Fersensporn

Veröffentlicht von: Till von Bracht

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Ein Fersensporn ist ein kleiner, spitzer Knochenauswuchs an der Fußsohle. Auf dem Röntgenbild sieht er aus wie ein Dorn, der vom Fersenknochen in Richtung Fußspitze wächst. 

In der Regel ist ein Fersensporn harmlos und bereitet keine Probleme. Wenn sich jedoch die Sehne der Fußsohle und das Gewebe um den Fersensporn entzünden, können bei jedem Schritt stechende Fersenschmerzen auftreten.

In solchen Fällen helfen vor allem

Wichtig für Behandlung: Betroffene sollten ihre Achillessehne und die Sehnenplatte der Fußsohle regelmäßig zwei- bis dreimal täglich dehnen. Dies kann die Spannung vermindern, die auf dem entzündeten Gewebe lastet – und so zu einem Rückgang der Schmerzen führen.

Kurz erklärt: Was ist ein Fersensporn?

Ein Fersensporn ist ein unnatürlicher dornartiger Knochenauswuchs unter der Ferse. Genauer gesagt entwickelt sich ein Fersensporn in der Regel dort, wo die Sehnenstränge der Muskeln am Knochen ansetzen – dem sogenannten Fersenbein oder Kalkaneus. Mediziner sprechen deshalb oft auch von einem "Kalkaneussporn".

Vergleichsweise selten kann die Knochenerhebung auch am Ansatz der Achillessehne auftreten, auch Haglund-Ferse oder Haglund-Exostose genannt. Ein solcher oberer Fersensporn ist angeboren und führt erst dann zu Fersenschmerzen, wenn der Fuß übermäßig belastet wird. Häufig steht diese Form in Verbindung mit einem entzündlichen Schleimbeutel und einer Entzündung der Achillessehne.

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Ein Fersensporn sieht aus wie ein kleiner, herausstehender Dorn unter der Ferse. Entzündet sich durch den Fersensporn das umliegende Gewebe, können bei jedem Schritt Schmerzen auftreten.

Wie entsteht ein Fersensporn?

Ein Fersensporn entsteht, wenn der Fuß über Jahre hinweg überlastet wird. Durch die übermäßige Belastung kann der Sehnenstrang der Fußsohle (sog. Plantarfaszie) an seiner Ansatzstelle an der Ferse derart beansprucht sein, dass er kleine Risse bekommt. Dies reizt das umliegende Gewebe beziehungsweise die Knochenhaut. Es entsteht eine schmerzhafte, örtlich begrenzte Entzündung – ein unterer Fersenschmerz.

Nachfolgend lagert der Körper Kalk an den betroffenen Stellen ab – möglicherweise, um die kleinen Sehnenrisse zu heilen. Entlang der Sehnen bildet sich daraus allmählich der sogenannte Fersensporn. Es kann aber auch (erblich bedingt oder durch Überbelastungen) zunächst ein Fersensporn entstehen, der seinerseits die Sehnen reizt und zu einer Entzündung des umliegenden Gewebes führt.

Häufig können dafür Fußfehlformen verantworlich gemacht werden, die durch ein flach stehendes Fersenbein gekennzeichnet sind – wie beim Knick-Senkfuß. Durch diese Fehlstellung entsteht eine vermehrte Zugbelastung an der Sehnenplatte im Bereich der Fußsohle: Dieser Zug kann wiederrum dazu führen, dass der Ansatzbereich eines Muskels verknöchert, wodurch letztendlich ein plantarer oder unterer Fersensporn entsteht.

Für Überbelastungen, die zu einem Fersensporn führen können, kommen verschiedene Ursachen infrage:

Wissenswertes

Insgesamt haben mehr Frauen als Männer einen Fersensporn. Ein möglicher Grund: Ungeeignetes Schuhwerk kann die Entstehung eines Fersensporns begünstigen. Das Durchschnittsalter der Betroffenen beträgt 40 bis 60 Jahre.

Fersensporn: Fersenschmerzen und andere Symptome

Typisch für einen Fersensporn sind plötzlich auftretende Fersenschmerzen, die sich anfühlen können, als wäre man in eine Reißzwecke getreten. Die gute Nachricht: Ein Fersensporn führt eher selten zu Beschwerden, meist macht er sich kaum bemerkbar! 

Je nachdem, wo der Fersensporn liegt, unterscheiden sich die von ihm ausgelösten Symptome:

Fersensporn unter der Ferse

Bei einem unteren (plantaren) Fersensporn sind die Schmerzen an den Fußsohlen stechend und belastungsabhängig. Unter Umständen treten dann bei jedem Schritt Fersenschmerzen auf, die sich anfühlen, als wäre man auf eine Reißzwecke getreten. 

Der Fersensporn unter der Ferse ist besonders durch morgendlichen Schmerz bei den ersten Schritten gekennzeichnet (sog. Anlaufschmerz). Die schmerzfreie Gehstrecke ist deutlich eingeschränkt. Durch Druck kann man einen deutlich begrenzten Schmerz am Ansatz der Sehnenplatte (sog. Aponeurose) im Bereich der Fußsohle auslösen.

