Chronischer Bronchitis: Wenn der Husten nicht mehr weggeht

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Eine chronische Bronchitis kann viel Lebensqualität kosten. Denn wer nichts dagegen tut, ist körperlich zunehmend weniger leistungsfähig. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich diese Entwicklung aber stoppen oder sogar rückgängig machen.

Bei einer Bronchitis entzündet sich die Schleimhaut, die die Bronchien auskleidet. Während die akute Entzündung durch Erreger verursacht wird, entsteht die chronische Bronchitis vor allem durch Rauchen und andere eingeatmete Schadstoffe (wie Stäube, Gase oder Dämpfe).

Was ist eine chronische Bronchitis?

Die chronische Bronchitis ist eine dauerhafte Erkrankung der Atemwege mit Husten und Auswurf. Per Definition gilt die Bronchitis dann als chronisch, wenn der Hustenreiz mit Auswurf:

  • an den meisten Tagen
  • während mindestens drei aufeinanderfolgender Monate
  • in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auftritt.

Dauert eine chronische Bronchitis lange an, nehmen die Symptome typischerweise fortschreitend zu. Dabei unterscheidet man drei Stadien:

Dieser Artikel behandelt die einfache chronische Bronchitis. Ausführliche Informationen zur obstruktiven Form der Atemwegserkrankung finden Sie unter:

Chronische Bronchitis: Ursachen

Eine chronische Bronchitis kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen können bei der Entstehung der Atemwegserkrankung von innen kommende (bzw. endogene) Faktoren eine Rolle spielen – wie Alter, Geschlecht, erbliche Veranlagung.

So steigt das Risiko, eine chronische Bronchitis zu entwickeln, mit zunehmendem Lebensalter. Außerdem kann beispielsweise eine erblich bedingte Überempfindlichkeit des Bronchialsystems für eine chronische Bronchitis (mit)verantwortlich sein.

Zum anderen kann die chronische Bronchitis durch von außen wirkende (bzw. exogene) Faktoren entstehen – dazu gehören:

Die mit Abstand häufigste Ursache für die chronische Bronchitis ist Rauchen:

  • 90 Prozent aller Bronchitiker sind aktive Raucher oder haben längere Zeit geraucht.
  • Jeder zweite Raucher über 40 hat eine chronische Bronchitis.

Dabei gilt: Je mehr Zigaretten man raucht, desto höher ist das Risiko, eine chronische Bronchitis zu entwickeln.

Aber auch andere schädigende Stoffe können eine chronische Bronchitis auslösen, wenn sie beim Einatmen ins Atmungssystem gelangen. Besonders betroffen sind Beschäftigte im Bergbau und in Betrieben, in denen eine ständige Belastung durch Staub, Gas oder Dämpfe besteht: So kommt die chronische Bronchitis zum Beispiel gehäuft bei Steinhauern (ausgelöst durch Silikatstaub) oder bei Landwirten (ausgelöst durch organische Stäube) vor.

Das Risiko, eine chronische Bronchitis zu entwickeln, steigt mit zunehmendem Lebensalter. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen.

Erreger

Wer eine chronische Bronchitis hat, fängt sich schneller Infektionen ein. Schuld daran sind die Gewebeschäden, die durch die Entzündung entstanden sind: Sie stören den örtlichen Abwehrmechanismus, sodass Erreger sich leichter in der Bronchialschleimhaut festsetzen und vermehren können.

Diese Erreger können Betroffene zwar über Tröpfcheninfektion auf andere Menschen übertragen – die chronische Bronchitis selbst ist aber nicht ansteckend.

Chronische Bronchitis: Symptome

Die für eine einfache chronische Bronchitis wichtigsten Symptome sind:

  • ein häufiger oder ständiger (chronischer) Husten und
  • ein sich dabei teils bildender weißlicher (bei Infekten gelblich-eitriger), zäher Auswurf (v.a.in den Morgenstunden husten Bronchitiker massiv Schleim ab).

