Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Was ist das?

Veröffentlicht von: Till von Bracht

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Bei der Herzinsuffizienz ist das Herz nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut in den Kreislauf zu pumpen. Die Organe und Gewebe werden dadurch schlechter durchblutet. Je nachdem, ob die rechte oder linke Herzkammer von der Herzschwäche betroffen ist, treten unterschiedliche Symptome wie zum Beispiel Atemnot oder Wassereinlagerungen in den Beinen auf.

Je weiter die Herzinsuffizienz fortgeschritten, desto kürzer ist die Lebenserwartung der Patienten. Insgesamt überleben etwa 50 Prozent der Betroffenen die nächsten fünf Jahre nach der Diagnosestellung. 

Häufig tritt die Erkrankung in Folge anderer Herzerkrankungen auf und betrifft vor allem ältere Menschen. Etwa 10 Prozent der über 70-Jährigen haben eine Herzschwäche, bei den 40- bis 50-Jährigen sind dagegen nur 1 bis 3 Prozent betroffen. 

Dass eine Herzinsuffizienz im Alter so häufig vorkommt, liegt daran, dass viele Betroffene in diesem Lebensabschnitt an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) und Bluthochdruck leiden. Diese Erkrankungen gelten als Hauptursache für die Entstehung einer Herzmuskelschwäche. Wahrscheinlich wird die Zahl der Patienten in Zukunft weiter steigen, da das Durchschnittsalter der Bevölkerung ansteigt.

Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Symptome

Ist das Herz zu schwach, um ausreichend Blut in den Körper zu pumpen, entstehen verschiedene Symptome. Als typische Anzeichen für eine Herzinsuffizienz gelten:

Die genauen Beschwerden hängen vom Krankheitsstadium ab sowie zum anderen davon, welche der beiden Herzkammern hauptsächlich von der Herzmuskelschwäche betroffen ist. Mediziner unterscheiden zwischen einer Links- und einer Rechtsherzinsuffizienz. Auch eine Kombination beider Formen ist möglich: die sogenannte globale Herzinsuffizienz.

Linksherzinsuffizienz

Besonders bei der Linksherzinsuffizienz, also der Pumpschwäche der linken Herzkammer, kommt es zur Atemnot. Außerdem ist bei einer Linksherzinsuffizienz häufig die Atmung beschleunigt (sog. Tachypnoe). Die Betroffenen setzen sich aufrecht hin, um besser Luft zu bekommen. Sie leiden unter Hustenanfällen, sind kaltschweißig und sehr unruhig. Der Arzt hört beim Atmen Rasselgeräusche der Lunge, wenn er den Betroffenen abhört.

Typische Symptome der Linksherzinsuffizienz sind:

Rechtsherzinsuffizienz

Bei einer Rechtsherzinsuffizienz lagert sich Wasser im Bereich der Knöchel und Schienbeine ab (Ödeme). Nachts müssen die Erkrankten häufig zur Toilette, da das Wasser dann aus dem Gewebe ins Blut ausgeschwemmt und letztlich über den Urin ausgeschieden wird.

In fortgeschrittenen Fällen der Rechtsherzinsuffizienz kommt es zu Hautödemen im Bereich der Flanken, der Genitalien und des Gesäßes. Da sich das Blut bei der Rechtsherzinsuffizienz vor dem rechten Herzen in die Venen zurückstaut, sind die Halsvenen prall gefüllt (Halsvenenstauung). Zudem staut sich auch in einigen inneren Organen das venöse Blut: Bei der Leber kann dies zu einer erheblichen Vergrößerung des Organs (Stauungsleber) und zu einer Wasseransammlung im Bauch (Aszites) führen. Gelegentlich entzündet sich wegen einer Stauung der Magenvenen die Magenschleimhaut, sodass eine sogenannte Stauungsgastritis entsteht, die mit Appetitlosigkeit und Völlegefühl einhergeht.

Typische Symptome der Rechtsherzinsuffizienz sind:

Es kommt relativ selten vor, dass nur eine Links- oder Rechtsherzinsuffizienz Symptome hervorruft. Meist arbeiten beide Herzkammern nicht mehr ausreichend. Ärzte sprechen dann von einer globalen Herzinsuffizienz, die sich sowohl durch Symptome der Links- als auch der Rechtsherzinsuffizienz bemerkbar macht.

