Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Jede Minute zählt

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Der Herzinfarkt (Myokardinfarkt) zählt hierzulande zu den häufigsten Todesursachen. Eine gesunde Lebensweise kann dem Herzinfarkt aber vorbeugen! Darum gilt die Empfehlung: mögliche Risikofaktoren (wie Rauchen oder Übergewicht) vermeiden und bestehende Grundkrankheiten (wie Bluthochdruck) optimal behandeln lassen.

Was ist ein Herzinfarkt?

Herzinfarkt – auch Myokardinfarkt oder Herzmuskelinfarkt genannt – heißt der Vorgang, bei dem ein Teil des Herzmuskels infolge einer Durchblutungsstörung abstirbt:

  • Myokard = Herzmuskel
  • Infarkt = Absterben von Gewebe durch einen Gefäßverschluss

Schon beim geringsten Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt empfiehlt es sich, sofort den Notarzt (Rufnummer 112) zu rufen. Denn eine möglichst schnelle Behandlung ist entscheidend, damit die mit Blut unterversorgte Herzregion keinen dauerhaften Schaden nimmt.

Einen Herzinfarkt zu erkennen kann also im Ernstfall einen lebensrettenden Zeitvorsprung bringen: Denn mit ausreichendem Vorwissen über die Infarktsymptome steigt die Chance, früher die richtige professionelle Hilfe zu bekommen.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Symptome

Die mit einem akuten Herzinfarkt (Myokardinfarkt) verbundenen Symptome sind meist deutlich ausgeprägt. Die typischen Anzeichen für einen akuten Herzinfarkt sind:

Anstelle der Schmerzen verspüren manche Menschen bei einem Herzinfarkt auch nur einen starken Druck in der Brust. Beide Symptome halten typischerweise länger als fünf Minuten an. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Angina pectoris (Brustenge) ist, dass die Schmerzen beim Myokardinfarkt:

Außerdem sind die Betroffenen ängstlich und versuchen, die mit dem Herzinfarkt einhergehenden schmerzhaften Symptome durch Bewegung zu lindern. Menschen mit einem Angina-pectoris-Anfall verhalten sich hingegen ruhig, da sie befürchten, die Beschwerden durch körperliche Anstrengung zu verstärken.

Meist kommt ein Herzinfarkt überraschend. Die Symptome machen sich häufig in den frühen Morgenstunden bemerkbar. Folgende Beschwerden gehen dem Myokardinfarkt oft voraus:

Rund jeder fünfte Myokardinfarkt bleibt allerdings unbemerkt: Ein solcher stummer Herzinfarkt ohne Symptome betrifft meist ältere Menschen oder Diabetiker – und öfter Frauen als Männer.

Die ersten Vorboten für einen Herzinfarkt treten häufig schon frühzeitig auf: Viele Infarktpatienten in Deutschland hatten bereits Herzprobleme, bevor es zum Herzinfarkt kam, und waren wegen der Symptome in Behandlung oder standen unter ärztlicher Aufsicht. Viele haben schon Gefäßerweiterungen (Herzkatheter-Dilatationen) oder Operationen zur Überbrückung eines verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäßes (sog. Bypass-Operationen) hinter sich. Aber auch Menschen ohne koronare Herzkrankheit können einen Myokardinfarkt bekommen.

Übrigens: Männer haben öfter und wesentlich früher einen Herzinfarkt als Frauen. Dahingegen ist für Frauen das Risiko höher, an einem Myokardinfarkt zu sterben. Der Grund dafür ist nicht nur das durchschnittlich höhere Alter der betroffenen Frauen: Auch beim Vergleich gleichaltriger Männer und Frauen hat der Herzinfarkt bei Frauen eine höhere Sterblichkeit. Möglicherweise ist dies auf die bei Frauen oft untypischen Symptome zurückzuführen. In vielen Fällen deuten sowohl Betroffene als auch Ärzte die Beschwerden falsch und erkennen den Infarkt zu spät.

Bei Frauen sind die Symptome oft anders

Die als typisch für einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt) geltenden Symptome sind bei einer Frau nicht immer vorhanden: Oft sind die Symptome für einen Herzinfarkt bei Frauen anders ausgeprägt als bei Männern. Daher kann es passieren, dass sowohl die betroffenen Frauen als auch die behandelnden Ärzte die Beschwerden nicht als Anzeichen für einen Herzinfarkt erkennen – was schwerwiegende Folgen haben kann, weil Herzinfarkte schnelles Handeln erfordern.

