Freundschaften & gemeinsames Spielen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Etwa mit Eintritt in den Kindergarten haben Kinder ein Alter erreicht, in dem sich erste Freundschaften zu festigen beginnen. Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung: Die Freundinnen und Freunde spielen nun nicht mehr einfach nur nebeneinander, sondern zunehmend auch und vor allem miteinander.

Sie handeln Spielsachen aus, lernen die Vor- und Nachteile des Kompromisseschließens kennen und geraten alle Tage so schnell in Streit, wie sie sich wieder vertragen.

Die Bedeutung dieses Entwicklungsschritts liegt in der Erfahrung des Kindes, dass es auch außerhalb der Familie tiefe und verlässliche Bindungen geben kann. Nicht von ungefähr gilt die so genannte Sandkastenfreundschaft als unverbrüchlich.

Vielleicht hat Ihr Kind auch schon den Wunsch geäußert, einmal bei einem Freund zu übernachten. Auch diese Erfahrung bedeutet einen enormen Schritt in der Autonomieentwicklung Ihres Kindes – und für Sie, da Sie Ihr Kind über Nacht jemand Anderem anvertrauen müssen. Für die betreuenden Eltern arten diese Nächte nicht selten zu einem echten Liebesdienst am Kind aus – denn natürlich denken die Kleinen nicht daran, einzuschlafen. Doch tun beide Elternparteien gut daran, diese Art Wünsche Ihrer Kinder nach mehr Selbstständigkeit häufig zu unterstützen.

Alleine spielen

Die meisten Kinder spielen auch einmal ganz allein vor sich hin. Dabei versenken sie sich regelrecht in ihre Spielwelt, tauchen plötzlich wieder auf, melden sich kurz beim betreuenden Erwachsenen und suchen sich eine neue Beschäftigung. Manche Kinder verlangen dagegen immerzu nach einem Erwachsenen, der ihnen seine ganze Aufmerksamkeit schenkt. Das ist sehr anstrengend und führt außerdem dazu, dass die Hausarbeit und andere Pflichten oft unerfüllt bleiben, was weiteren Stress produziert.

Mitunter ist es schwer zu sagen, woran es liegt, dass die einen Kinder problemlos auch einmal alleine spielen und andere überhaupt nicht dazu in der Lage zu sein scheinen. Sicherlich gibt es Unterschiede in Charakter und Temperament der Kinder, die sich gegen Ende des zweiten Lebensjahrs immer deutlicher zeigen. Wenn ein Kind jedoch nie sich auch einmal alleine beschäftigen kann, liegt es gelegentlich am Spielverhalten der Eltern:

Meins & deins!

Eltern ist es oft ausgesprochen peinlich, wenn ihr Kind etwa ein Spielzeug nicht mit anderen Kindern teilen möchte. Sie ermahnen, schimpfen oder drohen, und rückt der Nachwuchs das begehrte Objekt nicht heraus, wird es ihm mitunter aus der Hand gerissen, um es dem anderen Kind zu geben. Gewissermaßen als Strafe für unsoziales Verhalten. Das beraubte Kind versteht unterdessen die Welt nicht mehr – und weint bitterlich.

Teilen zu können ist eine wichtige und wertvolle soziale Eigenschaft. Sie ist allerdings nicht angeboren und muss erlernt werden.

Bevor Kinder teilen können, müssen sie eine Reihe wichtiger Entwicklungsschritte absolviert haben:

Kleine Kinder sind egozentrisch, das heißt, in erster Linie mit der eigenen Befindlichkeit befasst. Was man ihnen gibt, müssen sie festhalten, denn: Wer weiß, wann sie das nächste Mal wieder etwas bekommen. Schließlich können und dürfen sie nicht einfach nehmen (oder kaufen), was sie möchten. Bis ein Kind auch einmal von sich absehen und die Bedürfnisse eines anderen erkennen kann, vergehen manche Jahre. Von Kleinkindern ist es meist noch zuviel verlangt, echtes Mitgefühl für andere Kinder aufzubringen – eine wichtige Voraussetzung für den Wunsch, jemand anderen in seinem Unglück des Nichtshabens trösten zu wollen.

Erst allmählich lernt ein Kind, was es bedeutet, ein soziales Wesen zu sein. Dafür muss es seine Umwelt beobachten und die Reaktionen anderer Menschen nach und nach in sich aufnehmen – bis es fühlen kann, dass es ein anderes Kind zu trösten vermag und dafür nicht nur eine besondere Akzeptanz erfährt, sondern auch selbst von der Bereitschaft anderer zu teilen profitiert. Ein komplexer Prozess.

Zwingen Sie Ihr Kind nicht zum Teilen. Aus seiner Sicht ist dies ein verletzender Übergriff. Um die Fähigkeit zu teilen nachhaltig im Verhaltensrepertoire Ihres Kinds zu verankern, muss es freiwillig und von positiven Erfahrungen des Gebens und Nehmens begleitet sein.

Erste Spielkameraden

Kinder spielen lange Zeit gerne in Gemeinsachaft anderer Kinder, allerdings eher miteinander als nebeneinander. Das ist ganz normal und bedeutet nicht, dass Ihr Kind keine Spielkameraden braucht. Im Gegenteil. Kinder jeden Alters lieben und brauchen die Gesellschaft anderer Kinder.

Sie nehmen nur scheinbar kaum Notiz voneinander. In Wahrheit sind sie sich gegenseitig Ideengeber und Nachahmer zugleich: Spielt das eine mit den Bauklötzchen, tut das andere es ihm bald nach. Möchte das eine etwas zu essen oder auf den Schoß, wird das andere nicht lange auf sich warten lassen. Sollten sich die Kinder auch in den Folgejahren regelmäßig sehen, wird jetzt der Grundstein für die ersten Freundschaften Ihres Kinds gelegt.

Tatsächliche Freundschaften bilden sich dann ab dem Kindergartenalter.

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