Weitere Symptome: So versucht der Körper, die Herzschwäche auszugleichen

Bei einer beginnenden Herzinsuffizienz setzt der Organismus verschiedene Ausgleichsmechanismen in Gang. Die Pumpleistung des Herzens bleibt dadurch trotz der Herzmuskelschwäche zeitweise aufrecht erhalten, sodass die Organe ausreichend mit Blut versorgt werden.

Wenn der ausgleichende, kompensierende Effekt nicht mehr ausreicht, um Symptome der Herzmuskelschwäche zu verhindern, liegt eine sogenannte dekompensierte Herzinsuffizienz vor.

Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)

Im Wesentlichen gleicht der Körper die abnehmende Pumpleistung aus, in dem er das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) aktiviert. Dies führt dazu, dass die Niere weniger Wasser und Natrium ausscheidet. Die Folge: Das Blutvolumen nimmt zu und das Herz füllt sich besser mit Blut. Zusätzlich verengen sich die Arterien, wodurch der arterielle Blutdruck steigt.

Die vermehrte Blutfüllung des Herzens bewirkt, dass sich das Herz vor dem Zusammenziehen stärker dehnt. Die bessere Vordehnung des Herzmuskels steigert die Kontraktionskraft (also die Fähigkeit des Herzmuskels, sich gegen einen Widerstand zusammenzuziehen). Vorübergehend steigt die pro Herzschlag ausgeworfene Blutmenge (Schlagvolumen) an.

Langfristig führt die stärkere Füllung des Herzens allerdings dazu, dass sich die Herzhöhlen erweitern und die Herzklappen überdehnen. Die Klappen können sich nicht mehr reibungslos öffnen und schließen – als Konsequenz nimmt die Pumpleistung des Herzens wieder ab.

Stresshormone

Durch die Aktivierung des sogenannten sympathischen Nervensystems schüttet der Körper vermehrt Stresshormone wie etwa Adrenalin und Noradrenalin aus. Beide Hormone erhöhen vorübergehend die Herzfrequenz und damit die Pumpleistung des Herzens.

Hält dieser Zustand längere Zeit an, werden die Andockstellen der Herzzellen gegenüber diesen Stresshormonen jedoch weniger empfindlich, sodass ihre Wirkung nachlässt. Entsteht dadurch letztlich eine dekompensierte Herzinsuffizienz, bemerken dies die Betroffenen zum Beispiel an Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen oder vermehrter Atemnot.

Im weiteren Verlauf einer sich entwickelnden Herzinsuffizienz vergrößern sich die Herzmuskelfasern zum Ausgleich. Das Herz versucht so, mehr Blut pro Herzschlag zu befördern. Die vergrößerten Herzmuskelfasern brauchen ihrerseits mehr Sauerstoff. Als Ergebnis reicht die Durchblutung ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr aus.

Oftmals kann der Arzt mittels einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) bereits einen erhöhten Füllungsdruck in den Herzkammern nachweisen, bevor die ersten Symptome auftreten.

Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Ursachen & Risikofaktoren

Die mit Abstand häufigsten Ursachen für eine Herzinsuffizienz sind 

Im Grunde kann aber jede Erkrankung, die die Herzmuskulatur schwächt, langfristig zu einer Herzinsuffizienz führen. Weitere Ursachen sind daher: 

Eine häufige zeitliche Abfolge der einzelnen Erkrankungen ist dabei: Bluthochdruck –> koronare Herzkrankheit –> Herzinfarkt –> Herzinsuffizienz.

Risikofaktoren für eine Herzinsuffizienz

Neben diesen Herzinsuffizienz-Ursachen sind verschiedene Risikofaktoren bekannt, welche die Entstehung einer Herzinsuffizienz begünstigen:

Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Diagnose & Einteilung in die NYHA-Stadien

Um eine Herzinsuffizienz festzustellen, befragt der Arzt den Patienten zunächst nach seinen Beschwerden. Anschließend teilt er die Erkrankung in eine der vier NYHA-Stadien ein. Die Symptome allein sagen allerdings noch nichts über den tatsächlichen Zustand des Herzens aus – körperliche Untersuchungen wie zum Beispiel die Echokardiographie sind für die Diagnose unbedingt notwendig.

