Autismus (Autismus-Spektrum-Störung)

Veröffentlicht von: Wiebke Raue

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Autismus hat viele Ausprägungen. Zu den Autismus-Spektrum-Störungen zählen zum Beispiel der frühkindliche Autismus oder das Asperger-Syndrom. Während manche Autisten in der Lage sind, ein weitgehend normales Leben zu führen, sind andere lebenslang auf Unterstützung angewiesen.

Was ist Autismus und was ist eine Autismus-Spektrum-Störung?

Autismus (griech.: autos = selbst; ismos = Zustand) zählt zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Die Entwicklung des Menschen ist dabei in verschiedenen Bereichen stark beeinträchtigt. 

Das Spektrum autistischer Störungen ist breit gestreut und nicht immer ist es leicht, einzelne Formen voneinander abzugrenzen. Die unterschiedlichen Ausprägungen und Schweregrade der einzelnen Autismus-Formen fassen Wissenschaftler daher auch unter dem Oberbegriff Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zusammen.

Zwar ist die Bandbreite der möglichen Störungen sehr groß. Dennoch haben Menschen, die an Autismus leiden, bestimmte Gemeinsamkeiten. Ein Autist

Formen von Autismus

Ärzte unterscheiden mehrere Formen von Autismus. Zu den Autismus-Spektrum-Störungen zählen:

Eine weitere Autismus-Spektrum-Störung ist das Rett-Syndrom. Es betrifft fast ausschließlich Mädchen. Erste Symptome treten etwa zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 4. Lebensjahr auf. Die normale Entwicklung des Kindes kommt dabei zunächst zum Stillstand – danach bilden sich viele Fähigkeiten wieder zurück. Etwa eines von 10.000-15.000 Mädchen hat das Rett-Syndrom.

Historisches

Der Begriff Autismus wurde 1911 erstmal vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler verwendet. Autisten waren seiner Meinung nach Menschen mit einer Schizophrenie, die stark selbstbezogen und sozial zurückgezogen lebten.

Erst im Jahr 1943 beschrieb der amerikanische Psychiater Leo Kanner Autismus als eigenständige Störung, die in der Kindheit beginnt. Damit grenzte er Autismus von der Schizophrenie ab. Das von Kanner beschriebene Störungsbild ist heute als frühkindlicher Autismus (bzw. Kanner-Syndrom) bekannt.

Erst seit den 1980er Jahren ist Autismus allgemein als eigene Störung anerkannt.

Autismus: Symptome

Autismus kann sich durch viele unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Der Begriff Autismus umfasst ein breites Spektrum an Symptomen, weshalb Ärzte auch von Autismus-Spektrum-Störungen sprechen. Außerdem können autistische Störungen unterschiedlich stark ausgeprägt sein – von nur milden autistischen Zügen bis hin zu schweren Behinderungen.

Autismus wirkt sich auf verschiedene Lebensbereiche aus. Typische Autismus-Symptome, die alle Autisten zeigen, sind

Gestörte zwischenmenschliche Beziehungen

Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen sind typische Symptome einer Autismus-Spektrum-Störung. Ein Autist neigt dazu, sich von seiner Umwelt abzukapseln. Manche Autisten wirken auf unbestimmte Art seltsam und unnahbar. Zudem sind Autisten nur eingeschränkt oder gar nicht in der Lage, dauerhafte und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Auf Kontaktversuche reagieren sie meist abweisend: Sie weichen Blickkontakten aus und lehnen Körperkontakt, wie Umarmungen oder Berührungen, ab. Manchmal suchen sie Kontakt über Riechen, Tasten oder andere Sinne – oft sind diese Versuche mit bestimmten Ritualen verbunden. Beim Spielen beziehen autistische Kinder andere Menschen nicht mit ein und bleiben lieber für sich.

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Autisten nehmen nur wenig Kontakt zu anderen Menschen auf.

Im Vergleich zu gesunden Kindern ist das Nachahmungsverhalten bei Kindern mit Autismus nur schwach ausgeprägt. So erwidern autistische Kinder zum Beispiel beim Verabschieden kein Winken. Auch habe sie Schwierigkeiten, eigene Gefühle wahrzunehmen und zu äußern. Wenn sie etwa traurig sind, suchen sie meist nicht nach Trost oder können ihren Wunsch danach nicht angemessen ausdrücken.

