Colitis ulcerosa

Veröffentlicht von: Wiebke Raue

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Die Colitis ulcerosa zählt, wie auch der Morbus Crohn, zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Typische Symptome sind blutiger, schleimiger Durchfall und krampfartige Bauchschmerzen.

Was ist Colitis ulcerosa?

Colitis ulcerosa ist eine chronische, meist in Schüben verlaufende Entzündung der Darmschleimhaut im Dickdarm. Durch die Entzündung nimmt die obere Schicht der Darmwand Schaden. Es entstehen geschwürartige Veränderungen, die Ulzerationen.

Die Entzündung entsteht im unteren Abschnitt des Dickdarms: im Mastdarm (Rektum). Von dort aus kann sich die Colitis ulcerosa unterschiedlich weit ausbreiten, oft geschieht dies zunächst in Richtung des linksseitigen Dickdarms. Ist der gesamte Dickdarm entzündet, sprechen Ärzte von einer Pankolitis (auch: totale Colitis).

Bei einer Colitis ulcerosa bleibt die Entzündung auf den Dickdarm begrenzt: Spätestens am Eingang zum Dickdarm beziehungsweise am Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm sind keine entzündeten Bereiche mehr zu finden. Nur in sehr seltenen Fällen kann die Entzündung auch die letzten Abschnitte des Dünndarms betreffen.

Bei Colitis ulcerosa wechseln sich häufig symptomfreie Phasen mit "Schüben" ab, in denen Beschwerden auftreten. Eine Phase, in der gerade keine Entzündungsaktivität nachweisbar ist, nennen Ärzte Remission.

Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, ist bei Colitis ulcerosa erhöht. Patienten sollten regelmäßig zur Darmspiegelung gehen, damit der Arzt Veränderungen im Darm rechtzeitig erkennen kann.

Wie häufig ist Colitis ulcerosa?

Schätzungen zufolge leben in Deutschland rund 168.000 Menschen mit Colitis ulcerosa. Etwa 6 von 100.000 Personen erhalten pro Jahr diese Diagnose. Ob Kleinkind oder Greis: Colitis ulcerosa kann in jedem Alter vorkommen. Besonders häufig macht sich die Erkrankung jedoch bei jungen Menschen zwischen 25 und 35 Jahren erstmals bemerkbar. In manchen Familien sind Fälle von Colitis ulcerosa häufiger zu beobachten.

Wichtige Begriffe im Überblick

  • „Colitis (auch: Kolitis)“: Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Dickdarmentzündung (griech. colon = Dickdarm bzw. Grimmdarm, -itis = Entzündung).
  •  „Ulcerosa“: Der Begriff kommt vom Lateinischen „Ulcus“ und bedeutet „Geschwür“.
  • "Proktitis": Ist nur der Enddarm entzündet, sprechen Ärzte von einer Proktitis (griech. Proktós = After).
  •  „Pankolitis“: Eine Pankolitis (griech. pan = alles, gesamt) liegt vor, wenn der gesamte Dickdarm von der Entzündung befallen ist.
  • „Backwash-Ileitis“: Wenn die Colitis ulcerosa in den untersten Teil des Dünndarms (terminales Ileum) „hineingewaschen“ wird, bezeichnet man das als Backwash-Ileitis (engl. backwash = Rückstrom, Ileitis = Entzündung des unteren Dünndarm-Abschnitts). Dies kommt jedoch nur sehr selten vor.

Unterschiede zum Morbus Crohn

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können mit ähnlichen Beschwerden einhergehen. Dazu gehören insbesondere Durchfall und Bauchschmerzen. Es handelt sich jedoch um zwei eigenständige Erkrankungen, die zwar einige Gemeinsamkeiten aufweisen, sich aber in vielen Punkten unterscheiden.

