Organspendeausweis: Die wichtigsten Antworten

Veröffentlicht von: Wiebke Raue

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Organspendeausweis – ja oder nein? Viele Menschen reagieren auf dieses Thema zögerlich. Ein möglicher Grund: Unsicherheit. Doch das muss nicht sein, denn es gelten klare Richtlinien für den Organspendeausweis.

Über 10.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan, die meisten von ihnen benötigen eine Niere. Befragungen zufolge wären etwa 70 Prozent der Bundesbürger nach ihrem Tod zu einer Spende bereit – allerdings besitzt nur etwa jeder dritte Bürger auch einen Organspendeausweis.

Im Organspendeausweis können Sie festhalten, ob Sie im Todesfall Ihre Organe / Gewebe für eine Transplantation zur Verfügung stellen würden – oder ob Sie das ausdrücklich nicht möchten. Sie allein bestimmen, welche Organe / Gewebe Sie nach Ihrem Tod spenden möchten. Diese Entscheidung können Sie jederzeit widerrufen.

1. Warum ein Organspendeausweis?

Ein Organspendeausweis ist aus mehreren Gründen sinnvoll. Egal, welche Entscheidung Sie im Ausweis festhalten: Sie sorgen in jedem Fall für geregelte Verhältnisse. In Deutschland wird man erst dann zu einem Organspender, wenn man diesen Wunsch ausdrücklich schriftlich oder mündlich äußert. Gerade deswegen kann es besonders wichtig sein, dass Ihre Angehörigen Ihre Meinung kennen. Wenn Sie keinen Organspendeausweis besitzen, werden Ihre nächsten Verwandten befragt und diese müssen entscheiden, ob Sie eine Spende gewollt hätten. Mit dem Organspendeausweis können Sie sich absichern und Ihre Wünsche eindeutig festhalten.

Im Organspendeausweis können Sie nicht nur festlegen, ob Sie zur Organspende bereit sind. Es ist beispielsweise auch möglich, bestimmte Organe / Gewebe auszuschließen oder nur einzelne Organe zur Spende freizugeben. Oder Sie überlassen die Entscheidung einer Vertrauensperson – auch das können Sie im Organspendeausweis festhalten.

Mit einem Organspendeausweis können Sie im Fall der Fälle Leben retten – tausende Menschen warten täglich auf das für sie notwendige Spenderorgan.

Übrigens: Es macht keinen Sinn, die Wünsche zur Organspende in einem Testament festzuhalten – denn ein Testament wird in der Regel erst dann verlesen, wenn die Person längst verstorben ist, sodass es für eine Organentnahme zu spät wäre.

2. Wie ist der Organspendeausweis aufgebaut?

Vorderseite des Organspendeausweises
Rückseite des Organspendeausweises

Der Organspendeausweis ist besonders handlich, sodass Sie ihn überall mit hinnehmen können. Er hat in etwa das Format einer Visitenkarte und passt damit perfekt in ein Portemonnaie.

Den Organspendeausweis können Sie ganz einfach selbst ausfüllen. Auf der Vorderseite des Ausweises machen Sie Angaben zu

Auf der Rückseite des Organspendeausweises legen Sie durch Ankreuzen fest, was im Notfall mit Ihren Organen / Geweben passieren darf. Zudem gibt es Textfelder, in welche Sie beispielsweise eintragen können, welche Organe Sie von der Spende ausschließen möchten oder welche Person im Notfall über eine Spende entscheiden soll. So können Sie entweder:

Wichtig ist, dass Sie nur eine der fünf Möglichkeiten ankreuzen – nur so können Sie Missverständnisse vermeiden.

3. Gibt es Voraussetzungen für eine Organspende?

Grundsätzlich kommt jeder für eine Organspende infrage – anders als bei der Knochenmarkspende gibt es keine Altersgrenze. Auch im hohen Alter ist es also sinnvoll, einen Organspendeausweis bei sich zu tragen! Erst im Todesfall wird anhand einer Untersuchung beurteilt, ob die jeweiligen Organe für eine Spende geeignet sind oder nicht. Bei bestimmten Erkrankungen ist die Organspende nicht möglich, etwa bei einigen Infektionskrankheiten. Daher kann es Sinn machen, wenn Sie auf der Rückseite im Feld "Platz für Anmerkungen / Besondere Hinweise" notieren, ob Sie an einer chronischen Erkrankung leiden.  