Die NYHA-Klassifikation ist ein wichtiges Hilfsmittel, um beurteilen zu können, inwieweit eine Herzschwäche den Körper belastet. Die NYHA-Stadien I bis IV dienen außerdem als Grundlage für die anschließende Therapie

Darüber hinaus lassen sich anhand des zeitlichen Verlaufs zwei Formen unterscheiden:

  1. akute (plötzlich auftretende) Herzinsuffizienz (z.B. infolge eines akuten Herzinfarkts)
  2. chronische Herzinsuffizienz (entwickelt sich im Laufe von Monaten bis Jahren)

NYHA-Klassifikation im Überblick

NYHA-Stadium Klinik (subjektive Beschwerden, z.B. Luftnot und Müdigkeit)
I keine Beschwerden, normale Belastbarkeit
II Beschwerden bei stärkerer körperlicher Belastung
III Beschwerden schon bei leichter körperlicher Belastung
IV Beschwerden in Ruhe, Verschlechterung schon bei geringster körperlicher Belastung

Basisdiagnostik: EKG und Blutbild

Wenn der Arzt hinter den Beschwerden eine Herzinsuffizienz vermutet, lässt er in der Regel ein Blutbild anfertigen und zeichnet die Herzströme in Form einer Herzstromkurve auf, dem Elektrokardiogramm (EKG). Mit einem EKG lassen sich mögliche Ursachen der Herzinsuffizienz (z.B. ein Herzinfarkt) ermitteln. Ein unauffälliges EKG spricht in der Regel gegen eine Herzinsuffizienz.

Auch eine Herzkatheteruntersuchung liefert Informationen über die Entstehung der Herzinsuffizienz. Diese Kontrastmitteluntersuchung von Herzhöhlen und Herzkranzgefäßen per Katheter zieht der Arzt mitunter heran, um festzulegen, welche Therapie am besten geeignet ist.

Echokardiografie: Wichtiges Verfahren zur Diagnose einer Herzinsuffizienz

Die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) hilft, die Ausmaße einer Herzinsuffizienz zu ermitteln. Sie ermöglicht dem Arzt, die Struktur und Funktion des Herzens zu prüfen. Außerdem gibt die Echokardiographie Aufschluss über die Bewegungsabläufe der Herzklappen und Herzwände sowie die Pumpfunktion des Herzens. Auch kann der Untersucher die Geschwindigkeit messen, mit der das Blut im Herzen fließt.

Die Echokardiographie ist für Diagnose und Behandlung vieler Herzerkrankungen entscheidend. Bei bestimmten Fragestellungen testet der Arzt die Herzfunktion unter Belastung: Der Patient fährt dazu auf einem Fahrrad-Ergometer – gleichzeitig beurteilt der Untersucher das Herz im Ultraschall. Dieses spezielle Verfahren heißt Belastungs-Echokardiographie.

Röntgenaufnahme des Brustkorbs: Herzform und Lunge im Visier

Mit einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs lässt sich insbesondere in Notfallsituationen schnell eine schwere Herzinsuffizienz erkennen. Sind auf dem Röntgenbild eine sogenannte Lungenstauung, Pleuraergüsse oder eine Herzvergrößerung zu sehen, weist dies auf eine mögliche Herzinsuffizienz hin. Bei einem Pleuraerguss sammelt sich Flüssigkeit in dem Raum zwischen Brustkorb und Lunge (sog. Pleuraspalt).

Laborchemisch: Konzentration von BNP

Um bei Verdacht auf Herzinsuffizienz die genaue Diagnose stellen oder ausschließen zu können, bestimmt der Arzt zudem die Konzentration eines speziellen Eiweißes im Blut: Die Herzkammern setzen das sogenannte natriuretische Peptid, kurz BNP (engl. brain natriuretic peptide) frei, wenn die Kammern gedehnt werden. Nimmt die Herzinsuffizienz zu, steigt auch der BNP-Wert im Blut an – ein niedriger Wert bei einem unbehandelten Patienten schließt eine Herzinsuffizienz weitgehend aus. Verschiedene Faktoren beeinflussen diesen Wert, etwa Alter, Geschlecht, Gewicht und verschiedene Erkrankungen. Daher sollte der Arzt den BNP-Wert nur zusammen mit den Ergebnissen der anderen Untersuchungen beurteilen

Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Therapie

Die Therapie der Herzinsuffizenz zielt darauf ab, die Lebensqualität zu verbessern und die Lebenserwartung sowie die Krankenhausaufenthalte der Patienten zu senken. Wie die Therapie genau aussieht, hängt vor allem von der Ursache und dem festgestellten NYHA-Stadium ab. 

