Hodenkrebs: Definition

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Die Hoden bestehen aus vielen verschiedenen Gewebearten, in denen entsprechend unterschiedliche Krebsarten entstehen können. Bei erwachsenen Männern sind vor allem die Keimzellen, die den männlichen Samen (Spermien) produzieren, von Hodenkrebs betroffen: In mehr als 90 von 100 Fällen entwickeln sich bösartige Hodentumoren aus den Keimzellen. Man bezeichnet sie daher auch als Keimzelltumoren oder germinale Tumoren (von lat. germen = Keim).

Es gibt zwei Hauptgruppen von Keimzelltumoren:

  • Seminome und
  • Nichtseminome.

Beide kommen etwa gleich häufig vor. Die Unterscheidung zwischen ihnen ist vor allem hinsichtlich der Behandlung des Hodenkrebses wichtig.

Ärzte unterteilen Nichtseminome zusätzlich in weitere Unterformen. Je nachdem, aus welchem Gewebe ein Nichtseminom entsteht, handelt es sich um:

Hodentumoren können sich auch aus anderen Zelltypen als den Keimzellen entwickeln. Sie werden dann als nicht-germinale Tumoren bezeichnet. Diese sind bei erwachsenen Männern sehr selten. Bei Kindern treten sie jedoch häufiger auf: Bei ihnen sind etwa 40 von 100 Hodentumoren nicht-germinale Tumoren. Meist sind diese gutartig.

Zu den seltenen Hodentumoren, die sich nicht aus den Keimzellen entwickeln, zählen unter anderem:

In seltenen Fällen kann sich Krebs auch aus Hodengewebe entwickeln, das im Körper versprengt ist. Die Hoden selbst sind dann nicht von dem Hodenkrebs betroffen. In diesen Fällen spricht man von extragonadalen Keimzelltumoren.

Häufgkeit

Insgesamt gehört Hodenkrebs zu den selteneren Krebserkrankungen: Lediglich 1-2 von 100 krebskranken Männern leiden unter einem bösartigen Hodentumor, pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 4.000 Männer neu daran. In den vergangenen Jahren hat aus bislang ungeklärten Gründen die Zahl der Hodenkrebs-Neuerkrankungen in Deutschland und ganz Europa zugenommen.

Wie andere Krebsarten auch tritt Hodenkrebs in verschiedenen Altersgruppen mit einer sehr unterschiedlichen Häufigkeit auf. Doch bei den bösartigen Hodentumoren gibt es eine Besonderheit: Sie entwickeln sich vor allem bei vergleichsweise jungen Männern. Die Betroffenen sind überwiegend 20 bis 40 Jahre alt, das durchschnittliche Erkrankungsalter beträgt etwa 38 Jahre. Dabei treten Seminome häufiger zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf, während sich Nichtseminome eher ein paar Jahre früher bilden. Insgesamt ist Hodenkrebs bei Männern in dieser Altersgruppe der häufigste bösartige Tumor.

Wie häufig Hodenkrebs auftritt, scheint außerdem mit der genetischen Herkunft eines Mannes zusammenzuhängen. So erkranken Europäer beispielsweise häufiger an bösartigen Hodentumoren als afrikanisch-stämmige Männer.

Anatomie der Hoden

Die Hoden (Testis, Orchis) gehören zu den inneren männlichen Geschlechtsorganen. In ihnen werden Samenzellen (Spermien) und das männliche Sexualhormon Testosteron gebildet. Die Hoden sind paarig angelegt: Im Hodensack (Skrotum) liegt jeweils links und rechts ein Hoden mit dazugehörigem Nebenhoden. Die Hoden sind etwa pflaumengroß – wobei einer häufig etwas größer ist und etwas tiefer hängt als der andere – und haben meist eine prall-elastische Konsistenz.

Zu jedem Hoden gehört ein fein verzweigtes Netz von Kanälchen, über das die Spermien in die Nebenhoden gelangen. Die Nebenhoden bilden einen etwa fünf Zentimeter langen, vielfach gewundenen Gang, der den Hoden jeweils kappenartig aufsitzt. Hier sind die Spermien gespeichert und durchlaufen die letzten Reifungsphasen. Die Nebenhoden sind über die Samenleiter und die Prostata mit der Harnröhre verbunden.

Bei einem Samenerguss (Ejakulation) vermischen sich die Spermien mit Prostata- und Samenbläschensekret zum Sperma.

In 95 von 100 Fällen betrifft der Hodenkrebs nur einen Hoden. Da beide Hoden Spermien und Testosteron bilden, wirkt sich die operative Entfernung eines Hodens meist nicht auf die Sexualität oder Zeugungsfähigkeit aus.

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Die männlichen Geschlechtsorgane
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