Fersensporn am Ansatz der Achillessehne (Haglund-Ferse bzw. Haglund-Exostose)

Ein hinterer oberer Fersensporn äußert sich vor allem durch zwei Symptome: Druckschmerz beim Abtasten der Achillessehne und Belastungsschmerzen. Der hintere Schuhrand drückt auf den Sporn, wodurch die Haut gerötet und entzündet ist. Der Druck des Schuhrands verursacht außerdem meist eine Entzündung am Ansatz der Achillessehne, die mit einer Schleimbeutelentzündung verbunden ist.

Fersensporn: Röntgenbild sichert die Diagnose

Von außen betrachtet ist ein Fersensporn nicht zu erkennen. Außerdem bereitet ein Fersensporn meistens keine oder nur geringe Beschwerden, sodass die Betroffenen keinen Anlass für einen Arztbesuch sehen. Deshalb geschieht die Diagnose oft eher zufällig. 

Löst der Sporn Fersenschmerzen aus, so weisen diese meist deutlich auf eine Entzündung des Fußsohlenstrangs (Plantarfasziitis) hin – wobei auch andere Ursachen infrage kommen können, zum Beispiel Morbus Ledderhose oder eine Atrophie des Fersenfettpolsters. 

Mithilfe einer Röntgenuntersuchung kann der Arzt einen Fersensporn aber sicher feststellen:

Auf einem Röntgenbild ist ein Fersensporn deutlich zu erkennen. Unter der Ferse hat sich ein knöchernder Sporn gebildet, der wie ein Dorn in Richtung Fußspitze zeigt. (Quelle: Wikimedia Commons, Dr.R.S.Pradeep Raj, CC BY-SA 3.0)

Fersensporn-Behandlung: Meist helfen Einlagen und Co.

Ein Fersensporn macht nur dann eine Behandlung nötig, wenn er Schmerzen bereitet. Üblicherweise kommt gegen den Fersensporn eine konservative Behandlung zum Einsatz – das heißt ohne Operation. Häufig reicht es schon, die betroffene Ferse für einige Zeit zu entlasten.

Ist ein unterer Fersensporn für die Beschwerden verantwortlich, kann man zur Behandlung ein Fersenkissen mit Locheinlage über der druckempfindlichen Stelle tragen. Dies lindert die Schmerzen. Zusätzlich sind bei Bedarf spezielle orthopädische Einlagen sinnvoll, die das Längsgewölbe des Fußes unterstützen und entlasten.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten, die sich bei den meisten Patienten als hilfreich erwiesen haben, sind:

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, um die Fersenschmerzen zu lindern, können auch verschiedene Medikamente zum Einsatz kommen. Es eignen sich zum Beispiel Lokalanästhetika- und Kortikoid-Gemische, die als Salbe im Bereich des Muskelansatzes aufgetragen werden. 

Bei einer sogenannten Haglund-Ferse – also wenn ein hinterer oberer Fersensporn Probleme bereitet – erreicht man bereits durch einen Wechsel der Schuhe Besserung. Verzichten sollte man auf zu starre Schuhe und auf Schuhe, die auf Höhe des Sporns abschließen.

Manche Ärzte raten bei einem Fersensporn auch zu einer Elektrotherapie oder einer sogenannten extrakorporalen Stoßwellentherapie – die Wirksamkeit dieser Verfahren ist allerdings umstritten. Die Kosten für eine solche Fersensporn-Behandlung muss man in der Regel selbst tragen.

Darüber hinaus gibt es spezielle homöopathische Mittel, die gegen die Schmerzen helfen sollen – zum Beispiel Hekla lava, das in Form von Streukügelchen (Globuli) oder Tabletten erhältlich ist. Aus schulmedzinischer Sicht ist allerdings nicht nachvollziehbar, wie homöopathische Mittel wirken sollen. Eine gezielte Wirksamkeit ist nach derzeitigen Wissensstand also eher unwahrscheinlich

Operation

Nur wenn Ihnen die nicht-operative Fersensporn-Behandlung nach mindestens neun bis zwölf Monaten noch keine Besserung verschafft hat, ist eine Operation in Erwägung zu ziehen.

Hierbei trägt der Arzt den Sporn mit einem Meißel ab und entfernt ein Stück des Sehnenstrangs. Diese Operation birgt das Risiko in sich, dass sich Narben bilden, die zu anhaltenden Schmerzen führen können. Daher ist es ratsam, dass Sie vor der operativen Fersensporn-Behandlung alle nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten ausschöpfen.

Fersensporn: Vorbeugen

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollten Sie die Sehnen Ihrer Fußsohle schonen. Dies erreichen Sie zum Beispiel, indem Sie:

Wenn Sie einem Fersensporn vorbeugen möchten, ist es außerdem ratsam, Übergewicht zu vermeiden beziehungsweise abzubauen.

Fersensporn: Weitere Informationen

Quellen:

Kalkaneussporn. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 18.4.2017)

Martin, R.L. et al.: Heel pain – plantar fasciitis: revision 2014. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, Vol. 44, Iss. 11, pp. A1-A33 (2014)

Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013

Szeimies, U., Stäbler, A., Walther, M.: Bildgebende Diagnostik des Fußes. Thieme, Stuttgart 2012

Ruchholtz, S., Wirtz, D.C. (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie essentials. Thieme, Stuttgart 2012

Marquardt, M. (Hrsg.): Laufanalyse. Thieme, Stuttgart 2012

Stand: 10. Juli 2017

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