Analfissur (Afterriss)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Eine Analfissur (Afterriss) ist ein länglicher Riss in der Schleimhaut des Analkanals. Dies ist der letzte Teil des Enddarms, der in den After mündet. Lesen Sie, an welchen Symptomen Sie eine Analfissur erkennen, welche Salben zur Behandlung gut wirken und ab wann eine OP nötig ist. 

Die gute Nachricht: In der Regel handelt es sich bei einer Analfissur um eine gutartige Erkrankung, die sich in den meisten Fällen erfolgreich behandeln lässt. Allerdings ist ein Afterriss meist recht schmerzhaft.

Wenn Sie unter starken Schmerzen beim Stuhlgang leiden und vermuten, eine Analfissur könnte dahinterstecken, sollten Sie für die Diagnose und Therapie einen Allgemeinarzt oder einen Proktologen (Facharzt für Erkrankungen des Enddarms) aufsuchen. Von außen ist der Afterriss oft schwer zu erkennen und lässt sich nur durch ein Spreizen der Gesäßhälften sichtbar machen. Eine Analfissur lässt sich aber gut behandeln.

Was ist eine Analfissur?

Bei einer Analfissur handelt es sich um einen Riss der Schleimhaut im Analkanal, wo der Enddarm in den After mündet. Wenn sich ein Afterriss entzündet, heilt er schlecht ab. Mediziner sprechen deshalb bei einer Analfissur oftmals auch von einem Geschwür (Ulkus).

Eine Analfissur gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Enddarms, wobei man zwischen der akuten (kurzfristig auftretenden) und der chronischen (dauerhaft bestehenden) Analfissur unterscheidet.

Schematische Darstellung einer Analfissur: Die sensible Innenhaut im Analkanal ist eingerissen.

Die Schleimhaut des Analkanals kann zum Beispiel reißen, wenn der Analbereich starkt gedehnt wird. Als häufige Ursachen einer Analfissur gelten deshalb

Aber auch bestimmte Sexualpraktiken wie Analverkehr oder das Einführen von Gegenständen in den Analbereich können Afterrisse zur Folge haben. 

Weitere Beispiele für Beschwerden im Bereich des Enddarms:

Viele Betroffene versuchen, Beschwerden in dieser intimen Körperregion aus Scham zunächst mit Salben, Cremes und Hausmitteln selbst zu behandeln, bevor sie einen Arzt aufsuchen. Dabei ist eine Analfissur keine seltene Erkrankung: Etwa jeder zehnte Patient, der in eine proktologische Sprechstunde kommt, hat einen Afterriss. Kinder können ebenso betroffen sein wie Erwachsene.

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Typische Symptome

Bei einer Analfissur treten typische Symptome auf:

Bei einer chronischen Analfissur bildet sich eine auffällige Hautverdickung im betroffenen Bereich, die Mediziner als Vorpostenfalte bezeichnen.

Ursachen einer Analfissur

Eine Analfissur kann verschiedene Ursachen haben. Zu harter Stuhl – etwa durch eine ballaststoffarme Ernährung – und zu festes Pressen beim Stuhlgang können die Schleimhaut einreißen lassen. Auch durch Analverkehr oder Gegenstände im After kann eine Analfissur entstehen.

Viele Menschen mit einer Analfissur leiden unter einer chronischen, also dauerhaft bestehenden oder wiederkehrenden Verstopfung (Obstipation). Diese geht meist mit sehr hartem Stuhl und starkem Pressen einher, sodass die Analschleimhaut beim Stuhlgang verletzt wird.

Besteht eine chronisch erhöhte Muskelspannung des Schließmuskels (Sphinktertonus), kann die verletzte Schleimhaut im Analbereich schlechter abheilen. Die starken Schmerzen beim Stuhlgang und danach sorgen wiederum dafür, dass der Schließmuskel sich noch mehr verspannt.

So entsteht ein Schmerzkreislauf, der die Wundheilung verzögert und in eine chronische Analfissur münden kann. Weitere mögliche Ursachen für Schäden an der Analschleimhaut sind Hämorrhoiden oder langanhaltender Durchfall.

