Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Häufig erst spät erkannt

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel

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Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen. Häufig sind die Beschwerden eher allgemeiner Art, weshalb es nicht immer leicht ist, eine Herzmuskelentzündung direkt als solche zu erkennen.

Was ist eine Herzmuskelentzündung?

Bei einer Herzmuskelentzündung bestehen akute oder chronisch entzündliche Prozesse am Herzen. Sie kann in jedem Alter auftreten – bei kleinen Kindern ebenso wie bei alten Menschen.

Damit eine Herzmuskelentzündung möglichst folgenlos ausheilt, ist es wichtig sich körperlich zu schonen. Aus diesem Grund raten Ärzte Betroffenen teilweise auch zu strenger Bettruhe.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Symptome oft nicht eindeutig

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kann sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen. Meist treten bei einer Herzmuskelentzündung nur leichte oder gar keine Beschwerden auf, weshalb sie nicht immer leicht zu erkennen ist. Nur in seltenen Fällen verläuft die Entzündung am Herzmuskel so schwerwiegend, dass sie sich lebensbedrohlich entwickelt.

Eine akute Herzmuskelentzündung zeigt häufig Symptome einer unter Umständen rasch fortschreitenden Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Hierbei verschlechtert sich der Allgemeinzustand verschlechtert und es entstehen außerdem oft folgende Beschwerden:

Weitere mögliche Symptome der akuten Herzmuskelentzündung sind:

Je nach Schweregrad der Herzmuskelentzündung kann bereits leichte körperliche Anstrengung eine starke Atemnot auslösen.

Im chronischen Stadium einer Herzmuskelentzündung sind die möglichen Symptome eher allgemeiner:

Unter Umständen bestehen bei einer chronischen Herzmuskelentzündung auch Symptome einer begleitenden Herzbeutelentzündung (Perikarditis) oder einer Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel (Perikarderguss).

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Bei einer Herzmuskelentzündung können unter anderem Symptome wie Abgeschlagenheit und rasche Ermüdbarkeit auftreten.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Das sind die Ursachen

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kann verschiedene Ursachen haben. Vor allem Infekte (durch Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten) können am Herzmuskel eine Entzündung hervorrufen. Aber eine Myokarditis kann auch ohne Beteiligung von Krankheitserregern entstehen, zum Beispiel durch zerstörerisch wirkende Vorgänge des Immunsystems gegen das Herzgewebe (Autoimmunprozesse) oder herzschädigend wirkende Substanzen.

Zu den Bakterien, die eine Herzmuskelentzündung auslösen können, zählen zum Beispiel:

Aber auch andere Bakterien können eine Myokarditis zur Folge haben.

Wenn Bakterien von der ursprünglichen Infektionsquelle aus ins Blut gelangen und sich im Körper verbreiten, kann sich der Herzmuskel entzünden.

In Deutschland verursachen jedoch vor allem Viren eine Herzmuskelentzündung. Etwa die Hälfte aller Fälle ist auf eine Virusinfektion zurückzuführen. Als Auslöser kommen dabei unter anderem folgende Viren in Betracht:

Eine virusbedingte Herzmuskelentzündung entsteht in manchen Fällen durch eine Überreaktion des Immunsystems, die sich gegen den Herzmuskel richtet: Man nimmt an, dass das Immunsystem bestimmte Bestandteile der Herzmuskelfasern angreift, weil deren Struktur Virusbestandteilen ähnelt. Auf diese Weise sorgt das Immunsystem fälschlicherweise dafür, dass am Herzmuskel eine Entzündung entsteht (bzw. fortbesteht). Als mögliche Ursache für diese Vorgänge gilt eine erbliche Veranlagung.

Auf vergleichbare Weise kann eine Herzmuskelentzündung als Folge einer Autoimmunerkrankung (z.B. Sarkoidose oder Rheuma) entstehen.

Eine sogenannte toxische Myokarditis entsteht dagegen durch die Einnahme von Substanzen, die den Herzmuskel schädigen können, wie zum Beispiel:

Darüber hinaus kann eine Herzmuskelentzündung ihre Ursache auch in einer Strahlentherapie (z.B. im Rahmen einer Krebstherapie) haben.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Diagnose

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) zu erkennen, ist nicht immer leicht. Im akuten Stadium ist es möglich, die Entzündung durch eine körperliche Untersuchung und den Einsatz technischer Apparate festzustellen. Bei einer chronischen Myokarditis ist zudem eine Gewebeentnahme aus dem Herzmuskel (sog. Myokardbiopsie) sinnvoll, um die wirksamste Therapie festlegen zu können.

Bei einem Verdacht auf Herzmuskelentzündung erkundigt sich der Arzt zunächst ausführlich nach den Beschwerden. Von besonderem Interesse ist für die Diagnose auch, ob aktuell ein Infekt vorliegt oder kürzlich vorlag (z.B. Erkältung, Grippe, Durchfall). Dann folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung des Betroffenen, bei der der Arzt meist Herz und Lunge abhört und den Blutdruck misst.

Außerdem ist eine Blutprobe ratsam, um verschiedene Laborwerte zu bestimmen, wie zum Beispiel:

Unter Umständen liegt der Herzmuskelentzündung eine eigentlich andere Erkrankung zugrunde. Das ist bei der Diagnose zu bedenken.