Morbus Crohn & Colitis ulcerosa: Einige Unterschiede im Überblick

Morbus Crohn Colitis ulcerosa
Entzündeter Bereich im Verdauungstrakt Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt betreffen – vom Mund bis hin zum After. Bei Colitis ulcerosa ist die Entzündung auf den Dickdarm beschränkt, in seltenen Fällen kann auch der untere Dünndarm betroffen sein.
Ausgangspunkt der Entzündung Es gibt keinen zentralen Ausgangspunkt, vielmehr entstehen immer wieder neue, nicht zusammenhängende Entzündungen. Die Entzündung beginnt immer im unteren Dickdarmbereich und breitet sich von dort aus.
Entzündungstiefe Sämtliche Schichten der Darmwand können betroffen sein. Ausschließlich die obere Schleimhautschicht der Darmwand ist entzündet.
Symptome Blut oder Schleim gehen nur selten ab. Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa entwickeln viele Patienten sog. Fisteln: Dabei entsteht eine nicht natürliche Verbindung zwischen dem Darm und einem anderem Organ bzw. der Körperoberfläche. Dies kann etwa passieren, wenn ein Abszess platzt und sich der abfließende Eiter einen Weg nach außen bahnt. 

Blutig-schleimige Durchfälle sind häufig.
   Krebsrisiko Das Risiko für Darmkrebs ist erhöht, jedoch geringer als bei Colitis ulcerosa. Das Darmkrebs-Risiko ist erhöht.

Colitis ulcerosa: Was sind die Ursachen?

Die genauen Ursachen von Colitis ulcerosa sind unbekannt. Früher ging man davon aus, dass Colitis ulcerosa eine Autoimmunerkrankung ist – diese Ansicht gilt jedoch mittlerweile als überholt.

Einig sind die die Forscher darüber, dass Colitis ulcerosa durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren entsteht:

Dünnere Darmschleimhaut

Die Schleimschicht, die den Darm auskleidet, ist bei Personen mit Colitis ulcerosa dünner als bei gesunden Menschen.

Im menschlichen Darm leben nahezu unzählig viele, unterschiedliche Bakterienkulturen, welche die Darmflora (Mikrobiom) ausmachen. Sind zu viele (schädliche) Bakterien vorhanden, weiß sich der Körper zu wehren: Er produziert Abwehrstoffe. Diese setzen sich auf der Oberfläche der Darmschleimhaut zu einer schützenden Schicht zusammen (Mukusschicht) und können so potenziellen Eindringlingen Widerstand leisten.

Bei Colitis ulcerosa ist die Schleimschicht jedoch zu dünn. Die Folge: Ihre Abwehrfunktion ist gestört – und diese ist durch eine genetisch bedingte Veranlagung ohnehin schon schlechter als bei Gesunden. Bakterien können leichter die schützende Barriere überwinden und in die Schleimhaut eindringen. Daraufhin schlägt das Immunsystem Alarm: Es reagiert mit den typischen Entzündungen.

Gut zu wissen: Colitis ulcerosa ist nicht ansteckend!

Colitis ulcerosa: Typische Symptome

Typische Symptome von Colitis ulcerosa sind

Viele Betroffene müssen nachts das Bett verlassen, um die Toilette aufzusuchen. Häufig verspüren sie die Schmerzen vor oder unmittelbar nach dem Stuhlabgang (sog. Tenesmen). In schweren Fällen sind bis zu 30 Stuhlgänge an einem Tag möglich.

Zusätzliche Symptome, die während eines schweren akuten Schubs auftreten können, sind zum Beispiel

Wenn die Entzündung den Enddarm betrifft, haben Betroffene hat den Eindruck, ständig Stuhl entleeren zu müssen. Da durch den Durchfall viel Blut verloren geht, leiden manche Patienten unter Eisenmangel und Blutarmut.

Je schwerer und ausgedehnter die Entzündung, desto heftiger sind in der Regel die Symptome.

Weitere Symptome

Colitis ulcerosa kann nicht nur im Darm, sondern auch in praktisch allen anderen Körperbereichen Entzündungen auslösen. Ärzte sprechen von extraintestinalen Symptomen (extraintestinal = außerhalb des Darms). Wieso diese Beschwerden auftreten, ist bislang unbekannt.

Zu häufig betroffenen Körperregionen zählen:

Bei Kindern und Jugendlichen mit Colitis ulcerosa kann zudem das Wachstum gestört sein.

Extraintestinale Symptome können bereits Jahre vor der eigentlichen Darmentzündung in Erscheinung treten, sodass die Diagnose Colitis ulcerosa unter Umständen erst spät gestellt wird.

