Aneurysma

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Ein Aneurysma ist eine spindel- oder sackförmige Gefäßerweiterung einer Arterie. Es entsteht, wenn sich die Gefäßwand ausbuchtet oder ausweitet. Am häufigsten tritt es im Bauchraum an der Bauchaorta (Aorta abdominalis) auf, seltener an der Hirnschlagader im Kopf. Im Gegensatz dazu ist ein Aneurysma sputium ein mit der Arterie in Verbindung stehendes, blutgefülltes Hämatom.

Die häufigste Aneurysma-Form ist das sogenannte Aortenaneurysma, also eine Ausweitung der Hauptschlagader (Aorta). Etwa ein bis zwei von hundert Menschen haben ein solches Aortenaneurysma – oft, ohne davon zu wissen. Meist kommt ein Aneurysma an der Bauchaorta vor (Aorta abdominalis). Aber auch in herznahen Blutgefäßen oder Gefäßen im Gehirn kann ein Aneurysma auftreten.

Reißt die Gefäßwand im Bereich eines Aneurysmas, kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie schweren inneren Blutungen kommen. Geschieht dies im Kopf, führt der begrenzte Platz dazu, dass der Druck auf das Gehirn steigt und lebenswichtige Hirnbereiche wie den Hirnstamm abquetscht und schädigt.

Aber auch innere Blutungen an anderer Stelle im Körper können zum Tode führen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Durchmesser der Ausweitung, da der Druck auf die Gefäßwand mit dem Durchmesser ebenfalls zunimmt. Aneurysmen der vom Herzen weiter entfernten Gefäße füllen sich teilweise mit Blutgerinnseln (Thromben). Bei bestimmten Bewegungen können sich die Gerinnsel lösen und zu Gefäßverschlüssen führen (Embolie).Ein Aneurysma bildet sich aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Veränderung an der Wand des betroffenen Gefäßes. Der Name Aneurysma leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet so viel wie "Erweiterung".

Drei Formen von Aneurysmen

Verschiedene Aneurysma-Formen: Aneurysma verum (1), Aneurysma dissecans (2) und Aneurysma spurium (3)

Symptome: Aneurysma im Kopf, Bauchraum oder Brustraum

In vielen Fällen verursacht ein Aneurysma keinerlei Symptome. Erst sehr große Gefäßerweiterungen üben Druck auf die umliegenden Organe oder Strukturen aus und machen sich dadurch bemerkbar. Je nachdem, wo das Aneurysma liegt, kann es dann unterschiedliche Symptome hervorrufen.

Aneurysma im Bauchraum (Bauchaortenaneurysma)

Auf ein Aneurysma im Bauchbereich der Hauptschlagader können folgende Symptome hinweisen:

Ein Bauchaortenaneurysma kann außerdem Blutgerinnsel in den Armen oder Beinen hervorrufen, die dort zu Durchblutungsstörungen führen. Meistens ruft ein Bauchaortenaneurysma aber keinerlei Beschwerden hervor.

Aneurysma im Kopf (Aneurysma im Gehirn)

Bei einem Aneurysma im Kopf beziehungsweise im Gehirn treten häufig durch den Druck, den das Aneurysma auf einen Nerv ausübt, Symptome wie Lähmungserscheinungen im Gesicht auf. Reißt ein Aneurysma im Kopf, ist ein Schlaganfall (Apoplex) beziehungsweise eine Hirnblutung (z.B. Subarachnoidalblutung) die Folge.

Aneurysma im Brustraum

Bei einem Aortenaneurysma im Brustraum können unter anderem folgende Symptome auftreten:

Ein Aortenaneurysma im Brustbereich kann dann zu Durchblutungsstörungen in den Armen oder dem Gehirn führen.

Gespaltenes Aneurysma (Aneurysma dissecans)

Reißt bei einem gespaltenen Aneurysma (Aneurysma dissecans) die Wand, ruft dies einen plötzlichen, schneidenden Schmerz hervor, der so stark ist, dass er Todesangst hervorruft (sog. Vernichtungsschmerz). Je nach Schädigungsort tritt er an verschiedenen Stellen des Körpers auf. Beim gespaltenen Aortenaneurysma sprechen Mediziner von einer Aortendissektion. Auf die heftige Schmerzattacke folgt dabei häufig ein Kreislaufzusammenbruch. Umgehende Hilfe durch einen Notarzt ist dann erforderlich.