  1. Arzt-Patienten-Gespräch: An erster Stelle steht eine umfassende Aufklärung des Patienten und seiner Angehörigen über den Verlauf, die Auswirkungen und die Therapie der Herzschwäche. 
  2. Komorbiditäten: Neben der Diagnose der Herzinsuffizienz sollte der Arzt auch überprüfen, ob der Patient unter zusätzlichen Krankheiten wie Diabetes oder Nierenschwäche leidet. 
  3. Behandlung der Ursache: Bei jedem Patienten soll zunächst die eigentliche Ursache der Herzinsuffizienz behandelt werden (z.B. blutdrucksenkende Medikamente bei Hypertonie).
  4. Allgemeinmaßnahmen und Reduzierung von Risikofaktoren: In allen vier NYHA-Stadien können allgemeine Maßnahmen dazu beitragen, dass es dem Betroffenen besser geht – dazu gehören zum Beispiel: 
  5. Medikamentöse Therapie: Wenn die Pumpkraft der linken Herzkammer bereits stark nachgelassen hat – Mediziner sprechen dann von einer Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Funktion (HFrEF) –, setzt der Arzt verschiedene Medikamente ein, zum Beispiel
    • ACE-Hemmer
    • Betablocker oder
    • entwässernde Medikamente (Diuretika).
  6. Herzschrittmacher und Defibrillator: Im fortgeschrittenen Stadium und wenn die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreicht, um die Pumpleistung des Herzens zu stärken, können Ärzte einen Herzschrittmacher einsetzen, der mit einem Defibrillator kombiniert ist. Der Herzschrittmacher gibt leichte Stromimpulse an das Herz ab und regt es so zum Pumpen an. Der integrierte Defibrillator gibt einen stärkeren Stromstoß ab und kann dadurch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen beenden. 
  7. Herztransplantation: Wenn das Herz sehr stark geschädigt ist, bleibt bei einer Herzinsuffizienz manchmal eine Herztransplantation als letzte Therapie-Option.

Im Überblick: Medikamente gegen Herzinsuffizienz

Medikamentöse Stufentherapie nach NYHA-Klassen bei Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Funktion

NYHA I NYHA II NYHA III NYHA IV
ACE-Hemmer indiziert indiziert indiziert indiziert
AT1-Rezeptor-Antagonisten bei ACE-Hemmer-Intoleranz bei ACE-Hemmer-Intoleranz bei ACE-Hemmer-Intoleranz bei ACE-Hemmer-Intoleranz
Betablocker nach Herzinfarkt oder bei Bluthochdruck indiziert indiziert indiziert
Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten indiziert indiziert indiziert
Ivabradin bei Betablocker-Intoleranz oder bei Patienten mit hohem Ruhepuls bei Betablocker-Intoleranz oder bei Patienten mit hohem Ruhepuls bei Betablocker-Intoleranz oder bei Patienten mit hohem Ruhepuls
Sacubitril/Valsartan als ACE-Hemmer-Ersatz als ACE-Hemmer-Ersatz als ACE-Hemmer-Ersatz
Diuretika bei Wassereinlagerungen indiziert indiziert
Intravenöses Eisen bei Eisenmangel bei Eisenmangel bei Eisenmangel
Digitalisglykoside bei Vorhofflimmern bei Vorhofflimmern bei Vorhofflimmern bei Vorhofflimmern

ACE-Hemmer

ACE-Hemmer (Wirkstoffe wie Enalapril, Lisinopril etc.) gelten derzeit als Basismedikamente zur Behandlung einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Herzmuskelschwäche). Sie entfalten ihre Wirkung, indem sie das sogenannte Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) blockieren. Langfristig senken ACE-Hemmer das Risiko für Herzinfarkte, krankhafte Herzvergrößerungen (Hypertrophie, Dilatation), Vorhofflimmern und Schlaganfälle. Betroffene mit einer Herzinsuffizienz fühlen sich etwa vier bis zehn Wochen nach Therapiebeginn besser. Sie haben weniger Atemnot und können sich körperlich wieder mehr belasten.