Beim frühkindlichen Autismus (Kanner-Syndrom) sind erste Anzeichen für eine gestörte Kommunikation schon früh ersichtlich. Das Sozialverhalten ist bereits im Babyalter auffällig. So sehen Kinder mit frühkindlichem Autismus zum Beispiel andere Menschen nicht an, begrüßen sie nicht und suchen keinen Körperkontakt zu ihren Eltern. Die Mitmenschen scheinen für sie gar nicht zu existieren.

Beim Asperger-Syndrom sind die Symptome milder ausgeprägt als beim frühkindlichen Autismus. Die Beziehung zu anderen Menschen ist zwar gestört, jedoch weniger tiefgreifend. Asperger-Autisten nehmen nur sehr begrenzt Kontakt zu anderen Kindern auf und wirken isoliert. Es fällt ihnen schwer, sich in die Gefühle anderer Menschen hineinzuversetzen und deren Gedanken zu verstehen. Die Symptome fallen meist erst im Kindergarten oder in der Grundschule auf.

Beim Rett-Syndrom verlangsamt sich die körperliche und geistige Entwicklung der betroffenen Mädchen und bereits erworbene Fähigkeiten bilden sich wieder zurück – so auch die Fähigkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.

Gestörte Kommunikation und Sprache

Vor allem Kinder mit frühkindlichem Autismus (sog. Kanner-Syndrom) zeigen eine gestörte Sprachentwicklung. Sie haben schon im Kleinkindalter Schwierigkeiten, mit anderen zu kommunizieren. Viele Menschen mit frühkindlichem Autismus erwerben nie eine sinnvolle Sprache. Andere entwickeln die Sprache verzögert oder stark eingeschränkt: Sie sprechen mit wenig Gefühlsausdruck, ihre Mimik und Gestik beziehen sie kaum mit ein, wenn sie mit anderen reden. Die Kinder sind in ihrem Sprachgebrauch sehr stark auf sich selbst bezogen und reden häufig eher auf ihr Gegenüber ein, als mit ihm zu sprechen.

Ein weiteres Anzeichen für den frühkindlichen Autismus ist eine ungewöhnlich betonte und tiefe Stimmmelodie. Viele frühkindliche Autisten benutzen auch bestimmte Wörter sehr gerne und wiederholen diese immer wieder (sog. Echolalie). Manche erfinden neue Wörter (sog. Neologismen). Häufig verdrehen sie die Bedeutung des Wortes "Du" und meinen eigentlich "Ich" (sog. pronominale Umkehr).

Bei Autisten mit Asperger-Syndrom hingegen entwickelt sich die Sprache normal. Trotzdem weisen auch Asperger-Autisten Symptome einer gestörten Kommunikation auf. Sie verwenden ihre Sprache häufig nicht, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Viele weisen in bestimmten Teilgebieten eine überdurchschnittliche Intelligenz auf. Sie wirken oft altklug, ernst und unkindlich. Einige neigen zu Selbstgesprächen, reden mit einer auffälligen Sprachmelodie und gehen auf ihre Zuhörer nur wenig ein. Dadurch ist es für ihre Mitmenschen sehr schwierig, mit ihnen zu kommunizieren. Auffällig bei vielen Asperger-Autisten ist, dass sie Gesagtes wörtlich auffassen: So können sie Sprichwörter, Redewendungen oder Ironie nicht deuten. Diese Sprachbesonderheiten machen es für ihre Mitmenschen sehr schwierig, ein Gespräch mit ihnen zu führen.

Begrenzte Interessen sowie stereotype Bewegungen und Verhaltensweisen

Autisten neigen zu Stereotypien, das heißt: Sie verspüren den Drang, bestimmte Tätigkeiten immer nach dem gleichen Muster auszuführen. Manche Kinder mit frühkindlichem Autismus bewegen eine Hand ständig hin und her, andere wippen ihren ganzen Körper im Sitzen immer wieder vor und zurück. Auch Asperger-Autisten neigen zu stereotypen Verhaltensweisen: Sie halten an Ritualen fest, so müssen sie sich zum Beispiel immer zu einer ganz bestimmten Uhrzeit die Zähne putzen. Von plötzlichen Veränderungen fühlen sie sich überfordert.

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Typisch für eine autistische Störung sind immer wiederkehrende Verhaltensweisen.

Mit normalen Spielsachen beschäftigen sich autistische Kinder in der Regel nicht gerne. Vor allem ein frühkindlicher Autismus (sog. Kanner-Syndrom) führt dazu, dass sich die Betroffenen mehr für Teilaspekte einer Sache interessieren, zum Beispiel mehr für das Rad eines Spielautos als für das Auto selbst. Zudem können mechanische, sich drehende Gegenstände ihre Aufmerksamkeit fesseln. Beispielsweise können sie stundenlang vor einer Waschmaschine die Trommel beobachten. In vielen Fällen geht ein frühkindlicher Autismus bei den Kindern mit einer geminderten Intelligenz einher.