Anschließend erfolgt meist eine eingehende Untersuchung des Herzens mit EKG (Elektrokardiogramm) und Herzultraschall (Echokardiographie):

Seit einiger Zeit spielt auch die Magnetresonanztomographie (MRT) eine wichtige Rolle für die Diagnose – sie kann Aufschluss darüber geben, welche Risiken durch die Herzmuskelentzündung für den Betroffenen bestehen. Auch eine Röntgenuntersuchung kann sinnvoll sein.

Myokardbiopsie

Besteht durch die bisher vorgenommenen Untersuchungen weiterhin Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung, erfolgt in der Regel eine Myokardbiopsie – also eine Gewebeprobe des Herzmuskels. Nur so kann der Arzt die Entzündung am Herzmuskel direkt nachweisen. Dafür führt der Arzt während einer sogenannten Herzkatheteruntersuchung meist vom Hals oder der Leiste aus einen Katheter über eine Vene ins Herz, um winzige Gewebeproben vom Herzmuskel zu entnehmen. Im Anschluss folgt eine mikroskopische, molekularbiologische und immunhistologische Untersuchung der Proben. So kann der Arzt die Entzündungsprozesse im Herzen genau beurteilen.

Mithilfe der Myokardbiopsie ist es möglich, im Falle einer virusbedingten Herzmuskelentzündung eventuell vorhandenes Erbmaterial des Virus nachzuweisen und somit den genauen Erreger zu bestimmen. Daher ist diese Gewebeuntersuchung vor allem bei einer chronischen Herzmuskelentzündung empfehlenswert, um eine Behandlung festzulegen, die wirklich auf die Ursachen abzielt.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Behandlung

Bei einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) hat die Behandlung zwei Ziele:

Früh erkannt und richtig behandelt hat die Myokarditis eine gute Prognose. In der Regel heilt sie vollständig aus. Teilweise bleiben harmlose Herzrhythmusstörungen bestehen.

Nur in seltenen Fällen kann – falls die Entzündung trotz Behandlung unaufhaltsam voranschreitet – eine Herztransplantation notwendig werden.

Behandlung der Symptome

Zur Behandlung der Herzmuskelentzündung gehört vor allem körperliche Schonung. In den ersten Wochen ist unter Umständen auch strenge Bettruhe zu empfehlen. Betroffene bekommen in dieser Zeit vorbeugend den Wirkstoff Heparin, um zu vermeiden, dass durch den Bewegungsmangel eine Thrombose oder Embolie entsteht. Diese Schonphase sollte mindestens so lange andauern, wie Anzeichen einer Herzschwäche bestehen.

Erst wenn die akuten Beschwerden nachlassen, kann man die körperliche Belastung nach und nach wieder steigern. Außerdem erhalten Betroffene zur Therapie

Bei einer schwer verlaufenden Herzmuskelentzündung können intensivmedizinische Maßnahmen und damit ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein. Zeigen sich im Rahmen der Myokarditis schwerwiegende Herzrhythmusstörungen, erhalten Patienten in der Regel – auch wenn sie jünger sind – einen Herzschrittmacher.

Behandlung der Ursachen

Die ursächliche Behandlung kann sehr unterschiedlich ausfallen: Ist für eine fortschreitende Herzmuskelentzündung nachweislich ein Virus verantwortlich, ist eine Behandlung mit Interferonen möglich. Steckt eine bakterielle Infektion hinter der Myokarditis, ist eine gezielte Therapie mit Antibiotika ratsam.

Hat eine Autoimmunerkrankung die Herzmuskelentzündung verursacht, kommen Medikamente infrage, die das Immunsystem unterdrücken: sogenannte Immunsuppressiva (z.B. Prednison, Azathioprin). Bei einer autoimmunbedingten Myokarditis richtet sich die körpereigene Abwehr gegen das eigene Herzmuskelgewebe. Durch die Immunsuppressiva schwächt sich die Entzündung ab oder kommt ganz zum Erliegen.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Verlauf

Eine akute Herzmuskelentzündung (Myokarditis) nimmt in den meisten Fällen einen guten Verlauf und heilt folgenlos aus. Bei einem Teil der Patienten geht die akute Myokarditis jedoch in eine chronische Form über.

Eher selten sind schwere Verläufe möglich, bei denen sich die Erkrankung innerhalb kurzer Zeit verschlechtert oder zu einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) führt.

Komplikationen

Nimmt eine Herzmuskelentzündung einen chronischen Verlauf, ist das problematisch: Im chronischen Stadium kann die Entzündung zu einer Herzvergrößerung mit eingeschränkter Pumpfunktion (sog. dilatative Kardiomyopathie) führen.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Vorbeugen

Einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) können Sie nicht direkt vorbeugen. Es ist jedoch möglich, das Risiko für eine Myokarditis durch einfache Maßnahmen möglichst gering zu halten: Um die Entstehung einer Herzmuskelentzündung nicht zu begünstigen, sollten Sie während und nach Infekten (z.B. Erkältung, Durchfallerkrankung oder Grippe) keinen Sport treiben und sich in diesem Zeitraum auch ansonsten körperlich schonen.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

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Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Myokarditis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.psychrembel.de (16.5.2017)

Krams, M., et al.: Kurzlehrbuch Pathologie. Thieme, Stuttgart 2013

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Arastéh, K., et al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Kardiologie: Myokarditis im Kindes- und Jugendalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 023/025 (Stand: August 2013)

Dennert, R., Crijns, H. J., Heymans, S.: Acute viral myocarditis. European Heart Journal, Vol. 29, pp. 2073-2082 (2008)

Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Thieme Verlag, Stuttgart 2008

Aktualisiert am: 24. Juli 2017

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