsamter Herzschlag (Bradykardie) und eine geringe Muskelspannung auf. Im weiteren Verlauf entwickeln sich Knochen und Zähne nicht altersgemäß. Bleibt der Mangel an Schilddrüsenhormonen zu lange unbehandelt, wachsen die betroffenen Kinder weniger – die körperliche Entwicklung ist verzögert.

Die Bezeichnung Kretinismus ist vom französischen Wort crétin abgeleitet und bedeutet in etwa "Idiot". Der Grund: Der Kretinismus als Auswirkung eines unbehandelten Schilddrüsenhormonmangels ist auch mit einer verzögerten geistigen Entwicklung verbunden.

Äußerliche Kennzeichen des Kretinismus sind:

Dass der Kretinismus hierzulande mittlerweile keine Rolle mehr spielt, ist unter anderem den Vorsorgeunter­suchungen für Kinder (bzw. Neugeborenenscreening) zu verdanken: Bei der sogenannten U2 überprüfen die Ärzte, ob die Schilddrüse ausreichend Schilddrüsenhormone bildet. Babys mit einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion haben dadurch die Chance auf eine rechtzeitige Behandlung mit Schilddrüsenhormonen, sodass sie keinen Kretinismus entwickeln können.

Bei frühzeitig erkannter und behandelter Schilddrüsenunterfunktion können sich die betroffenen Kinder völlig normal entwickeln – sie müssen die Schilddrüsenhormone allerdings ihr Leben lang einnehmen.

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