Bei einem Herzinfarkt bei Frauen können folgende Symptome im Vordergrund stehen (oder auch die einzigen Anzeichen für den Myokardinfarkt sein):

Achtung: Ein Herzinfarkt kann nicht nur bei Frauen untypische Symptome verursachen. Auch wer einen Diabetes mellitus, eine chronische Niereninsuffizienz oder Demenz hat oder unter 40 oder über 75 Jahre alt ist, entwickelt bei einem Myokardinfarkt nicht selten untypische Beschwerden.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Ursachen

Ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) hat seine Ursachen darin, dass ein Abschnitt der Herzkranzgefäße (Koronararterien) plötzlich verschlossen ist. Diese Gefäße liegen kranzartig um das Herz herum (Korona bedeutet Kranz bzw. Krone). Normalerweise versorgen sie das Herz mit sauerstoffreichem Blut:

Den Sauerstoff benötigt das Herz, um seine Aufgabe erfüllen zu können – also den Blutkreislauf in Gang zu halten und so den gesamten Körper (Organe, Gewebe und Zellen) mit Sauerstoff zu versorgen. Wenn irgendein Abschnitt der Herzkranzgefäße nicht mehr durchblutet wird und somit die Sauerstoffversorgung abbricht, stirbt das betroffene Herzmuskelgewebe ab: Es entsteht ein Herzinfarkt oder Myokardinfarkt.

Das Herz

Der für einen Herzinfarkt verantwortliche Gefäßverschluss kann jeden Abschnitt der Herzkrankgefäße betreffen, die das Herz mit sauerstoffreichem Blut versorgen. Je nachdem, wo diese Stelle liegt, kann man folgende Typen von Myokardinfarkt unterscheiden:

In den meisten Fällen betrifft ein Herzinfarkt die Muskulatur der linken Kammer.

Der Gefäßverschluss, der zum Herzinfarkt führt, kann unterschiedliche Ursachen haben. Meist entsteht er dadurch, dass ein Blutgerinnsel ein Herzgefäß verstopft. Dem geht überwiegend die sogenannte koronare Herzkrankheit (KHK) voraus, bei der die Durchblutung des Herzmuskels wegen einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) der Herzkranzgefäße gestört ist:

Die koronare Herzkrankheit ist mit einem hohen Risiko für Blutgerinnsel verbunden.

Risikofaktoren

Es gibt viele Risikofaktoren, die eine Arteriosklerose und damit auch einen Herzinfarkt begünstigen. Als Ursachen für ein erhöhtes Infarktrisiko gelten zum Beispiel:

Dabei ist das Risiko für einen Myokardinfarkt umso höher, je stärker ein einzelner Risikofaktor ausgeprägt ist oder je mehr Faktoren gleichzeitig vorliegen.

Häufigkeit

In den westlichen Industriestaaten gehört der Herzinfarkt zu den häufigsten Todesursachen. Während aber beispielsweise in Japan von 100.000 Einwohnern weniger als 100 einen Myokardinfarkt bekommen, beträgt die Zahl der Infarktpatienten in Deutschland und in Nordeuropa etwa 300 pro 100.000 Einwohner.

In Deutschland ist der Herzinfarkt in der Gesamtbevölkerung seit Jahren die zweithäufigste Todesursache. Im Jahr 2015 starben 49.210 Menschen an einem akuten Myokardinfarkt, wobei Männer mit einem Anteil von fast 57 Prozent häufiger betroffen waren als Frauen.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Diagnose

Erste Hinweise auf einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) ergeben sich oft anhand der vorliegenden Beschwerden – wie beispielsweise heftige Schmerzen in der Brust, die sich weder durch Ruhe noch durch gefäßerweiterndes Nitroglycerinspray verringern. Jedoch können die typischen Anzeichen für einen Herzinfarkt fehlen – vor allem bei Frauen. Um eine sichere Diagnose zu stellen, sind daher gezielte Untersuchungen nötig.