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Colitis ulcerosa kann auch außerhalb des Darms zu entzündlichen Veränderungen führen.

Colitis ulcerosa: Diagnose

Blutig-schleimige Durchfälle und Bauchkrämpfe können ein Hinweis auf Colitis ulcerosa sein – es können aber auch andere Erkrankungen dahinterstecken, so zum Beispiel Morbus Crohn. Daher ist es wichtig, dass der Arzt die Diagnose durch verschiedene körperliche Untersuchungen sichert.

Zu gängigen Untersuchungen bei Verdacht auf Colitis ulcerosa zählen

Blutuntersuchung

Anhand einer Blutprobe kann der Arzt unter anderem feststellen, ob eine Entzündung im Körper herrscht – allerdings können die Werte auch trotz Entzündung im Normalbereich liegen. Zudem kann der Arzt prüfen, ob sein Patient unter Eisenmangel oder Blutarmut leidet.

Stuhlprobe

Mithilfe einer Stuhluntersuchung kann der Arzt herausfinden, ob die Beschwerden durch einen Darminfekt hervorgerufen wurden oder ob eine Colitis ulcerosa wahrscheinlicher ist. Auch kann er prüfen, inwieweit bestimmte Entzündungsproteine in der Darmschleimhaut vorhanden sind.

Ultraschall (Sonographie)

Der Arzt schaut sich im Ultraschall den Bauchraum an, um mögliche Auffälligkeiten zu erkennen, etwa entzündlich-verdickte Darmbereiche. Mithilfe spezieller Ultraschallverfahren (Doppler-Sonographie, Ultraschall mit Kontrastmittel) ist eine noch detailliertere Darstellung möglich.

Darmspiegelung mit Gewebeprobe

Hat sich der Verdacht auf Colitis ulcerosa erhärtet, wird der Arzt eine Darmspiegelung (Endoskopie) empfehlen. Dabei begutachtet er den kompletten Darm von innen, um festzustellen, ob und wo sich Entzündungen befinden und inwieweit die Darmschleimhaut geschädigt ist. Bei einer Colitis ulcerosa erkennt der Arzt häufig eine gerötete und geschwollene Darmschleimhaut, zudem können schon geringe Berührungen mit dem Untersuchungsinstrument (Endoskop) kleine Blutungen auslösen. Oft finden sich infolge einer chronischen Entzündung Darmpolypen (sog. Pseudopolypen).

Darüber hinaus kann er im Rahmen der Spiegelung mit einem feinen Instrument eine Gewebeprobe entnehmen, die anschließend im Labor untersucht wird. So lässt sich genau feststellen, welche Darmabschnitte entzündet sind.

Die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen geben gemeinsam mit den Symptomen den Ausschlag für die Diagnose Colitis ulcerosa. Manchmal kommt es vor, dass die Diagnose erst im Laufe der Zeit als gesichert gilt.

Weitere Untersuchungen

Nur in Ausnahmefällen wird der Arzt weitere Untersuchungen in Erwägung ziehen, so zum Beispiel

Wenn der Hausarzt den Verdacht hat, dass sein Patient an Colitis ulcerosa erkrankt ist, oder wenn die Diagnose feststeht, wird er einen Facharzt hinzuziehen: den Gastroenterologen.

Colitis ulcerosa: Therapie

Es gibt bisher kein Medikament, das die Colitis ulcerosa heilen könnte. Aber: Eine angemessene Behandlung kann die Lebensqualität deutlich verbessern. Ziel der Therapie ist es,

Mit jedem Entzündungsschub verändert sich die Darmwand: Es entstehen Vernarbungen, und im Laufe der Jahre verliert sie ihre ursprüngliche die Oberfläche vergrößernde Struktur und wird glatt. Zudem machen die Entzündungen den Dickdarm hart und unflexibel, sodass das typische Erscheinungsbild bei langjährig Betroffenen schließlich an einen Fahrradschlauch erinnert. Ein in dieser Weise veränderter Darm ist in seiner Funktion im Vergleich zu dem eines gesunden Menschen beeinträchtigt. Daher ist es sehr wichtig, Entzündungen weitgehend vorzubeugen oder diese schon zu Beginn abzumildern. Umgekehrt heißt das: Der Patient soll so lange wie möglich in einer beschwerdefreien Phase leben – nicht zuletzt auch, weil ein Schub den Alltag erheblich einschränken kann.

