Entwicklung Baby – 6. Monat

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen

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Im 6. Monat wollen die meisten Babys nicht mehr auf dem Rücken herumliegen. Sie versuchen, selbstständig ihre Umwelt zu erkunden oder protestieren lautstark, bis sie jemand auf den Schoß nimmt, von wo aus sie den besseren Überblick haben.

Im 6. Monat kündigen sich bei vielen Babys außerdem die ersten Zähne an. Fast immer sind es die mittleren Schneidezähne, die zuerst den Durchbruch schaffen.

Meist kündigt sich das Zahnen damit an, dass Ihr Baby deutlich mehr sabbert, die Faust in den Mund steckt oder ständig auf allem herumkaut, das es zu fassen kriegt – daher ist jetzt auch eine gute Zeit, um mit dem ersten Fingerfood und der Beikost zu beginnen. Da beim Zahnen die Kieferregion stärker durchblutet wird, röten sich nicht selten die Bäckchen. Der Kopf wird im Liegen besonders gut durchblutet, daher kann es sein, dass Ihr Säugling in dieser Zeit unruhig wird, sobald er liegt – die Nächte können nun besonders unruhig sein.

Ein großes Stück Brotrinde zum Kauen kann hier Linderung verschaffen. Außerdem kann man zahnenden Kindern elastische Kunststoffringe oder Veilchenwurzel aus der Apotheke anbieten.

Medikamente gegen Zahnungsbeschwerden sollten Sie Ihrem Kind nur geben, wenn es besonders starke Schmerzen oder anhaltendes Fieber hat. Besprechen Sie die Medikamentengabe immer vorher mit dem Kinderarzt.

Mitunter treten zeitgleich mit dem Zahnen Fieber und Durchfälle auf, wofür man lange Zeit das Zahnen verantwortlich machte. Dabei verhält es sich vermutlich eher umgekehrt: Zum einen verlieren viele Kinder mit einem halben Jahr durch Einführen der Beikost allmählich den Nestschutz der Muttermilch, sodass sich ihr Immunsystem zunehmend mit Infektionen aller Art auseinandersetzen muss. Da zahnende Babys alles, was sie in die Finger bekommen, in den Mund stecken und darauf herumkauen, ist das Risiko für eine Infektion nun außerdem höher.

Das kann Ihr Baby jetzt

Viele Babys plappern um den 6. Monat unentwegt. Sie versuchen jetzt, Geräusche und einzelne Silben nachzuahmen.

Zum Ende des sechsten Monats können sich die meisten Babys selbstständig vom Bauch auf den Rücken drehen, manche auch schon vom Rücken auf den Bauch. Einige Kinder können nun auch für einen kurzen Moment aufrecht sitzen, wenn sie hochgezogen oder hingesetzt werden. Vielleicht kann Ihr Baby sich auch schon selbst zum Sitzen hochziehen – gewöhnlich folgt dieser Schritt aber erst in den kommenden Wochen.

Aber Achtung: Wenn es zuviel wird, kippt das Baby einfach um, daher sollten Sie immer in der Nähe sein. Verhelfen Sie Ihrem Baby auch nicht zu oft zum Sitzen: Solange es sich nicht selbstständig aufsetzen kann, ist die Wirbelsäule noch nicht kräftig genug und sollte nicht überstrapaziert werden!

Einige Babys versuchen sich im 6. Monat an ersten Fortbewegungsversuchen – meist indem sie sich durch den Raum rollen oder vielleicht schon auf den Unterarmen vorwärtsziehen. Zwischendurch stützen sie sich aus der Bauchlage heraus auf die Hände auf und blicken sich aufmerksam um – den Kopf können Babys im 6. Monat sicher halten und frei bewegen.

Im Sitzen oder in der Rückenlage untersuchen Säuglinge Gegenstände jetzt vorwiegend mit den Augen (visuelles Erkunden). Im 6. Monat greifen sie Dinge nicht mehr mit beiden Händen gleichzeitig, sondern mit einer Hand und wechseln Gegenstände auch von einer in die andere Hand. Der Kopf kann jetzt auch gut aus der Rückenlage angehoben werden. Außerdem wird Ihr Baby nun die Knie durchdrücken, wenn sie es (bitte nur kurz) zum Stehen hochziehen.

Wenn Sie Ihr Kind an den Familienmahlzeiten teilnehmen lassen, können Sie jetzt beobachten, dass es Nahrungsmittel selbstständig in die Hand nimmt und zum Mund führt. Es kann nun eigenständig essen – wenn auch nicht mit Besteck und sicher noch ohne Tischmanieren. Fördern Sie das selbstständige Essen, indem Sie ihm viel babygerechtes Fingerfood anbieten.