Typischerweise verschlechtert sich der Gesundheitszustand von Menschen mit chronischer Bronchitis, wenn sie

Entsprechend können sich die für die chronische Bronchitis kennzeichnenden Symptome auch abhängig vom Wetter verstärken: Oft nehmen die Beschwerden zu, wenn eine Wetterlage vorherrscht, bei der durch mangelnde Luftbewegung und geringen Luftaustausch zwischen verschiedenen Luftschichten (wie z.B. bei Nebel) die Luftverschmutzung durch Gase, Partikel oder Ähnliches zunimmt.

In den meisten Fällen verursacht eine chronische Bronchitis zunehmend stärkere Symptome, anhand deren man drei Stadien unterscheidet:

Chronische Bronchitis: Diagnose

Die durch eine chronische Bronchitis ausgelösten Symptome allein reichen zur Diagnose nicht aus. Dauernder Husten mit weißem, zähem Auswurf (v.a. bei Rauchern) erlaubt jedoch eine Verdachtsdiagnose.

Um den Verdacht auf eine chronische Bronchitis zu bestätigen, sind verschiedene Untersuchungen nötig. Als Erstes erfolgt eine körperliche Untersuchung – das bedeutet unter anderem: Lunge abhören und abklopfen sowie die Atemwege untersuchen.

Um die chronische Bronchitis von den obstruktiven und restriktiven Lungenerkrankungen abzugrenzen, bietet sich eine Spirometrie zur Untersuchung der Lunge an. (Zu den obstruktiven Lungenerkrankungen gehören Asthma, Lungenemphysem und chronisch obstruktive Bronchitis; bei restriktiven Lungenerkrankungen ist das Lungengewebe zerstört und im Lungengerüst das Bindegewebe durch Einlagerung von Kollagen, einem Eiweißkörper, krankhaft verändert.

Auch eine Röntgenaufnahme der Lunge trägt dazu bei, die chronische Bronchitis zu diagnostizieren, weil der Arzt so andere Lungenerkrankungen (wie Tuberkulose, Lungenkrebs usw.) ausschließen kann.

Eine Blutuntersuchung gibt Auskunft über mögliche Komplikationen (durch Infektionen oder wichtige Begleiterkrankungen). Zudem kann ein Elektrokardiogramm (EKG) bei Verdacht auf eine chronische Bronchitis zum Einsatz kommen: Das EKG liefert Hinweise auf eine mögliche Begleiterkrankung des Herzens (infolge Überlastung durch einen ständig erhöhten Blutdruck im Lungensystem, der allerdings bei einer einfachen chronischen Bronchitis noch nicht auftritt) beziehungsweise der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit).

Chronische Bronchitis: Behandlung


Eine einfache chronische Bronchitis ist heilbar. Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist, die auslösenden Gifte konsequent zu meiden. Wer Raucher ist, sollte also unbedingt mit dem Rauchen aufhören.

In den meisten Fällen ist dieser Versuch jedoch vergeblich: Nur wenigen Rauchern mit einer sogenannten Raucherbronchitis gelingt es, ihre Nikotinsucht zu überwinden – trotz aller ernst zu nehmenden Warnungen, das Krankheitsbild könne sich bis zum Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) verschlimmern. Dabei ist ein rauchfreies Leben die einzige gegen chronische Bronchitis wirksame Behandlung – und der Husten verschwindet in den meisten Fällen bereits vier Wochen nach der letzten Zigarette.

Wichtig bei chronischer Bronchitis ist, dass die Behandlung früh genug beginnt. Darum gilt: Wenn Sie öfter Husten mit Auswurf haben, tun Sie dies nicht einfach als "Raucherhusten" ab, sondern gehen Sie zum Arzt!

Wenn Umweltbelastungen Ihre chronische Bronchitis ausgelöst haben, kann es schwieriger sein, die auslösenden Gifte zu meiden. In dem Fall ist es ratsam, zur Behandlung einen Ortswechsel in ein Gebiet mit sauberer Atemluft in Betracht zu ziehen: Ein Urlaub am Meer oder in den Bergen bringt schnelle Erleichterung.