EKG (Elektrokardiogramm)

Die wichtigste Untersuchung bei einem Herzinfarkt besteht darin, die Herzstromkurve mit einem EKG (Elektrokardiogramm) zu messen. Das EKG liefert Hinweise darauf, wo sich der Herzinfarkt befindet (z.B. Herzvorderwand oder Herzhinterwand). Außerdem kann der Arzt ablesen, ob ein frischer Myokardinfarkt vorliegt oder der Infarkt bereits längere Zeit zurückliegt.

EKG-Verlauf beim Infarkt

Enzymdiagnostik

Bei einem Herzinfarkt ist auch die sogenannte Enzymdiagnostik aufschlussreich: Das durch den Myokardinfarkt abgestorbene Herzmuskelgewebe setzt bestimmte Eiweiße (sog. Enzyme) frei, die im Blut nachweisbar sind. Eines dieser Enzyme gehört zu den Kreatinkinasen (CK). Kreatinkinase kommt vor allem in den Muskeln und im Gehirn vor. Im Herzmuskel gibt es eine bestimmte Art von Kreatinkinase: CK-MB. Wenn Zellen des Herzmuskels nach einem Infarkt absterben, ist das Herzenzym CK-MB durch seine verstärkte Freisetzung aus dem Herzmuskel im Blut vermehrt vorhanden.

Mithilfe der Herzmuskeleiweiße Troponin I und Troponin T lässt sich ein akuter Herzinfarkt ebenfalls diagnostizieren. Für einen Schnelltest, mit dem man einen Myokardinfarkt nach wenigen Stunden per Enzymdiagnostik feststellen kann, sind diese Enzyme am besten geeignet. Bei Schäden des Herzmuskelgewebes haben diese Enzyme im Blut ebenfalls erhöhte Werte.

Hinweise auf Risikofaktoren

Zudem sind bei einem Herzinfarkt Hinweise auf mögliche Risikofaktoren wichtig für die Diagnose. Solche Risikofaktoren kann der Arzt durch weitere Blutwerte ermitteln – zum Beispiel durch den Cholesterinspiegel. Zusätzlich kann ein besonders schnelles Computertomographie-Gerät zeigen, ob das Risiko für einen Myokardinfarkt erhöht ist: das sogenannte EBT (Electron Beam Tomography). Dieses Gerät ermöglicht es, Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen ohne einen Eingriff darzustellen.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Therapie

Ein akuter Herzinfarkt (Myokardinfarkt) macht eine schnelle Therapie notwendig, denn: Je eher die Behandlung einsetzt, desto besser stehen die Heilungsaussichten. Entscheidend sind vor allem die ersten Stunden nach dem Infarkt.

Erste Hilfe

Je nachdem, welche Auswirkungen der Herzinfarkt hat, können unterschiedliche Erste-Hilfe-Maßnahmen nötig sein. Bei einem Myokardinfarkt kann es im schlimmsten Fall zum sofortigen Herzstillstand kommen – es ist aber auch ein sogenannter stummer Herzinfarkt möglich, der praktisch unbemerkt abläuft.

Egal, ob leichter oder schwerer Myokardinfarkt: Beim geringsten Verdacht auf einen Infarkt ist es wichtig, dass Sie sofort den Rettungsdienst mit Notarzt alarmieren (112 oder die örtliche Notrufnummer). Bis der Rettungsdienst eintrifft, ist bei einem Herzinfarkt als Erste Hilfe Folgendes zu tun:

  • Bewusstseinszustand und Atmung prüfen: Prüfen Sie, ob der Betroffene bei Bewusstsein ist und atmet. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist eine sofortige Herz-Lungen-Wiederbelebung (Reanimation) nötig.
  • Beruhigen und für bequeme Lage sorgen: Wenn der Betroffene bei Bewusstsein ist, beruhigen Sie ihn und bringen Sie ihn in eine möglichst bequeme Lage, in der er gut durchatmen kann (hinlegen oder hinsetzen). Öffnen Sie dabei auch beengende Kleidung (z.B. Krawatte lockern, Hemd oben aufknöpfen). Lassen Sie den Betroffenen keinesfalls aufstehen oder irgendwohin gehen!
  • Abschirmen: Schirmen Sie den Betroffenen ab und halten Sie unbedingt Unruhe, Aufregung oder Anstrengung von ihm fern.
  • Weiter beobachten: Beobachten Sie den Betroffenen gut, bis der Notarzt eintrifft: Ist er weiterhin bei Bewusstsein? Atmet und reagiert er?