Einige Patienten leiden unter schweren Entzündungsschüben, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Bei anderen sind diese milde ausgeprägt und wieder andere haben permanent eine leichte Entzündung im Darm. Je nach Verlauf kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten infrage.

Während eines Schubs ist in der Regel eine andere Behandlung notwendig als in einer beschwerdefreien Phase.

Medikamente

Entzündungshemmende Medikamente spielen bei der Therapie der Colitis ulcerosa eine große Rolle. Zu häufig verschriebenen entzündungshemmenden Präparaten zählen:

Aminosalicylate

Aminosalicylate (bzw. 5-Aminosalizylsäure-Präparate, 5-ASA-Präparate) sind Wirkstoffe, die in den Stoffwechsel von bestimmten Entzündungskomponenten eingreifen. Insbesondere der Wirkstoff Mesalazin gilt als Mittel der Wahl während eines leichten bis mittelschweren Schubs. Er ist aber zur dauerhaften Therapie geeignet, um einem erneuten Schub vorzubeugen oder eine leichte Dauerentzündung abzumildern. Mesalazin kann die Häufigkeit der Schübe verringern.

Aminosalicylate sind in unterschiedlichen Darreichungsformen erhältlich, so zum Beispiel als Tabletten, Granulat oder Zäpfchen. Ist vor allem der Enddarm entzündet, können spezielle Rektalschäume oder Einläufe helfen, die direkt im entzündeten Bereich wirken.

Zu möglichen Nebenwirkungen zählen zum Beispiel Übelkeit, Durchfall, Haarausfall, Kopfschmerzen oder eine gereizte Haut.

Alternative zu Mesalazin: Vorbeugen mit Bakterien

Personen, die Melasazin nicht vertragen, können einem erneuten Schub auch mit speziellen Bakterien vorbeugen. Empfohlen werden Präparate mit Escherichia coli-Bakterien, und zwar der Stamm "Nissle 1917". Beachten Sie: Zur Behandlung eines akuten Schubs sind die Produkte nicht geeignet.

Kortisonhaltige Präparate

Wenn der Patient einen akuten Schub hat und Aminosalicylate nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, wird der Arzt vorübergehend kortisonhaltige Präparate verschreiben (Kortikosteroide). Kortisonhaltige Präparate zählen zu den Immunsuppressiva.

Immunsuppressiva sind Medikamente, die gezielt bestimmte Funktionen des Immunsystems unterdrücken, die bei der Colitis ulcerosa fehlerhaft sind.

Bei einem mittelschweren bis schweren Entzündungsschub werden beispielsweise Tabletten mit dem Wirkstoff Prednisolon empfohlen. Auch ist es möglich, Kortison-Präparate über eine Infusion zu verabreichen. Ist die Entzündung auf den Enddarm beschränkt, können Klysmen, Schaum oder Zäpfchen mit dem Wirkstoff Budenosid helfen, die direkt im betroffenen Darmabschnitt wirken.

Zur Dauertherapie sind kortisonhaltige Präparate nicht geeignet, sondern nur zur Behandlung eines akuten Schubs. Der Grund: Auf Dauer kann Kortison zu starken Nebenwirkungen führen. Sobald die Kortikosteroide wirken, wird der Arzt sie langsam absetzen und andere Immunsuppressiva verschreiben, die zur dauerhaften Behandlung besser verträglich sind.

Kortisonhaltige Präparate erhöhen das Risiko für Osteoporose (Knochenschwund). Daher wird der Arzt möglicherweise vorbeugend Präparate mit Vitamin D oder Kalzium verschreiben.