Chronische Bronchitis: Was tun bei Infekten?

Wenn Sie eine chronische Bronchitis haben und sich zusätzlich einen Infekt einfangen, bieten sich zur Behandlung verschiedene Mittel an, um Ihre Symptome (wie Schleimbildung, Schmerzen, Fieber und Husten) zu lindern:

Schleimlösende Mittel

Eine chronische Bronchitis verläuft bei einer Behandlung durch schleimlösende Mittel (z.B.Acetylcystein, Efeuextrakt usw.) nicht anders als ohne solche Mittel. Dennoch sind schleimlösende Medikamente sinnvoll, um akute Infekte und eine massive Schleimbildung zu lindern.

Schmerz- und Fiebermittel

Ist Ihre chronische Bronchitis mit einem Infekt verbunden, bei dem Fieber und Schmerzen auftreten, helfen dagegen Schmerz- und Fiebermittel wie beispielsweise Paracetamol oder Acetylsalicylsäure. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Fieber zu einer wirkungsvollen Bekämpfung eines Infekts notwendig ist, weshalb Sie es nicht um jeden Preis unterdrücken sollten.

Hustenstiller

Geht die chronische Bronchitis mit trockenem, lästigem Reizhusten einher, kann zur Behandlung ein Hustenstiller vom Kodeintyp oder Noscapin zum Einsatz kommen. Diese Mittel dürfen Sie allerdings nur kurzfristig und in Ausnahmefällen gegen den Husten einnehmen, denn: Hustenstiller unterdrücken zwar den Hustenreiz, aber auch das natürliche und gewollte Abhusten des Schleims. Wenn das zu oft geschieht, kann sich der Schleim in den Bronchien festsetzen und letztendlich eine Lungenentzündung (Pneumonie) auslösen.

Antibiotika

Gegen eine chronische Bronchitis sind zur Behandlung Antibiotika unbedingt ratsam, wenn:

Hat die chronische Bronchitis ein schweres Stadium erreicht, ist eine Behandlung mit Antibiotika auch bei virusbedingten Erkältungen hilfreich: Die in der Abwehr geschwächten Bronchien sind so vor einer Infektion mit Bakterien geschützt.

Dauertherapie bei chronischer Bronchitis

Ist die chronische Bronchitis unkompliziert, kommen zur Behandlung keine bronchienerweiternden und entzündungshemmenden Medikamente zum Einsatz. Erst wenn im fortgeschrittenen Stadium die Atemwege durch die chronische Bronchitis verengt sind, sind diese Medikamente als Dauertherapie in Spray-, Pulver- oder Tablettenform einzunehmen.

Chronische Bronchitis: Verlauf

Prognose

Wer eine chronische Bronchitis hat und deren Auslöser frühzeitig und konsequent meidet, hat eine gute Prognose. Wer untätig bleibt, muss jedoch mit einem fortschreitenden Verlauf der Erkrankung rechnen. Denn wenn die Atemwege diesen Giften weiter ausgesetzt sind, entstehen mit der Zeit schwere Schäden an Lunge und Herz, die man nicht mehr heilen kann.

Komplikationen

Bleibt eine einfache chronische Bronchitis unbehandelt, kann sie im weiteren Verlauf zu verschiedenen Komplikationen führen: Gelangen Tabakrauch, Gase, Dämpfe oder Stäube fortwährend über die Atmung in die Atemwege, geht die Erkrankung meist in das Stadium 2 (d.h. in eine chronisch obstruktive Bronchitis) über, in dem die Bronchien dauerhaft verengt sind. Durch die Verengung der Bronchien kommt es zu Atemnot und einem Leistungsabfall.

