Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) – Symptome, Behandlung, Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) kann unterschiedliche Ursachen haben. Am häufigsten entsteht sie durch Gallensteine oder den regelmäßigen Konsum großer Mengen Alkohol.

Was ist eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung ist eine Erkrankung, die vergleichsweise selten vorkommt. Sie kann akut oder chronisch auftreten.

Häufigkeit

An einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung erkranken in Deutschland jährlich etwa 20 Menschen pro 100.000 Einwohner, Männer häufiger als Frauen. Und auch eine chronische Pankreatitis wird in Deutschland pro Jahr bei etwa 20 pro 100.000 Einwohnern festgestellt.

Bauchspeicheldrüsenentzündung: Typische Symptome

Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) unterscheiden sich die Symptome abhängig davon, ob die Erkrankung akut oder chronisch auftritt.

Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis)

Bei einer akuten Bauchspeicheldrüsen­entzündung treten typischerweise plötzlich heftige Schmerzen im Oberbauch auf. Die Schmerzen können gürtelförmig nach allen Seiten bis in den Rücken oder Brustkorb ausstrahlen. Daher kann eine akute Pankreatitis auch mit einem Herzinfarkt verwechselt werden.

Die Schmerzen sind sehr intensiv und halten oft mehrere Tage an. Die Betroffenen nehmen im Sitzen oder Liegen meist eine Schonhaltung ein, bei der die Beine angezogen werden. So lassen sich die Schmerzen ein wenig lindern. Der Bauch reagiert sehr empfindlich auf Druck und ist prall-elastisch. Ärzte sprechen hierbei auch von einem "Gummibauch".

Daneben können bei einer akuten Bauchspeicheldrüsen­entzündung weitere Symptome auftreten, wie:

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Starke Schmerzen im Oberbauch können auf eine Pankreatitis hinweisen.

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis)

Eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung äußert sich durch wiederkehrende Oberbauchschmerzen, die Stunden bis Tage andauern können. Wie bei der akuten Pankreatitis kann der Schmerz gürtelförmig bis in den Rücken ausstrahlen. Gelegentlich tritt er mehrere Stunden nach dem Essen auf. Der Verzehr fettreicher Speisen löst bei den Betroffenen häufig Verdauungsprobleme wie Übelkeit oder Erbrechen aus.

Daneben können bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung weitere Symptome hinzukommen, wie:

Im fortgeschrittenen Stadium der Bauchspeicheldrüsenentzündung ist die Bauchspeicheldrüse bereits geschädigt. Trotzdem sind die Betroffenen während der entzündungsfreien Phasen oft schmerzfrei und zeigen keine Symptome.

Bauchspeicheldrüsenentzündung: Mögliche Ursachen

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) kann verschiedene Ursachen haben. Mit zu den häufigsten Ursachen zählen Gallensteine oder dauerhaft hoher Alkoholkonsum.

Ursache Gallensteine

Gallenwegserkrankungen wie Gallensteine sind in etwa 40 Prozent der Fälle für eine akute Pankreatitis verantwortlich. Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung kann auftreten, wenn sich ein Gallenstein vor den gemeinsamen Ausführungsgang von Gallenwegen und Bauchspeicheldrüse (Pankreas) legt und diesen versperrt.

Die Verdauungssäfte können dann nicht mehr aus der Bauchspeicheldrüse in den Darm abfließen und stauen sich. Dadurch gelangen die Enzyme aus dem Pankreassekret wieder zurück in die Bauchspeicheldrüse und beginnen, sie zu zersetzen. Mediziner sprechen von einer Selbstverdauung.

Ursache Alkohol

In etwa 35 Prozent der Fälle ist zu viel Alkohol die Ursache einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung. Im Rahmen einer Alkoholabhängigkeit entwickelt sich über die Zeit oft auch eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung. Dauerhafter Alkoholmissbrauch ist in etwa 80 Prozent der Fälle die Ursache für eine chronische Pankreatitis.