Das nimmt Ihr Baby wahr

Im 6. Monat lernen Babys mit jedem Tag in sprachlicher Hinsicht hinzu: Während Worte und Sätze bisher ohne Inhalt waren, beginnt Ihr Kind jetzt nach und nach, die Bedeutung einzelner Wörter zu verstehen. So können einige Babys nun schon "Mama" oder "Papa" den entsprechenden Personen zuordnen und wissen, wer gemeint ist. Aber auch alltägliche Gegenstände können nun immer besser unterschieden werden.

So reagiert Ihr Baby

Im 6. Monat wachen viele Säuglinge häufiger auf oder schlafen nur schlecht ein. Das kann zum einen daran liegen, dass möglicherweise die ersten Zähne durchbrechen. Zu dieser Zeit entwickelt sich aber auch die erste Trennungsangst. Je selbstständiger Babys werden, desto mehr emfinden sie sich als Individuum. Das setzt eine Abnabelung von engen Bezugspersonen in Gang, die das Baby einerseits motiviert, die Welt immer weiter zu erkunden. Andererseits ist dieser Schritt für viele Säuglinge beängstigend, sodass sie zu klammern und zu fremdeln beginnen.

Ein Entwicklungsschub bringt Babys (und später auch Kleinkinder) immer einen riesigen Schritt voran – sorgt aber gleichzeitig dafür, dass sie in dieser Zeit ganz besonders auf die Nähe der Eltern angewiesen sind, um die neuen Erfahrungen, Erkenntnisse und Fähigkeiten verarbeiten zu können.

In dieser Zeit wird Ihr Baby außerdem immer stärker protestieren, wenn ihm seine Lage nicht mehr gefällt. Oder es wird versuchen, selbstständig die Position zu ändern – oder beides.

Jedes Kind entwickelt sich individuell. Die genannten Entwicklungsschritte können daher nur Anhaltspunkte sein. Wenn Ihr Baby von dieser Entwicklung abweicht, ist das kein Grund zur Besorgnis. Wenn Sie dennoch beunruhigt sind, besprechen Sie sich mit Ihrem Kinderarzt.

Tipps für den 6. Monat

Schon ab dem ersten Zahn steht Zähneputzen an! Am besten mit einer weichen Zahnbürste ohne Zahnpasta oder mit einem Fingerling, der wie ein Handschuh über einen Finger gestülpt wird.

Ob dem Kind bis zum zwölften Lebensjahr täglich eine Fluortablette verabreicht wird, um sein Gebiss vor Karies zu schützen, ist nach wie vor umstritten. Viele Fachleute halten eine ausgewogene Ernährung, mindestens zweimal täglich Zähneputzen sowie fluoridhaltige Zahncremes für ebenso wirksam.

Viele Zahnärzte empfehlen mittlerweile, dass Kinder nach dem Zähneputzen den Mund nicht ausspülen, sondern lediglich ausspucken (sobald sie das können). So kann das in der Zahnpasta enthaltene Fluorid seine Wirkung länger entfalten.

Wichtig ist vor allem, den Zuckerkonsum gering zu halten. Wer sein Kind beispielsweise an Flaschen mit zuckerhaltigem Babytee nuckeln lässt, riskiert, dass der Zucker in die Zahnanlagen eindringt und die Zähne Karies entwickeln, bevor sie herauskommen.

Wenn Ihr Baby sich die Zähne nur ungern putzen lässt, versuchen Sie, ein Spiel daraus zu machen. Viele Kinder lassen sich damit locken, dass Sie im Gegenzug gleichzeitig Mama oder Papa die Zähne putzen dürfen. Einige Babys bevorzugen zunächst auch einen weichen Fingerling gegenüber der härteren Zahnbürste oder putzen sich die Zähne selber. Letzteres ist natürlich nicht mit dem korrekten Zähneputzen zu vergleichen, übt das Putzen aber spielerisch.

Das ist im 6. Monat wichtig

Im 6. Monat, spätestens aber im 7. Monat steht die nächste Vorsorgeuntersuchung an:

Nehmen Sie die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahr – sie dienen dazu, Entwicklungsstörungen oder -verzögerungen frühzeitig zu erkennen. Je früher Probleme erkannt werden, desto besser kann man sie behandlen. Außerdem können Sie diese Termine dazu nutzen, Unsicherheiten und Fragen direkt mit dem Kinderarzt zu besprechen.


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