Sofortmaßnahmen

Nach einem Herzinfarkt können die ersten Stunden entscheidend sein: Durch geeignete Sofortmaßnahmen ist es am ehesten möglich, die Durchblutung des Herzmuskels mit Medikamenten oder durch Aufdehnung der verschlossenen Herzkranzarterie wiederherzustellen.

Je schneller beim Herzinfarkt ärztliche Sofortmaßnahmen zum Einsatz kommen, umso weniger Herzmuskelgewebe nimmt dauerhaften Schaden und umso weniger Komplikationen treten auf.

Der Notarzt leitet die ersten Sofortmaßnahmen gegen den Herzinfarkt ein: Er kann gefährliche Herzrhythmusstörungen erkennen und entsprechend behandeln.

Im Krankenhaus angekommen bekommt der Betroffene einen Zugang zum Gefäßsystem (zentraler Venenkatheter, ZVK) gelegt, um darüber weiterhin blutverdünnende Medikamente zu erhalten. Wer Atemnot, eine akute Herzinsuffizienz oder eine Minderversorgung des Körpers mit Sauerstoff (Hypoxie) hat, erhält zudem Sauerstoff über eine Nasensonde. Teil der Sofortmaßnahmen ist es auch, ständig den Blutdruck zu überprüfen und bei Bedarf zu regulieren. Dies geschieht oft mit Nitraten: Nitrate entlasten das Herz und verringern die mit dem Herzinfarkt einhergehenden Schmerzen.

Das bei einem Herzinfarkt wichtigste Ziel der Therapie lautet: das verschlossene Blutgefäß schnellstmöglich wieder freibekommen! Welche Sofortmaßnahmen zu dieser sogenannten Reperfusionstherapie geeignet sind, hängt vom EKG-Befund ab: Zeigt das EKG ...

  • einen Myokardinfarkt mit ST-Hebung (bzw. STEMI = engl. ST-segment elevation myocardial infarction) oder
  • einen Myokardinfarkt ohne ST-Hebung (bzw. NSTEMI = non-ST-segment elevation myocardial infarction)?
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Bei einem Herzinfarkt muss so rasch wie möglich gehandelt werden.

Bei einem Herzinfarkt mit ST-Hebung empfiehlt es sich, möglichst schnell eine sogenannte perkutane Koronarintervention (bzw. PCI) durchzuführen. Hierbei versucht der Arzt, die Durchblutung des Herzmuskels durch eine sogenannte Ballondilatation wiederherzustellen. Das geht so:

Dass nach dem Herzinfarkt erneut eine Gefäßverengung eintritt, kann ein sogenannter Stent verhindern: Dies ist eine Gefäßstütze aus Edelstahl, die der Arzt mit dem Ballonkatheter in die betroffene Stelle einsetzt. Der Stent kann zusätzlich mit Medikamenten beschichtet sein, die einen erneuten Verschluss und somit einen weiteren Myokardinfarkt verhindern sollen.

Alternativ kann bei einem Herzinfarkt mit ST-Hebung auch eine Thromboembolyse (d.h. einer Auflösung des ursächlichen Blutgerinnsels) infrage kommen: Hierzu bekommt der Betroffene (per Spritze oder Katheter) Enzyme verabreicht, die das Gerinnsel abbauen, oder Mittel, die körpereigene Enzyme für den Abbau aktivieren.

Bei einem Herzinfarkt ohne ST-Hebung ist hingegen weder die Ballondilatation noch die Thromboembolyse geeignet. Stattdessen bestehen die Sofortmaßnahmen darin, die Blutgerinnung zu hemmen (z.B. mit Acetylsalicylsäure, Clopidogrel und Heparin). Eine Herzkatheteruntersuchung (und je nach individuellen Umständen evtl. auch -behandlung) empfiehlt sich – je nach individuellem Risiko – innerhalb der ersten zwei Stunden oder erst später. In der Regel findet die Herzkatheterisierung innerhalb der ersten drei Tage nach dem Myokardinfarkt statt.

Nach einem Herzinfarkt ist mindestens zwei bis drei Tage lang eine Überwachung auf der Intensivstation nötig, da die ersten 48 Stunden nach dem Infarkt besonders kritisch sind.