Weitere mögliche Ursachen

Abgesehen von Alkohol und Gallensteinen gibt es zahlreiche weitere Faktoren, die eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auslösen können, zum Beispiel eine fettreiche Ernährung. Daneben kommen bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung auch folgende Ursachen infrage:

Stoffwechselstörungen, zum Beispiel:

Mechanische Ursachen, zum Beispiel:

Infektionen, zum Beispiel

Infektionen sind bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung jedoch nur in weniger als einem von hundert Fällen die Ursache.

Anatomische Besonderheiten

Eher selten entsteht eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung durch eine angeborene Fehlbildung der Bauchspeicheldrüse (sog. Pancreas divisum).

Vererbung

Nur selten hat eine Bauchspeicheldrüsenentzündung genetische Ursachen. Mediziner nennen diese Form hereditäre Pankreatitis.

Ursache unbekannt

In manchen Fällen von Pankreatitis kann die Ursache nicht festgestellt werden. Mediziner sprechen dann von einer idiopathischen Pankreatitis.

Bauchspeicheldrüsenentzündung: Diagnose

Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) weisen in der Regel bereits die Symptome auf die Diagnose hin.

Blutuntersuchungen

Um sicherzugehen, lässt der Arzt das Blut untersuchen:

Bildgebende Untersuchungen

Bildgebende Untersuchungen können bei Verdacht auf eine Pankreatitis zur Diagnose beitragen. Mittels Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann der Arzt die Bauchspeicheldrüse begutachten. Schwellungen, Verkalkungen oder krankhafte Flüssigkeitsansammlungen kann er auf diese Weise erkennen.

Mithilfe einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) beurteilt der Arzt,

Gallenspiegelung

Bei Verdacht auf Gallensteine kann der Arzt die Mündung des Gallengangs (Papille) und das Gangsystem endoskopisch untersuchen (ERCP, endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie). Gegebenenfalls vorhandene kleine Gallensteine können dabei gleich entfernt werden. Für die Spiegelung schiebt der Arzt einen winzigen, an einem dünnen Schlauch befestigten Spiegelapparat über die Speiseröhre und den Magen bis zur Bauchspeicheldrüse.

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Eine Blutuntersuchung kann bei Pankreatitis die Diagnose bestätigen.

Andere Ursachen ausschließen

Zahlreiche andere Erkrankungen können ähnliche Symptome wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung verursachen. Diese müssen für eine korrekte Diagnose ausgeschlossen werden. Als mögliche andere Ursachen für die Beschwerden kommen beispielsweise infrage:

Bauchspeicheldrüsenentzündung: Therapie

Bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis) oder einem akuten Schub einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung erfolgt die Therapie im Krankenhaus, oft auf der Intensivstation. Die Schmerzen behandelt der Arzt mit entsprechend wirksamen Schmerzmitteln.

Um die Produktion von Verdauungssäften durch die Bauchspeicheldrüse so gering wie möglich zu halten, dürfen

erst einmal keine Nahrung zu sich nehmen (sog. Nahrungskarenz). Die Betroffenen erhalten stattdessen vorübergehend Flüssigkeit, Elektrolyte und Nährstoffe über eine Vene (per Infusion).

Ernährung nach einer Bauchspeicheldrüsenentzündung

Bestehen keine Beschwerden mehr und haben sich die Laborwerte normalisiert, dürfen Betroffene nach und nach wieder leicht verdauliche, fettarme Lebensmittel essen. Zu Beginn darf die Nahrung nur kleine Mengen Fett enthalten. Später lässt sich der Fettanteil langsam erhöhen. Auf Kaffee muss anfangs verzichtet werden. Auf Alkohol sollte in Zukunft ganz verzichtet werden und idealerweise auch auf das Rauchen.