Verschließen sich Äste der Aorta, kann es zu erheblichen Durchblutungsstörungen im Gehirn, dem Rückenmark und in den Armen kommen. Je nachdem, wie sich die Spaltung ausbreitet, können auch die Bauchorgane und die Beine schlechter durchblutet sein – zum Beispiel bei einem Bauchaortenaneurysma.

Aneurysmen, die weit vom Herzen entfernt liegen, sind teilweise mit Blutgerinnseln (Thromben) gefüllt. Löst sich ein Teil der Gerinnsel, kann das kleine Gefäße verstopfen (Embolie).

Aneurysma: Ursachen und Formen

Ein Aneurysma kann viele Ursachen haben. Zu den häufigsten Ursachen für ein echtes Aneurysma (Aneurysma verum) zählt die Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Wesentlich seltener lösen Infektionen ein echtes Aneurysma aus. Die Geschlechtskrankheit Syphilis führt zum Beispiel vor allem im Brustabschnitt der Hauptschlagader (thorakales Aortenaneurysma) und im sogenannten Aortenbogen, dem direkt an das Herz anschließenden Teil der Aorta, zu Aussackungen (Aortenaneurysma).

Andere durch Infektionen ausgelöste Entzündungen an der Arterie betreffen hingegen häufiger Abschnitte, die weiter vom Herzen entfernt liegen, und führen dort zu Ausweitungen. Bei einem Aneurysma der Herzwand sind in den meisten Fällen Herzinfarkte die Ursache.

Ein unechtes Aneurysma (Aneurysma spurium) entsteht in der Regel durch Verletzungen der Gefäßwand. In den meisten Fällen sind diagnostische Katheter-Eingriffe wie zum Beispiel bei einem Verdacht auf einen Herzinfarkt die Ursache.

Bei einem gespaltenen Aneurysma (Aneurysma dissecans) ist die Arterienwand im Bereich der mittleren Schicht – der Media – geschädigt. Die Gefäßwandschichten spalten sich auf, sodass ein Hohlraum entsteht, in den sich das Blut einwühlt. Häufigste Ursachen hierfür sind Bluthochdruck (Hypertonie) sowie eine angeborene Bindegewebsschwäche wie zum Beispiel das Marfan-Syndrom und die sogenannte zystische Medianekrose Erdheim-Gsell.

Aufbau einer Arterie: Die Intima sorgt als innere Schicht für den optimalen Stoff- und Gasaustausch zwischen Blut und der Gefäßwand. Die Media reguliert die Weite des Gefäßes durch gezielte Muskelkontraktionen. Die Adventitia schließt das Gefäß nach außen ab.

Ist die Media bereits verletzt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie sich die Spaltung der Gefäßwand weiter entwickelt:

  1. Die Intima reißt nicht ein und es bildet sich nur ein örtlich begrenzter Bluterguss (Hämatom).
  2. Die Intima reißt ein und im Verlauf spaltet das einströmende Blut die Gefäßwände zwischen Intima und Adventitia (äußere Gefäßschicht) immer weiter auf. Da das zunehmende Blutvolumen in der Gefäßwand hohen Druck auf die Wand ausübt, kann diese Aortendissektion dazu führen, dass der betroffene Gefäßast zusammengedrückt wird.
  3. Das Blut fließt parallel in der gespaltenen Media und dem normalen Gefäßraum. Reißt nun die Intima im weiteren Verlauf der Arterie nochmals ein, kann das Blut in die Aorta zurückfließen. Diesen Vorgang nennt man Reentry (engl. für Wiedereintritt). Bei dieser Entlastung der gespaltenen Media steigt das Blutvolumen und damit auch der Druck innerhalb der Gefäßwand nicht weiter. Gefahren wie eine Herzbeuteltamponade oder eine Einengung des Aortenasts sind nicht mehr gegeben. Der Wiedereintritt wird daher auch als Spontanheilung beim Aortenaneurysma bezeichnet.
  4. Das Blut strömt durch die äußere Gefäßschicht (Adventitia) hindurch in die Gefäßumgebung. Blutet es in den äußeren Herzbeutel, staut sich das Blut dort und hindert den Herzmuskel daran, sich auszuweiten (sog. Herzbeuteltamponade). Dadurch können sich Vorhöfe und Herzkammern nicht mehr mit genügend Blut füllen. Dies beeinträchtigt die Herzfunktion und somit den Blutkreislauf.

