Die Geschichte der Schutzimpfung

Veröffentlicht von: Astrid Clasen

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Die Entdeckung der sogenannten Immunität (lat. immunitas = Freisein von) war einer der entscheidenden Fortschritte der Medizin. Sie war verbunden mit der Einführung der Impfprophylaxe gegen die gefürchtete und verbreitete Pockenkrankheit im 18. Jahrhundert. Zwar war die Abschwächung der Pockenerkrankung durch die Methode der Impfung mit echten Pocken im Orient und in Westafrika bereits bekannt, jedoch kam es Berichten zufolge nach solchen Impfungen immer wieder zu heftigen Krankheitsausbrüchen.

Der englische Landarzt Edward Jenner (1749-1823) entwickelte Ende des 18. Jahrhunderts eine weniger gefährliche Impfmethode. Er hatte beobachtet, dass Landarbeiter, die sich bereits mit den harmlosen Kuhpocken infiziert hatten, von den gefährlichen, meist tödlich verlaufenden Menschenpocken häufig verschont blieben. Er schlussfolgerte daraus, dass Menschen durch eine gezielte Infektion mit Kuhpocken in Form einer Impfung (Vakzination) vor der Erkrankung geschützt werden könnten. 1796 führte Jenner die erste Impfung dieser Art durch und begründete damit die Methode der sogenannten aktiven Immunisierung, bei welcher der Körper zur eigenständigen Bildung spezifischer Abwehrstoffe angeregt wird.

Der französische Chemiker Louis Pasteur (1822-1895) beschäftigte sich auf der Grundlage der von Jenner entwickelten Impfmethode mit der Verhütung von Infektionskrankheiten. 1880 gelang es ihm erstmalig, einen Impfstoff gegen Cholera bei Hühnern herzustellen. Pasteurs Schüler Emile Roux (1853-1933) konnte durch Blutuntersuchungen das aktive Prinzip dieser Immunabwehr nachweisen. Bereits ein Jahr später folgte die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs gegen Milzbrand. 1884 heilte Pasteur zum ersten Mal einen Patienten, der sich mit dem Erreger der Tollwut infiziert hatte, durch eine erfolgreiche Impfung.

Der Arzt und Naturforscher Emil von Behring (1854-1917) führte 1890 gemeinsam mit Shibasaburo Kitasato (1852-1931) Immunisierungsversuche durch, bei denen Blut von mit Bakterien infizierten Tieren auf gesunde Tiere übertragen wurde. Die so geimpften Tiere entwickelten Resistenzen gegen die bakteriellen Giftstoffe (Toxine). Behring schloss daraus, dass der Körper bei einer Infektion als Abwehrmechanismus sogenannte Antitoxine, also gegen die Toxine gerichtete Stoffe, bildet. Auf Grundlage dieser Entdeckung versuchte er, ein Blutserum gegen die Krankheit Diphtherie zu entwickeln, was ihm in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts gelang. Die sogenannte passive Immunisierung wurde so möglich. Bei ihr wird die spezifische Abwehrfähigkeit eines anderen (menschlichen oder tierischen) Organismus auf den Körper übertragen, ohne dass dieser selbst spezifische Abwehrstoffe bildet.

Die Entdeckung der vom Körper selbst im Rahmen der biologischen Immunabwehr gebildeten Antitoxine führte zur Entwicklung der antibakteriellen Therapie. Der deutsche Arzt und Biologe Paul Ehrlich (1854-1915) verfolgte die Idee, über die Aufklärung der Struktur der biologischen Antitoxine chemische Heilstoffe mit antibakterieller Wirkung herzustellen. 1910 brachte er mit dem arsenhaltigen Präparat Salvarsan gegen den Erreger der Syphilis das erste so genannte Chemotherapeutikum auf den Markt. Dies war der Ausgangspunkt für die Entwicklung der Antibiotika.

Moderne Forschungsmethoden des 20. Jahrhunderts – wie die sogenannte Elektrophorese, bei der Substanzgemische in einem elektrischen Stromfeld zur weiteren Analyse getrennt werden – ermöglichten zum Beispiel über die Identifizierung der Antikörper die weitere Aufklärung der Struktur des Immunsystems.

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