Weitere Maßnahmen

Verläuft ein Herzinfarkt ohne Komplikationen, dauert der Aufenthalt im Krankenhaus 7 bis 14 Tage. Danach folgen weitere Maßnahmen in einer Rehabilitationsklinik oder einem ambulanten Therapiezentrum. Zu den dortigen Maßnahmen gehören:

Eine weitere wichtige Maßnahme nach einem Herzinfarkt besteht darin, dauerhaft Medikamente einzunehmen. Die wichtigsten Mittel für diese Langzeitbehandlung sind:

Die medikamentöse Dauertherapie nach einem Herzinfarkt ist dieselbe, die auch gegen die koronare Herzkrankheit (KHK) zum Einsatz kommt. Die verwendeten Medikamente verringern das Risiko für erneute Infarkte. Weitere empfehlenswerte Maßnahmen nach einem überstandenen Myokardinfarkt bestehen darin, ...

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Verlauf

Prognose

Bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) ist der Verlauf der ersten Stunden für die Prognose entscheidend: Nur wenn es in diesem Zeitfenster gelingt, die Durchblutung des verschlossenen Gefäßes wiederherzustellen, entsteht an dem mit Blut unterversorgten Herzmuskel kein dauerhafter Schaden.

Nach einem Herzinfarkt wandelt sich beschädigtes Herzmuskelgewebe im weiteren Verlauf in Bindegewebe um und vernarbt. Dieses Gewebe kann sich nicht zusammenziehen und aktiv bewegen. Somit ist es für die Pumpleistung des Herzens unbrauchbar – daran kann auch keine Therapie mehr etwas ändern. Darum ist es lebenswichtig, beim ersten Anzeichen für einen Myokardinfarkt sofort den Notarzt unter 112 zu rufen!

Mehr als jeder zweite Todesfall durch einen Herzinfarkt tritt noch vor der stationären Aufnahme der Betroffenen in ein Krankenhaus ein (sog. plötzlicher Herztod). Wer die ersten Tage nach einem Myokardinfarkt überlebt, kann jedoch mit einer günstigen Prognose rechnen.

Ein Jahr nach ihrem Herzinfarkt leben noch mindestens 80 Prozent der Betroffenen. Dabei ist die Prognose umso besser, je weniger Risikofaktoren für einen Myokardinfarkt (wie Rauchen, Übergewicht, hohes Alter) vorliegen. Die schlechteste Prognose haben Menschen mit mehreren Risikofaktoren.

Da ein Herzinfarkt bei der Frau oft untypische Anzeichen verursacht, haben Frauen allgemein eine weniger gute Prognose als Männer. Denn es kann leicht passieren, dass sowohl die betroffene Frau selbst als auch die behandelnden Ärzte den Myokardinfarkt nicht als solchen erkennen. Somit kommen lebensrettende medizinische Hilfsmaßnahmen für Frauen oft zu spät.

Komplikationen

Bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) können im weiteren Verlauf verschiedene Komplikationen auftreten:

Das Herz zieht sich – angeregt durch elektrische Reize – zusammen und pumpt Blut in den Körperkreislauf. Bei einem Herzinfarkt kann die elektrische Reizausbreitung an den betroffenen Bereichen gestört sein – bis hin zu schweren Herzrhythmusstörungen. Außerdem kann es an den geschädigten Bereichen zu spindel- oder sackförmigen Erweiterungen (sog. Aneurysmen) kommen, die lebensbedrohliche Komplikationen zur Folge haben: Der Herzmuskel kann reißen (Ruptur) oder es können Blutgerinnsel (Thromben) entstehen.

Von den Menschen, die einen Herzinfarkt nicht überleben, sterben die meisten in einer frühen Phase des Infarkts an plötzlich einsetzenden Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern). Diese können zum Herzstillstand führen. Bei einem Myokardinfarkt mit Herzstillstand muss ein Ersthelfer umgehend mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Wer bei Herzstillstand innerhalb von drei bis fünf Minuten eine Herzmassage und Beatmung erhält, kann wieder zum Leben erwachen, sodass eine Überlebenschance besteht.