Autisten hängen sehr an Ritualen. Ihnen ist es etwa wichtig, dass Möbelstücke immer am gleichen Ort stehen. Auf ein plötzliches Umstellen von Möbeln reagieren viele autistische Menschen mit emotionalem Stress, was sich unterschiedlich äußern kann. Vor allem bei frühkindlichem Autismus sind Symptome wie große Angst, Wut oder Aggression als Reaktionen auf solche Veränderungen möglich. Eine ähnliche Reaktion zeigen frühkindliche Autisten, wenn Bezugspersonen zum Beispiel beim Einkaufen plötzlich einen anderen Weg zum Supermarkt einschlagen, als sie es gewohnt sind.

Menschen mit Asperger-Syndrom sind meist durchschnittlich intelligent und können in manchen Bereichen sogar eine überdurchschnittliche Intelligenz aufweisen. Trotzdem haben sie oft Lernprobleme. Ein Grund ist ihre mangelnde Aufmerksamkeit und die Tendenz, sich durch eigene spontane Ideen ablenken zu lassen. Besonders bemerkenswert sind ihre ungewöhnlichen Interessen. Einige fallen bereits im Vorschulalter als wahre Naturforscher, Kunstexperten oder Rechenkünstler auf.

Asperger-Autisten reagieren auf Anforderungen oder Einschränkungen häufig mit Wutausbrüchen. Außerdem neigen sie dazu, ihren Willen durchsetzen zu wollen. In ihren Bewegungen sind Asperger-Autisten oft ungeschickt, wodurch ihre Körpersprache gering ausgeprägt ist.

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Auf Veränderungen reagieren Autisten sehr empfindlich.

Beim Rett-Syndrom verlieren die betroffenen Mädchen die Fähigkeit, ihre Hände zielgerichtet zu steuern: Sie bewegen die Hände eigenartig, so als ob sie etwas mit ihnen waschen würden. Diese Bewegung wiederholen sie sehr oft. Ihr Gang wirkt flapsig, grobmotorisch und unkoordiniert – das gleiche gilt auch für die Bewegungen ihres Oberkörpers. Viele knirschen mit den Zähnen und haben epileptische Anfälle. Auffälliges Merkmal bei Menschen mit Rett-Syndrom ist das verlangsamte Kopfwachstum.

Weitere Einschränkungen

Autistische Menschen haben häufig AngststörungenSchlafstörungen und Essstörungen. Besonders bei Menschen mit Asperger-Syndrom sind häufig eine gestörte Aufmerksamkeit, eine Bewegungsunruhe (sog. hyperkinetisches Verhalten) und sogenannte Tic-Störungen zu beobachten.

Autismus: Ursachen

Frühkindlicher Autismus

Die Ursachen des frühkindlichen Autismus sind nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass verschiedene Risikofaktoren zur Entstehung beitragen. Insbesondere genetische Faktoren scheinen eine besondere Rolle zu spielen. Auch wird vermutet, dass bestimmte Einflüsse während der Schwangerschaft das Autismus-Risiko erhöhen. Dazu zählen zum Beispiel eine Röteln-Infektion oder die Einnahme bestimmter Medikamente wie Antiepileptika oder Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Ein höheres Alter von Mutter oder Vater kann die Erkrankung ebenfalls begünstigen.

Asperger-Syndrom

Vermutlich sind es mehrere Faktoren, die ein Asperger-Syndrom begünstigen. Die genauen Ursachen sind bislang nicht abschließend geklärt.

Das Asperger-Syndrom kommt in manchen Familien gehäuft vor, sodass eine genetische Komponente wahrscheinlich ist. Aber auch andere Faktoren sind an der Entstehung beteiligt. Hierzu zählen vor allem hirnorganische und biochemische Auffälligkeiten.

Rett-Syndrom

Beim Rett-Syndrom, das ausschließlich Mädchen betrifft, gelang es, die genaue Ursache einzugrenzen. Bei den Kindern ist ein bestimmtes Gen (MeCp2) auf dem X-Chromosom verändert.

Autismus: Diagnose

Für den Arzt ist es nicht immer leicht, eine Autismus-Spektrum-Störung zu erkennen. Nicht jedes Baby, das sich nicht für seine Umwelt interessiert, ist autistisch. Und auch manche Kinder im Kindergarten oder in der Grundschule möchten gerne für sich sein, ohne dass ein leichter frühkindlicher Autismus oder ein Asperger-Syndrom dahinterstecken. Für ein solches Verhalten kann es vielmehr viele unterschiedliche Erklärungen geben.

