Können Impfungen Autismus auslösen?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

Banana Stock/Family Health
Anzeige

Eine Impfung als Auslöser für Autismus. Auch wenn dieser Zusammenhang seltsam klingt, so hält sich der medizinische Mythos vom Autismus durch Impfen gerade in Zeiten des Internets und sozialer Netzwerke besonders hartnäckig. Er geht auf eine Studie des britischen Arztes Andrew Wakefield zurück, an der Kinder teilnahmen, die gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft wurden. Wakefield hatte seine Ergebnisse im Februar 1998 in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht. Er konnte im Rahmen seiner Veröffentlichung belegen, dass kurze Zeit nach einer kombinierten Schutzimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) bei zwei Dritteln der Geimpften Autismus festgestellt wurde. Stimmt es also tatsächlich, dass eine MMR-Impfung Autismus auslösen kann?

Die klare Antwortet lautet: Nein. So ergaben Recherchen des britischen Reporters Brian Deer von der Sunday Times, dass Wakefield von Eltern autistischer Kindern engagiert wurde, um Daten für eine Klage gegen Impfhersteller zu sammeln. Der britische Arzt hatte zudem im Rahmen der Studie bewusst Daten gefälscht oder falsch interpretiert. Außerdem lag die Teilnehmerzahl der Studie bei nur 12 Kindern, was keine vernünftige, medizinische Aussage zulässt. Bestätigt werden die Recherchen des britischen Journalisten durch die aktuellen Ergebnisse einer zweijährigen Untersuchung des General Medical Councils, der Ständeorganisation der britischen Ärzte. Sie kommt zu dem Schluss, dass Wakefield im Rahmen der Studie verantwortungslos, betrügerisch und unlauter gehandelt habe. Auch das angesehene Expertennetzwerk Cochrane Collaboration widerlegt die Studienergebnisse des britischen Arztes nach Analyse von insgesamt 31 Studien zu MMR-Impfungen. Ihr Urteil: Es besteht kein Zusammenhang zwischen einer MMR-Impfung und dem Auftreten von Autismus.

Eine Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) empfiehlt sich daher nach wie vor. Der MMR-Impfstoff besteht aus lebenden, aber abgeschwächten Masern-, Mumps- und Röteln-Viren. Sie können keine entsprechende Erkrankung verursachen, lösen aber im Körper eine Abwehrreaktion aus. Die MMR-Impfung spielt die Infektion sozusagen im Kleinen durch. Der Körper wappnet sich so gegen eine Infektion mit echten Viren: Denn das Immunsystem reagiert nun deutlich schneller und wirkungsvoller als das bei einem Erstkontakt mit den Viren der Fall wäre. Die Erkrankung, zum Beispiel eine Masern-Infektion, kommt dadurch gar nicht oder nur stark abgeschwächt zum Ausbruch.

Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, reicht bereits eine zweimalige Impfung im frühen Kindesalter aus, um jahrzehntelangen Schutz vor einer Infektion durch die Erreger von Masern, Mumps oder Röteln zu gewährleisten. Andere Impfstoffarten, die sich zum Beispiel gegen Tetanus, Polio, Diphterie oder Pertussis richten, werden deutlich häufiger geimpft, um einen sicheren Impfschutz zu gewährleisten. So oder so gilt: Empfohlene Impfungen schützen sowohl die eigene Gesundheit, als auch die Gesundheit nichtgeimpfter Menschen. Der regelmäßige Blick in den eigenen Impfpass ist also in jedem Fall sinnvoll.

Thomas Kresser (ehem. Chefredakteur)
Anzeige