Es ist daher sehr wichtig, dass sich Angehörige von Menschen mit hohem Herzinfarktrisiko in der Herz-Lungen-Wiederbelebung ausbilden lassen, damit im Notfall keine wertvolle Zeit verloren geht.

Nachsorge

Sind die Behandlung im Krankenhaus und die Reha nach einem Herzinfarkt abgeschlossen, ist eine gründliche Nachsorge angesagt: Nach überstandenem Myokardinfarkt sind die meisten Betroffenen ihr Leben lang auf Medikamente angewiesen. Dabei kommen (wenn nichts gegen ihre Einnahme spricht) vor allem folgende Mittel zum Einsatz:

Außerdem ist es nach einem Myokardinfarkt wichtig, einen erhöhten Blutzucker zu behandeln.

Insgesamt sind zur Nachsorge nach einem Herzinfarkt dieselben Medikamente zu empfehlen wie zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit (KHK). Wegen der möglichen Nebenwirkungen der Medikamente ist eine regelmäßige und gründliche fachärztliche Überwachung (durch Internisten bzw. Kardiologen) ratsam, um unerwünschte Auswirkungen der Langzeitbehandlung frühzeitig zu erkennen und ihnen gegenzusteuern.

Nach einem akuten Herzinfarkt spielt neben dieser medizinischen Nachsorge auch eine Lebensumstellung eine große Rolle, denn: Auf lange Sicht ist es für die Prognose nicht nur wichtig, die Risikofaktoren für einen weiteren Myokardinfarkt auszuschalten. Entscheidend für die Genesung ist auch, konsequent auf eine gesunde Lebensweise zu achten.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Vorbeugen

Einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) können Sie vorbeugen, indem Sie Ihr Herz schonen und Risikofaktoren für die Ausbildung einer Arteriosklerose (Arterienverkalkung) vermeiden. Dies gelingt Ihnen so:

Wenn Sie einem Herzinfarkt vorbeugen möchten, ist es bei der Ernährung besonders wichtig, wenig tierisches Fett und wenig zuckerhaltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Stattdessen sind Obst und Gemüse sehr empfehlenswert. Greifen Sie anstelle von zuckerhaltigen Limonaden lieber auf verdünnte Obstsäfte oder Gemüsesäfte zurück. Auch auf Fast Food sollten Sie Ihrem Herzen zuliebe besser verzichten.

Vor allem bei einem erhöhten Risiko für einen Myokardinfarkt ist Vorsorge wichtig. Wenn Sie ein erhöhtes Infarktrisiko haben (wie z.B. Raucher, Diabetiker sowie Menschen mit Bluthochdruck, starkem Übergewicht oder erhöhten Cholesterinwerten), ist es besonders empfehlenswert, dass Sie regelmäßig Ihren Arzt aufsuchen! All diese Maßnahmen sind auch nach einem überstandenen Herzinfarkt ratsam, da sie weiteren Infarkten vorbeugen können.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Herzinfarkt bei der Frau: Die Symptome sind oft untypisch
Erste Hilfe bei Herzinfarkt
Bildergalerie: Herzschmerzen
Arzneimittelinformationen zu Herzinfarkt

Linktipps:

Deutsche Herzstiftung e.V.
Bockenheimer Landstr. 94-96
60323 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 95 51 28-0
Fax: (069) 95 51 28-313
info@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

Buchtipps:

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Online-Informationen des Statistischen Bundesamts Deutschland: www.destatis.de (Abrufdatum: 19.7.2017)

Online-Informationen der Deutschen Herzstiftung e.V.: www.herzstiftung.de (Abrufdatum: 19.7.2017)

Koronare Herzkrankheit – Anzeichen eines Herzinfarkts. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand:12.7.2017)

Herzinfarkt. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 19.6.2017)

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (Hrsg.): Pocket-Leitlinie Akutes Koronarsyndrom ohne ST-Hebung (NSTE-ACS). Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.: dgk.org (Stand: 2015)

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (Hrsg.): Therapie des akuten Herzinfarktes bei Patienten mit persistierender ST-Streckenhebung. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.: dgk.org (Stand: 2012)

Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (Hrsg.): Pocket-Leitlinie 3. Allgemeine Definition des Myokardinfarktes. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.: dkg.org (Stand: 2012)

Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Gesundheit in Deutschland. Robert Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt, Berlin 2006

Aktualisiert am: 19. Juli 2017

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