Oft vergeht viel Zeit, bis es dem Arzt gelingt, eine Autismus-Spektrum-Störung sicher festzustellen. In der Regel stellt ein Kinder- und Jugendpsychiater die Diagnose.

Hat der Mediziner den Verdacht, dass ein Kind Autismus hat, wird er die Eltern nach bestimmten auffälligen Verhaltensweisen befragen, die sie an ihrem Kind beobachtet haben könnten. So wird er beispielsweise wissen wollen, ob das Kind sogenannte stereotype Verhaltensweisen zeigt – etwa, indem es bestimmte Körperbewegungen immer wiederholt.

Zudem wird der Arzt das Kind sorgfältig beobachten und seine Ergebnisse in entsprechenden Beurteilungsskalen festhalten. Spezielle Entwicklungs- und Intelligenztests geben ihm weitere Hinweise auf eine mögliche autistische Störung. So ist der Intelligenzquotient bei Kindern mit frühkindlichem Autismus beispielsweise oft niedriger als der Durchschnitt.

Andere Erkrankungen können mit Symptomen einhergehen, die an Autismus erinnern. Zu solchen Erkrankungen zählen zum Beispiel ADHS, eine Angststörung oder auch Einschränkungen im Hör- oder Sehvermögen. Um auszuschließen, dass eine andere Erkrankung die Ursache für die Beschwerden ist, wird der Arzt in Kooperation mit Ärzten anderer Fachrichtungen eine Reihe weiterer Untersuchungen durchführen.

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Um die Diagnose Autismus stellen zu können, sind umfassende Untersuchungen und Beobachtungen notwendig.

Autismus: Therapie

Heilen kann man Autismus nicht. Die Störung begleitet die Betroffenen trotz Therapie ihr Leben lang und schränkt sie mehr oder weniger in ihrem Sozialleben ein.

Dennoch ist eine Therapie bei Autismus wichtig. Sie kann:

Diese Ziele versuchen Psychiater, Psychologen und Pädagogen mit unterschiedlichen Methoden zu erreichen.

Welche Therapie der Arzt vorschlagen wird, richtet sich zunächst einmal danach, um welche Autismus-Spektrum-Störung es sich handelt. Darüber hinaus sollte die Therapie immer individuell an die Person angepasst sein und die jeweiligen Einschränkungen, aber auch die persönlichen Stärken berücksichtigen.

Verhaltenstraining

Ein Baustein der Autismus-Therapie ist das Verhaltenstraining, eine Methode der Verhaltenstherapie. Ein wichtiges Ziel dieser Behandlung besteht darin, dem Autisten zu helfen, Beziehungen mit anderen Menschen aufzubauen und mit diesen zu kommunizieren. Das Verhaltenstraining funktioniert nach dem sogenannten Belohnungsprinzip. Das bedeutet: Der Autist erhält für jedes erwünschte Verhalten eine Belohnung (sog. positive Verstärkung). Nimmt das autistische Kind beispielsweise Kontakt mit einem anderen Kind auf, bekommt es als Belohnung ein Spielzeug oder es darf sich eine Aktivität aussuchen. Die Eltern sind in diese Form der Autismus-Therapie intensiv eingebunden. Dadurch können sie ihr Kind auch in der häuslichen Umgebung bestärken und die Beziehung zu ihm verbessern.

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Das Kind soll in seiner Entwicklung so gut wie möglich gefördert werden.

Alternative Therapien

Die Autismus-Therapie kann auch kreative Verfahren wie die Musiktherapie und Kunsttherapie umfassen. Auch Verfahren, bei denen Tiere therapeutisch zum Einsatz kommen, kommen infrage, beispielsweise die Reittherapie (Hippo-Therapie). Grundlegende wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit solcher Behandlungen fehlen noch. In Einzelfällen und im Rahmen eines vollständigen Behandlungsplans können sie aber für Autisten hilfreich sein.

Mithilfe von Krankengymnastik und Sprachtraining können motorische Auffälligkeiten und Sprachstörungen verringert werden. Außerdem können Autisten von einer Ergotherapie profitieren.