Vertragen Betroffene aufgrund eines Hustens keinen ACE-Hemmer ober bestehen Gegenanzeigen, kann der Arzt alternativ einen AT1-Rezeptor-Antagonisten (auch als "Sartan" bezeichnet) verschreiben.

AT1-Rezeptor-Antagonisten

Angiotensin-Rezeptor-Blocker gehören zu den blutdrucksenkenden Medikamenten. Diese Wirkstoffe heben die Wirkung des Hormons Angiotensin II auf. Angiotensin II verengt die Blutgefäße und fördert die Freisetzung von Aldosteron: Beides führt dazu, dass der Druck im Gefäßsystem ansteigt. Die AT1-Rezeptor-Antagonisten blockieren die Bindungsstellen des Angiotensin II und verhindern so seine Wirkung. 

Betablocker

Betablocker (Wirkstoffe wie Carvedilol, Bisoprolol, Metoprolol etc.) hemmen die Ausschüttung von Stresshormonen und senken so die Herzfrequenz und den Widerstand in den arteriellen Blutgefäßen. Die Kontraktionskraft des Herzens nimmt zu und das Risiko für akutes Pumpversagen oder plötzlichen Herztod verringert sich.

Vor allem zu Beginn der Therapie einer Herzinsuffizienz mit Betablockern können Nebenwirkungen auftreten. Die Dosierung der Medikamente sollte daher langsam erhöht werden, bis die endgültige Dosis erreicht ist (sog. einschleichende Therapie). Wird die Dosis zu schnell erhöht, kann sich die Herzinsuffizienz verschlechtern, der Blutdruck kann fallen oder es können sogenannte bradykarde Rhythmusstörungen mit langsamem Herzschlag auftreten. Die Symptome bessern sich nach circa zwei bis drei Monaten.

Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten

Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (Wirkstoffe Spironolacton oder Eplerenon) sind in erster Linie für Patienten geeignet, die trotz Therapie mit ACE-Hemmern (oder AT1-Rezeptor-Antagonisten) und Betablockern immer noch Beschwerden haben. Diese Medikamente hemmen die Wirkung des Hormons Aldosteron, indem sie die sogenannten Aldosteron-Rezeptoren blockieren.

Aldosteron reguliert den Elektrolyt- und Wasserhaushalt des Körpers. Es vermindert die Ausscheidung von Wasser und Salz, was dazu führt, dass das Blutvolumen ansteigt. Langfristig kann das gesteigerte Blutvolumen das Herz zusätzlich belasten. Mit anderen Worten: Die Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten helfen dabei, das Herz zu entlasten. 

Ivabradin (If-Kanalblocker)

Ivabradin (If-Kanalblocker) ist bei Herzinsuffizienz geeignet, wenn die Betroffenen einen erhöhten Ruhepuls (mehr als 75 Schläge pro Minute) haben und zum Beispiel Betablocker nicht vertragen. Der Wirkstoff beeinflusst das Reizleitungssystem des Herzens und senkt die erhöhte Herzfrequenz, was letztlich die Prognose einer Herzinsuffizienz verbessern kann. Bei Patienten mit ohnehin niedrigem Puls ist der Wirkstoff jedoch nicht geeignet.

Sacubitril/Valsartan

Die Kombination aus AT1-Rezeptorblockade und Neprilysin-Hemmung (ARNI) ist seit November 2015 zugelassen, nachdem es sich in einer Studie mit knapp 8.500 Herzinsuffizienzpatienten als wirksam und verträglich erwiesen hatte. Die Forscher stellten sogar fest, dass es im Vergleich zur Therapie mit ACE-Hemmern zu weniger Todesfällen und zu weniger Krankenhauseinweisungen kam. Es bedarf allerdings noch umfangreicher weiterer Untersuchungen. 

Wichtig: Sacubitril/Valsartan darf nicht mit ACE-Hemmern kombiniert werden, da dies das Risiko eines Angioödems erhöht.

Diuretika (entwässernde Medikamente)

Diuretika fördern die Ausscheidung von Wasser und Natrium durch die Nieren. Ödeme können so schnell ausgeschwemmt werden. Das verringert die Lungenstauung und erleichtert die Atmung. Die verschiedenen Diuretika (sog. Schleifendiuretika, Thiazid-Diuretika und kaliumsparende Diuretika) wirken unterschiedlich stark und setzen an bestimmten Abschnitten der komplex aufgebauten Nieren an. Diuretika werden in der Regel mit einem ACE-Hemmer kombiniert.

