Anämie (Blutarmut), Eisenmangelanämie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Blasse Haut, Konzentrationsprobleme, Schwindel: Eine Anämie kann sich in vielerlei Symptomen äußern. Die häufigste Ursache ist ein Mangel an bestimmten Nährstoffen wie Eisen oder Folsäure. Doch auch größere Blutverluste und Erkrankungen wie Infekte und Nierenschäden können eine Anämie hervorrufen. Wie wird diese behandelt? Und wie kann man ihr vorbeugen?

Was ist Anämie (Blutarmut)?
Als Anämie bezeichnet man einen Mangel an rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) und/oder roten Blutkörperchen (Erythrozyten).

Blut besteht etwa zur Hälfte aus Blutplasma (einer Flüssigkeit) und zur anderen Hälfte aus Zellen. Einen Großteil dieser Zellen machen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) aus: Sie transportieren Sauerstoff aus der Lunge zu Organen und Geweben. Gebunden ist der Sauerstoff dabei an Hämoglobin, den "roten Blutfarbstoff".

Da es Menschen mit Anämie an Erythrozyten und/oder Hämoglobin fehlt, wird ihr Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Folge sind verschiedene Beschwerden. Dazu zählen

Anämie ist ein sehr häufiges Symptom verschiedenster Grunderkrankungen. Dabei ist die Eisenmangelanämie mit 80 Prozent aller Anämien die häufigste Form.

Vor allem Frauen sind betroffen. Über die Menstruation verlieren sie immer wieder Blut – etwa 60 Milliliter pro Monat. Dabei geht auch Eisen verloren, das in den Erythrozyten gebunden ist. In Europa betrifft die Eisenmangelanämie etwa 1 von 10 Frauen im gebärfähigen Alter, in Entwicklungsländern sogar 5 von 10.

Anämie (Blutarmut): Ursachen

Eine Anämie entsteht, wenn:

  1. der Körper viel Blut verliert,
  2. nicht genügend Erythrozyten bilden kann,
  3. diese zerstört oder frühzeitig abgebaut werden oder
  4. diese nicht gleichmäßig im Körper verteilt sind.

1. Anämie durch Blutverlust

Bei Blutungen gehen naturgemäß auch Erythrozyten verloren. Sowohl plötzliche, als auch anhaltende Blutungen können zu einer Anämie führen:

2. Anämie durch gestörte Erythrozytenbildung

Rote Blutkörperchen leben nur etwa 120 Tage, danach baut der Körper sie ab. Das Knochenmark produziert jedoch laufend neue Blutkörperchen: 160 Millionen pro Minute. Bei der Anämie ist dieser Prozess gestört. Es gibt viele verschiedene Formen der Anämie:

Eisenmangelanämie

Die Eisenmangelanämie ist die häufigste Form der Blutarmut: Bei etwa 80 von 100 Menschen mit Anämie ist Eisenmangel die Ursache. Ein solcher Mangel kann entstehen, wenn

In tropischen und subtropischen Ländern wie Indonesien oder dem Nahen Osten treten Eisenmangelanämien ferner als Folge von Infektionen mit dem Hakenwurm auf. Dieser Parasit heftet sich an die Darmwand und saugt dort Blut, etwa 20 bis 30 Mikroliter pro Tag. In Deutschland ist der Wurm aber nicht heimisch.

3. Hämolytische Anämie

Wenn der Körper mehr Blutkörperchen abbaut als bildet, ist die Folge eine sogenannte hämolytische Anämie (griech. haíma = Blut, lýsis = Auflösung). Zur Zerstörung roter Blutkörperchen kommt es etwa aufgrund:

4. Anämie durch gestörte Erythrozytenverteilung

Eine Anämie kann ihre Ursachen auch darin haben, dass die roten Blutkörperchen nicht gleichmäßig im Körper verteilt sind.

Dazu kann es kommen, wenn die Milz krankhaft vergrößert ist, wie es etwa beim sogenannten Hyperspleniesyndrom der Fall ist. Die Milz hat unter anderem die Aufgabe, alte Erythrozyten abzubauen. Dazu filtert sie das gesamte Blut und hält alte oder fehlgeformte Erythrozyten zurück. Ist die Milz zu groß, sammelt sie mehr Erythrozyten in sich und baut zu viele von ihnen ab.

Anämie (Blutarmut): Symptome

Blutarmut äußert sich in der Regel in:

Bei stark ausgeprägter Anämie, versucht der Körper den Sauerstoffmangel auszugleichen, in dem er das Blut schneller durch die Gefäße pumpt – der Puls steigt und man empfindet Herzrasen. Im schlimmsten Fall droht eine Ohnmacht.

Symptome bei Eisenmangel

Die häufigste Form der Anämie, der Eisenmangelanämie, verursacht zudem häufig:

Je nach Grunderkrankung, die die Anämie verursacht, können weitere Symptome dazu kommen.

Anämie (Blutarmut): Wie stellt der Arzt sie fest?

Um festzustellen, ob der Patient eine Anämie hat, schaut der Arzt ihn sich zunächst aufmerksam an: Eine blasse Haut und schlecht durchblutete Schleimhäute deuten häufig auf eine Anämie hin.