Eine Wunde im Analbereich infiziert sich zudem leicht mit Keimen aus der Darmflora, was wiederum Wundheilungsstörungen begünstigt.

Manchmal sind Analrisse auch die Folge von anderen Erkrankungen (sekundäre Analfissur), zum Beispiel:

Therapie: Behandlung mit Salben oder OP

Akute Analfissur: Salben als Kern der Behandlung

Bei einer Analfissur ist eine konsequente Therapie wichtig, damit Schmerzen abklingen und die Wunde abheilen kann. Zur Behandlung einer Analfissur gibt es von der Salbe bis zur Operation verschiedene Möglichkeiten, die sich teilweise auch kombinieren lassen:

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Ein akuter Afterriss lässt sich meist mit speziellen Salben oder Zäpfchen behandeln, die den Sphinktertonus reduzieren.

Chronische Analfissur: Ab wann eine Operation nötig ist

Halten die Beschwerden durch die Risse im Analbereich trotz Therapie länger als einige Wochen an oder kommt es zu Rückfällen, handelt es sich um eine chronische Analfissur. Dann hat sich der Schmerzkreislauf bereits soweit aufgebaut, dass die Wunde nicht mehr von selbst verheilt. Um mögliche Komplikationen zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern, rät der Arzt bei einer chronischen Analfissur in der Regel zu einer operativen Therapie.

Lange Zeit schnitten Ärzte zur Behandlung einer chronischen Analfissur den inneren Schließmuskel ein, um die Muskelspannung auf Dauer zu reduzieren (laterale Sphinkterotomie) oder sie dehnten den Schließmuskel unter Narkose. Beide Verfahren kommen wegen möglicher Komplikationen nur noch vereinzelt zum Einsatz.

Heutzutage behandeln Ärzte eine chronische Analfissur in einer OP unter Kurznarkose in der sogenannten Fissurektomie. Dabei entfernt er das gesamte narbig veränderte Gewebe um die Analfissur herum, ohne jedoch den Schließmuskel zu verletzen. Nur wenn als Komplikation bereits eine Analfistel entstanden ist, spaltet der Arzt oberflächliche Anteile des Schließmuskels auf.

Die Operation wird bei jüngeren Patienten in der Regel ambulant durchgeführt. Bei älteren Menschen erfolgt die operative Entfernung der Analfissur im Rahmen einer kurzen stationären Therapie. Sitzbäder und (nach Absprache mit dem Arzt) milde Abführmittel können in der Nachbehandlung die Wundheilung unterstützen.

Einst brachte die Operation bei einem Afterriss immer die Gefahr einer Stuhlinkontinenz mit sich. Mittlerweile gibt es neuere Behandlungskonzepte zur konservativen (nicht-operativen) Therapie der chronischen Analfissur. Dazu gehören die Injektion von Botulinumtoxin ("Botox") in den Schließmuskel oder die Anwendung von durchblutungsfördernden Salben (Nitrate).

Diagnose

Bei einer Analfissur stellt der Arzt – zum Beispiel ein Proktologe (Facharzt für Erkrankungen des Enddarms) – die Diagnose nach einer kurzen körperlichen Untersuchung. Dabei betrachtet er den äußeren Analbereich. Weitere diagnostische Maßnahmen sind meist nicht notwendig.

Wie im gesamten Unterleib befinden sich auch im Analbereich ausgesprochen sensible Nerven. Daher ist die Wundregion bei einer Analfissur sehr empfindlich.

Tastet der Arzt im Rahmen der Diagnose die innere Schleimhaut des Enddarms mit dem Finger ab (sog. digital-rektale Untersuchung, DRU), betäubt er deshalb zunächst den Analbereich, damit die Untersuchung für den Betroffenen nicht zu schmerzhaft ist. Eine Spiegelung des Enddarms (Proktoskopie) erfolgt, sofern eine Analfissur vorliegt, nur unter Narkose.