Schreitet die chronische Bronchitis weiter fort, geht sie durch den zunehmenden Widerstand in den Atemwegen in Stadium 3 über, das durch eine Überblähung der Lunge (sog. Lungenemphysem) gekennzeichnet ist. Dadurch kann es zu Komplikationen am Herzen kommen: Nimmt der Blutdruck in den Lungengefäßen wegen der überblähten Lunge zu, überlastet und schwächt dies das Herz.

In den durch ständigen Einfluss von Giften geschädigten Bronchien kann die chronische Bronchitis im weiteren Verlauf zu Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) führen. Weitere mögliche Komplikationen einer chronischen Bronchitis, die ebenfalls ernst zu nehmen sind, sind die Lungenentzündung (Pneumonie) und die eitrige Bronchitis.

Chronische Bronchitis: Vorbeugen

Die chronische Bronchitis entsteht vor allem durch Gifte, die in die Atemwege gelangen. Vorbeugen können Sie der Dauererkrankung Ihrer Bronchien also, indem Sie die auslösenden Gifte meiden.

Die wichtigste Maßnahme zum Vorbeugen einer chronischen Bronchitis besteht darin, nicht zu rauchen: 90 Prozent aller Bronchitiker sind Raucher. Nichtraucher entwickeln nur in seltenen Fällen eine chronische Bronchitis.

Impfungen

Wer schon eine chronische Bronchitis hat, kann möglichen Komplikationen der Atemwegserkrankung durch folgende Impfungen vorbeugen:

Grippe-Schutzimpfung

Bei chronischen Erkrankungen der Atmungsorgane ist es besonders ratsam, sich gegen Grippe (Influenza) impfen zu lassen. Es ist wichtig, dass Sie die Grippe-Schutzimpfung jährlich auffrischen lassen, weil die Grippeerreger jedes Jahr wechseln.

Nicht verwechseln! Manche Menschen sind erstaunt, wenn sie sich trotz Grippe-Schutzimpfung erkälten. Aber: Die Impfung ist ausschließlich gegen die echte Grippe wirksam und nicht gegen einfache Erkältungskrankheiten (bzw. grippale Infekte)!

Pneumokokken-Schutzimpfung

Die Pneumokokken-Schutzimpfung ist für Menschen mit erkrankten Atmungsorganen ebenso wichtig wie die Grippeimpfung. Pneumokokken sind weit verbreitete Bakterien, die Lungenentzündungen hervorrufen können. Die Pneumokokken-Schutzimpfung sollten Sie alle fünf Jahre auffrischen lassen. Kürzere Abstände sind aufgrund der höheren Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen nicht zu empfehlen.

Chronische Bronchitis: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Arzneimittelinformationen zu chronischer Bronchitis

Linktipps:

Die Deutsche Atemwegsliga Mit ihren von Experten erarbeiteten Empfehlungen setzt sie Standards. Geboten werden vielseitige Informationen, auch Schulungen, ein Diskussionsforum, Adressen zu Fachkliniken usw.

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Koordinationsstelle der Selbsthilfegruppen Lungenemphysem-COPD
Lindstockstr. 30
45527 Hattingen
+49 (0)2324 - 99 90 00
patientenorganisation@lungenemphysem-copd.de
www.lungenemphysem-copd.de

COPD - Deutschland e.V.
Fabrikstr. 33
47119 Duisburg
+49 (0)2324 - 99 90 01
verein@copd-deutschland.de
www.copd-deutschland.de

Deutsche Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V.
Adnet-Str. 14
55276 Oppenheim
info@pat-liga.de
www.patientenliga-atemwegserkrankungen.de

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Bronchitis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 25.9.2017)

Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2017: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut – 2017/2018 (Stand: 24.8.2017)

Akute und chronische Bronchitis. Online-Informationen des Helmholtz Zentrums München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (Hrsg.) – in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL): www.lungeninformationsdienst.de (Stand: 4.8.2016)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Battegay, E. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2012

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie: Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 020/003 (Stand: Februar 2010)

Lehnert, H., Werdan, K. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2006

Aktualisiert am: 3. November 2017

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