Weitere Immunsuppressiva

Haben sowohl Mesalazin als auch Kortison nicht ausreichend geholfen, können die Wirkstoffe Azathioprin oder 6-Mercaptopirin eine Alternative oder Ergänzung darstellen. Die Mittel sind sowohl während eines akuten Schubs als auch zur Dauertherapie geeignet und können daher auch eingesetzt werden, um eine schubfreie Phase so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Bis die Behandlung hilft, benötigt man allerdings etwas Geduld: Es vergehen circa zwei bis drei Monate, bis erste Erfolge sichtbar sind. Zu möglichen Nebenwirkungen zählen Schwindel, Kopfschmerzen und Entzündungen der Leber und Bauchspeicheldrüse. Um körperliche Veränderungen rechtzeitig zu erkennen, wird der Arzt seinen Patienten regelmäßig körperlich untersuchen und dabei eine Blutprobe.

In Einzelfällen kann der Arzt zur Behandung eines schweren akuten Schubs die Wirkstoffe CiclosporinMethotrexat oder Tacrolimus verschreiben. Auch bei diesen Produkten dauert es mehrere Monate, bis sie wirken.

Biologika

Biologika (auch: Biologicals) sind Arzneimittel, die auf biologische Weise die Wirkung natürlicher Stoffe nachahmen. Sie nehmen Einfluss auf das Immunsystem – zum Beispiel, indem sie verhindern, dass entzündungsfördernde Immunzellen in der Darmschleimhaut wirken. Zu den Biologika zählen der 2014 zugelassene Wirkstoff Vedolizumab oder die sogenannten TNF-α-Hemmer Adalimumab, Golimumab und Infliximab. TNF-α-Hemmer sind in der Lage, die Wirkung des Entzündungsbotenstoff TNF α auszuschalten. Sie werden als Infusion oder als Spritze verabreicht.

Biologika beeinträchtigen die körpereigene Abwehr und das Risiko für Infekte steigt. Daher wird der Arzt vor der Therapie sorgfältig abwägen, ob Biologika für seinen Patienten infrage kommen.

Wann operieren?

Unter bestimmten Umständen ist bei Colitis ulcerosa ein chirurgischer Eingriff nötig, so zum Beispiel, wenn:

In den meisten Fällen wird der Operateur den gesamten Dickdarm inklusive Enddarm entfernen (sog. Prokokolektomie); anschließend formt der Chirurg aus dem Schlingen des Dünndarms ein künstliches Reservoir – den sogenannten ileoanalen Pouch – und stellt eine Verbindung zum Analkanal her. Es ist in der Regel kein dauerhafter künstlicher Darmausgang nötig, sodass die Patienten weiterhin ganz normal auf die Toilette gehen können.

Alternativ können auch nur Teile des Darms entfernt werden – allerdings ist bei dieser Methode das Risiko für einen Rückfall hoch.

Nur wenn der Dickdarm vollständig entfernt wird, ist es möglich, eine Colitis ulcerosa zu heilen. Allerdings kehrt bei einem Teil der Patientin die Entzündung zurück – das künstliche Reservoir (Pouch) ist dann betroffen. Ärzte sprechen von einer Pouchitis.

Ernährung

"Muss ich bei Colitis ulcerosa eine Diät einhalten oder bestimmte Dinge in meiner Ernährung beachten?" Diese Frage stellen sich manche Betroffene.

Fest steht: Eine spezielle Diät bei Colitis ulcerosa wird nicht empfohlen. Grundsätzlich sollten Sie bei der Ernährung auf eine ausgewogene Vollwertkost achten.

Auch wenn Experten zu keiner speziellen Ernährung bei Colitis ulcerosa raten, gibt es einige Tipps, die vielen Betroffenen helfen:

Welche Lebensmittel Ihnen gut bekommen und welche nicht, müssen Sie selbst herausfinden. Eine gute Hilfe kann ein Ernährungstagebuch sein: Notieren Sie sich genau, was Sie wann gegessen haben und wie Ihnen die jeweilige Speise bekommen ist. Lassen Sie sich im Zweifelsfall von einem Ernährungsberater Tipps geben!

Viele Menschen mit Colitis ulcerosa vertragen bestimmte Lebens- und Genussmittel nicht gut. Dazu gehören vor allem

Beachten Sie: Wenn Sie Engstellen (Stenosen) im Darm haben, sollten Sie auf Lebensmittel mit langen Fasern verzichten. Dazu zählen etwa Spargel, Ananas oder Sauerkraut.