Wenn die Analfissur sehr auffällig aussieht oder nach mehreren Wochen Behandlung noch nicht abgeheilt ist, nimmt der Arzt gegebenenfalls eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) Diese wird dann im Labor auf Veränderungen der Zellen untersucht (histologische Untersuchung).

Verlauf: Komplikationen und Nachsorge

Wenn eine Analfissur ordentlich behandelt wird, gibt es in den allermeisten Fällen einen guten Verlauf. Die Symptome heilen ab und hinterlassen keine Spuren.

Komplikationen

Komplikationen sind dennoch möglich, denn eine chronische Analfissur ist eine offene Wunde, in die fortwährend Keime aus dem Darm gelangen.

Ohne Therapie heilt die Schleimhaut nur schwer ab und kann sich chronisch entzünden. Als Folge bilden sich bei manchen Betroffenen Analfisteln. Dabei entsteht vom Grund der Wunde ausgehend ein Kanal, der den inneren Schließmuskel durchbohrt. Die Entzündung kann sich dadurch in das umliegende Gewebe ausbreiten.

Ein Analabszess gehört bei einer Analfissur oder einer Analfistel ebenfalls zu den möglichen Komplikationen. Ein Abszess ist eine eitrige Entzündung, die sich als eine Art Blase im Gewebe abkapselt. Der Analabszess erzeugt eine gerötete, prall elastische Schwellung, die zu heftigen Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost führen kann. In diesem Fall ist eine sofortige operative Behandlung notwendig.

Nachsorge

Inwieweit eine Analfissur eine Nachsorge erfordert, richtet sich nach der Stärke der Beschwerden und der gewählten Behandlungsmethode. Eine akute Analfissur heilt in den meisten Fällen von selbst oder unterstützt durch Salben und Zäpfchen nach einigen Wochen ab.

Wurde die Analfissur operiert, gelten bei der Nachsorge die Prinzipien einer offenen Wundbehandlung. Sitzbäder und Salbenverbände unterstützen die Wundheilung, die in der Regel mehrere Wochen dauert.

Um den Stuhl weich zu halten sowie Schmerzen und einen erneuten Krankheitskreislauf zu vermeiden, ist es wichtig, auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung zu achten und dabei viel zu trinken. Abführmittel sollten Sie nicht oder nur nach Absprache mit dem Arzt einnehmen.

Nach dem Stuhlgang empfiehlt es sich, den After schonend auszuduschen, da ein Abwischen die Wunde reizen würde.

Vorbeugen: Wie Sie eine Analfissur vermeiden

Um einer Analfissur vorzubeugen, ist es wichtig, sich ballaststoffreich und ausgewogen zu ernähren. Dies fördert einen weichen Stuhl und gilt vor allem für Personen, die zu chronischer Verstopfung neigen. Zusätzlich ist es wichtig, mindestens zwei Liter am Tag zu trinken. Achten Sie auch auf ausreichend Bewegung im Alltag, um die Darmtätigkeit zu unterstützen.

Analsex sollte vorsichtig und schonend unter Verwendung von Gleitmitteln erfolgen.

Weitere Informationen

Onmeda.Lesetipps:

Was bei Hämorrhoiden am schnellsten hilft
Wie man bei einem Abszess am After reagieren sollte

Linktipps:

www.coloproktologen.de
Website des Berufsverbands der Coloproktologen, u.a. mit einer Suchmaschine für Praxen, die sich auf Enddarmerkrankungen spezialisiert haben

Quellen:

Online-Informationen des Berufsverbands der Coloproktologen: www.coloproktologen.de. (Abrufdatum: 24.11.2017)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.psychrembel.de (Abrufdatum: 21.11.2017)

Hirner, A., Weise, K.: Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2008

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Analfissur. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/061 (Stand: Juli 2008)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie: Hämorrhoidalleiden. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 081/007 (Stand: Juli 2008)

Kirsch, J.: Analfissur. Wien Med Wochenschr Vol. 154/3-4: pp. 69-72, Online-Publikation (Mai 2004)

Aktualisiert am: 24. November 2017

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