Karzinoid (neuroendokriner Tumor)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Ein Karzinoid – auch neuroendokriner Tumor oder neuroendokrines Karzinom genannt – ist ein sehr seltener Tumor, der sich aus hormonbildenden Zellen entwickelt und häufig selbst Hormone oder Botenstoffe bildet. Da Karzinoide sehr langsam wachsen, bleiben sie häufig viele Jahre unentdeckt. Rechtzeitig erkannt sind sie meist vollständig heilbar.

Hormon- und botenstoffbildende Zellen, die sich außerhalb von Hormondrüsen befinden, fassen Ärzte auch unter der Bezeichnung APUD-System (Amine-Precurser-Uptake and Decarboxilation) zusammen. Daher findet man manchmal auch den älteren Begriff APUDom, stellvertretend für das Karzinoid.

Die Ursache für ein Karzinoid ist weitgehend unbekannt. Da die hormonbildenden Zellen (sog. endokrine Zellen), aus denen ein Karzinoid entsteht, nahezu überall im Körper vorkommen, können alle möglichen Organe betroffen sein.

Da das Karzinoid selten vorkommt, gibt es entsprechend wenige Daten im Vergleich zu anderen Krebsarten. Dies erschwert zusätzlich die Forschung nach den Karzinoid-Ursachen.

Meistens bildet sich ein neuroendokriner Tumor im Magen-Darm-Trakt, zum Beispiel im

Deshalb bezeichnet man neuroendokrine Tumoren auch als GEP-Tumoren, wobei GEP für gastroenteropankreatische Tumoren (= Magen-Darm-Bauchspeicheldrüsen-Tumoren) steht. Nur jedes zehnte Karzinoid tritt in anderen Organen (z.B. in der Lunge oder im Thymus) auf.

Ein Karzinoid kann vielfältige Symptome verursachen. Zum einen rufen groß gewachsene Tumoren beziehungsweise Tochtergeschwulste (Metastasen) je nach Lage verschiedene Beschwerden hervor, wenn sie umliegende Organe verdrängen. Zum anderen kann ein Karzinoid Hormone freisetzen, die je nach Art des Hormons unterschiedliche Auswirkungen haben. Möglich sind zum Beispiel:

Durch einen neuroendokrinen Tumor kann es auch zum Karzinoid-Syndrom kommen, wenn der Tumor zu viel vom Botenstoff Serotonin bildet. Häufig verursacht ein Appendix-Karzinoid (ein neuroendokriner Tumor des Wurmfortsatzes) das Syndrom, das gekennzeichnet ist durch:

Bei einem Karzinoid umfasst die Diagnostik vor allem bildgebende Verfahren, wie Ultraschalluntersuchung (Sonographie), Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Die gegen ein neuroendokrines Karzinom eingesetzte Therapie besteht in erster Linie darin, das Karzinoid operativ zu entfernen. Hat ein neuroendokriner Tumor bereits in andere Organe gestreut (d.h. Metastasen gebildet), kommen neben der Operation weitere Behandlungsverfahren, wie die Chemotherapie, zum Einsatz. Rechtzeitig entdeckte und angemessen behandelte neuroendokrine Karzinome haben in vielen Fällen eine gute Prognose.

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