Ernährungstipps nach akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung:

  • Bevorzugen Sie generell fettarme Lebensmittel.
  • Achten Sie darauf, dass die Nahrungsmittel gut verträglich sind. Zu Beginn sollten Sie Obst und Gemüse zum Beispiel am besten nur gekocht verzehren.
  • Wählen Sie Zubereitungsarten, die fettarm sind (z.B. Kochen, Dünsten, Garen statt Braten oder Frittieren).
  • Meiden Sie Speisen, die sehr scharf oder stark gewürzt sind.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten (6 bis 8) über den Tag verteilt sind besser als drei große Mahlzeiten.
  • Meiden Sie sehr heiße und sehr kalte Speisen beziehungsweise Getränke.
  • Decken Sie Ihren Flüssigkeitsbedarf mit stillem Mineralwasser, Tee, Fruchtsaftschorlen oder Gemüsesaftschorlen.
  • Verzichten Sie anfangs ganz auf Kaffee. Später sollten Sie ihn nur in kleinen Mengen genießen.
  • Trinken Sie Milch nur in kleinen Mengen.
  • Alkohol sollten Sie meiden.

Im Anschluss an eine akute Pankreatitis sollte eine normale Ernährung nach einer gewissen Schonfrist wieder möglich sein, sobald die Erkrankung vollkommen ausgeheilt ist. Für Menschen mit chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung ist es jedoch besonders wichtig, nicht nur dauerhaft auf Alkohol und Rauchen zu verzichten, sondern auch die Ernährung lebenslang umzustellen.

Ernährungstipps bei chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung:

  • Zu empfehlen ist eine ausgewogene Ernährung, die
    • leicht verdaulich ist,
    • aus vielen Kohlenhydraten besteht und
    • einen normalen Fettanteil hat (ca. 50 bis 80 Gramm pro Tag).
  • Mehrere kleine Mahlzeiten sind besser als wenige große Mahlzeiten.
  • Schwer verträgliche Nahrungsmittel sollten Sie meiden, also zum Beispiel
    • Hülsenfrüchte,
    • gebratene Speisen,
    • frittierte Speisen sowie
    • eiskalte Getränke oder Speisen.

Verdauungsenzyme

Betroffene mit chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung müssen in der Regel zu den Mahlzeiten Enzympräparate einnehmen. Denn die Bauchspeicheldrüse stellt für die Verdauung notwendige Enzyme bei ihnen nicht mehr in ausreichendem Maß her.

Vitamine als Nahrungsergänzungsmittel

Menschen mit chronischer Pankreatitis weisen oft einen Vitaminmangel auf. Besonders häufig kommt es zu einem Mangel an Folsäure, Vitamin B1, Vitamin B12, sowie an den Vitaminen A, D, E und K. Hier kann es nach Absprache mit dem Arzt sinnvoll sein, entsprechende Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.

Operative Eingriffe

Liegen beim Betroffenen Gallensteine vor, entfernt der Arzt diese bei einer Gallengangspiegelung (ERCP, endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie). Große flüssigkeitsgefüllte Kammern in der Bauchspeicheldrüse, die sich im Laufe der Bauchspeicheldrüsenentzündung bilden können (sog. Pseudozysten, falsche Zysten), entleert der Arzt, indem er sogenannte Drainageschläuche einlegt. Durch sie kann die Flüssigkeit nach außen ablaufen.

Bei nicht behandelbaren großen Pseudozysten oder Verengungen im Bereich der Gallenwege oder des Pankreasgangs erfolgt eine chirurgische Korrektur. Zum Beispiel indem man einen sogenannten Stent einbringt, also kleine Drahtgeflechte, die den Gang dauerhaft offen halten. Nur in schweren Fällen einer Pankreatitis entfernt der Chirurg Teile der Bauchspeicheldrüse operativ.

Bauchspeicheldrüsenentzündung: Verlauf

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) ist eine schwere Erkrankung, die oft im Krankenhaus behandelt werden muss.