Schon Minderjährige ab dem 16. Lebensjahr können – auch ohne Einwilligung ihrer Eltern – bereits einen Organspendeausweis ausfüllen. Ab dem 14. Lebensjahr ist es zudem möglich, der Organspende durch einen entsprechenden Eintrag im Organspendeausweis zu widersprechen.

4. Was kann gespendet werden?

Nach Ihrem Tod können Sie verschiedene Organe und Gewebe spenden. Hierzu zählen:

5. Kann ich entscheiden, wer meine Organe nach dem Tod bekommt?

Wer der Empfänger Ihrer Organe beziehungsweise Gewebe sein wird, können Sie nicht festlegen – genauso wenig können Sie Personen als Empfänger ausschließen. Die Entscheidung, wer als Empfänger infrage kommt, wird ausschließlich unter medizinischen Gesichtspunkten getroffen. So spielt es beispielsweise eine Rolle, wie dringend eine Person ein Organ benötigt und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Transplantation erfolgreich sein wird. Auf Wunsch teilt das jeweilige Transplantationszentrum den Angehörigen mit, ob die Transplantation geglückt ist – alle anderen Daten bleiben anonym.

6. Wo bekomme ich den Organspendeausweis?

Einen kostenlosen Organspendeausweis erhalten Sie bei verschiedenen Organisationen, so etwa bei:

Zudem können Sie den Organspendeausweis auf den Seiten der BZgA bequem im Internet herunterladen und ausdrucken.

Der Organspendeausweis liegt zudem in vielen Einrichtungen aus – achten Sie einmal darauf! So finden Sie den Ausweis beispielsweise oft

Nachdem Sie den Organspendeausweis ausgefüllt haben, ist er direkt gültig – eine Anmeldung oder Ähnliches ist nicht erforderlich.

Alternativ können Sie Ihre Angaben auch ganz formlos festhalten, nämlich auf einem Blatt Papier, das mit Ihrer Unterschrift versehen ist. Auch dieses Dokument ist gültig!

7. Wo sollte man den Organspendeausweis aufbewahren?

Tragen Sie den Organspendeausweis am besten immer bei sich – zum Beispiel in Ihrem Portemonnaie bei Ihrem Personalausweis. So kann der Ausweis im Fall der Fälle schnell gefunden werden. Alternativ können Sie beispielsweise einer nahestehenden Person mitteilen, wo sich Ihr Organspendeausweis befindet, oder aber die Person bewahrt den Ausweis für Sie auf.

8. Kann ich meine Entscheidung rückgängig machen?

Sie haben jederzeit die Möglichkeit, Ihre Entscheidung rückgängig zu machen, wenn Sie Ihre Meinung ändern – es genügt, wenn Sie Ihren aktuellen Organspendeausweises zerreißen. Anschließend können Sie einfach Ihre Angaben in einem neuen Organspendeausweis festhalten. Zudem sollten Sie nahestehende Personen über die Änderungen informieren.

9. Ist der Organspendeausweis auch im Ausland gültig?

Der Organspendeausweis verliert auch im Ausland seine Gültigkeit nicht – egal, welche Regelungen im Reiseland gelten. Wenn Sie öfter im Ausland unterwegs ist, empfiehlt es sich, gegebenenfalls einen weiteren Ausweis in der jeweiligen Landessprache mit entsprechenden Übersetzungen mit sich zu führen (erhältlich bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). So können Sie sicher sein, dass Ihre Wünsche auch verstanden und berücksichtigt werden.

Achtung: Wenn Sie keinen Organspendeausweis auf Reisen dabei haben, kann es passieren, dass Sie unfreiweillig zum Spender werden – je nachdem, welche Bestimmungen im jeweiligen Land gelten.

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