Zudem wird der Arzt dem Patienten eine Reihe von Fragen stellen, zum Beispiel:

Um eine Diagnose zu stellen, muss der Arzt zunächst ein Blutbild erstellen. Dazu nimmt er dem Patienten Blut ab und ermittelt

Blutwerte bei Anämie

Frauen Männer
Hämoglobin
(Blutfarbstoff)
weniger als 12 Gramm pro Deziliter weniger als 13 Gramm pro Deziliter
Erythrozyten
(rote Blutkörperchen)
weniger als 4,1 Millionen pro Mikroliter Blut weniger als 4,6 Millionen pro Mikroliter Blut
Hämatokrit
(feste Blutbestandteile)
Blut besteht zu weniger als 38 Prozent aus Hämatokrit Blut besteht zu weniger als 42 Prozent aus Hämatokrit

Wenn der Arzt den Verdacht hat, dass eine Erkrankung der Nieren, der Milz oder des Knochenmarks die Ursache der Anämie sind, wird er diese Organe ebenfalls untersuchen.

Blutuntersuchung bei Eisenmangel

Die häufigste Form der Anämie ist die Eisenmangelanämie. Um diese festzustellen, sind vor allem folgende Laborwerte entscheidend:

Anhand der Laborwerte kann der Arzt nicht nur erkennen, ob es dem Patienten an Eisen fehlt, sondern auch welche Form des Eisenmangels besteht. Bekannt sind drei verschiedene Formen des Eisenmangels:

  1. Speichereisenmangel: Der Eisengehalt im Knochenmark und bestimmte Speicherformen des Eisens (sog. Serum-Ferritin-Wert) sind erniedrigt. Der Mangel wirkt sich aber noch nicht auf die Körperfunktionen aus. (Laborwerte: Ferritin vermindert, Hb, MCV und MCH normal)
  2. Eisenmangel mit vermindertem Gesamtkörpereisen: Die Eisenspeicher reichen nicht aus, um ausreichende Mengen roter Blutkörperchen zu bilden (Laborwerte: Hb, Ferritin vermindert, sTfR erhöht)
  3. Eisenmangel mit normalem oder erhöhtem Gesamtkörpereisen: Die Eisenspeicher sind gefüllt, stehen jedoch aufgrund einer Erkrankung nicht für die Bildung neuer roter Blutkörperchen zur Verfügung. (Laborwerte: Hb erniedrigt, Ferritin normal oder erhöht, sTfR nicht erhöht, CRP erhöht)

Stellt der Arzt eine Anämie fest, wird er anschließend nach deren Ursache suchen. Dazu können weitere Untersuchungen erforderlich sein, zum Beispiel:

Anämie (Blutarmut): So wird sie behandelt

Die Therapie der Anämie hängt von der Ursache ab. In den meisten Fällen ist die Ursache ein Eisenmangel. Dieser wird wiederum meist durch Blutungen hervorgerufen. Deshalb wird der Arzt zunächst nach möglichen Blutungsquellen (z. B. ein Magengeschwür) suchen und versuchen, diese zu beseitigen.

Mangelt es dem Patienten an Eisen, weil er sich einseitig ernährt hat, sollte er seinen Speiseplan auf seinen Eisenbedarf abstimmen.

Fleisch, Fisch und Getreide, aber auch grüne Gemüsesorten und Pilze enthalten viel Eisen. Vitamin C hilft dem Körper, Eisen aufzunehmen.

Reicht eine Umstellung der Ernährung nicht aus, kann es sinnvoll sein, dass der Patient Eisenpräparate (Eisen(II)-sulfat, 2 bis 6 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag) zu sich nimmt. Er sollte die Präparate nüchtern und nicht zusammen mit Milch, Tee oder Kaffee einnehmen.

Die Therapie dauert in der Regel drei bis sechs Monate – nach dieser Zeit sind die Eisenspeicher des Körpers wieder gefüllt. Bei starker Eisenmangelanämie kann eine intravenöse Gabe des Eisens sinnvoll sein, bei der das Eisen über eine Vene verabreicht wird.

Hinweis: Nehmen Sie keine Eisenpräparate ein, solange die Ursache der Anämie nicht geklärt ist. Liegt kein Eisenmangel zugrunde, kann der Körper bei einer Eisensubstitution mit Eisen überladen werden: Organschäden und Hautverfärbungen sind die Folge. Bewahren Sie eisenhaltige Mittel daher auch vor Kindern geschützt auf – durch zufälliges Verschlucken von Eisentabletten können sich Kindern vergiften.

Auch andere Erkrankungen, die zu einer Anämie führen, lassen sich behandeln:

Generell gilt für die Therapie der Anämie: Keine Behandlung in Eigenregie. Ein Arzt sollte vor Beginn der Therapie immer genau klären, welche Ursache die Anämie hat und die richtige Strategie auswählen.

Anämie (Blutarmut): Verlauf

Der Verlauf der Anämie hängt von der Ursache ab. Die häufigste Form, die Eisenmangelanämie, lässt sich im Allgemeinen gut behandeln. Ohne Behandlung kann es im Laufe der Jahre zu einer Reihe von Komplikationen kommen:

Anämie (Blutarmut): Vorbeugen

Nicht jede Anämie lässt sich verhindern. Doch eine gesunde und ausgewogene Ernährung hilft, bestimmten Mangelanämien vorzubeugen. Wichtig ist, dass man täglich ausreichend Eisen, Folsäure und Vitamin B12 zu sich nimmt.

Für bestimmte Risikogruppen (Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 2500 Gramm, Schwangere) kann es zudem sinnvoll sein, Eisenpräparate vorsorglich einzunehmen. Zuvor sollten sie sich dazu jedoch den Rat ihres Arztes einholen.

Weitere Informationen


Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Starke Regelblutung. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 5.4.2017)

Baenkler, H.-W., Goldschmidt, H., Hahn, J.-M., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015

Hof, H., Dörries, R.: Duale Reihe. Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie: Eisenmangelanämie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 025/021 (Stand: 13.2.2016)

Greten, H., et al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010

Aktualisiert am: 29. September 2017

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