Diagnose: Aneurysma sicher erkennen

Bei einem Aneurysma ergibt sich die Diagnose oft zufällig im Rahmen einer Routine-Untersuchung. Das liegt daran, dass in vielen Fällen keine Beschwerden bestehen. Anzeichen wie zum Beispiel ein unterschiedlich hoher Blutdruck am rechten und linken Arm oder ein schnell wechselnder Puls können auf ein gespaltenes Aneurysma (Aneurysma dissecans) hinweisen.

Seltener bemerken Betroffene Symptome wie schnell fortschreitende Ausfälle von Nervenfunktionen, die bis hin zur Querschnittslähmung reichen können, als Hinweis auf ein gespaltenes Aneurysma.

Beim Abhören der Arterien können zum Beispiel Strömungsgeräusche, die im Rhythmus des Pulses auftreten, auf ein Aneurysma hinweisen. Bei einem Aneurysma an Gefäßen der Extremitäten kann der Arzt die Diagnose oft bereits stellen, indem er Arme oder Beine abtastet. Bei schlanken Menschen ist es möglich, ein Aneurysma der Bauchaorta zu ertasten.

Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ermöglicht bei einem Aneurysma der Bauchschlagader oder der Beckenarterie eine genaue Diagnose. Wie groß ein Aneurysma bereits ist und ob die Gefahr besteht, dass es reißt, kann der Arzt anhand einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) feststellen.

Begleitend kann eine spezielle Röntgenuntersuchung der Blutgefäße (Angiographie) erfolgen, um die Ausdehnung des Aneurysmas und eine Verschlusskrankheit der Gefäße nachzuweisen.

Aneurysma: Konservative Therapie oder Operation?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Aneurysma zu behandeln: Hat ein Aortenaneurysma einen kleinen Durchmesser oder ist ein mögliches Operationsrisiko zu hoch, kann der Arzt versuchen, das Aneurysma konservativ konservativ zu behandeln – also ohne Operation. Ab einem bestimmten Durchmesser und wenn die Gefahr besteht, dass sich das Aneurysma vergrößert oder reißt, wird der Arzt meist eine Operation empfehlen. Hierbei ersetzt der Chirurg den erweiterten Gefäßabschnitt durch eine Gefäßprothese, also ein künstliches Gefäß, welches die Funktion des natürlichen Blutgefäßes übernimmt.

Aortenaneurysma, Aortendissektion

Bei einem Aneurysma der Aorta gibt es verschiedene Formen der Therapie: Wenn ein solches Aortenaneurysma einen kleinen Durchmesser hat oder der Allgemeinzustand des Patienten gegen eine Operation sprechen, erfolgt eine konservative Therapie. Zwei Faktoren sind dabei besonders wichtig:

Entscheidend ist hierbei, einen hohen Blutdruck (Hypertonie) konsequent auf normale Werte zu senken.

Wer es schafft, seinen Blutdruck auf normale Werte zu senken, schützt seine Gefäße und kann damit einem Aortenaneurysma vorbeugen.

Dazu eignen sich zum Beispiel Betablocker, die einerseits den Blutdruck senken und andererseits die Geschwindigkeit verlangsamen, mit der der Druck in den Gefäßen steigt. Außerdem sollten Betroffene mit einem Aortenaneurysma

Treten bei einem Aortenaneurysma Symptome auf oder vergrößert sich ein bereits großes Aneurysma zusehends, ist eine Operation unumgänglich. Gleiches gilt bei einem schlecht oder nicht einstellbaren Bluthochdruck. Bei der Operation ersetzt der Chirurg den vom Aortenaneurysma betroffenen Teil des Gefäßes. Hierfür eröffnet er das Aneurysma in Längsrichtung, pflanzt eine rohr- oder Y-förmige Kunststoffprothese ein und schließt die Gefäßwand über der Prothese wieder.