Colitis ulcerosa: Verlauf

Colitis ulcerosa ist eine chronische Erkrankung, die in Schüben verläuft. Wie sich die Erkrankung im Laufe der Zeit entwickelt, ist individuell ganz verschieden. Manche Patienten haben in ihrem ganzen Leben nur einige wenige Schübe, andere haben mehrmals pro Jahr mit Schüben zu kämpfen und bei wieder anderen ist der Darm dauerhaft entzündet. Bei etwa jedem fünften Patienten ist mindestens einmal eine Operation notwendig. Der genaue Verlauf ist nicht vorhersehbar.

Gut zu wissen: Die mittlere Lebenserwartung von Personen mit Colitis ulcerosa ist im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung nicht messbar verkürzt.

Komplikationen

Abhängig davon, wie weit sich die Darmentzündung ausdehnt und wie lange sie besteht, können vereinzelt verschiedene Komplikationen auftreten.

Wenn ein akuter Schub sehr schwer und ungewöhnlich heftig verläuft, spricht man von einer fulminanten Colitis. Die fulminante Colitis kann verschiedene Komplikationen nach sich ziehen:

Durch die häufigen Entzündungen entstehen im Darm Narben. Dies kann dazu führen, dass der betroffene Darmabschnitt dauerhaft verengt ist. Dies geht häufig mit starken, kolikartigen Beschwerden einher. Im Extremfall kann ein Darmverschluss die Folge sein.

Wenn Sie Medikamente einnehmen, die das Immunsystem beeinflussen, ist das Risiko für Infektionen erhöht, was insbesondere für ältere Personen oder Personen mit bestimmten Grunderkrankungen problematisch sein kann. Daher wird der Arzt vor der Anwendung genau abwägen, ob solche Medikamente infrage kommen.

Risiko Darmkrebs

Menschen mit Colitis ulcerosa bekommen häufiger Dickdarmkrebs als gesunde Personen. Wie hoch das Risiko ist, ist insbesondere davon abhängig,

  • wie lange die Colitis ulcerosa schon besteht bzw. wie früh im Leben sie erstmals aufgetreten ist,
  • wie ausgedehnt die Entzündung ist und
  • wie stark die Entzündungsaktivität ist.

Personen, die an Colitis ulcerosa erkrankt sind, sollten regelmäßig zur Darmspiegelung gehen, damit mögliche Krebsvorstufen rechtzeitig entdeckt werden. Bei einer ausgedehnten Colitis sollten Patienten ab dem achten Erkrankungsjahr alle 1 bis 2 Jahre eine Darmspiegelung des gesamten Dickdarms mit der Entnahme von Gewebeproben durchführen lassen – auch dann, wenn der Dickdarm nach einer Operation entfernt wurde. In bestimmten Fällen ist auch eine jährliche Kontrolle ratsam, etwa, wenn auch die Gallenwege entzündet sind.

Colitis ulcerosa: Vorbeugen

Einer Colitis ulcerosa lässt sich bislang nicht vorbeugen. Wer erkrankt ist, kann jedoch einiges tun, um weitere Schübe, aber auch Komplikationen zu verhindern. So ist es zum Beispiel wichtig, die verschriebenen Medikamente regelmäßig einzunehmen – und ebenso ist von Bedeutung, sich regelmäßig auf Darmkrebs untersuchen zu lassen.

Colitis ulcerosa: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Arzneimittelinformationen zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Themeninsel: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Deutsche Morbus Crohn / Colitis Ulcerosa Vereinigung e.V. (DCCV e.V.)
Inselstr. 1
10179 Berlin
+49-(0)30 - 2000 392 - 0
info@dccv.de

www.dccv.de

Buchtipps:

Quellen:

Online-Information der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung – DCCV: www.dccv.de (Abrufdatum: 26.5.2017)

Colitis ulcerosa. Online-Informationen des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V. (Hrsg.): www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 26.5.2017)

Koop, I. (Hg.): Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013

Messmann, M.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen: Aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa 2011 – Ergebnisse einer evidenzbasierten Konsensuskonferenz. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/009 (Stand: September 2011)

Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

Baumgart, D.: Diagnostik und Therapie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 106, Heft 8, S. 132-133 (20. Februar 2009)

Aktualisiert am: 26. Mai 2017

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