Digitalisglykoside (Herzglykoside, Fingerhut)

Digitalis (etwa Digitoxin) erhöht sowohl die Kontraktionskraft als auch das Schlagvolumen des Herzens. Heute kommt es bei Herzinsuffizienz in der Regel nur noch zusätzlich zu ACE-Hemmern, Betablockern und Diuretika zum Einsatz.

Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Verlauf der Erkrankung

Komplikationen

Die akut dekompensierte Herzinsuffizienz ist eine schwerwiegende, lebensbedrohliche Komplikation. Dabei reichen die verschiedenen Gegensteuerungsmechanismen nicht mehr aus, um die verminderte Leistungsfähigkeit des Herzens auszugleichen. Eine dekompensierte Herzinsuffizienz kann zu einem Schock führen. Dabei fällt der Blutdruck stark ab. Der Kreislauf und lebenswichtige Organe können versagen.

Mögliche Folge einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz ist der plötzliche Herztod. Das Herz hört plötzlich auf zu schlagen, zum Beispiel nach einem akuten Herzinfarkt. Personen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz haben außerdem ein erhöhtes Risiko, Blutgerinnsel zu bilden. Dies kann zu Komplikationen wie einer Lungenembolie oder einem Hirninfarkt führen.

Wenn schwere chronische oder akute Verlaufsformen einer Herzinsuffizienz mit Komplikationen wie einem Lungenödem oder einem kardiogenen Schock (das Herz pumpt zu wenig Blut in den Kreislauf) einhergehen, erfolgt eine intensivmedizinische Behandlung.

Prognose

Die Prognose einer Herzinsuffiziens ist im Allgemeinen eher schlecht, hängt aber vom Krankheitsstadium und der Therapie ab. Unbehandelt verstirbt etwa jeder zweite Patient im schwersten Krankheitsstadium innerhalb eines Jahres. Eine rechtzeitige, angemessene Behandlung verbessert die Überlebenschancen deutlich.

Weitere chronische Erkrankungen können bei einer Herzinsuffizienz die Prognose allerdings verschlechtern, zum Beispiel eine koronare Herzerkrankung (KHK), Diabetes mellitus ("Zuckerkrankheit") oder Vorhofflimmern.

Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Vorbeugen

Wenn Sie einer Herzinsuffizienz vorbeugen möchten, sollten Sie auf einen ausgewogenen, gesunden Lebenswandel achten. Wer sich viel bewegt, auf das Rauchen und den regelmäßigen Konsum größerer Mengen Alkohols verzichtet und Übergewicht vermeidet beziehungsweise abbaut, der trägt maßgeblich zur Herzgesundheit bei. Darüber hinaus sollte Bluthochdruck als eine der Hauptursachen der Herzschwäche konsequent behandelt werden.

Sie können einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Herzmuskelschwäche) vorbeugen, indem Sie Erkrankungen effektiv behandeln lassen, die zu einer Schädigung des Herzmuskels führen können. In erster Linie betrifft das die koronare Herzkrankheit (KHK), den Bluthochdruck und Störungen des Fettstoffwechsels wie einen zu hohen Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie).

Außerdem gilt: Meiden Sie Risikofaktoren. Bauen Sie Übergewicht ab oder lassen Sie es erst gar nicht zu einer Fettleibigkeit (Adipositas) kommen. Indem Sie zusätzlich auf Nikotin und übermäßigen Alkoholgenuss verzichten, verringern Sie das Risiko für eine Herzinsuffizienz deutlich und können schweren Krankheitsverläufen vorbeugen.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Buchtipps:

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Herzinsuffizienz. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 28:06.2017)

Nationale Versorgungsleitlinie Chronische Herzinsuffizienz. AWMF-Leitlinien-Register Nr. nvl/006 (Stand: August 2017)

Ponikowski, P., et al.: 2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure: The Task Force for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure of the European Society of Cardiology (ESC) Developed with the special contribution of the Heart Failure Association (HFA) of the ESC. European heart journal, Vol. 37, Iss. 27, pp. 2129-2200 (2016)

Mühlbauer, B.: Paradigmenwechsel ARNI? Immer langsam mit den jungen Pferden! Arzneiverordnung in der Praxis, Ausg. 2 (April 2016 )

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Aktualisiert am: 8. November 2017

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