Seit einigen Jahren wird ein Aortenaneurysma auch mithilfe von Stent-Prothesen behandelt (sog. endovaskuläre Behandlung). Hierbei setzen Ärzte Prothesen aus unterschiedlichen Materialien über einen minimal-invasiven Zugang (d.h. durch winzige, gewebeschonende Schnitte in der Haut) mithilfe von Kathetern in die Aorta ein. So lässt sich zum Beispiel ein Aortenaneurysma behandeln. Drahtgitter (Stents) stützen diese Prothesen – sie werden im zusammengeklappten Zustand ebenfalls über Katheter eingesetzt und an entsprechender Stelle im Gefäß aufgeklappt.

Aneurymsa im Kopf (Aneurysma im Gehirn)

Bei einem Aneurysma im Kopf, also im Gehirn, erfolgte die Therapie früher vor allem operativ durch Neurochirurgen. Während einer offenen Hirnoperation (Kraniotomie) wird das Aneurysma im Kopf mittels eines Clips, der in den meisten Fällen aus Titan besteht, abgeklemmt. Ist ein solches "Clipping" nicht möglich, wird das Aneurysma im Gehirn "gewrappt". Wrapping (engl. für Einwickeln) bedeutet, dass die Wand des Aneurysmas durch Gewebe oder Teflon verstärkt wird, um einen möglichen Riss zu verhindern.

Seit einigen Jahren gibt es bei einem Aneurysma im Kopf eine weitere Therapie-Methode: die sogenannte endovaskuläre Technik. Bei dieser Form der Therapie ist keine offene Operation am Gehirn mehr nötig:

Welche Therapie bei einem Aneurysma im Kopf infrage kommt, variiert jedoch von Fall zu Fall.

Aneurysma: Verlauf, Komplikationen und Prognose

In vielen Fällen nimmt ein Aneurysma einen harmlosen Verlauf und bleibt ein Leben lang unbemerkt. Generell besteht aber die Möglichkeit, dass ein Aneurysma reißt. Der Verlauf hängt deshalb vor allem davon ab, ob die Aussackung aufreißt und ob es dadurch zu Komplikationen wie Blutungen kommt.

Komplikationen

Manmchmal entwickeln Aneurysmen jedoch eine Eigendynamik: Sie weiten sich immer mehr, womit auch die Gefahr des Einreißens stetig steigt. Dann können lebensbedrohliche Blutungen auftreten.

Bei einer Aneurysma-Operation kommt es eher selten zu Komplikationen wie starken Blutungen oder Nierenversagen. Nach der Operation besteht das Risiko einer möglichen Infektion der Prothese. Nach einer Operation eines Bauchaortenaneurysmas können bei Männern unter Umständen Erektionsstörungen auftreten.

Aneurysma-Komplikationen bei Stent-Prothesen sind sogenannte Endoleaks. Bei einem Endoleak (auch: Endoleck, Endoleckage) fließt trotz der Prothese weiterhin Blut in das Aneurysma. Die undichten Stellen müssen entsprechend verschlossen werden. Aus diesem Grund sind regelmäßige Nachkontrollen mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) notwendig.

Prognose

Bei einem Aneurysma hängen Verlauf und Prognose von drei Faktoren ab:

So können Sie einem Aneurysma vorbeugen

Einem Aneurysma lässt sich nur bedingt vorbeugen. Sie sollten Bluthochdruck rechtzeitig behandeln lassen. Da Nikotinkonsum das Risiko einer Arteriosklerose erhöht und zu viel Alkohol den Blutdruck steigert, sollten Sie auf Nikotin verzichten und nur gemäßigt Alkohol trinken. Auch Übergewicht und zu hohe Blutfettwerte bergen ein Risiko.

Generell trägt ein gesunder Lebensstil mit vernünftiger Ernährung und ausreichend körperlicher Bewegung dazu bei, das Risiko für Gefäßerkrankungen wie ein Aneurysma niedrig zu halten.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Online-Information des Pschyrembel: www.psychrembel.de (Abrufdatum: 13.10.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2015

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin Heidelberg 2013

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Unrupturierte intrakranielle Aneurysmen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/030 (Stand: September 2012)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG): Bauchaortenaneurysma und Beckenarterienaneurysma. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 004/014 (Stand: September 2008)

Aktualisiert am: 13. Oktober 2017

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