Elternarbeit

Für den Erfolg der Autismus-Therapie spielt nicht zuletzt die Elternarbeit eine große Rolle. Ein autistisches Kind können Eltern nur dann wirksam fördern, wenn sie seine Störung akzeptieren und auch verstehen. Für viele Eltern bedeutet die Erkrankung ihres Kindes eine psychische Belastung. Sie können lernen, mit der Situation besser umzugehen, indem sie sich umfassend informieren und Unterstützung suchen. Schon allein das Wissen, dass die Erziehung entgegen früheren Annahmen nichts mit der Entwicklung von Autismus zu tun hat, bedeutet für viele eine Entlastung.

Um das Kind optimal zu fördern, ist es wichtig, bei der Elternarbeit das richtige Maß zu finden – also das Kind nicht in seiner Entwicklung zu hemmen, es aber auch nicht zu überfordern. Je realistischer die gesteckten Behandlungsziele sind, desto eher zeigen sich spürbare Fortschritte. Bei aller Elternarbeit ist es aber auch ratsam, dass Eltern ihr eigenes Wohlbefinden nicht aus den Augen verlieren. Nehmen Sie bei Bedarf Hilfe in Anspruch – etwa eine stundenweise Aufsicht oder eine Kurzpflegeeinrichtung für Ihr Kind –, wenn Sie etwas Zeit für sich brauchen!

Medikamente

Bisher gibt es keine Medikamente, die zuverlässig gegen die Hauptsymptome der Störung helfen. Daher kommen Medikamente bei Autismus nur zum Einsatz, um Begleiterscheinungen der autistischen Störung zu behandeln. So helfen zum Beispiel Neuroleptika und Benzodiazepine, starke Spannungszustände abzubauen und selbstverletzendes Verhalten zu begrenzen. Viele Autisten haben epileptische Anfälle, die ebenfalls mit Medikamenten behandelt werden.

Autismus: Verlauf

Wie sich ein Kind mit Autismus entwickelt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Der individuelle Verlauf kann von Kind zu Kind sehr unterschiedlich sein.

Zwar bleibt ein Autist in der Regel ein Leben lang autistisch. Der Verlauf einer autistischen Störung hängt jedoch insbesondere davon ab, um welche Autismus-Spektrum-Störung vorliegt und wie stark die Entwicklung eingeschränkt ist.

Beim Asperger-Syndrom sind die autistischen Züge eher milde ausgeprägt. Menschen mit Asperger-Syndrom können als Erwachsene ihren Alltag meist selbstständig gestalten und einen Beruf ausüben. Viele leben allerdings isoliert und bauen keine näheren Beziehungen zu anderen Menschen auf.

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Personen mit Asperger-Syndrom sind als Erwachsene meist in der Lage, allein für sich zu sorgen. Intensive Kontakte knüpfen sie jedoch in der Regel nicht.

Menschen, die von anderen Formen des Autismus betroffen sind (z.B. frühkindlicher Autismus, Rett-Syndrom), benötigen meist starke Unterstützung bei ihrer Lebensführung. Vor allem autistische Menschen, deren geistige Entwicklung zurückgeblieben ist, leben häufig in sozialen Einrichtungen. In der Regel können frühkindliche Autisten keinem normalen Alltag nachgehen. Besserungen treten nur in Einzelfällen auf. Das Rett-Syndrom nimmt einen fortschreitenden Verlauf, die Betroffenen sind im Lauf ihres Lebens zunehmend pflegebedürftig.

Autismus vorbeugen?

Autismus kann man nicht vorbeugen. Jedoch gilt: Je früher eine autistische Störung erkannt wird, desto besser kann das Kind in seiner Entwicklung gefördert werden.

Symptome wie eine gestörte Kommunikationsfähigkeit, sozialer Rückzug oder eingeschränkte Verhaltensweisen können viele Ursachen haben. Manchmal können sie Anzeichen für eine tiefgreifende Entwicklungsstörung wie Autismus sein. Wenn Sie bei Ihrem Kind Auffälligkeiten beobachten, sollten Sie Ihren Arzt zurate ziehen.

Autismus: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Asperger-Syndrom: Milde Form des Autismus

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V.
Geistige Behinderung / Down-Syndrom / Autismus
Raiffeisenstraße 18
35043 Marburg
+49 (0) 64 21 - 491-0
+49 (0) 64 21 - 491-167
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www.lebenshilfe.de

Autismus Deutschland e.V.
Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus
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info@autismus.de
www.autismus.de

Buchtipps:

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Teil 1: Diagnostik. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 028 / 018 (Stand: 5.4.2016)

Kerbl, R., et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2016

Möller, H., Laux, G., Deister, A.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

Aarons, M, Gittens, T.: Das Handbuch des Autismus. Beltz Verlag, Weinheim 2013

Aktualisiert am: 6. November 2017

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