Eine  akute Bauchspeicheldrüsenentzündung verläuft in circa sechs bis acht von zehn Fällen ohne größere Komplikationen. Bei starker Ausprägung kann die Erkrankung jedoch lebensgefährlich sein, da große Teile der Bauchspeicheldrüse absterben und Blutungen auftreten können.

Der Schaden, der bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung entsteht, lässt sich nicht heilen. Der Verlauf der Erkrankung hängt hier vor allem davon ab, inwiefern Betroffene ihren Lebensstil anpassen.

Mögliche Komplikationen

Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung

Bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung können im Verlauf der Erkrankung folgende Komplikationen auftreten:

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung

Eine chronische Pankreatitis ruft bleibende Schäden in der Bauchspeicheldrüse hervor. Im Frühstadium treten immer wieder akute Krankheitsschübe auf, die starke Schmerzen verursachen.

Im Laufe der Zeit wandelt sich das geschädigte Gewebe in der Bauchspeicheldrüse in mit Flüssigkeit gefüllte Kammern um. Diese sogenannten falschen Zysten (Pseudozysten) können sich entzünden. Auch Einblutungen in die Pseudozysten sind möglich.

Außerdem können in der Bauspeicheldrüse und im angrenzenden Gewebe ausgedehnte Verkalkungen entstehen. Im Gangsystem bilden sich Verengungen und mit der Zeit Pankreassteine. Diese behindern den Abfluss der Sekrete und führen dazu, dass die Verdauungssäfte sich stauen.

Sind die Schäden an der Bauchspeicheldrüse bereits sehr weit fortgeschritten, kommt es zu erheblichen Verdauungsstörungen mit Gewichtsabnahme und Mangelerscheinungen. Auch ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kann sich entwickeln.

Als Spätkomplikation der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung kann Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) entstehen.

Prognose

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung ist zwar eine schwere Erkrankung, dennoch ist die Prognose meist gut. Eine akute Bauchspeicheldrüsenzündung verläuft überwiegend ohne Komplikationen. Schwere Verläufe können jedoch lebensgefährlich sein, insbesondere wenn eine Blutvergiftung (Sepsis) entsteht.

Bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung hängt die Prognose vor allem davon ab, ob es dem Betroffenen gelingt, ganz auf Alkohol und Rauchen zu verzichten. Nur so kann er seine Bauchspeicheldrüse schonen und entlasten. Eine vollständige Ausheilung findet jedoch nicht statt.

Bauchspeicheldrüsenentzündung: Vorbeugen

Einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) können Sie indirekt vorbeugen, indem Sie Risikofaktoren meiden, die eine Entstehung begünstigen. Bis zu einem gewissen Grad können Sie daher vorbeugen, indem Sie:

Bauchspeicheldrüsenentzündung: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Alle Infos zur Krankheit
Forum Ernährung & Diäten: Fragen Sie unsere Expertin um Rat!

Linktipps:

www.bauchspeicheldruese-pankreas-selbsthilfe.de Arbeitskreis der Pankreatektomierten e.V. für Patienten, denen die Bauchspeicheldrüse entfernt werden musste

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft Ernährungsmedizin: Klinische Ernährung in der Gastroenterologie (Teil 2) – Pankreas. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 073/025 (Stand: 1.4.2014)

Battegay, E.: Siegenthalers Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2013

Arastéh, K., et al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Braun, J., Dormann, A.J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer München 2013

Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Chronische Pankreatitis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/003 (Stand: 31.8.2012)

Biesalski, H. K., et al.: Ernährungsmedizin. Thieme, Stuttgart 2010

Tonsi, A. F., et al.: Acute pancreatitis at the beginning of the 21st century: The state of the art. World Journal of Gastroenterology, Vol. 15 (24) , pp. 2945-2959 (28.6.2009)

Schauder, P., et al.: Ernährungsmedizin. Urban & Fischer, Berlin Heidelberg 2006

Stand: 20. September 2017

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